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„Missfits“-Star bringt tragikomische Titelheldinnen auf die Bühne: „Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte“

„Schräge Vögel“ inszeniert Gerburg Jahnke auf der Bühne des Schauspiels. Fotos: Beate Hupfeld/ Theater Dortmund

Von Angelika Steger

Warum Männer als Prostituierte auf der Bühne zu sehen sind, ist für Gerburg Jahnke klar: „Weil sie die geileren Huren sind! Frauen in diesen Rollen wären mir zu sehr an der Realität dran gewesen“, betont die Kabarettistin, die sich mit den „Missfits“ und als Gastgeberin der WDR-Ladies-Night in die Herzen der ZuschauerInnen gespeilt hat. Nun gastiert sie im Schauspiel in Dortmund. Allerdings nicht auf der Bühne, sondern als Regisseurin von „Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte“.

Eine Ruhrpott-Ikone des Kabaretts als Regisseurin für ein echtes Ruhrpott-Stück

Caroline Hanke als Bianca, Jens Kipper als Bernhard.

Zuerst war da der Roman von Anna Basener. Dieses Mal hatte sie keinen Groschenroman, sondern ein richtiges Buch geschrieben; tragisch-komisch, ohne jede Verurteilung. Keine Figur wird lächerlich gemacht, auch wenn es sich um das immer noch verruchte Rotlichtmilieu handelt. Und es ist eine Frauengeschichte.

Wie kam es nun zum Theaterstück „Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte“, in dem Gerburg Jahnke nun Regie im Schauspielhaus in Dortmund führt?

„Eigentlich sollte ich das Buch von Anna als Hörbuch einlesen, aber das wird schlecht bezahlt. Als ich aber das Buch selbst las, war ich so begeistert, dass ich sagte: das mach ich“, sagt Gerburg Jahnke.

Tommy Finkes Frau hatte das Buch ebenfalls gelesen und dies auf Instagram kundgetan, was wiederum Dramaturg Alexander Kerlin entdeckt hatte. Jahnke und Kerlin kennen sich von der gemeinsamen Arbeit am Theater Oberhausen – nun arbeiten sie als Regisseurin und Dramaturg für „Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte“.

„Die Omma“ – Ruhrpott-Ikone als Wirtschafterin im Bordell in Essen-Rellinghausen

Jens Kipper Mario Lopatta Andreas Beck als Huren

Anke Zillich als Omma, Jens Kipper als Bernhard, Mario Lopatta als Bestatter und Andreas Beck als die dralle Ulla.

Zur Handlung: Ein Bordell ist nicht nur ein Ort für die Befriedigung sexueller Begierden, es ist auch ein Wirtschaftsunternehmen.

Die Omma, die Ruhrpott-Ikone ist Wirtschafterin in genau diesem Bordell in Essen-Rellinghausen und die gute Seele des Hauses. Eines Tages erträgt sie den gewalttätigen Zuhälter Herbert nicht mehr und schlägt ihn mit einer Flasche Schnaps tot.

Eine Freundin und Vertraute, die Prostituierte Mitzi, stirbt plötzlich – weshalb Omma Essen-Rellinghausen verläßt und in die WG von ihrer absolut nicht begeisterten Enkelin Bianca zieht. Ein junger Polizist, der plötzlich auftaucht, beginnt, unangenehme Fragen zu stellen… Für das Theaterstück wurde der Text gekürzt und sich auf die drei Titelheldinnen konzentriert.

Die Musik von Tommy Finke spielt in der Inszenierung eine besondere Rolle

Caroline Hanke als Bianca Anke Zillich als Omma Mario Lopatta als Bestatter

Caroline Hanke als Bianca, Anke Zillich als Omma, Mario Lopatta als Bestatter

„Tommy Finke hat den Figuren die Songs auf den Leib geschrieben“, sagt Gerburg Jahnke bei der Vorstellung. Von der Romanautorin Anna Basener stammen die Texte, Tommy Finke hat die Musik geschrieben.

Zuerst habe man sich über den jeweils eigenen Musikgeschmack unterhalten und sich dann auf die Musik zum Stück geeinigt.

Keine Figur soll dabei lächerlich gemacht werden, jede habe Respekt verdient, denn „die Figuren drücken in der Musik das aus, was sie im Text nicht sagen können“ so Finke. Manchmal sprechen die Figuren auch Geheimnisse ins Publikum, agieren mit den ZuschauerInnen, obwohl das Gesagte ihrem Gegenüber auf der Bühne gilt.

Besonderheit bei der Rollen-Besetzung der Prostiuierten begeistert die Regisseurin Gerburg Jahnke

Kevin Wilke, Andreas Beck, Jens Kipper, Mario Lopatta als Huren, Caroline Hanke als Bianca.

Kevin Wilke, Andreas Beck, Jens Kipper,
Mario Lopatta als Huren, Caroline Hanke als Bianca.

Es mache auch nichts, wenn nicht jede-/r SchauspielerIn nicht immer den Ton halten könne, denn es handele sich schließlich nicht um Operngesang.

Musiker Tommy Finke ist überzeugt, dass alle SchauspielerInnen mit Herz singen, denn das Stück soll auch ohne Umweg über das Hirn ins Herz jede-/r ZuschauerIn gehen.

Über die Klischees im Stück kann man lachen – aber die einzelnen Figuren, die muß man immer ernst nehmen. Vor allem auch deshalb, weil es auch eine mißbräuchliche Beziehung gibt. Über sexuelle Gewalt lacht man nicht.

Was laut der Regisseurin Gerburg Jahnke das Stück „als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte“ so besonders macht, ist nicht nur das Gegensatz-Paar Ruhrpott-Berlin. Alle Prostituierten werden von Männern gespielt.

Premiere ist schon ausverkauft – weitere Termine folgen im März, April und Mai

„Weil sie die geileren Huren sind! Das sage ich jetzt so, auch wenn der Sexismus-Beauftragte mir jetzt einen Strafzettel gibt“, betont Gerburg Jahnke im Brustton der Überzeugung. Eine echte Herausforderung, Männer als weibliche Prostituierte zu verkleiden – was Kostümbildner Michael Sieberock-Serafimowitsch gut gemeistert hat.

Der Regisseurin gefällt das sehr, weil die Männer einen anderen Ausdruck bekämen, weichere Gesichtszüge und auch Spaß an der Rolle eines anderes Geschlechts hätten. „Wenn Schauspieler Huren sind, kann ich mir ohne schlechtes Gewissen die Körper ansehen und sagen: ,Wow‘ – geiles Kostüm“, betont Musiker Tommy Finke.

Mehr Informationen:

  • Die Ankündigung verspricht jetzt schon eine spannenden, tragischen aber auch lustigen Abend.
  • Die Termine im Februar und März sind schon ausverkauft, weitere Termine gibt es am 3. April um 19.30 Uhr, 14. April um 18 Uhr  und am 4. Mai um 19.30 Uhr und 5. Mai, um 15 Uhr.
  • Karten kosten zwischen 12 und 33 Euro.
  • Weitere Infos: www.theaterdo.de
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Ein Gedanke zu “„Missfits“-Star bringt tragikomische Titelheldinnen auf die Bühne: „Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte“

  1. Theater Dortmund (Pressemitteilung)

    Dreizehn ausverkaufte Vorstellungen bis Ende Juni: „Als die Omma den Huren noch Taubensuppe kochte“ ist der Verkaufsschlager im Schauspiel Dortmund.

    Zwei Wochen nach der Premiere ist keine Karte mehr zu haben für die neue Produktion von Gerburg Jahnke. Wegen der großen Nachfrage gibt es jetzt zwei Zusatztermine: Ostersonntag, 21. April, und Pfingstsonntag, 9. Juni, jeweils um 18 Uhr im Schauspielhaus.

    Wer an den Feiertagen noch nichts vorhat, sollte sich Karten sichern für den Ruhrpott-Abend mit Musik von Tommy Finke. Die neuen Vorstellungen sind ab Donnerstag, 28. Februar, im Vorverkauf. Karten für 12,- bis 33,- Euro gibt es an der Vorverkaufskasse im Opernhaus (Platz der Alten Synagoge), unter http://www.theaterdo.de und 0231/50-27222.

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