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Für mehr Mitbestimmung und Transparenz: Studierende protestieren vor dem Rektorat der FH Dortmund

Mehrere hundert Flugblätter verteilten und klebten die Studierenden im und um das FH-Gebäude an der Sonnenstraße.

 

Von Mira Kossakowski

„We focus on students“ – so lautet der Slogan, den sich die Fachhochschule Dortmund auf die Fahne geschrieben hat. Studierende des Fachbereichs Design und Fotografie der FH fühlen sich davon nicht vertreten und protestierten am Mittwoch (11. Juli 2018) vor dem Rektorat in der Sonnenstraße. Anlass für den Protest ist eine für sie nicht nachvollziehbare Personalentscheidung: Der Fotograf Christoph Bangert soll nicht für eine Professur im Fachbereich Fotografie berufen werden.

Protest gegen Personalentscheidung des Rektorates: Professur für Fotografie soll besetzt werden

In der Mitte: Mitorganisator und Sprecher des Protestes, Fabian Ritter. Fotos: Leopold Achilles

Eine künstlerische Intervention als stiller Protest und eine lautstarke Versammlung vor dem Büro des Rektorates: Die Studierenden des Fachbereiches Design sind wütend. Wütend über die Nichtberücksichtigung ihrer Meinung bei wichtigen Personalentscheidungen ihres Fachbereiches und über die in ihren Augen fehlende Transparenz.

Konkret geht es um die Besetzung der Professur für „Bildjournalismus & Multimediales Storytelling“ im Studiengang Fotografie der Fachhochschule Dortmund. Der Fotograf Christoph Bangert ist dabei in den Augen der Fotografie-Studierenden der ideale Kandidat für die Stelle. Der erfahrene Fotojournalist erregte unter anderem mit dem Buch War Porn Aufmerksamkeit. Laut Fabian Ritter, einem der Organisatoren des Protestes, sei Bangert „aus der modernen Geschichte des Fotojournalismus nicht mehr wegzudenken“.

Das Rektorat entschied sich jedoch gegen die Besetzung der Stelle durch Bangert. Zwar können Professuren in künstlerischen Studiengängen auch durch Personen ohne Habilitation besetzt werden, doch sein Abschluss des International Center of Photography in New York wird nicht in Deutschland anerkannt.

Für diese Situation bietet das das Hochschulgesetz Nordrhein-Westfalens eine Lösung: §36 Absatz 3 besagt, dass Anforderungen der ausgeschriebenen Stelle auch durch „hervorragende Leistungen in der Praxis“ erfüllt werden können. Dennoch steht die Entscheidung des Rektorates fest: Neue KandidatInnenvorschläge müssen her.

Studierende der Fotografie konfrontieren das Rektorat mit ihrer Entscheidung

Der Kanzler sowie der Rektor der FH Dortmund stellten sich den protestierenden StudentInnen.

„Die Entscheidung gegen Christoph Bangert ist eine Entscheidung gegen die Qualität an unserem Fachbereich“, sagt Ritter, während ihm Prof. Dr. Wilhelm Schwick, Rektor der Fachhochschule, und Kanzler Jochen Drescher gegenüberstehen. Vor den Räumen des Rektorates setzen Schwick und Drescher sich mit den Äußerungen und Fragen der lautstark protestierenden Studierenden auseinander.

„Die Diskussion dreht sich im Kreis“, stellt Prof. Dr. Wilhelm Schwick fest, während er mit den Statements der Studierenden konfrontiert wird. Behauptungen, man habe studentische VertreterInnen aus einem Gespräch geworfen, bezeichnet Schwick in einem spöttischen Ton als „Quatsch“.

Auch auf Seiten der Studierenden liegt eine emotionsgeladene Stimmung in der Luft. Die Besetzung der Professur scheint für die Protestierenden ein besonders persönliches Anliegen zu sein. Allein Kanzler Jochen Drescher setzt auf einen schlichtenden und kompromissbereiten Ton.

Keine einmalige Sache: Der Protest der Studierenden soll fortgesetzt werden

Etwa 200 ProtestlerInnen fanden sich am Mittwoch Morgen vor dem Rektorat der Fachhochschule ein.

Im Rahmen des Protestes verlesen die Studierenden Statements von Fachleuten, darunter von Lars Lindemann, Director of Photography der GEO, und suchen Antworten auf ihre Fragen. Der studentische Protest soll dabei keine einmalige Sache bleiben, sondern so lange fortgesetzt werden, bis die Personalentscheidung im Sinne der Studierendenschaft gefällt ist.

Ob die Entscheidung für einen Protest zu einer Entscheidung für Christoph Bangert führt, bleibt abzuwarten. Doch die Initiative der FotografiestudentInnen zeigt: Studentischer Protest für mehr Mitspracherecht und Demokratie ist möglich. Diese Aktion ist mindestens ein Denkanstoß für andere Studierende, sich ebenfalls daran zu beteiligen.

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