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SERIE Nordstadt-Geschichte(n): Drei Heinrich Schröder schufen am Fredenbaum eine gastronomische Institution

"Alter Fredenbaum" - Schröders Gastwirtschaft, Münsterstr. 272, 1925 (Sammlung Klaus Winter)

„Alter Fredenbaum“ – Schröders Gastwirtschaft, Münsterstr. 272, 1925 (Sammlung Klaus Winter)

Von Klaus Winter

Der Fredenbaum ist das bekannteste Naherholungsziel im Dortmunder Norden. Hervorgegangen ist es aus einem uralten Waldareal, das über Jahrhunderte den heute nur noch selten zu hörenden Namen Westerholz trug. Der Wald wurde im Laufe der Zeit in mehreren Schritten massiv verkleinert und ausgedünnt. Es wurde ein Wegesystem angelegt und Attraktionen aufgebaut. Mit Einschränkungen hat der Wald seinen Charakter aber bis heute erhalten können.

Münsterstr. 272 bezeichnete einst ein Fachwerkhaus – der erste Wirt war auch Landwirt 

An der Ostseite des Waldes endet die heutige Münsterstraße und setzt sich nach Norden als Lindenhorster- und Evingerstraße fort. Nahe dieser Straßengabelung stand einst ein Wachturm der Stadt Dortmund – der Fredenturm – und es gab eine Wegeschranke als Grenz- und Zollbarriere. ___STEADY_PAYWALL___

Anzeige mit Hinweis auf den Omnibus zum Fredenbaum (Dortmunder Anzeiger, 16.06.1847)

Anzeige mit Hinweis auf den Omnibus zum Fredenbaum (Dortmunder Anzeiger, 16.06.1847)

Hier wurde auch ein Fachwerkhaus erbaut, das viele Jahrzehnte später die Anschrift „Münsterstraße 272“ erhielt. Das Baujahr des Hauses ist heute nicht mehr bekannt, wohl aber die Tatsache, dass darin eine Wirtschaft betrieben wurde. Die Wirtschaft am Fredenbaum lässt sich zunächst nur durch die Bezeichnung „Wirt“ für den Hauseigentümer belegen. Das war der 1781 geborene Johann Dietrich Heinrich Schröder, Rufname Heinrich.

Über seine frühe Tätigkeit als Wirt ist fast nichts bekannt. Die im Stadtarchiv Dortmund aufbewahrten Dokumente, die in diese Zeit fallen, befassen sich z. B. mit Pachtfragen. Denn das Grundstück, auf dem Schröder gebaut hatte und auch etwas Landwirtschaft betrieb, war Eigentum des städtischen Armenfonds.

Idyllische Lage war ein Trumpf des Lokals – Schröders Kutsche holte die Gäste zum Fredenbaum

Luftschifffahrt am Fredenbaum 1848! (Dortmunder Anzeiger, 06.05.1848)

Luftschifffahrt am Fredenbaum 1848! (Dortmunder Anzeiger, 06.05.1848)

Wie schnell und gründlich der Wirtshausbetrieb Schröders seine landwirtschaftliche Erwerbsquelle verdrängte, ist nicht feststellbar. Wohl aber die zunehmende Attraktivität des Lokals. Schröder konnte mit der idyllischen Lage seines Hauses weit außerhalb der Stadt trumpfen.

Er verfügte auch über eine große Wiese, die sich für allerlei Veranstaltungen anbot. Hier fand in den 1840er Jahren in den Sommermonaten Scheibenschießen statt, und vor staunendem Publikum stiegen Ballone mit Passagieren auf.

Weil nicht jeder von der Altstadt den doch recht weiten Weg zum Fredenbaum zu Fuß machen wollte oder konnte, bot bereits Heinrich Schröder (I) zumindest bei größeren Veranstaltungen einen regelmäßigen Kutschenbetrieb an.

Der zweite Schröder eröffnete eine Badeanstalt am Fredenbaum

Anzeige zur Eröffnung der Badeanstalt am Fredenbaum (Dotmunder Anzeiger, 27.05.1869)

Anzeige zur Eröffnung der Badeanstalt am Fredenbaum (Dortmunder Anzeiger, 27.05.1869)

Bis zu neun Personen konnten pro Fahrt befördert werden. In den frühen 1850er Jahren ließ Schröder einen Pavillon am Südrand seiner Wiese aufbauen. Es handelte sich um ein Gebäude, das zuvor als Kaffeewirtschaft am Burgtor gestanden hatte.

Heinrich Schröder (I) starb 1863. Da er zu dem Zeitpunkt bereits 82 Jahre alt war, dürfte er die Wirtschaft bereits an seinen 1820 geborenen Sohn Heinrich (II) übergeben haben.

Heinrich (II) hatte wohl seines Vaters Tatendrang im Blut. So eröffnete er 1869 eine Badeanstalt. Er bot Vereinen, Betrieben und sonstigen Veranstaltern einen Ort zum Feiern für andere Aktivitäten. Es gab große Feuerwerke und eine unglaublich hohe Anzahl Konzertveranstaltungen.

Der alte Saal des Fredenbaum wurde 1870/71 als Lazarett genutzt

Todesanzeige Heinrich Schröder (II) (Dortmunder Zeitung 27.01.1881)

Todesanzeige Heinrich Schröder (II) (Dortmunder Zeitung 27.01.1881)

Im Winter, wenn das gestaute Wasser auf der Wiese gefroren war, konnte man hier Eislaufen. Sehr beliebt waren die regelmäßig veranstalteten Kinderfeste. – Die Tradition der Kinder- /Schulfeste am Fredenbaum sollte sich fortsetzen bis in die 1930er Jahre!

Schröders „alter Saal“ sah auch ernstere Tage: Während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 war er zum Notlazarett umfunktioniert. Nach Kriegsende fand hier eine Siegesfeier statt, in dessen Rahmen eine Sieges-Eiche gepflanzt wurde.

Heinrich Schröder (II) war nicht nur ein bekannter, sondern auch ein von seinem Personal geschätzter Wirt. Anlässlich seines 50. Geburtstages schenkten seine Kellner und weiteres Personal ihm ein „feines Bierseidel“ mit eingraviertem Namenszug und gefüllt mit „edlem Rebensaft“.

Heinrich Schröder (II) starb „nach langen, mit großer Geduld ertragenen Leiden“ 1881 im Alter von 61 Jahren. Seine Nachfolge im Fredenbaum trat sein Sohn Heinrich (III) an. Der war beim Tode des Vaters schon 36 Jahre alt und verfügte zweifellos über genügend Berufserfahrung, um in dessen Fußstapfen zu treten.

Kloster-Brauerei kaufte Schröders Wirtschaft

1887 kaufte die Dortmunder Kloster-Brauerei der Gebr. Meininghaus die Schrödersche Wirtschaft mit allem Drum und Dran. Das war mehr als nur ein Eigentümerwechsel. Denn die Brauerei ließ sogleich neben dem alten Wirtshaus einen mächtigen Saalbau errichten.

Der große Saalbau drängte die alte Wirtschaft (links) in den Hintergrund (Slg. Klaus Winter)

Der große Saalbau drängte die alte Wirtschaft (links) in den Hintergrund (Slg. Klaus Winter)

Der neue Saal wurde 1889 fertiggestellt und bald als ein „Wunder Westfalens“ bezeichnet. Wichtiger war, dass er wegen seiner Größe, die alles im weiten Umfeld übertraf, die Veranstaltungspalette am Fredenbaum deutlich ausweitete.

Schröder gab im großen Saalbau noch einige Jahre den Ton an

Im Saalbau Fredenbaum fanden Ausstellungen und Feiern statt, die in den übrigen Sälen der Stadt nicht organisiert werden konnten, weil es dort an Platz mangelte. Trotz des Verkaufes blieb Heinrich Schröder (III) noch einige Jahre der Herr am Fredenbaum.

Doch dann zog er sich aus dem Berufsleben zurück. Im April 1894 wurde bekannt, dass zum 1. November ein Neuer die Leitung des Fredenbaum übernehmen würde. „Das ist ein Ereignis für unsere Stadt, denn der Name H. Schröder war seit langen Jahren mit dem Fredenbaum eng verknüpft“, kommentierte die Tagespresse.

Der letzte Heinrich starb nach seinem 50. Geburtstag

Todesanzeige Heinrich Schröder (III) (Dortmunder Zeitung 14.05.1895)

Todesanzeige Heinrich Schröder (III) (Dortmunder Zeitung 14.05.1895)

Heinrich Schröder (III) konnte sein Privatleben nicht lange genießen. Er litt „schon lange an den Folgen eines heimtückischen Übels“. Am 14. Mai 1895, wenige Tage nach seinem 50. Geburtstag, starb er an den Folgen eines Schlaganfalls.

In einem Nachruf hieß es: „Der Lieblingsausflugsort der Dortmunder, der Fredenbaum, ist unter ihm das geworden, was er heute ist: ein weit über die Grenzen der Provinz hinaus bekannter und beliebter Aufenthaltsort. Unter den schwierigsten Verhältnissen hat er seine Schöpfung auf diese Höhe gebracht und sie darauf erhalten.“

 

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