Ev. Lydia-Gemeinde setzt sich kleiner: Lutherzentrum und Markuskirche gehen an den Kirchenkreis Dortmund

Die Pauluskirche steht unter Denkmalschutz – sie ist als Kulturkirche auch über den Stadtteil hinaus wichtig.

Von Susanne Schulte

Die Lydiakirchengemeinde in der Nordstadt setzt sich kleiner: Zum 1. Mai im kommenden Jahr gibt die Gemeinde das Lutherzentrum an der Flurstraße an den Treuhandfonds Gemeindevermögen beim evangelischen Kirchenkreis ab, zum 1. Januar 2023 soll mit dem Markuszentrum samt Markuskirche an der Gut-Heil-Straße dasselbe geschehen. Der Grund: Der evangelischen Gemeinde fehlen Jahr für Jahr mehr Mitglieder, damit „sinken unsere Einnahmen aus Kirchensteuern dramatisch“, heißt es dazu in dem Brief, den Pfarrerin Birgit Worms-Nigmann unter anderem zusammen mit Pfarrer Ekkehard Brach unterschrieben und an Gemeindeglieder verschickt hat.

Kooperationspartner*innen gesucht, damit weiter Leben in den Häusern herrscht

Die Pfarrer*innen Birgit Worms-Nigmann, Ekkehard Brach und Carola Theilig.
Die drei Pfarrer*innen Birgit Worms-Nigmann, Ekkehard Brach und Carola Theilig gehen perspektivisch in den Ruhestand. Archivbild: Susanne Schulte

Mit ihren Kolleg*innen bedauert Worms-Nigmann, dass diese Nachricht per Post komme und nicht persönlich in einer Versammlung mitgeteilt werden könne. Aber sie möchte allen so früh wie möglich Bescheid geben, damit man schon jetzt überlege, wie die Räume auch weiterhin von der Gemeinde genutzt werden könnten.

Zudem sei man auf der Suche nach Kooperationspartner*innen, damit weiterhin Leben in allen drei Gebäuden herrsche, sagt sie im Gespräch mit Nordstadtblogger. Die geplante Zukunftskonferenz mit allen Interessierten aus der Gemeinde müsse man erst einmal auf unbestimmte Zeit verschieben.

„Alle Prognosen zeigen leider, dass wir nur durch einschneidende Verringerung unserer Ausgaben unsere ,Insolvenz’ verhindern können und dass wir sofort handeln müssen. Der gravierende Einbruch der Kirchensteuern durch die Pandemie verstärkt diesen Druck zusätzlich“, schreiben die Pfarrer*innen weiter.

Jährliche Einsparungen von 100.000 Euro sind nötig – Pauluskirche und Pauluszentrum bleiben erhalten 

Die Lutherkirche an der Hirtenstraße kann nicht weiter bewirtschaftet werden. Foto: Susanne Schulte
Die Lutherkirche an der Hirtenstraße kann perspektivisch nicht weiter bewirtschaftet werden. Foto: Susanne Schulte

Substanzielle Einsparungen in Höhe von jährlich 100.000 Euro sind laut Gemeinde unumgänglich. Zudem müsse die Gemeinde auf Stellen verzichten. Die Regelungen der Landeskirche würden pro 3000 Gemeindegliedern eine Pfarrstelle vorsehen.

Pfarrerin Carola Theilig gehe zum kommenden Mai in den Ruhestand, zwei weitere Kolleg*innen – Birgit Worms-Nigmann und Ekkehard Brach – würden in wenigen Jahren folgen. Zum Oktober 2025 seien dann lediglich 1,5 Pfarrstellen in der Lydiagemeinde übrig (das Ehepaar Laker).

Pauluskirche und Pauluszentrum an der Schützenstraße und an der Kirchenstraße bleiben als Hauptstandort der Lydiagemeinde erhalten. „Die Kirche steht unter Denkmalschutz. Sie hat eine Historie“, sagt Birgit Worms-Nigmann. Die Pauluskirche ist der erste evangelische Neubau nach der Reformation außerhalb des Walls und über die Stadtgrenzen hinaus bekannt als Kulturkirche mit außergewöhnlichen Veranstaltungen.

Nicht alle Gruppen würden später Platz in Pauluskirche und Pauluszentrum finden, vermuten die Pfarrer*innen. „Wir wollen daher als Lydiagemeinde durch weitere Kooperationen an anderen Orten im Gemeindegebiet präsent bleiben.“

Gemeindeglieder sollen Vorschläge für ein anderes Gemeindeleben machen

Für die Antworten auf die Fragen wie und an welchen Stellen sei man auf die aktive Hilfe der Gemeindeglieder angewiesen. Die Pfarrer*innen fordern alle Briefempfänger*innen auf, Vorschläge zu machen und Ideen laut auszusprechen, damit die Gemeinde in vielen Quartieren präsent bleiben könne.

Die Internationale Gemeinde in der Nordstadt setzt besondere Akzente. Fotos: Susanne Schulte
Die Internationale Gemeinde in der Nordstadt setzt besondere Akzente. Archivfoto: Susanne Schulte

Schon im Gemeindebrief I/2020 wurde in einem Bericht mit der Überschrift „Zukunft der Gemeindearbeit“ deutlich geschrieben, dass die Gemeinde immer weniger Geld haben werde. Schon in diesem Bericht kündigte der Autor für die erste Jahreshälfte 2021 eine Klausurtagung des Presbyteriums und die bereits genannte Zukunftskonferenz an.

Einige Seiten weiter in diesem Gemeindebrief schreibt Birgit Worms-Nigmann über die drei Jahre des Projekts „Gemeinsam Kirche – internationale Gemeinde“. Auch wenn die Förderung Ende 2020 beendet sei, wolle man vieles fortführen wie die Internationalen Gottesdienste. Und – die Gemeinde wolle sich weiterentwickeln. Doch die Pandemie machte viele Pläne zunichte. Auch den Perspektivtag, der für den 23. Januar geplant war. So muss nun das meiste auf anderen Wegen besprochen werden.

Sobald es möglich sei, wolle man zu einer Versammlung einladen. Bis dahin kann jede*r seine Überlegungen per Telefon, Brief oder E-Mail den Pfarrer*innen mitteilen. Birgit Worms-Nigmann: Telefon 833435, Alsenstraße 110; Ekkehard Brach: Telefon 825671, Kirchenstraße 27; E-Mail: buero@lydia-do.de

Unfallgefahr: Nun bröckelt auch noch Kirchturm an der Hirtenstraße

Als hätte man mit diesen ganzen Aussichten nicht schon genug zu tun, bröckelt auch der allein stehende Kirchturm an der Hirtenstraße. Der Zugang zum Lutherzentrum ist an beiden Wegen gesperrt. Jetzt ist eine Firma beauftragt, die Ursache für das Fallen eines Steins aus dem Mauerwerk zu finden, sagt Birgit Worms-Nigmann. Wie sie hoffen auch viele Bewohner*innen rund um den Kirchturm, dass keine aufwendige Sanierung nötig ist. Denn – das Geld ist knapp und eine sehr teure Reparatur unbezahlbar.

 

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