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Notfallverbund der Archive in Dortmund gegründet: Neun Einrichtungen wollen sich im Ernstfall gegenseitig helfen

Das Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse ist eines von neun Dortmunder Einrichtungen, die beim neu gegründeten Notfallverbund mitmachen und gegenseitige Hilfe versichern. Fotos (2): Stadt Dortmund

Von Joachim vom Brocke

Zum Schutz der hochwertigen und zum großen Teil unwiederbringlichen Archive, Bibliotheken und Sammlungen haben neun Dortmunder Archive einen gemeinsamen Notfallverbund gegründet. Das Baukunstarchiv, das Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt, das Institut für Zeitungsforschung, das Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse, die Stadt- und Landesbibliothek, das Stadtarchiv, die Stiftung Westfälisches Wirtschaftsarchiv, das Universitätsarchiv der TU Dortmund sowie die Universitätsbibliothek wollen sich im Notfall – etwa bei Brand oder Wasserschaden – gegenseitig helfen und gemeinsam gefährdetes Kulturgut retten.

Schnell können Schäden eintreten – Notfallpläne und gegenseitige Unterstützung

In den Dortmunder Archiven – hier ein Exponat aus dem Westfälischen Wirtschaftsarchiv – lagern unzählige schützenswerte und wertvolle Archivalien.

Innerhalb von wenigen Stunden können historische Bestände vernichtet werden. Das hat der Einsturz des Kölner Stadtarchivs gezeigt. Doch auch Hochwasser, Brand oder ein Wasserrohrbruch, der die Magazinräume eines Archivs überflutet, kann die betroffene Einrichtung schnell an die Grenze der leistbaren Rettungsmaßnahmen bringen.

Deshalb haben sich die neun Archive und Bibliotheken zusammengeschlossen, um gemeinsam Vorsorge zu treffen und einander im Unglücks- oder Katastrophenfall Hilfe und Unterstützung zu leisten. Die Dortmunder Partner sind Institutionen in unterschiedlicher Trägerschaft – Stadt, Land, Stiftung und Verein. Sie verpflichten sich, geeignete Vorbeugemaßnahmen zu treffen und Rettungsmaßnahmen vorzubereiten.

Gemeinsam mit der Feuerwehr werden Notfallpläne erarbeitet und halten eine Grundausstattung, sogenannte Notfallboxen, für den Ernstfall bereit. Sollte ein Notfall eintreten, leisten die beteiligten Institutionen einander gegenseitig personelle, technische und logistische Hilfe. So kann „fremdes“ Personal mithelfen, das betroffene Kulturgut zu bergen und zu sichern und der bedrohte Bestand könnte für eine Übergangszeit bei den Kooperationspartnern untergebracht werden.

In Dortmund wurde der bundesweit bereits 40. Notfallverbund gegründet

Neun Dortmunder Archive, Bibliotheken und Sammlungen haben einen gemeinsamen Notfallverbund gegründet und wollen sich im Ernstfall gegenseitig helfen.

Im Baukunstarchiv wurde mit der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung der insgesamt 40. Deutsche Notfallverbund gegründet. Auslöser für die erste westfälische Verbundgründung 2010 in Münster war der Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln.

Seit Ende der 1990er Jahre schließen sich immer mehr Bibliotheken, Archive und Museen zu Kooperationspartnerschaften zusammen, um gemeinsam die bestmöglichen Schutz- und Rettungsmaßnahmen für das eigene Kulturgut zu treffen.

Unterschrieben wurde der Notfallverbund von Dr. Johannes Borbach-Jaene (Stadt- und Landesbibliothek, Institut für Zeitungsforschung sowie Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kunst der Arbeitswelt. Dr. Karl-Peter Ellerbrock für die Stiftung Westfälisches Wirtschaftsarchiv. Dr. Joachim Kreische für das Universitätsarchiv der TU Dortmund sowie der Uni-Bibliothek. Dr. Stefan Mühlhofer für das Stadtarchiv Dortmund. Markus Lehmann für das Baukunstarchiv NRW und Dr. Astrid Blome für das Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse.

Das Dortmunder Stadtarchiv zeigt die Ausstellung „Papier ist geduldig“

Mit einem kleinen dreirädrigen Auto wirbt das eröffnete Baukunstarchiv. Fotos (2): Joachim vom Brocke

Parallel zeigt das Stadtarchiv Dortmund (Märkische Straße 14) derzeit die Ausstellung „Papier ist nicht geduldig“ über die Erhaltung von Schriftgut und Grafik.

Sie wurde dem Notfallverbund vom Arbeitskreis der nordrhein-westfälischen Papierrestauratoren zur Verfügung gestellt und ist noch bis zum 5. Februar während der Öffnungszeiten des Stadtarchivs im Foyer zu sehen: dienstags und mittwochs von 8 bis 15.45 Uhr, donnerstags 8 bis 17.15 Uhr und freitags 8 bis 12.00 Uhr.

Die elf Schautafeln zeigen, welche Schäden dem schriftlichen Kulturgut drohen. Auf leicht verständliche Weise wird das Bewusstsein für die Bedeutung der Erhaltung von Schriftgut und Grafik gefördert.

Die neun Archive in Kürze:

  • Das Baukunstarchiv NRW verwahrt Vor- und Nachlässe der Architektur, Innenarchitektur, Landschaftsarchitektur, des Städtebaus sowie des Bauingenieurwesens und widmet sich als landesweites Archiv dem Großraum NRW.
  • Das Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt widmet sich speziell der Sammlung, Erforschung und Vermittlung der Literatur der Arbeitswelt seit dem 19. Jahrhundert bi in die Gegenwart. Über 80 Laufmeter an Archivalien werden betreut.
  • Das Institut für Zeitungsforschung verfügt über eine der größten deutschen Zeitungssammlungen. Außerdem gehören Plakate, politische Karikaturen, Flugschriften sowie Nachlässe von Journalisten und Pressezeichnern zum Bestand.
  • Das Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse sichert die Überlieferung der deutschen Zeitungen und Zeitschriften auf Mikrofilm.
  • Die Stadt- und Landesbibliothek verfügt über rund eine Million Medien, davon 350.000 in Freihand- und 500.000 in Magazinaufstellung. In der Handschriftenabteilung liegen Nachlässe, Handschriften, Frühdrucke. Die Artothek besitzt 1400 Exponate zeitgenössischer Kunst.
  • Das Stadtarchiv bewahrt rund 800 Jahre Dortmunder Geschichte. Ca. 5500 Regelmeter Archivgut, darunter mehr als 3000 mittelalterliche- und frühneuzeitliche Urkunden. 40.000 Titel zählt die orts- und regionalgeschichtliche Bibliothek, 700.000 Bilder sowie 3000 Filme ergänzen neben anderem den Bestand.
  • Das 1941 gegründete Westfälische Wirtschaftsarchiv betreut Archivgut von Unternehmen, Kammern, Verbänden und Persönlichkeiten der Wirtschaft. Die 10.000 laufenden Meter Unterlagen reichen vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart.
  • Das Universitätsarchiv der TU Dortmund wurde 2012 gegründet und enthält auf 890 laufenden Metern Archivalien und Objekte zur Geschichte der TU und ihrer Vorgängereinrichtungen.
  • Die 1965 gegründete Universitätsbibliothek besteht aus einer Zentralbibliothek und drei Bereichsbibliotheken mit rund zwei Millionen gedruckten und elektronischen Medien. Sie verfügt über mehrere historische Spezialsammlungen mit Bestand vom 16. bis in das 21. Jahrhundert.
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