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8. Mai – Tag der Befreiung: Mehrere Versammlungen erinnern an das Kriegsende und die Befreiung vom Nationalsozialismus

Zum 8. Mai gab es zahlreiche Versammlungen in Dortmund. Die größte fand in Dorstfeld statt. Foto: Klaus Hartmann

Von Alix von Schirp

Zum Tag der Befreiung von Faschismus und Krieg am 8. Mai gingen in diesem Jahr trotz der Pandemie viele Menschen in Dortmund auf die Straße. Verschiedene Gruppierungen meldeten zu diesem Zweck corona-konforme Versammlungen an – aber nicht alle verliefen friedlich.

Jugendring Dortmund fordert gesetzlichen Feiertag und gestaltet eine Stadtbahn

In Kooperation mit der DSW21 entstand eine gestaltete Stadtbahn. Foto: Alix von Schirp

Die erste Versammlung des Tages veranstaltete der Jugendring Dortmund. Am Samstagmorgen luden die Organisator*innen zur Wambeler Schleife ein. Dort forderten sie, dass der 8. Mai zum Feiertag erklärt wird.

„Der 8. Mai symbolisiert den Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit, der Demokratie und Menschenrechte, der noch lange nicht abgeschlossen ist. Und an dem wir alle weiterarbeiten wollen und müssen“, so die Vorsitzende des Jugendrings, Sophie Niehaus.

Im Vorfeld der Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit DSW21 eine Stadtbahn gestaltet, die im weiteren Verlauf des Tages auf der Linie U44 zwischen Marten und der Endhaltestelle Westfalenhütte fuhr.

Die Anschläge in Halle, Kassel und Hanau zeigen, dass die antifaschistische Arbeit nie endet

Der Jugendring hatte mit DSW21 eine Aktion in Wambel organisiert. Foto: Alix von Schirp

Die Forderung nach einem Feiertag am 8. Mai unterstützte auch die Vorsitzende des Ausschusses für Kinder, Jugend und Familie, Anna Spaenhoff.

„Dieser Tag betrifft eben die, deren Vorfahren befreit wurden, die die es ermöglicht haben, dass wir hier heute alle stehen können, genauso aber wie jene, die man mahnen muss, dass das nie wieder passieren darf“, unterstrich Spaenhoff die Bedeutung dieses Tages für die Gesamtbevölkerung.

„Ein Jahr nach dem Ende der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten ergriffen die Dortmunder Jugendverbände eine vorbildliche lokale Initiative, um dauerhaft für Frieden, Freiheit und Völkerverständigung einzustehen“, kommentierte auch Polizeipräsident Gregor Lange in seiner Rede.

Er mahnte, dass die Anschläge in Halle, Kassel und Hanau zeigen, dass diese Arbeit nie ende und auch heute noch ein engagierter Einsatz für die Grundwerte der Demokratie und gegen menschenverachtenden Extremismus abverlangt werden. Die gestaltete Stadtbahn wird auch in den kommenden Wochen noch in Dortmund zu sehen sein.

Zwei Kundgebungen auf dem Wilhelmplatz – Botschaften: „Gegen jeden Antisemitismus“ und „#DorstfeldNazifrei“

Auf dem Wilhelmplatz entstand ein temporäres Graffito. Foto: Karsten Wickern

Am Mittag fand auf dem Wilhelmplatz in Dorstfeld eine Versammlung statt – angemeldet vom „Verein zur Förderung von Respekt, Toleranz und Verständigung in Dortmund-Dorstfeld e.V.“ und dem Projekt „Quartiersdemokraten“.

Mit dieser wollten die Organisator*innen ein Zeichen gegen den offen präsentierten Antisemitismus der Neonazis setzen. Zuletzt waren die Dortmunder Neonazis am 1. Mai mit einem an einen antisemitischen Satz erinnernden Banner auf dem Wilhelmplatz aufgefallen.

Für dieses Zeichen nutzten die Organisator*innen Musik und einer Graffiti-Aktion. Das Graffiti zeigte den Satz „Gegen jeden Antisemitismus“ und den Hashtag „#DorstfeldNazifrei“. Bei dieser Versammlung wurde spezifisch auf Redebeiträge verzichtet, um die Kunstaktion in den Mittelpunkt zu stellen, so Bezirksbürgermeister Ralf Stolze. An dieser Veranstaltung nahmen ca. 45 Personen teil. Die Versammlung verlief laut Polizei „ausnahmslos friedlich und ohne jegliche Störungen“.

Rangeleien zwischen Antifa und Polizei in Dorstfeld – Spontandemo zum Nordmarkt verläuft störungsfrei

Bei der Antifa-Demo kam es auch zu Konflikten mit der Polizei. Foto: Klaus Hartmann

Kurz nach dieser Versammlung fand eine von Antifa-Gruppen organisierte Standkundgebung am selben Ort statt. Diese startete mit circa 250 Teilnehmenden.

Als etwa 100 weitere Demonstrant*innen aus Bochum eintrafen, wurde die Versammlungsfläche nach kurzen Auseinandersetzungen mit der Polizei auf die Wittener Straße erweitert.

Als die Polizei den Ankommenden aufgrund der bereits leicht überschrittenen Teilnehmendenzahl für die bisherige Versammlungsfläche den Zugang zum Wilhelmplatz verwährte, eskalierten Einzelpersonen aus der Gruppe die Situation indem sie auf die Einsatzkräfte zurannten.

Klare Botschaften. Foto: Alix von Schirp

Die Beamt*innen drängten die Demonstrierenden aus Bochum zurück, um die Einhaltung der Infektionsschutzauflagen der Stadt gewährleisten zu können. Während dieser Maßnahme warf eine teilnehmende Person eine Plastikflasche auf die Einsatzkräfte.

Die Polizei berichtet außerdem von einem Teilnehmenden, der einen Beamten mit einem Stockangriff. Im weiteren Verlauf der Versammlung nahmen die Einsatzkräfte die Verdächtigen der beiden Vorfälle vorübergehend in Gewahrsam. Dabei kam es zu erneuten Auseinandersetzungen, bei denen die Polizei auch den Einsatzmehrzweckstock einsetzte.

Auf dem Dorstfelder Hellweg gab es Außeinandersetzungen zwischen Polizei und Neonazis

Antifa-Demonstration zum Tag der Befreiung in Dorstfeld auf dem Wilhelmsplatz 8. Mai 2021.

In den Redebeiträgen während der Kundgebung mahnten die Redner*innen, dass die Neonazis trotz ihrer veringerten Präsenz immer noch da sind. Trotzdem sei es nur eine Wunschvorstellung der rechten Szene, dass der Stadtteil ihnen gehöre.

Auch warfen die Sprechenden der Polizei vor, zu stark gegen die Versammlung der Antifa-Gruppen vorzugehen, während sich in der Nordstadt Neonazis in einer Gruppe von 15 Personen scheinbar frei bewegen können. Diese Gruppe war zuvor im Umfeld des linken Szenelokals „Nordpol“ gesichtet worden, später allerdings durch die Polizei überprüft und von dem Ort wegbegleitet worden.

Antifa-Demonstration zum Tag der Befreiung von Dorstfeld in die Nordstadt. Fotos: Klaus Hartmann

Aus diesem Grund fand im Anschluss an die Standkundgebung ein spontan angemeldeter Demonstrationszug statt. Dieser führte vom Wilhelmplatz über den Dorstfelder Hellweg und die Rheinische Straße in die Nordstadt und endete schließlich auf dem Nordmarkt. Auf dem Dorstfelder Hellweg kam es zu Außeinandersetzungen zwischen der Polizei und Akteuren des rechtsextremen Spektrums.

Die Polizei ermittelt gegen zwei Tatverdächtige, in einem Fall wegen Beleidigung, in dem anderen aufgrund eines tätlichen Angriffs auf Einsatzkräfte. Der Demonstrationszug verlief ansonsten störungsfrei. Lediglich der Straßenverkehr auf der Strecke des Aufzuges war zwischenzeitlich eingeschränkt.

Antifaschistische Kultur mit Musik, Texten, Gedichten auf dem Platz der Alten Synagoge

Tirzah Haase und Claus Dieter Clausnitzer boten Gedichten von Erich Fried zum 100. Geburtstag. Foto: Klaus Hartmann

Tirzah Haase und Claus Dieter Clausnitzer boten Gedichten von Erich Fried zum 100. Geburtstag.

Auch die zeitgleiche Veranstaltung des Bündnis Dortmund gegen Rechts auf dem Platz der Alten Synagoge verlief störungsfrei. Das Programm wurde künstlerisch gestaltet von Huggy Joerg Borghardt (Blues`n Boogie Piano), Até Logo (Samba) sowie Tirzah Haase und Claus Dieter Clausnitzer (mit Gedichten von Erich Fried zum 100. Geburtstag).

„Dieser Tag, der 8. Mai,  jährt sich zum 76. Mal und ist uns Anlass, den unter unendlichen Opfern errungenen Frieden in Europa und das Niederringen des Nazi-Regimes zu feiern“, betonte Bündnis-Sprecherin Ula Richter. „Mörderischer Rassismus und ein Raub- und Vernichtungskrieg gingen von deutschem Boden aus und wurden hier beendet.“

Eine Corona-konforme Veranstaltung gab es auf dem Platz der Alten Synagoge. Fotos: Klaus Hartmann

Als die Konzentrationslager befreit wurden, schworen die Überlebenden und alle Antifaschist*innen und Demokrat*innen: „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“

Diesem Schwur fühlen sich die Antifaschist*innen auch heute noch verpflichtet: „Wir setzen uns dafür ein, dass die Lehre des 8. Mai in Erinnerung bleibt und befolgt wird: Nein zu immer neuen Kriegen, nein zu Bundeswehreinsätzen in aller Welt, nein zu Rassismus und Faschismus“, sagte Richter in ihrer Rede.

Doch auch andere Facetten wurden thematisiert: „Ein klares Nein zur Ausbeutung von Mensch und Natur. Ja zur friedlichen Lösung von Konflikten, ja zu Demokratie und sozialer Gerechtigkeit“, hieß es vom Bündnis Dortmund gegen Rechts. Sie wurden von VVN/BdA, Dortmunder Friedensforum, Flüchtlingspaten, Die Linke, DIDF, VMDO, VOLT und DKP unterstützt.

Arbeitskreis gegen Rechts machte ein stilles Gedenken mit Kranzniederlegung auf dem Friedensplatz

Der Arbeitskreis Dortmund gegen Rechtsextremismus und der Förderverein der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache legten auf dem Friedensplatz Kränze nieder. Foto: Stephan Schütze

Der Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus und der Förderverein der Steinwache legten auf dem Friedensplatz Kränze nieder. Foto: Stephan Schütze

Ein Gedenken in aller Stille auf dem Friedensplatz hielten Vertreter*innen des Dortmunder Arbeitskreises gegen Rechtsextremismus ab. Sie legten an der Friedenssäule am Friedensplatz einen Kranz nieder.

Wegen der aktuellen Pandemielage hatte der Arbeitskreis auf eine Veranstaltung mit größerem Publikum verzichtet. Anders als sonst wurde der Festakt auch nicht von Reden und Statements zum Gedenken begleitet. Mit dabei auf dem Friedensplatz war der Beauftragte der Stadt Dortmund für Vielfalt und Toleranz, Manfred Kossack.

Auch Mitglieder des Fördervereins Gedenkstätte Steinwache waren beteiligt. Auch wenn man heute nicht laut und in großer Runde die Stimme erheben könne, sei es wie in jedem Jahr wichtig, diesen Gedenktag als historisches Ereignis und als Verpflichtung für die Gegenwart zu würdigen, sagte Pfarrer Friedrich Stiller, der den Arbeitskreis zusammen mit Dortmunds DGB-Vorsitzender Jutta Reiter als Sprecher vertritt.

Beide verwiesen im Anschluss auf eine Ausstellung zum Kriegsende in Dortmund, die im vergangenen Jahr am Gedenktag präsentiert worden war. Sie trägt den Titel: „75 Jahre Kriegsende: 8. Mai – unsere Verpflichtung“ und ist auf der Webseite des Arbeitskreises www.dortmund-rechts.de zu sehen.

Fotostrecke mit Bildern von Klaus Hartmann, Karsten Wickern und Alix von Schirp

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2 Gedanken über “8. Mai – Tag der Befreiung: Mehrere Versammlungen erinnern an das Kriegsende und die Befreiung vom Nationalsozialismus

  1. DIE LINKE.Dortmund: Zum 8. Mai: Tag der Befreiung (Presseerklärung)

    DIE LINKE.Dortmund: Zum 8. Mai: Tag der Befreiung (Presseerklärung)

    8. Mai 1945: Seit etwa 3 Wochen ist die Naziherrschaft in Dortmund beendet. – In deren letzten Tagen hatten noch etwa 300 Häftlinge und Zwangsarbeiter*innen ihr Leben lassen müssen, ermordet im Rombergpark.

    Für die Dortmunder Bürger*innen, soweit sie Naziherrschaft und Krieg überlebt hatten, war es die Befreiung von unsäglichem Terror und Leid. Die Stadt war von Zerstörungen schwer gezeichnet, – aber wenigstens fielen keine Bomben mehr und der tägliche Terror durch die Nationalsozialisten war beendet: Ein Aufatmen unter den Bedingungen großer Not, aber mit dem Wissen, dass etwas Neues begann.

    Dazu erklärt die Kreissprecherin der Dortmunder Linken, Cornelia Wimmer:“ Ein gesetzlicher Feiertag ist der 8. Mai hierzulande – leider – nicht. Es wäre nötig. – Das Wissen um die Schrecken der Naziherrschaft ist keineswegs allen gegenwärtig; sich zu faschistischen Werten bekennende, offensiv rechte Kräfte treten offen auf. Traditionelle antifaschistische Kräfte wie die VVN-BdA, Engagierte in der Bewahrung historischer Spuren wie die Botschafter der Erinnerung und weitere antifaschistische Zusammenschlüsse halten dagegen, zum Teil mit Rückhalt durch die Stadt Dortmund. Das soll so bleiben. Wir wollen KEINE Nazis. In dieser Stadt nicht, und anderswo auch nicht.“

    Kreissprecher Christian Seyda ergänzt: „Auch Krieg wollen wir nie, nie wieder. – Das sehen sicher alle Menschen in Dortmund so. Wir wünschen uns deshalb eine offensive Friedenspolitik: Wir wollen nicht auf Plakatwände schauen, auf denen „macht, was wirklich zählt“ wer sich für den Krieg ausbilden lässt. Wir möchten, dass alles dafür getan wird, dass die Bundeswehr nicht unter jungen Schüler*innen für Karrieren im Dienste des Tötens werben kann. Es freut uns, Thomas Westphal ebenso wie sein Vorgänger, Ullrich Sierau Major for peace ist und dass der Dortmunder Rat sich dem ICAN-Städteappell für das Verbot von Atomwaffen angeschlossen hat.

    Wir wünschen uns darüber hinaus eine offensive Friedenspolitik, ein Arbeiten gegen die Dämonisierung anderer Länder dieser Welt und ein Nein zu jeglicher Pflege von Feindbildern. Eine Kultur in diesem Sinne gilt es zu entwickeln.“

  2. Erinnerung an das Kriegsende 1945: Gedenken an die über 5000 Kriegstoten der ehemaligen Sowjetunion (PM)

    Erinnerung an das Kriegsende 1945: Gedenken an die über 5000 Kriegstoten der ehemaligen Sowjetunion

    Auf dem Dortmunder Hauptfriedhof ruhen mehr als 9000 Kriegstote aus dem 1. und 2. Weltkrieg. Darunter auch über 5000 Kriegstote der ehemaligen Sowjetischen Union. Der 9. Mai ist für die Menschen aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion ein besonderer Tag. Sie erinnern an diesem Tag an den Sieg über das faschistische Deutschland, das einen grausamen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion und die Menschen dort geführt hat. Es ist für viele Angehörige ein Tag der Trauer, denn der grausame Krieg kostete Millionen Menschen das Leben.

    Bürgermeister Norbert Schilff und der Vizekonsul der russischen Föderation, Sergej Alexandrowitsch Dolgopolow, haben die Gedenkstätte auf dem Hauptfriedhof besucht und der Toten gedacht. Dr. Stefan Mühlhofer, im Namen des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V., sowie die Botschafter*innen der Erinnerung haben den Toten Ehre erwiesen. Das Gedenken erfolgte auf Anregung des Historischen Vereins Ar.kod.M e.V.

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