Nordstadtblogger

Willeke van Ravenhorst und ihre „Zeichnungen in der Luft“: Kunst in dreidimensionalen Installationen

Sommerformat "Garage" im Künstlerhaus geht an den Start. Kunstaktion von Willeke van Ravenhorst aus den Niederlanden.

Kunstaktion von Willeke van Ravenhorst aus den Niederlanden am Künstlerhaus.

Von Leonie Krzistetzko

Im Künstlerhaus Dortmund ist zwar zurzeit ausstellungsfreie Sommerpause. Um dennoch Kunst genießen zu können, geht die Veranstaltungsreihe „Garage“ parallel zum Artist-in-Residence-Programm dieses Jahr in eine neue Runde.

Hierbei können sich kulturinteressierte Besucher Kunst von ausländischen Künstlern, die im Sommer ein Atelier im Künstlerhaus Dortmund beziehen, im Hinterhof des Künstlerhauses, in einer entspannten Atmosphäre bei Gegrilltem und Cocktails ansehen.

Künstlerin entwickelte für „Garage“ eine spinnennetzartige und abstrakte Installation

Sommerformat "Garage" im Künstlerhaus geht an den Start. Kunstaktion von Willeke van Ravenhorst aus den Niederlanden.

Das Sommerformat „Garage“ im Künstlerhaus geht in die nächste Runde. Fotos: Klaus Hartmann

Eine dieser Künstlerinnen ist Willeke van Ravenhorst aus Arnhem in den Niederlanden, die nun für drei Monate ein Atelier im Künstlerhaus Dortmund bezieht und sich und ihre Kunst jetzt vorstellte.

Ihre eigens für „Garage“ entwickelte spinnennetzartige und abstrakte Installation besteht aus blauen Paketbändern und Draht und erstreckt sich durch den gesamten Innenhof des Gebäudes. Rund eine Woche hat sie an ihrer Produktion gearbeitet.

Van Ravenhorst ist eine Frau, die sich künstlerisch gewandelt hat: Von zweidimensionalen Gemälden und Zeichnungen entwickelte sich ihre Kunst zu dreidimensionalen Installationen, die sie selber „Zeichnungen in der Luft“ nennt. Für sie ist es „ein Wandel von einem persönlichen und traditionellen zu einem abstrakten und modernen Level“.

Der niederländischen Künstlerin geht es um Interaktionen mit Menschen und Plätzen

Sommerformat "Garage" im Künstlerhaus geht an den Start. Kunstaktion von Willeke van Ravenhorst aus den Niederlanden.

Raumgreifend hat die Künstlerin den Hof des Künstlerhauses in der Nordstadt bespielt.

Zweidimensionale Kunst sei immer auf etwas Bestimmtes gerichtet, habe immer einen bestimmten Gedanken in Verbindung mit einer Emotion. Doch das genau sei nicht die Sprache, die sie spreche und mit der sie sich ausdrücken wolle.

Deshalb distanziert sie sich davon: Bei der dreidimensionalen Kunst gehe es um etwas universelleres, von dem man vieles lerne. „Es geht um Interaktionen und Performances“.

Dortmund sei für sie ein Anfang: Das Ruhrgebiet sei eine Region, die sie immer schon interessiert hat. Sie will es entdecken und damit interagieren. Hier möchte sie ein ganzes Jahr bleiben.

Dabei geht es ihr nicht vorrangig um steigende Popularität, sondern darum Kontakte und Verbindungen zu knüpfen – mit Menschen aber auch vor allem mit Plätzen. Im Augenblick ist sie in ihrem ersten Monat.

Willeke van Ravenhorst ist auf der Suche nach dem künstlerischen „Makro-Level“

Van Ravenhorst sucht Orte, mit denen sie interagieren kann. Es gehe ihr hierbei nicht nur um bestimmte Plätze, wie leere Fabrikhallen, in denen sie ihre Installationen verwirklichen kann.

Sommerformat "Garage" im Künstlerhaus geht an den Start. Kunstaktion von Willeke van Ravenhorst aus den Niederlanden.

Willeke van Ravenhorst aus den Niederlanden ist derzeit in der Nordstadt zu Gast.

Ihr geht es um das „Makro-Level“, die gesamte Umgebung mit all ihren Einflüssen. Diese Umgebungen möchte sie dann für sich selbst mit Hilfe ihrer Kunst „interpretieren“.

Unterstützt wird sie in ihrer künstlerischen Arbeit vor allem durch den Mondriaan-Fonds für bildende Kunst – für sie eine Art Durchbruch, der erste Schritt zum Künstlerdasein.

Im Hintergrund liefen während des ganzen Abends und während ihrer Präsentation Videos, die Van Ravenhorst beim Präparieren ihrer Installationen zeigen.

Wieso sie den Schaffensprozess all ihrer Installationen filme, habe sie zuerst selbst nicht richtig gewusst. Sie denke aber, dass es ihr dabei um die entstehende Performance gehe: „Der Prozess ist weitaus wichtiger als das fertige Werk.“  So möchte sie auch den Betrachter an ihrem eigenen künstlerischen Prozess teilhaben lassen.

Auseinandersetzung der Besucher mit ihren Werken ist ihr wichtig

Sommerformat "Garage" im Künstlerhaus geht an den Start. Kunstaktion von Willeke van Ravenhorst aus den Niederlanden. Bratwurst und Kunst gibt es noch an zwei weiteren Terminen

Der Künstlerin ist die Auseinandersetzung der Zuschauer mit ihren Installationen wichtig.

„Ich bin nicht einer dieser Künstler, die ihre Installationen fertigstellen und es dann dabei belassen. Mir persönlich ist es wichtig zu sehen, wie der Betrachter meine Installationen aufnimmt, wie er sich mit ihnen bewegt und wie er sie interpretiert“, sagt van Ravenhorst.

Der durch die Annahme hervorgehobene performative Charakter ihrer Installationen ist eine Schlüsselessenz ihrer Kunst. Ihre Installationen beeinflussen den Betrachter in dem Prozess des Betrachtens und Erkundens.

So ist ihre Kunst nicht als reines Installationswerk zu betrachten, sondern vielmehr als Interaktionsprozess und  Performance.

Am Ende habe für sie alles etwas mit Vorstellungskraft zu tun. Der Vorstellungskraft der Künstlerin im Schaffensprozess und der Vorstellungskraft des Betrachters, beim eigenen Interpretieren ihres Werkes.

Ausblick:

Die Veranstaltungsreihe „Garage“ des Künstlerhauses Dortmund stellt diesen Sommer noch den britischen Künstler Simon Le Ruez (29.Juli) und Rei Kakiuchi (12.August) aus Japan vor. Los geht’s jeweils um 19 Uhr.

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4 Gedanken über “Willeke van Ravenhorst und ihre „Zeichnungen in der Luft“: Kunst in dreidimensionalen Installationen

  1. Künstlerhaus Dortmund

    Herzliche Einladung zur 2. „Garage“ mit Kunst & Bar am Mittwoch, dem 29. Juli 2015

    An diesem Abend ab 20 Uhr lädt der britische Künstler Simon Le Ruez in sein temporäres Gastatelier mit Blick in den Gartenhof des Künstlerhauses ein. Hier präsentiert er erste Arbeiten und gewährt Einblick in den Kontext seines künstlerischen Arbeitsvorhabens im Rahmen seines Artist-in-Residence-Aufenthaltes in Dortmund.

    Im Gartenhof laden Sitzgelegenheiten zum Verweilen ein, die Kunst bietet Möglichkeit zum Gespräch, und kühle Getränke an der Künstlerbar, Cocktails, Biowürste vom Grill und vegane Döner sorgen für das leibliche Wohl.

    Mittwoch, 29. Juli 2015
    ab 19 Uhr: Einlass durch die Toreinfahrt in der Nettelbeckstraße!
    ab 20 Uhr: Präsentation von Simon Le Ruez

    Simon Le Ruez aktuelle Arbeiten zeigen sein Interesse an der Architektur und deren Beziehung zur Skulptur. In seiner installativen Arbeit beschwört der Künstler die Stadt und thematisiert die komplexe Beziehung zwischen dem privaten und dem öffentlichen Raum.

    Seine Präsentation „Brücke“ im Künstlerhaus Dortmund nimmt die Brücken der Stadt als Ausgangspunkt seiner Multi-Media-Installation, in der er Übergangs- und Zwischenräume erkundet und visualisiert.

    Diese Fragestellungen und Ideen werden als ‚work in progress‘ weiter bearbeitet und erkunden die Beziehungen zwischen Form, Struktur und Bild.

    Simon Le Ruez (*1970) lebt und arbeitet in Sheffield, UK und Berlin und studierte am Exeter College of Art, besitzt ein Diplom in Fine Art Sculpture von The City and Guilds of London Art School und einen MA von der Winchester School of Art.

    Weitere Termine:

    Schon jetzt laden wir herzlich zum letzten „Garage“-Termin ein, bei der Sie Gelegenheit haben werden, unseren Artist-in-Residence-Künstler Rei Kakiuchi (JP/Rotterdam) und seine Arbeiten in entspannter Sommeratmosphäre kennen zu lernen.

    Mittwoch, 12. August 15, ab 19 Uhr
    Rei Kakiuchi (JP/Rotterdam)

    14. – 22. Sepetmber 2015
    Präsentation unserer Sommergäste und Hafenspaziergang
    Vom Freitag, dem 14. bis zum Hafenspaziergang am 22. September 15 haben Sie dann Gelegenheit, Ausstellungspräsentationen unserer beiden Artist-in-Resicence-Gäste Simon Le Ruez und Rei Kakiuchi im Künstlerhaus zu sehen.

  2. Künstlerhaus Dortmund

    Herzliche Einladung zur 3. „Garage 2015“ mit Kunst & Bar am Mittwoch, dem 12. August 2015 – Eintritt frei

    An diesem Abend ab 20 Uhr präsentiert der japanische Künstler Rei Kakiuchi zwei Videos und gewährt Einblick in sein Gastatelier im Künstlerhaus Dortmund.
    Im Gartenhof laden Sitzgelegenheiten zum Verweilen ein, die Kunst bietet Möglichkeit zum Gespräch, und kühle Getränke an der Künstlerbar, Cocktails, Biowürste vom Grill und vegane Döner sorgen für das leibliche Wohl.

    Mittwoch, 12. August 2015
    ab 19 Uhr: Einlass durch die Toreinfahrt in der Nettelbeckstraße!
    ab 20 Uhr: Präsentation von Rei Kakiuchi

    „Finger cap“. Capping a finger is a funny exercise for an experience of living as double ontology.
    In between presence and absence, here and there… we might become zombies.
    (Rei Kakiuchi)
    In Dortmund wird Rei Kakiuchi an seinem neuen Projekt mit dem Titel »Finger cap« arbeiten, das die Frage untersucht, wie Menschen die Grenzen zwischen dem Natürlichen und dem Künstlichen, dem Tod und dem Leben wahrnehmen. Dazu werden Skulptur, Handwerkskunst und Performance zum Einsatz kommen, wobei in letztere auch andere Künstler eingebunden werden sollen.
    Der Titel bezieht sich auf unsere Finger als apparative Erweiterung unseres Willens; sie zu überziehen, also unkenntlich zu machen, verschleiert nicht nur die Identität sondern verneint nach Ansicht des Künstlers die Existenz an sich.

    Rei Kakiuchi lebt und arbeitet in Rotterdam, studierte an der Kyoto Seika University, der Nottingham Trent University of Art and Design und am Dutch Art Institute.
    Mehr über Rei Kakiuchi

    Weitere Termine:
    14. – 22. August 2015
    Präsentation unserer Sommergäste und Hafenspaziergang
    Vom Freitag, dem 14. bis zum Hafenspaziergang am 22. August 2015 haben Sie Gelegenheit, die Ausstellungspräsentationen unserer beiden Artist-in-Resicence-Gäste Rei Kakiuchi und Simon Le Ruez im Künstlerhaus zu sehen.

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