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„Weil ich ein Mädchen bin“: Dortmund feiert Internationalen Frauentag 2019 im Rathaus und würdigt Einsatz von Frauen

Der Internationale Frauentag 2019 im Dortmunder Rathaus. Fotos (2): Jennifer Pahlke

In Dortmund stand der Internationale Frauentag unter dem Motto „Believe in yourself“. Mit Hilfe des Gleichstellungsbüros der Stadt Dortmund haben viele Vereine, Organisationen und Verbände ein vielfältiges Programm für Frauen zusammengestellt. Neben Diskussionen, Musik, Kaffee und Kuchen wurde auch noch der Dortmunder Gleichstellungspreis verliehen.

Der Internationale Frauentag in Dortmund ist nicht nur Spaß, sondern auch Ernst

14 Foren waren beim Internationalen Frauentag vertreten mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten: Rassistische Diskurse im Feminismus, Prostitution und auch Selbstmotivation Sicherheit. Fokus war dabei, mit Frauen über Selbstbehauptung und Empowerment zu sprechen und diese zu motivieren.

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Preisträgerin des Gleichstellungspreises Bintou Bojang Foto: Stadt Dortmund

Ein wichtiger Bestandteil des Programms war vor allem die Verleihung des Gleichstellungspreises. 1.500 Euro gingen dieses Jahr an Bintou Bojang von „Crocodile e.V.“. Der Dr. Edith-Peritz-Preis wird von dem Soroptimist-Club Dortmund RuhrRegion und dem Gleichstellungsbüro der Stadt Dortmund für die Verdienste um die Verbesserung der Stellung der Frau in der Gesellschaft verliehen.

Die Preisträgerin ist die Gründerin und Vorsitzende des „Crocodile e.V.“ und engagiert sich stark gegen Genitalverstümmelung. Mit ihrem Engagement bricht sie das Schweigegebot, nicht über Genitalverstümmelung und Zwangsverheiratung zu sprechen – und das in Dortmund.

Ihr Verein ist eine Anlaufstelle für geflüchtete betroffene Frauen und wird schnell zu einer Vertrauensinstanz. Dabei zieht sie von dem, was ihr im Kindesalter an Schmerzen widerfahren ist, Kraft und unterstützt andere Betroffene und setzt sich für ein Ende der Genitalverstümmelung ein.

Mit dem Preisgeld plant sie, ihr Projekt „Stressfree“ zu unterstützen. Im Rahmen dieses Projektes finden geflüchtete Frauen Gesprächsmöglichkeiten, wenn sie Opfer von Traumatisierung und Vergewaltigung geworden sind. „Ich freue mich, den Preis gewonnen zu haben. Er gibt uns die finanzielle Möglichkeit, „Stressfree“ zu verwirklichen“, so Bintou Bojang.

Über 100 Jahre Kampf für Frauenrechte – aber auch für Grundrechte, die selbstverständlich sein sollten

Maresa Feldmann und Kathrin Kiseier führten durch das Programm.

Aber nicht nur Dortmund steht im Zentrum des Frauentags, überall auf der Welt werden die Errungenschaften gefeiert, die Frauen in den letzten 100 Jahren erreicht haben. Die wichtigsten realisierten sich in Deutschland seit 1919 mit dem Frauenwahlrecht. Kurz darauf wurden Frauen auch offiziell zum Studium an Hochschulen zugelassen.

Bis 1958 hatte der Ehemann Bestimmungsrechte über Frau und Kinder. So konnte er entscheiden, ob die Frau studieren oder arbeiten gehen durfte. Das änderte sich mit dem Gesetz zur Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Trotzdem konnten Frauen erst ab 1962 ohne Zustimmung ihres Mannes ein Bankkonto eröffnen.

Eine weitere Erleichterung für Frauen war, dass 1960 zum ersten Mal die Anti-Babypille auf dem deutschen Markt erhältlich war. So konnten Frauen besser Familienplanung betreiben. Gesetzlich wurde der Fokus ein Jahr später ebenfalls auf Familie gelegt: mit dem Kindergeldgesetz. So bekamen Familien finanzielle Unterstützung, wenn Kinder zur Welt gebracht wurden.

Eine Frau zu sein, hat immer noch einen Preis, auch wenn wir eine Bundeskanzlerin haben

Am 8. März war wieder Internationaler Frauentag.

Auch durften Frauen zum ersten Mal ohne die Zustimmung ihres Mannes ab dem Jahr 1969 einen Beruf ausüben. Parallel dazu wurden verheiratete Frauen als geschäftsfähig anerkannt. Um Frauen und Kinder vor ehelicher Gewalt zu schützen, eröffnete 1976 in Berlin das erste Frauenhaus. Trotzdem war eheliche Vergewaltigung bis zum Jahr 1997 legal.

Erst im Jahr 1993 entschloss sich die Bundesregierung zum §218, der Schwangerschaftsabbruch als Straftat ansieht, Ausnahmereglungen einzuführen. Und die neueste „Errungenschaft“ ist die Gleichstellung von Frau und Mann im öffentlichen Dienst ab dem Jahr 2008.

Trotz all der Meilensteile, die Frauen erreicht haben, sieht es in der Realität immer noch alles andere als rosig aus. In der Politik verzeichnen wir einen Rückgang von Frauen im Vergleich zu den letzten Jahren, auch wenn wir mit Angela Merkel eine Bundeskanzlerin haben.

Obwohl viel erreicht ist, sind wir noch lange nicht am Ende des Wegs zur Gleichberechtigung

Immer noch herrscht ein „Pay-gap“, ungleiche Bezahlung von Frau und Mann bei gleicher Arbeit. Und auch mit dem Sexismus müssen Frauen weiterhin kämpfen. Erfolgreiche Frauen sind zickig, bitchig oder männlich. Alle weiblichen Attribute werden ihnen abgesprochen oder eben nur als negativ zugesprochen.

Häufig werden sie auch (nur) auf ihr Äußeres reduziert. Bundeskanzlerin Angela Merkel wird häufig vorgeworfen, sich männlich zu kleiden oder sogar die gleichen Sachen zu tragen. Ihre Reaktion darauf war: „Für einen Mann ist es kein Problem, hundert Tage hintereinander einen dunkelblauen Anzug zu tragen, aber trage ich zwei Wochen viermal den gleichen Blazer, dann erzeugt das Bürgerpost.“

 

 

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