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Von der Uni nach Griechenland: Studierende der FH Dortmund helfen Geflüchteten und Benachteiligten in Thessaloniki

Studierende beim Sortieren von Kleiderspenden in Thessaloniki. Archivfoto: FH Dortmund

Von Leonie Krzistetzko

Bereits zum dritten Mal fährt eine Gruppe von Studierenden der Fachhochschule Dortmund (FHDO) nach Thessaloniki, um dort Sachspenden und Essen an Geflüchtete und sozial Benachteiligte zu verteilen. Sie alle sind Teil des Projekts „Grenzenlose Wärme“, das sie im letzten Jahr gegründet haben. Zu dieser Zeit befanden sich die Studierenden im ersten Semester des dualen Studiengangs „Soziale Arbeit“ an der Fachhochschule Dortmund.

Sozialarbeiterischer Hintergrund wichtig

Das Projekt ist losgelöst von der FH, hierrüber haben sich die Gründer des Projekts nur kennengelernt. Jetzt fuhren sie mit zehn HelferInnen los, um erneut 14 Tage lang vor Ort in Thessaloniki zu helfen.

Von den rund 20 Beteiligten, die an dem Projekt mitwirken, sind lediglich zwei Mitglieder von außerhalb dazu gekommen. Der Studiengang mit dem Schwerpunkt „Armut und Flüchtlingsmigration“ helfe den Beteiligten das Gesehene besser zu verarbeiten, erzählt Sibel Turhan. Die 22-Jährige übernimmt die Pressearbeit des Projekts und war bei der ersten Fahrt 2016 dabei.

„Die Dinge, die man sieht sind menschlich nicht vertretbar. Wenn man zurückkommt, nachdem man aktiv helfen konnte, und sich hier nutzlos fühlt, hilft es, gemeinsam über das eigene Empfinden zu sprechen. So verarbeitet man das Gesehene besser“, erklärt Turhan.

Den anderen helfen

Zu der Arbeit vor Ort gehört unter anderem Sortieren von Spenden in „Warehouses“, das Verteilen von Sachspenden und Essen sowie das Aushelfen in der Küche und Logistisches. „Eine unserer Kolleginnen kann fließend arabisch sprechen und wird dieses Mal mit Frauen Behördengänge unternehmen“, erzählt Sebastian Heinze. Er war bei allen drei Touren mit in Thessaloniki. „Wir wollen auch die Menschen unterstützen, die länger in Griechenland vor Ort sind, indem wir ihnen zuarbeiten und sie entlasten“, erzählt er.

Vor der Tour habe die Gruppe nicht ausreichende Kapazitäten gehabt, um Sachspenden zu sammeln. Das habe auch an den fehlenden Räumlichkeiten zur Lagerung gelegen, so Heinze. Dennoch hat die Gruppe 18 Kartons mit Unterwäsche und Socken dabei, die ihnen von der Firma Falke gespendet wurden.

„Die Sachspenden sollen an unbegleitete Minderjährige gehen, davon gibt es ungefähr 300 in Thessaloniki“, erzählt Heinze. Passend zur Jahreszeit ist auch Ski-Unterwäsche in den Sachspenden enthalten.

Sven Weiss ist neuer Kontaktmann des Projekts „Grenzenlose Wärme“

Zu den unbegleiteten Minderjährigen hat die Gruppe Zugang durch Sven Weiss bekommen. Der Crossmedia-Manager bei Axel Springer verbringt aktuell ein Jahr in Griechenland, um dort Geflüchteten zu helfen. Zudem hat er das Projekt „Helping Hands 4 Greece“ gegründet.

Den Kontakt zu den unbegleiteten Minderjährigen hat er durch die griechische Regierung vermittelt bekommen. Kennengelernt hat die Gruppe von „Grenzenlose Wärme“ Weiss bei einer Tagung im Oktober. Als Kontaktmann hat er den Überblick über die Situation in Griechenland und kann die Gruppe darüber informieren, wo gerade akut Hilfe benötigt wird.

Enge Kontakte sind selten – Auch Obdachlose werden unterstützt

Zu ihrer dritten Tour nach Griechenland sind die elf DortmunderInnen aufgebrochen.

Gelegentlich ergeben sich aus der Arbeit in Thessaloniki auch Kontakte, die über die Touren bestehen bleiben. „Wir haben eine Dame kennengelernt, die alleinerziehende Mutter von vier Kindern ist. Da sie Asyl bekommen hat, muss sie ihre Wohnung verlassen. Sie verarbeitet ihre Traumata von der Flucht in Gemälden“, so Sebastian Heinze. Die Gruppe wolle nun in Galerien in Düsseldorf nachfragen, ob es möglich sei, diese Gemälde auszustellen und zu verkaufen. Kontakte dieser Art gäbe es allerdings selten.

„Mit der Dame stehen wir noch in Kontakt, da wir mit ihr ein Einzelschicksal verbinden. Sonst herrscht in unserer Arbeit allerdings eine große Anonymität. Es ist schwierig, in 14 Tagen einen guten Kontakt herzustellen“, so Heinze. „Man fährt nach zwei Wochen wieder in die heile Welt, während die anderen immer noch in ihrem beschissenen Schicksal festsitzen.“

Da sich das Projekt nicht nur für Geflüchtete, sondern auch für sozial Benachteiligte einsetzt, hat die Gruppe sich auch für die Obdachlosen in Griechenland eingesetzt. „Wir haben Pakete mit Essen wie Brot und Oliven sowie Decken an Obdachlose verteilt“, erzählt Sibel Turhan.

Zu der Arbeit in Deutschland gehört vor allem das Netzwerken. „Grenzenlose Wärme“ kooperiert mit der Intereuropean Human Aid Association (IHA) und Falke. Außerdem nutzt die Gruppe das Netzwerk der FH Dortmund.

Nächste Fahrt in Planung

Am 5. Januar 2018 reist die Gruppe wieder nach Deutschland. Im März/April 2018 plant die Gruppe, erneut nach Griechenland zu fahren und dort zu helfen. Im Sommer 2018 strebt sie an, ein eingetragener Verein zu werden. „Wir wollen uns aber nicht nur auf Griechenland festlegen, sondern auch andere Länder in unser Projekt mit einbeziehen, wenn die Hilfe dort nicht mehr akut benötigt wird“, so Sibel Turhan.

Das Projekt finanziert sich hauptsächlich über Spenden, aber auch zu einem kleinen Teil aus Eigenleistungen. Die Kosten für eine Reise betragen circa 2500 Euro. Weitere Informationen zum Projekt und Möglichkeiten zum Spenden gibt es unter: www.grenzenlose-wärme.de

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