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Zwischen Heimat und Hoffnung: „Zusammenleben in Dortmund“ ist das Thema beim Jahresempfang des Jugendrings

Vorab-Einblick: Geladene Gäste konnten den neuen Kurzfilm „Hope“ beim Jahresempfang sehen.

Von Carmen Körner (Text und Fotos)

Zusammenleben in Dortmund“ – Unter diesem Motto stand der Jahresempfang des Jugendrings. Weiteres Thema war der Begriff Heimat“ und was er für jeden Einzelnen bedeutet. Bei dem Treffen wurde auch vorab – für die geladenen Gäste – der KurzfilmHope“ von Regisseur Cem Arslan gezeigt. Sophie Niehaus, Vorsitzende vom Vorstand des Jugendrings, erklärte, dass die Jugendverbände in Dortmund eine Auseinandersetzung mit der Geschichte und Politik suchen. Dazu bieten sie lokale Spurensuchen an und möchten die aktive Teilnahme der Jugendlichen fördern.

Birgit Jörder:  „Alle Menschen, egal welcher Herkunft, müssen die gleichen Chancen haben!“

Birgit Jörder, Bürgermeisterin von Dortmund.

Johannes Schaffeldt, Verantwortlicher für Demokratie und Jugend des Jugendrings, Clarissa Wagner, Jugendbotschafterin und Rathaus-Führerin sowie Andreas Roshol, Projektleiter von Zukunft braucht Erinnerungen“ moderierten den Abend.

Alle drei berichteten über ihre Arbeit mit Jugendlichen: Dazu gehört eine Mitmach-Wand im Rathaus, auf der Wünsche und Forderungen formuliert werden können. So soll das politische Interesse der jungen Leute geweckt werden. Außerdem werden Planspiele veranstaltet, bei denen die Jugendlichen zum Beispiel im Ratsaal sitzen  und das Stadtoberhaupt wählen können. Auf diese Weise soll die Moderationsfähigkeiten der jungen Leute gestärkt werden.

Bei Zukunft braucht Erinnerung“ organisiert Roshol Gedenkstättenfahrten, zum Beispiel nach Auschwitz. Es werden außerdem Jugendliche als Botschafter der Erinnerungen ernannt, die dann beispielsweise bei Stolperstein-Verlegungen aktiv teilnehmen. Denn gerade da sei es besonders wichtig, dass die Jugendliche Interesse zeigen und in die Veranstaltung integriert werden, so Bürgermeisterin Birgit Jörder.

Das Publikum wird animiert mitzumachen – was bedeutet „Heimat“ für die Anwesenden

Das Publikum macht mit – auch Sophie Niehaus, Vorsitzende vom Vorstand vom Jugendring.

Alle Menschen, egal welcher Herkunft, müssen die gleichen Chancen haben! Daher sollen schon im Kindesalter die gleichen Möglichkeiten für alle jungen Menschen geschaffen werden“, betont Jörder. Nur so könne erreicht werden, dass sie auch weiterhin hier leben wollen. Gerade in Dortmund mit 180 verschiedenen Nationen, sei dies besonders bedeutungsvoll.

Vorweg hatten die Moderatoren alle Freiwilligen aufschreiben lassen, was Heimat“ für sie bedeutet. Heimat sei für ganz viele Da, wo man sich wohl fühlt“. Häufig sei dies auch mit Essen und satt werden“ verbunden.

Die in der Dortmunder Nordstadt beheimatete Bügermeisterin Jörder sagte: Wenn ich die Menschen, die ich liebe, mitnehmen kann, ist Heimat auch an anderen Orten.“ Allen gemeinsam ist also, dass sich die Heimat nicht auf einen Ort münzen lässt, sondern sich durch Liebe, Geborgenheit und Menschen, die diese geben, definiert.

Cem Arslan und Andreas Roshol vom Jugendring arbeiten schon am fünften Filmprojekt 

Cem Arslan, Regisseur des Kurzfilms „Hope“.

Der 13-minütige Kurzfilm wurde von einem professionellem Film-Team an drei Drehtagen gedreht. Vorher haben die Jugendlichen Ideen gesammelt und formuliert, die alle mit in den Film eingeflossen sind. Der Regisseur Cem Arslan und Andreas Roshol vom Jugendring haben schon oft zusammengearbeitet.

Dieses Mal stand die Thematik von Heimat und Flucht besonders im Vordergrund. Roshol war es vor allem wichtig, einen Gegenwartsbezug mit diesem Film herzustellen und den ZuschauerInnen eine Flucht erfahrbar zu lassen. Vor dem Vorab-Präsentation waren die jugendlichen SchauspielerInnen sehr aufgeregt, weil sie ihn in Gänze noch nicht gesehen hatten.

Der Film zeigt eine Gruppe junger Menschen zitternd und kauernd um ein Lagerfeuer sitzend. Eine Frau liegt auf dem Boden und krümmt sich vor Schmerzen. Ein anderer singt leise, um sich von der Fluchtsituation abzulenken. Eine junge Mutter hält eine Puppe und wiegt sie wie ihr eigenes Kind, vermutlich um dessen Verlust zu verkraften.

Jüdische Tanzgruppe sorgte für den unterhaltsamen Rahmen des Abends

Die Tanzgruppe der jüdischen Gemeinde sorgt für gute Stimmung.

Insgesamt ist eine panische, verzweifelte und traumatische Stimmung, die sich direkt auf die ZuschauerInnen überträgt.  Mehr wollen wir an dieser Stelle nicht verraten. Nach dem Film bleibt es eine kurze Weile still. Das muss erstmal verarbeitet werden.

Einige der jungen SchauspielerInnen wurden im Anschluss von der Moderatorin kurz interviewt. Unter Tränen erzählte eine von ihnen, wie wichtig es für sie persönlich gewesen ist, bei diesem Projekt mitzuwirken. Diese Stimmung überträgt sich auf alle Anwesenden.

Der Film soll perspektivisch auf Film-Festivals zu sehen sein und dort auch Premiere feiern. Anschließend wird er auch auf YouTube und vimeo zu finden sein. Geplant ist auch, Hope“ in Schulen zu zeigen, um weiterhin auf die Relevanz dieser Thematik hinzuweisen.

Den Abschluss des Abends bildete eine jüdische Tanzgruppe, die mit fröhlichen Tänzen das Publikum wieder ein bisschen aufheiterte.

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