Nordstadtblogger

Mordprozess Schalla: zweiter Befangenheitsantrag abgelehnt – Blutgruppenbestimmung des Angeklagten in Arbeit

Der Angeklagte Ralf H. und sein Pflichtverteidiger Gencer Demir. Ein erneuter Befangenheitsantrag der Verteidigung wurde abgelehnt, sodass der Prozess heute fortgesetzt werden konnte. Fotos: Sascha Fijneman

Im Prozess um den Mordfall Nicole-Denise Schalla aus dem Jahr 1993 haben die zuständigen RichterInnen der 39. Strafkammer des Landgerichtes Dortmund einen weiteren Befangenheitsantrag gegen das Gericht abgelehnt. Die Verteidigung, allen voran der Angeklagte Ralf H. selbst, hatte sich erneut über die Prozessführung beschwert und warf dem Gericht Verschleppung vor. Man fühle sich nicht als Verhandlunsgpartei behandelt, zu oft habe man erst spät Akteneinsicht zu bestimmten Prozessabläufen erhalten oder sei erst sehr spät oder gar nicht über diverse Zeugenladungen informiert worden. Außerdem war man sich uneinig über die Zulässigkeit einer vom Gericht angeordneten Blutgruppenbestimmung des Angeklagten.

Gericht hat Blutgruppenbestimmung des Angeklagten angeordnet

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Peter Windgätter. Foto: Sascha Fijneman

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Peter Windgätter bleibt weiterhin zuständig.

Im Prozessverlauf wurde bereits erwähnt, dass neben den Spuren des Angeklagten am Tatort damals zwei blonde Haare sichergestellt werden konnten, eines am Körper des Mädchens und eines an einem Gebüsch am Tatort. Da das blonde Haar nun einmal nicht zum dunkelhaarigen Ralf H. passt, wurde dies während der Verhandlung zunächst nicht weiter thematisiert.

___STEADY_PAYWALL___

Das Spurenmaterial eignete sich nicht für eine DNA-Analyse, aber es wurde damals eine Blutgruppentypisierung vorgenommen. Um nun Gewissheit zu erlangen, dass diese Spuren tatsächlich nicht dem Angeklagten zuzuordnen sind, bat das Gericht diesen um eine freiwillige Blutgruppenbestimmung.

Ralf H. verweigerte sich jedoch mit der Begründung, dass dies zu nichts zu führe und es aufgrund der Haarfarbe offensichtlich sei, dass die Haare nicht von ihm stammen könnten. Daraufhin wurde die Typisierung vom Gericht zwangsangeordnet. Dies sei Beweis dafür, dass RichterInnen und Schöffen seiner Person voreingenommen gegenüber stünden.

Eventuelle Ladung einer neuen Zeugin, die sich im Zuge des Verfahrens bei der Polizei meldete

Wahlverteidiger Dreier und Pflichtverteidiger Gencer Demir hatten erneut einen Befangenheitsantrag gestellt.

Am heutigen Verhandlungstag beantragte Nebenklageanwältin Arabella Pooth die Ladung einer weiteren Zeugin, die sich im Zuge des Verfahrens bei der Polizei Dortmund gemeldet hatte. Laut Pooth könnte diese Informationen zu den sexuellen Neigungen des Angeklagten beitragen. Dass Ralf H. sadomasochistische Vorlieben haben soll, war schon mehrfach angesprochen worden.

Das Gericht wird sich darüber beraten, ob die Vernehmung der Zeugin gewichtige Informationen für die Beweisaufnahme beisteuern kann und dann über ihre Ladung entscheiden. Der Vorgang der angeordneten Blutgruppenbestimmung des Angeklagten ist in Arbeit. 

Außerdem steht weiterhin ein Gutachten eines Handchirurgie-Spezialisten des Klinikums Dortmund aus, das Aufschluss über Handgelenksverletzungen und diesbezügliche chirurgische Eingriffe beim Angeklagten geben soll. Ralf H. hatte in seiner Jugend intensiv Handball gespielt und musste aufgrund von Verletzungen mehrfach operiert werden.

Weitere Fortsetzungstermine, Urteil ist nicht vor Ende September zu erwarten

Laut Verteidigung sei es ihm seitdem nicht mehr möglich, beim Greifen den sogenannten Daumenschluss zu vollführen, was Beweis dafür sei, dass er nicht in der Lage gewesen sein könnte, das Opfer zu erwürgen.

Neben der Erledigung gerichtlicher Formalitäten wurden am nunmehr 18. Verhandlungstag weitere Fortsetzungstermine vereinbart. Der Prozess wird am 31. Jul weitergehen. Mit einem abschließenden Urteil ist nicht vor Ende September diesen Jahres zu rechnen.

Unterstütze uns auf Steady

Mehr zum Thema bei nordstadtblogger.de:

Landgericht Dortmund: Im Mordprozess Nicole-Denise Schalla verlangt der Angeklagte schnellen Freispruch

Zähe Beweisaufnahme im Mordprozess Nicole-Denise Schalla macht weitere Verhandlungstermine notwendig

Landgericht Dortmund: Im Mordprozess Schalla erhärtet weiterer DNA-Treffer Tatverdacht gegen den Angeklagten

Landgericht Dortmund weist Befangenheitsantrag im Mordprozess Schalla ab – Weitere Termine festgelegt

Landgericht Dortmund: Im Mordprozess Nicole-Denise Schalla stellt der Angeklagte Befangenheitsantrag gegen das Gericht

Landgericht Dortmund: Im Mordfall Schalla sollen unidentifizierte DNA-Spuren erneut untersucht werden

Turbulenter vierter Verhandlungstag im Mordprozess Schalla: Pflichtverteidiger beantragt Befreiung von seinem Mandat

Beiweisaufnahme im Mordfall Nicole-Denise Schalla: Verteidiger beantragen Aufhebung des Haftbefehls

Nach 25 Jahren startet der Prozess im Mordfall Nicole-Denise Schalla vorm Landgericht: Angeklagter bestreitet Tatvorwürfe

 

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Infos

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen