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Erinnern … damit kein Gras darüber wächst – Eine Ausstellung zum Werk von Walter Liggesmeyer in Dortmund-Hörde

„Erinnern … damit kein Gras darüber wächst“ Walter Liggesmeyer-Ausstellung in der Bezirksverwaltungsstelle Dortmund-Hörde. Der Künstler starb kurz nach seinem 79. Geburtstag am 27. Mai 2017. Fotos: Gerd Wüsthoff

Von Gerd Wüsthoff

Die Werke des Dortmunder Malers und Schriftstellers Walter Liggesmeyer befinden sich in nationalen und internationalen Galerien, Botschaftsgebäuden, öffentlichen Einrichtungen oder Konzernzentralen. Sein Werk zur Erinnerung an den Völkermord, den Holocaust oder die Shoah, im Bürgersaal der Bezirksverwaltungsstelle Dortmund-Hörde wird noch bis zum 25. Januar 2019 ausgestellt. Der Künstler starb kurz nach seinem 79. Geburtstag am 27. Mai 2017.

Die vorherrschende Blau lässt Kälte, Leid und Not erahnen

Die Farbe Blau ist vorherrschend in den Werken Liggesmeyers und lässt Leid, Not und Kälte erahnen.

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Das Besondere an diesen Werken ist die vorherrschende Farbe Blau in zahlreichen Schattierungen in der Kombination mit erdigen Tönen von eindringlicher Sinnlichkeit. Die abstrakten Bilder lassen gerade durch ihre durchweg blauen Grundtöne, mit ihren verschobenen Körpern, das Leid, die Not und die Kälte erahnen, das die Nazi Schergen ihren einstigen MitbürgerInnen und den Menschen jüdischen Glaubens, deren sie in ihrem irrationalen Rassenwahn habhaft wurden, angetan haben.

Deutschland hat ab 1933 systematisch BürgerInnen aber auch andersdenkende, freiheitsliebende Menschen, nicht der „Nazi-Ideologischen Norm“ entsprechende Menschen ausgegrenzt, entmenschlicht und schließlich vergast und verbrannt. Beim Betrachten der Bilder kann es den BetrachterInnen schonmal kalt werden. Schauer der Erinnerung laufen über den Rücken.

Weit aufgerissene Augen und Münder, vor Schmerz sich verbiegende Körper, können nur im Ansatz das Leid zeigen, das Menschen anderen Menschen angetan haben oder antun können. Es drängt die Zeit, denn das Vergessen ist zu nah, die Ereignisse weit zurückliegend. Und doch kann man heute wieder zuvor Unsagbares hören. Die Krematorien von Auschwitz standen nicht am Anfang, sondern waren das bittere, unsägliche Ende eines Weges, in dem Deutschland unter den Nazis das Licht der Humanität ausgeschaltet hatte. Die verrohte Sprache, Wortentgleisungen, Begriffsverdrehungen, die wir heute wieder hören müssen, geradezu „locker und unbedarft“ verwendet, sind ein Alarmsignal, ein Weckruf!

Künstler Liggesmeyer zeichnet sich durch westfälische Bodenständigkeit aus

Liggesmeyer starb kurz nach seinem 79. Geburtstag am 27. Mai 2017. Foto: Klaus Hartmann

Liggesmeyer wurde am 15. Mai 1938 in Paderborn geboren und wuchs in Bad Lippspringe auf. Der Künstler übersiedelte 1958 nach Dortmund. Hier besuchte er das Abendgymnasium, schloss ein Jurastudium ab und arbeitete ein Jahrzehnt als Justiziar bei einer großen Bank.

1982 aber widmete er sich ausschließlich der Kunst. Es entstanden zahlreiche Gemälde, Gedichtbände, Romane, Erzählungen und Theaterstücke. Neben anderen Gemälden ist auch das zehn Meter breite Werk „Die letzte Schicht“, das sich mit dem Untergang des Bergbaus beschäftigt, jetzt Eigentum der Stadt Dortmund, und in der Zeche Zollern II / IV in Dortmund-Bövinghausen ausgestellt ist.

In seinem gesamten Werk spürt man seine Bodenständigkeit, die man bei Westfalen, besonders denen aus dem Lipperland, immer wieder als grundlegenden Charakterzug erkennen kann. Diese Bodenständigkeit, das bäuerliche Erbe von Liggesmeyer, schimmert in seinem Gesamtwerk aber besonders augenfällig, in seinen Bildern durch.

Weitere Informationen:

  • Ausstellungsort: Bürgersaal der Bezirksverwaltungsstelle Dortmund-Hörde

Öffnungszeiten:

  • Montag bis Freitag – 10 bis 12 Uhr
  • Montags, Dienstags, Donnerstags – 14 bis 16 Uhr
  • Eintritt: Frei

Betreuung der Ausstellung durch: pro KULTUR

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