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SERIE Nordstadt-Geschichte(n): Ein monumentaler Schulkomplex sollte eine Zierde des Nordens werden

Entwurf des Schulneubaus der Architekten Pinno & Grund und Partner (Dortmunder Zeitung, 07.03.1929)

Entwurf des Schulneubaus der Architekten Pinno & Grund und Partner (Dortmunder Zeitung, 07.03.1929)

Von Klaus Winter

1928 hatte Dortmund sein Stadtgebiet durch die Eingemeindung benachbarter Gemeinden vergrößert. Eine weitere Eingemeindungswelle stand 1929 in Aussicht. In der massiven Ausdehnung des Stadtgebiets und der damit einhergehenden Steigerung der Bevölkerungszahl sah man aber nicht nur einen Bedeutungszuwachs für die Stadt. Sie offenbarte auch Probleme. So keimte die Einsicht, die weiterführende Schulbildung für die weibliche Jugend zu verbessen. Durch die Errichtung einer neuen Mädchengewerbeschule, einer Mädchenberufsschule und eines technischen Lehrerinnenseminars sollte Abhilfe geschaffen werden. Angestrebt wurde, diese drei Einrichtungen an einem Ort unter einem Dach zu vereinen. Dazu war der Bau eines Schulgebäudes notwendig, das von seinen Ausmaßen das größte der Stadt werden sollte.

Der Lortzingplatz sollte zum Standort des Schulneubaus werden

Als Standort für den monumentalen Schul-Neubau hatte man den Lortzingplatz ausersehen. Der wurde begrenzt von der Münster- und Burgholz- sowie der Gut-Heil und der heutigen Carl-Holtschneider Straße. An der Münsterstraße, gegenüber der damaligen Feuerwache, wollte man einen kleinen Platz anlegen, der als Vorplatz des neuen Schulkomplexes dienen sollte. Er sollte nach dem Komponisten Beethoven benannt werden. Den Beethovenplatz musste man von der Münsterstraße aus überqueren, um den zentralen Eingangsbereich der neuen Schule zu erreichen, der an seiner Ostseite vorgesehen war.

Lageplan zu einem Entwurf für den Schulneubau auf dem Lortzingplatz (Dortmunder Zeitung, 08.03.1929)

Lageplan zu einem Entwurf für den Schulneubau auf dem Lortzingplatz (Dortmunder Zeitung, 08.03.1929)

Auch ein Mädchenheim, Dienstwohnungen und Turnhallen waren notwendig

Für das Schulprojekt wurde ein Architekturwettbewerb ausgeschrieben. Zu berücksichtigen war, dass außer für die eigentlichen Schulzwecke auch Räumlichkeiten benötigt wurden, die für andere Zwecke zur Verfügung stehen sollten.

So waren z. B. ein Mädchenheim für auswärtige Schülerinnen, Dienstwohnungen für die Direktorin und Wirtschafterinnen sowie Turnhallen gewünscht. Zu beachten war auch, dass die benachbart gelegenen Grundstücke einer Kirchengemeinde nicht berührt werden durften.

Stadtbekanntes Architekturbüro gewann Wettbewerb – Sogar öffentlich zugänglicher Speisesaal geplant

Die Presse stellte die Gewinner des Wettbewerbs im März 1929 der Öffentlichkeit vor. Den ersten Preis errangen die in der Stadt bekannten Architekten Pinno & Grund in Verbindung mit den Architekten Franz & Franzius B. D. A.. Der preisgekrönte Entwurf sah ein Gebäude mit verschiedenen Flügelbauten vor, die insgesamt eine Fläche von 160 x 160 m beanspruchten. Hier konnten 45 Klassenräume untergebracht werden.

In dem an den Beethovenplatz grenzenden Gebäudetrakt war die Aula mit einem Fassungsvermögen von ca. 1.000 Personen vorgesehen. Es waren mehrere moderne Küchensysteme und zwei großzügige Speisesäle geplant: einer für die Schülerinnen, einer für die Öffentlichkeit. Jede der beiden Turnhallen hatte eine Grundfläche von 300 Quadratmetern. Die Fläche des Schul- und Turnhofes umfasste 4.000 Quadratmetern. Hier sollten Grünanlagen mit Brunnen angelegt werden.

Das Urteil über die Pläne von Pinno & Grund und Partner lautete: „Durch die Zusammenfassung des Riesenbauwerks in drei Hauptgebäude-Gruppen sind architektonisch wie auch städtebaulich reizvolle Bilder entstanden.“

Der Vorschlag eines geschwungenen Gebäudes errang den Zweiten Preis

Der 2. Preis ging an die Architekten Flerus & Konert, Dortmund.

Der zweite Preis des Wettbewerbs ging an die Architekten Flerus & Konert aus Dortmund.

Der zweite Preis ging an die Architekten Flerus & Konert, Dortmund. Ihre Arbeit sah „zum Beethovenplatz ein segmentartig geschwungenes Gebäude vor, welchem die beiden Turnhallen und die Aula (ca. 1.000 Sitzplätze) als niedriger Baukörper vorgelagert sind.“

Die Presse betonte, dass die Schulklassen weit möglichst entfernt vom Lärm der Münsterstraße und der anderen Straßen lagen und ebenso wie der Schulhof „reichlich“ Licht und Sonne genießen konnten. Die Umsetzung dieses Projektes hätte etwa drei bis vier Millionen Mark gekostet.

Dritter Preis wurde für einen an die Verkehrsgabel angepassten Vorschlag vergeben

Mit dem 3. Preis ausgezeichneter Entwurf des Schulprojekts (Dortmunder Zeitung, 18.03.1929)

Mit dem 3. Preis ausgezeichneter Entwurf des Schulprojekts (Dortmunder Zeitung, 18.03.1929)

Mit dem dritten Preis des Architektur-Wettbewerbs wurde die Arbeit des Architekten von Im-Thurn, Mitarbeiter Architekt Fr. Herbst gewürdigt: „Ein langgestreckter, parallel zum nördlichen Zuge der Münsterstraße gelegene Hauptbaukörper spannt sich mit seinen beiden schräg vorgelagerten Flügelbauten straff in die Verkehrsgabel ein“. Die Baukosten beliefen sich auf rund 3,2 Millionen Mark.

Was aus den Schulträumen wurde

Keines der ausgezeichneten Projekte sollte realisiert werden. Vorgesehen war vielmehr, dass die drei Preisträger eine Arbeitsgemeinschaft bildeten, der der Auftrag für die Ausführung erteilt werden sollte. Doch dazu kam es nicht.

Der große Schulkomplex wurde nie gebaut. Der Lortzingplatz ist deshalb älteren Nordstadtbewohnern noch immer als Kirmesplatz in Erinnerung. Heute befinden sich hier die Sportanlage des FC Merkur und zur Burgholzstraße hin Gebäude der Anne-Frank-Gesamtschule. Und auf der einst als Beethovenplatz vorgesehenen Fläche steht nun ein Supermarkt mit zugehörigem Parkplatz.

Wenig repräsentativ: Auf dem nicht realisierten Beethovenplatz an der Stadtbahnstation Lortzingstraße steht heute ein Netto. Foto: Alex Völkel

Auf dem nicht realisierten Beethovenplatz an der Stadtbahn-Station Lortzingstraße steht ein „Netto“. Foto: Völkel

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