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„Alles nur geklaut?“ – Ausstellung in Zeche Zollern erklärt die mitunter abenteuerlichen Wege des Wissens

LWL-Direktor Matthias Löb, Projektleiterin Anja Hoffmann, Museumsdirektor Dirk Zache und Kurator Dr. Georg Eggenstein in der Spionageabteilung der Ausstellung „Alles nur geklaut?“. Fotos: Joachim vom Brocke

Von Joachim vom Brocke

„Alles nur geklaut?“ – Im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern in Bövinghausen wird am Samstag, 23. März, eine Ausstellung eröffnet, die die „abenteuerlichen Wege des Wissens“ auf 1.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche zeigt, erläutert und vielfältige Einblicke gibt. Anlass ist nicht zuletzt die Erinnerung an die Gründung der Industriekultur-Einrichtungen des Landschaftsverbandes, die vor 40 Jahren auf Zeche Zollern ihren Anfang nahm.

Fortschritte durch Abgucken und Verbessern

Museumsdirektor Dirk Zache bezeichnete den Start im Jahre 1979 als „eine mutige Entscheidung“.  An vielen interessanten Beispielen aus Geschichte und Gegenwart wird gezeigt, wie Wissen geschaffen, geteilt und geschützt wird.

Friedrich Harkort wird als „Pionier des Fortschritts“ vorstellt.

Durch genaues Hinsehen von Industriepionieren wie Friedrich Harkort oder Freiherr vom Stein und die Nutzung ihrer gewonnenen Erkenntnisse – „Abgucken und verbessern“ – habe die Industrialisierung in Deutschland deutliche Fortschritte gemacht, meinte LWL-Direktor Matthias Löb bei der Vorstellung der Ausstellung auf Zeche Zollern.

„Was ist wahr, was falsch? Wem gehört das Wissen? Muss es geschützt oder sollte es geteilt werden?“, fragte Löb. Doch schon immer seien diese Fragen kontrovers diskutiert worden.

In „Alles nur geklaut?“ geht es um Profit und Moral, Patente und Plagiate, Verrat und Geheimnisse. Besucher lernen Erfinder, Spioninnen und Whistleblower kennen. 3-D-Hologramme erwecken historische Personen wie den Universalgelehrten Georg Krünitz oder die Agentin Elsbeth Schragmüller zum Leben. Das Spektrum der Exponate reicht vom 4.000 Jahre alten Scheibenrad über Agenten-Werkzeuge und die Verschlüsselungsmaschine Enigma bis zur elektronischen Fußfessel.

Rätselspaß in sechs geheimen Kammern des Wissens

Agentenwerkzeuge wie Mikrokameras und Pistolen, getarnt als Brosche, Manschettenknopf und Feuerzeug.

Eine Ausstellung für junge und alte Spieler. Denn Abenteuer und Rätselspaß versprechen sechs geheime Kammern des Wissens, die die Themen der Ausstellung aufzeigen. In kleinen Gruppen müssen Spieler Aufgaben lösen und Codes knacken, damit sich die Türen der Escape-Rooms öffnen.

Zum Abschluss der gut einstündigen, auf Tablets angeleiteten Spielerrunde wartet die Aufnahme in die „Loge des Wissens“. Mitmachen ist ebenso im Sachverständigenlabor für Original und Nachahmung gefragt. Gäste können zudem Selfies in eine „Cloud“ schicken, die über ihren Köpfen schwebt. Die von der Decke hängenden Stoffbahnen mit Foto- und Filmprojektionen sind ein zentrales Element der vom Berliner Büro „beier+wellach projekte“ gestalteten Schau.

Der kreative Austausch mit Partnern als Forum gehört zur Ausstellung. Neben Volkshochschulen und Schulen, die beim Fotowettbewerb mitgemacht haben, ist aus das Zentrum für Medienkompetenz der Stadt Dortmund dabei, das ein digitales Kulturlabor in der Ausstellung betreibt und das Diakonische Werk in Recklinghausen, dessen Werkstätten Hartz IV-Möbel fürs Foyer gebaut haben.

Viele Filme und Vorträge im Begleitprogramm

Das Spektrum der Exponate reicht vom 4.000 Jahre alten Scheibenrad bis zur elektronischen Fußfessel.

Das Wissen werde über mindestens zwei Sinne gleichzeitig transportiert, erklärte Projektleiterin Anja Hoffmann, Referentin für Bildung und Inklusive im LWL-Industriemuseum: „Es gibt in der Ausstellung Tastobjekte und Hörstationen, leicht verständliche Texte, Filme mit Untertiteln, Bildschirme mit Vorlesefunktion sowie einen Mediaguide mit Touren in Deutsch, Englisch, einfacher Sprache, Gebärdenvideos und einer Audiodeskription für blinde und sehgeschädigte Besucher“.

Auch beim Begleitprogramm setze das LWL-Industriemuseum auf Vielfalt. Aktionstage mit 3-D-Druck, Gaming-Events und Trickfilm-Produktion gehören  ebenso dazu wie Vorträge und eine Schreibwerkstatt mit Wikipedianern. Dazu kommt am 6. April ein Wikipedia-Mitarbeiter nach Dortmund und erklärt, wie in der Online-Lexikonredaktion gearbeitet wird.

Mit der Erfindung des Rades geht es los

„Enigma“ – die erste Verschlüsselungsmaschine der Welt.

Los geht es mit der Erfindung des Rades. Zu sehen ist die ganze Vielfalt vom steinzeitlichen Scheibenrad über das ICE-Rad bis zu winzig kleinen Mikrorädern. Vom Gehirn über die Wachstafel, das Buch, die Kassette und den USB-Stick bis zur modernen Cloud reicht das Spektrum der Medien, in denen Menschen Wissen speichern.

Eine Bücherwand mit dem 243-bändigen „Krünitz“ steht für die große Zeit der Enzyklopädien des 18. und 19. Jahrhunderts. Auf der Wand gegenüber zeigt die Wikipedia-Wand die kollektive Zusammenarbeit beim Online-Lexikon.

Spionage und Wissenstransfer gehört seit Beginn der Industrialisierung zum Repertoire der Unternehmen und der staatlichen Wirtschaftsförderung. Friedrich Harkort gilt das Industriepionier an der Ruhr. Das Knowhow für den Bau seiner Dampfmaschine verschaffte er sich auf zwei Englandreisen 1819 und 1826.

Wernher von Braun, Schlüsselfigur der deutschen Raketentechnik, wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zusammen mit über 100 weiteren Wissenschaftlern in die USA gebracht. Fragmente von „V2“-Raketen und Gegenstände von KZ-Häftlingen stehen für Tod und Verderben, die die deutsche „Vergeltungswaffe“ bereits bei ihrem Bau forderte.

Patente, Plagiate und erste Spioninnen

Teile der „V2“-Raketen von Wernher von Braun.

Einen Raum nehmen Patente und Plagiate ein; eine Station weiter geht es um zwei Spioninnen im Ersten Weltkrieg. Elsbeth Schragmüller, die als Chefin des Nachrichtendienstes gegen Frankreich vom Büro aus die Fäden zog und die Tänzerin Mata Hari, die Kontakte zu einflussreichen Männern aus noblen Nachtclubs hielt. Weiter zu sehen „Enigma“, die erste Verschlüsselungsmaschine der Welt.

Als Brosche oder Feuerzeug getarnte Minikameras zeigen, wie sich Agenten geheimes Wissen beschafft haben. Von James. Bond sind Raumanzug und das Gebiss seines Gegenspielers aus dem Film „Moonraker“ zu sehen. Abschließend geht es um das Sammeln, Speichern und Nutzung privater Daten. Im Hintergrund dabei die Frage: Macht uns Digitalisierung zum gläsernen Menschen oder bietet sie ganz neue Chancen?

Ein umfangreiches Begleitprogramm mit Führungen und Vorträgen wird zur Ausstellung „Alles nur geklaut?“ angeboten. Darüber hinaus gibt es einen 192-seitigen Katalog zum Preis von 29,95 Euro.

Mehr Informationen:

  • Die Ausstellung „Alles nur geklaut?“ öffnet am Samstag, 23. März, und ist bis zum 13. Oktober zu sehen.
  • Die Öffnungszeiten in der Zeche Zollern: dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, letzter Einlass 17.30 Uhr.
  • Eintritt: Erwachsene 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Kinder und Jugendliche von 6 bis 17 Jahre, sowie SchülerInnen frei.
  • Weitere Informationen: www.allesnurgeklaut.lwl.org.
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Ein Gedanke zu “„Alles nur geklaut?“ – Ausstellung in Zeche Zollern erklärt die mitunter abenteuerlichen Wege des Wissens

  1. LWL Westfalen-Lippe (Pressemitteilung)

    „Alles, was ich weiß“ – Selbstversuch auf Post-its in der Wissensausstellung auf Zeche Zollern

    Wie viel Wissen hat man im Zeitalter von Siri, Handy und Wikipedia noch im Kopf gespeichert? Diese Frage ist Ausgangspunkt einer Live-Performance von Florian Toperngpong in der Ausstellung „Alles nur geklaut? Die abenteuerlichen Wege des Wissens“ im LWL-Industriemuseum Zeche Zollern.

    Der Künstler ist von Samstag (23.3.) bis Freitag (29.3.) zu Gast im Dortmunder Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Während der Öffnungszeiten der Ausstellung von 10 bis 18 Uhr können Besucher dem Künstler bei dem Versuch zuschauen, sein gesamtes relevantes Wissen auf Post-its zu schreiben und an eine Wand zu kleben. Nach Beendigung der Aktion wird die Performance im Zeitraffer auf den Tisch projiziert, an dem Toperngpong schreibt. Die Post-its bleiben als Installation in der Ausstellung.

    Der Eintritt in die Sonderausstellung und in das Museum ist am Samstag (23.) frei. An den anderen Tagen zahlen Erwachsene 8 Euro. Kinder und Jugendliche haben freien Eintritt. Sonntag findet um 16 Uhr eine öffentliche Führung durch die Ausstellung statt (nur Eintritt). Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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