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Debatte um Möbelhausansiedlungen: Investition von 100 Mio. Euro und bis zu 800 neue Arbeitsplätze allein im Indupark

Die Neuansiedlung von Wegmüller in Köln-Pulheim – so könnte auch das Haus in Dortmund aussehen. Foto: Segmüller

Von Thomas Engel und Alexander Völkel

Die Diskussionen um die Ansiedlung der beiden Möbelhäuser Segmüller im Indupark und XXXLutz in der Nordstadt gehen in die nächste Runde. Verantwortliche der Unternehmen, Projektentwickler und GutachterInnen standen dem Planungsausschuss und den beiden betroffenen Bezirksvertretungen Rede und Antwort. Denn es geht um einiges: Die Nachbarstädte laufen Sturm gegen die beiden Neuansiedlungen. Sie fürchten um die Pfründe ihrer eigenen Möbelunternehmen. Denn Segmüller will rund 100 Millionen Euro im Indupark investieren und 700 bis 800 Arbeitsplätze schaffen. Bei XXX Lutz in der Nordstadt fielen die Investitionen nicht wesentlich geringer aus. 

Bedenken wegen des Standortes von Segmüller und der Verkehrsbelastung

Ludger Wilde (re.) freut sich über das große Interesse der Möbelunternehmen am Standort Dortmund. Foto: Roland Gorecki/ Dortmund-Agentur

„Wir freuen uns, dass sich zwei große Möbelhäuser für Dortmund interessieren und auch mit eigenen gesicherten Grundstücken antreten“, betont Planungsdezernent Ludger Wilde. 

Doch die Vorhaben stoßen nicht nur wegen der Bedenken aus den Nachbarstädten, die gegenwärtig noch vom massiven Kaufkraftabfluss aus Dortmund profitieren, auf Kritik. Auch heimische KommunalpolitikerInnen hatten sich kritisch zu Wort gemeldet. Vor allem die CDU möchte die geplante Fläche am Sorbenweg für eine Erweiterung des Technologieparks erhalten. Auch mögliche Verkehrsprobleme sorgen für Skepsis.

„In Gremien sind auf Bezirks- als auch auf Ratsebene Anträge und Fragen formuliert worden. Viele Dinge sind offen geblieben“, räumt Wilde ein. Daher wurden mehrere Gutachten beauftragt und die Informationsrunde eingeladen. „Wir wollen Informationsinput geben, bevor man nach der Sommerpause in die Entscheidungsphase eintritt“, erläutert der Planungsdezernent. 

Dortmund würde mit den beiden Häusern seine Möbelverkaufsfläche mehr als verdoppeln

Mit der Ansiedlung der Möbelhäuser würde eine bedeutende Ausweitung des Angebotes im Bereich Möbel in Dortmund erfolgen. Aktuell verfügt Dortmund über eine Verkaufsfläche von ca. 77 000 Quadratmetern im Bereich Möbel (Stand Masterplan Einzelhandel 2013). Mit den geplanten Ansiedlungen würde sich die Verkaufsfläche im Bereich Möbel mehr als verdoppeln. Damit einher ginge eine Erhöhung der Zentralität im Bereich Möbel. 

Aktuell werden nur ca. 60 Prozent der in Dortmund vorhandenen Kaufkraft im Bereich Möbel durch das bestehende Angebot gebunden. Etwa 40 Prozent der vorhandenen Kaufkraft fließen an Standorte in die umliegende Region. Infolge der Ansiedlung beider Möbelhäuser würden ca. 138 Prozent Kaufkraft gebunden. Dadurch würde Dortmund in seiner Funktion als Oberzentrum gestärkt.

Zum Vergleich: Aktuell werden in Bochum 137 Prozent Kaufkraft und in Witten 255 Prozent Kaufkraft im Bereich Möbel gebunden. Bei Markteintritt der beiden geplanten Möbelhäuser in Dortmund läge die Kaufkraftbindung in Bochum nur noch bei 112 Prozent und in Witten bei 198 Prozent (GMA-Berechnung 2017/2018).

Das geplante Möbelhaus in der Nordstadt brächte weniger Probleme mit sich

In der Hildastraße am nördlichen Ausgang der Nordstadt möchte XXXLutz ein neues Möbelhaus errichten.

Einzelhandelsgutachter Jörg Lehnerdt von der BBE Handelsberatung in München hat vor allem die Auswirkungen der Neuansiedlung des Möbelhauses in der Nordstadt mit seinen 40.000 Quadratmetern Verkaufsfläche auf eine mögliche Umsatz- und Kaufkraftverschiebung hin untersucht.

Wegen der Begrenzung der Randsortimente auf sechs Prozent am Gesamtangebot rechnet er weder mit negativen Auswirkungen auf die Innenstadt noch für die Nebenzentren. Auch die Folgen für die Nachbarstädte hält er für sehr überschaubar. Denn viele Wettbewerber  – sie befinden sich nicht in Dortmund – hätten ganz gut davon gelebt, „dass Dortmunder nicht viel Auswahl im eigenen Stadtgebiet haben“, so Lehnerdt. 

Es werde durch die Ansiedlung von XXX Lutz in der Hildastraße vor allem eine Rückverlagerung geben – so dass mehr DortmunderInnen wieder in der eigenen Stadt kaufen könnten. Er erwartet keine massiven Käuferströme von außen – allenfalls noch aus Lünen. 

Allerdings wären die Auswirkungen im Zusammenhang mit dem weiteren Möbelhaus im Sorbenweg, welches die Segmüller-Gruppe bauen will, kritischer zu diskutieren.

Doch Bedenken hat er nicht: „Die Spielregeln des Masterplans werden eindeutig eingehalten. Wir sehen auch keine Probleme mit der Landesplanung.“ – Es sei weder ein falscher Standort, noch eine zu gewichtige Ansiedlung. Der Standort erfülle alle Regularien und löse keine großen Probleme aus.

Keine unüberwindlichen Verkehrsprobleme auf Hilda- und Bornstraße zu erwarten

Für den Standort Hildastraße sehen die Gutachter keine Probleme. Foto: Roland Gorecki/Dortmund-Agentur

Davon geht auch Verkehrsgutachter Michael Vieten von der IGS Stolz in Neuss aus: Der zu erwartende Verkehr stelle kein besondere Herausforderung dar: „Die Verkehre können abgewickelt werden über Hildastraße und Bornstraße.“

Die Verkehrsprognose geht von rund 1.600 PKW-Kunden am Tag aus – an Samstagen liegt sie mit 3.500 Autos deutlich höher. Dafür gebe es dann aber weniger Pendler auf der Bornstraße. An Werktagen seien die Verkehre durch eine Anpassung der Ampelschaltung in den Griff zu bekommen. 

Und nach Fertigstellung der Nordspange könne der Verkehr darüber abgewickelt werden. „Die bisherige Planung der Nordspange kann unverändert übernommen werden. Der geplante Vollsortimenter löst keine Veränderungen aus – außer bei Ampeln.“

Daher hofft Projektentwickler André Kleinpoppen auf eine baldige Entscheidung:  „Nach langer Suche haben wir uns 2014 für das Grundstück entschieden. Dortmund verträgt ein Möbelhaus. Es hat sich hoffentlich gelohnt, das Grundstück zu erwerben. Wir sind guter Hoffnung.“

Deutliche Kaufkraftveränderungen erwartet – Wettbewerber können das aber verschmerzen

Die Ansiedlung von Segmüller im Indupark würde für größere Herausforderungen sorgen. Foto: Roland Gorecki/ Dortmund-Agentur

Größere Auswirkungen bei Kaufkraftverschiebung und Verkehr könnte aber die geplante Ansiedlung von Segmüller am Sorbenweg auslösen. Hardeck in Bochum, Ostermann in Witten und Zurbrüggen in Unna bekämen die Ansiedlung zu spüren. Allerdings seien alle Wettbewerber sehr leistungsfähig und umsatzstark, macht Gutachterin Monika Kollmar von Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) in Köln deutlich.

Sie rechnet mit einem Umsatzverlust für den Wettbewerber von 15 Prozent, wenn Segmüller alleine an den Start geht. „Wenn beide Möbelhäuser kommen, gibt es bis zu 20 Prozent Verlust bei den umliegenden Häusern. Aber das ist ja normaler Wettbewerb.“ 

Auch sie unterstrich, dass das Umland davon profitiere, dass es im Oberzentrum Dortmund bisher keinen Vollsortimenter, sondern nur Ikea und Discounter gebe. Daher gebe es sehr große Kaufkraft-Abflüsse aus Dortmund. 

Durch die Neuansiedlung werde das ein Stück weit korrigiert. „Trotz der zu erwartenden Umsatzverluste werden die Wettbewerber weiter leistungsfähig sein und Umsätze haben, die über dem Branchenschnitt liegen“, rechnet Kollmar vor. „Die Wettbewerber klappern mit den Zähnen – das glaube ich. Aber sie werden nicht solche Einbußen haben, dass sie schließen müssen. Sie sind sehr leistungsfähig.“

Indupark: Verkehrsbelastung schon jetzt großes Problem – Verschärfung durch Neuansiedlung

Am Sorbenweg soll das neue Segmüller-Haus mit 45.000 Quadratmetern Verkaufsfläche entstehen.

Entscheidend sei ja zudem nicht das Wettbewerbsrecht, sondern das Baurecht. Und da sieht sie auch durch Segmüller keine negativen Auswirkungen auf die Dortmunder City und die Nebenzentren, wenn der Anteil von Haushaltswaren, Heimtextilien, Lampen, Bildern und Bilderrahmen auf sechs Prozent begrenzt würde. Zum Vergleich: Die Wettbewerber haben in diesen Segmenten ein deutlich größeres Angebot – zum Nachteil der Zentren. „Aber damit können Möbelhäuser gut leben“, glaubt sie.

Größte Baustelle bei der Ansiedlung am Sorbenweg wäre die Verkehrsplanung. Diese hat Gutachter Dr. Philipp Ambrosius vom Büro Ambrosius-Blanke untersucht. Das Problem: Schon jetzt ist die Verkehrssituation dort angespannt – vor allem am Samstag. Insbesondere im Bereich von Ikea gibt es bereits jetzt massive Wartezeiten. Und auch auf an den Abfahrten der A40 komme es zu massiven Rückstauungen, weil es dort nur eine Abbiegerspur auf die Borussiastraße gebe.

Und gerade da brächte das neue Möbelhaus zusätzliche Verkehre mit sich. Einen massiven Ausbau der Straßen wird es schon aus Platzgründen nicht geben können. Daher schlägt er Anpassungen bei den Ampelsteuerungen sowie eine zusätzliche Linksabbiegerspur im Bereich der A40 vor. Davon profitierte der Indupark auch jetzt schon – unabhängig von der geplanten Neuansiedlung von Segmüller. 

Segmüller will Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose und Menschen über 50 schaffen

Segmüller-Chef Reinhold Gütebier warb für die Neuansiedlung seines Unternehmens in Dortmund.

Eindringlich warb Reinhold Gütebier – Sprecher der Geschäftsführung der Unternehmensgruppe Hans Segmüller – für die Neuansiedlung seines Unternehmens. Er versprach ein „Möbelhaus der Extraklasse“, welches die gesamte Bandbreite von günstigen Produkten zum Einstieg bis zu teuren Marken anbieten werde. 

Sein Argument ist dabei der Kampf „gegen die Dienstleistungswüste in Deutschland“. Er kündigte zudem die Schaffung von 700 bis 800 Arbeitsplätzen in Kley an. „Wir stellen uns der sozialen Verantwortung“, so Gütebier. Wie auch bei früheren Neuansiedlungen werde sein Haus wieder verstärkt Menschen aus der (Langzeit-)Arbeitslosigkeit holen und auch gezielt Menschen im Alter von über 50 Jahren einstellen – auch solche, die in Teilzeit arbeiten oder ins Berufsleben zurückkehren wollen.

Teils 45 Prozent der neuen Beschäftigten seien Arbeitslose gewesen.  Auch das fortgeschrittene Lebensalter sei dem Unternehmen wichtig: „Wir suchen gerade Menschen 50+. Das ist seit 1998 unsere Marke. Wir brauchen doch gerade Menschen mit Lebenserfahrung, die die Wirklichkeit der Kunden kennen“, so der Segmüller-Chef.

Kontroversen im Fachausschuss – insbesondere CDU äußert Bedenken zu Sorbenweg/Indupark

Planungsfachmann Uwe Waßmann (CDU) hat u.a. Bauchschmerzen wegen des Technologiezentrums. Foto: Carmen Körner

Was sich mit Blick auf das Investitionsvolumen und die Schaffung neuer Arbeitsplätze durch die Neuansiedlungen positiv ausnimmt, stieß bei den PlanungsexpertInnen im Ausschuss für Umwelt, Stadtgestaltung und Wohnen (AUSW) unter anderen Gesichtspunkten allerdings nicht auf ungeteilte Zustimmung. Vor allem die CDU meldet hier einige Bedenken an.

So triebe sie etwa um, erklärt ihr Sprecher Uwe Waßmann, was bei 76.000 qm Verkaufsfläche in Dortmunder Möbelhäusern passierte, wenn plötzlich etwa 85.000 qm hinzukämen: Wie ginge man in der Region damit um, gäbe es in der Folge eine Kanalisierung bei den Arbeitsplätzen. Hinzu kämen Flächen- und Verkehrsproblematiken. Beim Sorbenweg sei es eine Flächenproblematik, dergestalt, dass sich die geplante Neuansiedlung auf eine Ergänzungsfläche für das Technologiezentrum Dortmund bezöge.

Hier sei die Frage, zugespitzt: „Ist es für Dortmund, für die zukünftige Entwicklung an einer Stelle sinnvoll, sich gegen eine weitere Entwicklung des Technologiezentrums Dortmund zu entscheiden, was ein wichtiger Inkubator für den weiteren Strukturwandel ist, im Umfeld der Uni und mit der örtlichen Nähe zu ihr – zugunsten eines Möbelhauses?“ – fragt der planungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion rhetorisch in die Runde.

Und macht die Position seiner Partei klar: „Wir halten diese Fragestellung für äußerst wichtig, was auch schon ein bisschen die Tendenz geben soll, wofür wir eher stehen“.

Grüne priorisieren ebenfalls Hildastraße und haben wie Linke/Piraten ökologische Aspekte im Blick

Auch für Bündnis90/Grüne sind städtebauliche Probleme entscheidend, wie Sprecherin Ursula Hawighorst-Rüßler klarstellt. Denn eine Erweiterung des Technologieparks als ein Ziel teile ihre Fraktion; Huckarde-Nord etwa könne für ein solches Vorhaben keine Alternative sein. Deswegen habe man sich priorisiert für nur einen Standort, was die Hildastraße sein könne, so Hawighorst-Rüßler.

Dort wolle man aber auf jeden Fall – entsprechend den Empfehlungen des Beirats bei der unteren Naturschutzbehörde – eine Grünschneise vorgesehen bekommen, was eine analoge Umplanung erfordere. Ein solcher Grünzug, der sich dann nördlich der Nordspange quer durch das Stadtgebiet entwickeln müsste, sei ihnen sehr wichtig, macht sie im Namen ihrer Fraktion deutlich.

Auch Utz Kowalewski (Linke/Piraten) stärkt ökologische Perspektiven im Zusammenhang mit der anvisierten Neuansiedlung der Möbelhäuser: Ob denn neben den Berechnungen über das zu erwartende Verkehrsaufkommen im Umfeld der Möbelhäuser auch solche über die voraussichtlich entstehende Lärmbelästigung angestellt worden seien, möchte er von den ExpertInnen wissen.

Des Weiteren: ob dies vertretbar sei in Gebieten, wo hinterher Menschen wohnten, wenn es denn um ASB-Flächen (Flächen des allgemeinen Wohnbereichs) ginge. – Nein, es seien noch keine Lärmgutachten angestellt worden, so Michael Vieten von der IGS Stolz. Und Planungsdezernent Ludger Wilde stellt in diesem Zusammenhang klar: ASB hieße nicht, dass dort auch Wohnen möglich sein müsse. Die Flächen könnten auch anderweitig genutzt werden.

Umstritten: Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Umgang mit Widerstand aus der Region

Welche Zukunft hat der Flächenhandel mit Möbeln, wenn immer mehr über’s Intenet verkauft wird?

Zu den regionalpolitischen Folgewirkungen und den Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt bei Neuansiedlung zweier Möbelhäuser werden ebenfalls kritische Stimmen laut.

Uwe Waßmann befürchtet auf der Basis neuerer Gutachten zur Marktentwicklung von 2017 und entgegen der im Ausschuss vorgelegten Analysen der ExpertInnen, dass nicht mit einer Umsatzsteigerung zu rechnen sei, sondern vielmehr mit einer starken Konzentration. Es werde daher Verdrängung stattfinden, vielleicht analog zu den Baumärkten in der Vergangenheit, argumentiert er.

Das sieht Utz Kowalewski ähnlich und fügt hinzu: Wenn die Nachbarmärkte nach den Ausführungen der ExpertInnen Umsatzverluste erlitten, dann wollten die das natürlich kompensieren, so Kowalewski: also unter Umständen bei den Arbeitsplätzen.

Zudem sei eine Frage zu stellen, bringt Waßmann einen weiteren Aspekt ins Spiel, die bei den Expertisen ebenfalls nicht berücksichtigt worden sei: Welche Zukunft habe der großflächige Möbeleinzelhandel überhaupt – vor dem Hintergrund, dass er im Online-Handel stärker tätig werden müsse, weil das Kundenverhalten ihn dazu zwingen werde. Was aber solle dann mit diesen großen Flächen in Dortmund geschehen, in zehn, fünfzehn Jahren, prognostiziert der CDU-Mann implizit Absatzschwierigkeiten beim Flächenhandel für die Zukunft.

Auch zur Bedeutung eines regionalpolitischen Konsens zur Realisierung der Vorhaben gehen die Auffassungen offenbar auseinander: Insbesondere die CDU möchte hier die Interessen der regionalen Partner stärker berücksichtigt wissen, so dass es zu einer Einigung komme, wie Waßmann nicht zum ersten Mal die Position seiner Partei in dieser Frage anzeigt.

Zudem ist der Möbeleinzelhandel dem CDU-Planer zufolge nicht zwingend Aufgabe eines Oberzentrums wie Dortmund. Stattdessen bringt er Alternativen ins Spiel, etwa eine Landesbehörde in der Stadt.

Problemkind Knotenpunkt Borussiastraße/Kleyer Weg: ohne Möbelhaus bleibt alles beim Alten

Am Ende der Debatte noch einmal die Frage nach dem Verkehrsaufkommen rund um den Indupark. Hier war nach Gutachter Philipp Ambrosius der Knotenpunkt Borussiastraße/Kleyer Weg das Sorgenkind und die Ergebnisse der diesbezüglichen Leistungsfähigkeitsbeurteilung sind eindeutig: die Umlaufzeit der Grünphase von Ampeln müsse erhöht werden, was einiges, aber eben nicht genügend Entlastung brächte. Ein größerer Umbau im Knoten zur Einrichtung einer zweiten Linksabbiegerspur von der A40 ist für Ambrosius daher unumgänglich.

Uwe Tietz (Bündnis90/Grüne) stellt daraufhin die – im Namen aller motorisierten und jeden Samstag gequälten Indupark-BesucherInnen – naheliegende Frage: Inwieweit wären die beim Indupark – wo jetzt schon an besagten Samstagen Kapazitätsgrenzen des Verkehrs überschritten würden – vorgeschlagenen verkehrstechnischen Lösungen auch gerechtfertigt, wenn es zu keiner Ansiedlung eines Möbelhauses käme?

Darauf hat Planungsdezernent Wilde eine klare Antwort: Abgesehen davon, dass die Ampelphasen aus technischen Gründen nicht quasi im Handstreich umgestellt werden könnten, stünde eine Verbesserung des Verkehrskonzepts rund um den Indupark augenblicklich nicht im Arbeitsprogramm der Stadt.

Denn es handele sich hier um eine größere Maßnahme, die auch baulich durchgeführt werden müsste – im Übrigen finanziert von Segmüller für den Fall einer Realisierung des Vorhabens am Sorbenweg. Mit anderen Worten, so Wilde: Wenn es dort kein Möbelhaus gäbe, würde das Thema auch nicht nach vorne gezogen.

Geduldsspiel – Gremien werden im September über das Planvorhaben entscheiden

Nördlich der Hildastraße soll das neue Möbelhaus gebaut werden. Karte: www.mapz.com

„Wir werden die Gutachten in die Gremien spielen. Ich habe aber wenig Hoffnung, dass wir die Bedenken ausräumen können“, so Planungsdezernent Ludger Wilde. „Wir versuchen, mit Fakten zu überzeugen und in die Planverfahren zu gehen. Dann braucht es einen politischen Willen, ggf. die regionalen Bedenken zurückzustellen oder anders zu entscheiden. Wir bereiten das faktenmäßig auf. Dann müssen andere die Entscheidung treffen.

Auf eine schnelle Entscheidung hoffen die Investoren – vor allem Projektentwickler Kleinpoppen. 2014 hätten sie das Grundstück Hildastraße in der Nordstadt von ThyssenKrupp gekauft. Normalerweise werde dann ein Vorhaben in drei bis vier Jahren realisiert. Hier sei das anders. 

„Aber wir sind nicht in der Situation, dass das 2019 oder 2020 realisiert sein muss. Wir sind geduldig, weil wir geduldig sein müssen. 2021 wäre sehr schön“, macht Kleinpoppen deutlich. Los gehen soll es dort auf jeden Fall so schnell wie möglich – unabhängig davon, ob die Nordspange fertig ist oder nicht.

Auch Segmüller-Chef Gütebier übt sich in demonstrativer Gelassenheit: „Wir sind sind geduldig, aber wollen so schnell wie möglich loslegen.“ Er geht von drei bis vier Jahren bis zur Realisierung seiner rund 100 Millionen Euro schweren Investition aus.

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2 Gedanken über “Debatte um Möbelhausansiedlungen: Investition von 100 Mio. Euro und bis zu 800 neue Arbeitsplätze allein im Indupark

  1. SPD-Ortsverein Marten

    SPD Unterbezirk Dortmund lehnt Möbelhaus im Indupark ab

    Auf Antrag des SPD-Ortsvereins Marten hat der Beirat – ein kleiner Parteitag – des SPD-Unterbezirks Dortmund in seiner Sitzung am Dienstag den Bau eines Möbelhauses im Indupark abgelehnt. Der Antrag befürwortet den Bau zunächst eines Möbelhauses in Dortmund. Sollte sich im Nachhinein erweisen, dass ein zweites Möbelhaus wirtschaftlich verkraftbar sei, dann könne eine weitere Ansiedlung erneut diskutiert werden. Ein Standort im Indupark und Technologiezentrum wird abgelehnt.

    Ebenfalls in dieser Woche veröffentlichte die Stadt Dortmund ein Gutachten, das die wirtschaftliche und verkehrliche Verträglichkeit von zwei Möbelhäusern bestätigt. Dazu Martin Schmitz, Vorsitzender der SPD-Ortsvereins Marten: „Leider verschweigt auch diese neue Gutachten, dass beim Bau eines Möbelhauses der Verkehr auf dem Alten Hellweg zunehmen wird und damit ein Wohngebiet belastet wird. Daher lehnen wir den Standort am Sorbenweg ab und fordern die Stadt auf, endlich Stellung dazu zu nehmen, wie sich der Verkehr unmittelbar am Alten Hellweg durch den Bau eines Möbelhauses am Sorbenweg entwickeln würde.

    Außerdem wird weiterhin ignoriert, welche Auswirkungen der Betonklotz zuzüglich Großparkplatz auf die Hochwassersituation im Martener Polder haben wird. Es ist irrsinnig, dass auf der einen Seite die Stadt Dortmund im Rahmen von Nordwärts rund um Marten Klima-Inseln errichten will, die auch einen Beitrag zum Hochwasserschutz leisten sollen und auf der anderen Seite direkt am Oespeler Bach eine riesige Fläche versiegeln will.“

  2. Cornelia Wimmer

    Noch immer wird der Plan engagiert verfolgt: Wenn es geht zwei Möbelhäuser, und wenn man zwei nicht kriegt, dann doch wenigstens ein großes Möbelhaus in Dortmund. Das Geschenk für den Dortmunder Norden soll an der Hildastraße stehen.
    1600 PKs prognostiziert das Verkehrsgutachen, an Samstagen 3500. Unterstellt man die 10-stündige Öffnungszeit schon exisierender XXXLutz-Filialen, so sind das 3200 bzw. 7000 Fahrten, stündlich etwa 320 (montags-freitags) und 700 (samstags). Nicht schlecht. – Aber was ist eigentlich mit dem Zuliefer-Verkehr? Wer bringt wann die Küche, die Schrankwand, die Sofagarnitur dahin, wo der Käufer sie finden, toll finden und ordern soll? –
    Falls die neuen Möbelhäuser kommen, wird zwischen Dortmund, Herne, Bochum und Witten kein einziges Sofa mehr verkauft werden. – Wie auch, mehr Geld haben die Leute nicht und mehr einzurichtenden Wohnraum gibt es auch nicht . – Statt wie bisher z.B in Witten, wird das gute Stück halt in Dortmund verkauft. Kundengewinn? Keiner, von einer eventuell kürzeren Anfahrtszeit mal abgesehen.
    Aber: Meins bleibt meins, unseres bleibt unseres, von unserer Kaufkrakt wollten auch wir die Gewerbesteuer kassieren. Dafür versiegeln wir Flächen, generieren Verkehre und Lärm und Gestank und schädigen das Stadtklima und das Klima überhaupt. – Eine lebenswerte Stadt, ordentliche Luft, ein aushaltbarer Geräuschpegel, Wege für Fußgänger und Radfahrer, – über all das reden wir ein andermal. Erst bauen wir, dann kümmern wir uns um die Schadensbegrenzung.
    Eigentlich sind die Ruhrgebietsstädte, die sich einen für alle Beteiligten ruinösen ökonomischen Wettkampf liefern, längst EINE Stadt, eine Metropole Ruhr. – Und sie könnten so wunderbare Dinge wie riesige Möbelhäuser und andere Brocken, die Platz und Infrastruktur belegen, vernünftig verteilen und im Interesse aller begrenzen. Es wäre ein Segen für alle.

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