Nordstadtblogger

Bahnhofsumbau: Das „Grüne U“ in der Nordstadt – jetzt können sich alle Interessierten mit ihren Ideen beteiligen

Das nördliche Bahnhofsumfeld soll sich in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Foto: Ulrich Baringhorst

Das nördliche Bahnhofsumfeld soll sich in den kommenden Jahren grundlegend verändern. Foto: Ulrich Baringhorst

Die Gestaltung der Bahnhofsnordseite ist eines der größten Städtebau-Projekte der nächsten Jahre. Rund 640 Millionen Euro sollen hier – zumindest laut Gutachten – in den nächsten Jahren und Jahrzehnten verbaut werden. Seit 2016 wird darüber diskutiert. Nun startet eine weitere wichtige Projektphase: Für einen zentralen Baustein, den neuen Park, hat jetzt die Bürger*innen-Beteiligung begonnen. Mit einem Baubeginn wird nicht vor dem Jahr 2025 gerechnet.

Das „Grüne U“ soll vom Keuningpark über den Hauptbahnhof bis zum Blücherpark reichen

Die Gestaltung des nördlichen Bahnhofsumfeldes ist ein gewaltiges Projekt - und könnte in den nächsten Jahren Investitionen von 640 Millionen Euro nach sich ziehen. Visualisierung: Raumwerk

In die Gestaltung des nördlichen Bahnhofsumfeldes könnten in den nächsten Jahren 640 Millionen Euro fließen. Visualisierung: Raumwerk

Weil auf absehbare Zeit keine Beteiligung in Form einer Präsenzveranstaltung möglich ist, setzt das Stadtplanungs- und Bauordnungsamt auf eine neue Online-Plattform, wo Interessierte ihre Anregungen und Bedenken mitteilen und auch eigene Gestaltungsideen „einbauen“ können. Bis zum 17. Januar 2021 können entsprechende Vorschläge gemacht werden. ___STEADY_PAYWALL___

Entstehen soll das „Grüne U“: Vom Keuningpark über den Hauptbahnhof bis zum Blücherpark soll künftig ein Grüngürtel reichen. Damit soll – so zumindest die Vision – der Dortmunder Hauptbahnhof künftig zu einem der grünsten Bahnhöfe Deutschlands werden. Auf einer Länge von 800 Metern entsteht über dem künftigen Fernbusbahnhof direkt an den Gleisanlagen ein neuer Park für alle. 

Der neue Park soll für Nordstadt-Bewohner*innen sowie für Innenstadt-Besucher*innen eine einzigartige grüne Oase werden, eine Frischluft-Schneise inmitten der Innenstadt, mit Aufenthalts-, Ruhe- und Sportflächen und mit gastronomischen Einrichtungen. Der Park soll über eine großzügige grüne Rampe vom nördlichen Bahnhofsvorplatz aus sowie über zahlreiche weitere Zugänge aus der Nordstadt erreichbar sein. 

Herausforderung: Nur ein kleiner Teil der Grundstücke gehört der Stadt

Die Wirtschaftsförderung zieht in die Hauptpost in der Nordstadt. Foto: Alex Völkel

Erst in diesem Jahr ist die Wirtschaftsförderung  in die Hauptpost in der Nordstadt eingezogen – aber das Gebäude könnte abgerissen werden. Foto: Alex Völkel

Doch nicht nur den Bahnhofsvorplatz will die Stadt überplanen. Sie hat ein fast 17 Hektar großes Areal zwischen Burgtor bis zur Brinkhoff- bzw. Schützenstraße (und teils darüber hinaus) ins Visier genommen und möchte dort einen neuen urbanen Stadtteil entwickeln, erinnerte Raimund Stüssel vom Stadtplanungs- und Bauordnungsamt. 

Der Park wäre mehr als vier Hektar groß. Die Herausforderung: Nur ein kleiner Teil der Grundstücke gehört der Stadt. Der Rest gehört der Bahn, Fonds und privaten Eigentümer*innen. So weit es möglich ist, hat die Stadt diese in den vergangenen Jahren angesprochen und mit ins Boot geholt, um mit ihnen die Entwicklung ihrer Flächen anzustoßen.

Die Erfahrungen, die die Stadtplaner*innen gemacht haben, waren dabei offenbar weitgehend positiv. Sie haben Bereitschaft erfahren, daran mitzuwirken. Ohne diese Bereitschaft wäre das Engagement vergeben – denn für die Vielzahl von Infrastrukturprojekte werden auch private Flächen benötigt. Gemeinsam wollen sie den „Hinterhof“ in ein attraktives urbanes Quartier entwickeln.

Es gibt hohe Infrastruktur-Anforderungen, die unter der grünen Rampe verschwinden sollen

Auf der Nordseite des Hauptbahnhofs erwarten die Planer Investitionen von mehr als einer halbe Milliarde Euro. Visualisierung: Raumwerk

Auf der Nordseite des Hauptbahnhofs erwarten die Planer Investitionen von mehr als einer halbe Milliarde Euro. Visualisierung: Raumwerk

Die Herausforderungen und Probleme sind vielfältig. Das gilt insbesondere auch für die Anforderungen, die das Frankfurter Architektur- und Stadtplanungsbüro „Raumwerk“ dort unter einen Hut bringen muss: „Es gibt hohe Infrastruktur-Anforderungen“, erinnert Architekt Jon Prengel. 

So müssen der Fernbus-Bahnhof, der lokale Busbahnhof, ein Parkhaus für die Bahngäste sowie ein Fahrrad-Parkhaus auf der Nordseite planerisch berücksichtigt werden. Alle diese Verkehrsbauwerke sind normalerweise Fremdkörper, die „städtebaulich zum Nachteil ausgestaltet werden“, so Prengel. 

In der Nordstadt potenziert sich das Problem, da sich der Gleiskörper zudem auf einem Hochplateau befindet – er liegt neun Meter über der Nordstadt. Damit gibt es keine Sichtachsen zur Südseite und eine weitere physische Barriere, zumal die Gleisanlagen ohnehin schon die Stadt zerschneiden. 

Dieses Manko will „Raumwerk“ nun zu einem Vorteil ummünzen, stapelt alle diese Verkehrsbauwerke neben dem Gleiskörper auf und legt einen Park darüber.  „Wir wollten alles so integrieren, dass es einen schönen Park gibt, den wir als Geschenk an den Stadtteil zurückgegeben können“, macht der Architekt deutlich.

Eine Anbindung der Nordstadt von Süden über den Bahnhof ist nicht vom Tisch

Entlang des Bahndamms soll eine neue zweispurige Straße zum Fernbusbahnhof führen.

Entlang des Bahndamms soll eine neue zweispurige Straße zum Fernbusbahnhof führen. Visualisierung: raumwerk

Während der Park von vielen Menschen begrüßt wird, machen sich viele Aktive weiterhin Gedanken über die Verkehrsanbindung.

In den ersten Planungen sollte der gesamte Verkehr über die Brinkhoff- bzw. Schützenstraße und eine neue Straße entlang des Gleiskörpers zum Hauptbahnhof geführt werden. In der aktuellen Fassung soll zumindest ein Teil des Autoverkehrs von Norden über eine zusätzliche Straße direkt zum Parkhaus geführt werden – über das Areal, wo heute noch die DHL-Logistik neben der Hauptpost ist. 

Die Möglichkeiten, die das „Grüne U“ mit sich bringt, sind da weit weniger umstritten. Der Blücherpark und Keuningpark werden dann zu einem grünen Rundgang verbunden – einem erlebbaren Grünraum.

So könnte der Park auf dem Bahndamm aussehen, wenn die Planungen realisierbar scheinen.

So könnte der Park auf dem Bahndamm aussehen, wenn die Planungen realisierbar scheinen.

Im Mittelpunkt steht eine grüne Rampe, die vom Bahnhofvorplatz bis zum Gleisniveau hoch führt. In ihr finden sich großzügige Einschnitte zur Belichtung und Belüftung der einzelnen Verkehrsbauwerke. Wie genau die Grünflächen ausgestaltet werden, das soll nun in einem weiteren Beteiligungsverfahren ausgelotet werden.

Nicht Teil der aktuellen Planungen, aber auch nicht vergessen, ist die verbesserte Anbindung von Süden aus. Ein vielfach geäußerter Wunsch war und ist ein nicht nur sprichwörtlicher Brückenschlag von der Katharinenstraße zum Hauptbahnhof und weiter zur Nordstadt. Dann könnten die Katharinentreppe, der Wall und der Bahnhof mit seinen Gleisanlagen einfach zu Fuß oder mit dem Fahrrad überquert werden. 

Diese Idee wurde geprüft und für prinzipiell machbar eingestuft – sie passe zum Vorhaben, bestätigte Raimund Stüssel auf Nachfrage von Nordstadtblogger. Allerdings würde dies erst möglich, wenn das Oberleitungsnetz im Hauptbahnhof erneuert und die Aufhängungen dafür in Absprache mit der Bahn verändert würden. Und ob die Überführung dann schon an der Katharinentreppe beginnen könne, blieb fraglich. 

Bürger*innen waren von Anfang an an der Gestaltung des Bahnhofsumfeldes beteiligt 

Entwurf der Bahnhof-Nordlobby des Architekturbüros Raumwerk

Entwurf der Bahnhof-Nordlobby des Architekturbüros Raumwerk

Die Idee, die Umgestaltung des Hauptbahnhofs und die Verlegung des Busbahnhofs mit der Anlage eines Bürgerparks zu verbinden, entstand bereits in einem breit angelegten Bürger*innen-Dialog im Vorfeld des städtebaulichen Wettbewerbs zur Neugestaltung des nördlichen Bahnhofsumfelds im Jahr 2016. 

Zunächst wurden alle drei Beiträge der ersten Preisgruppe des Wettbewerbs weiter verfolgt und – entsprechend weiteren Vorschlägen aus Bürgerforen und Bürgerwerkstätten – überarbeitet. Doch schnell konzentrierte sich die Aufmerksamkeit auf den Entwurf mit der „grünen Spange“, einem Park, der Bahnhof und Nordstadt verbindet. 

Nachdem eine Machbarkeitsstudie der Verwaltung die Realisierbarkeit geprüft hatte, gab der Rat der Stadt im Frühjahr 2020 grünes Licht für die Weiterentwicklung dieses zukunftsweisenden Planungsvorschlags des Frankfurter Architektur- und Stadtplanungsbüros Raumwerk. 

Digitale Plattform mit neuartigem Planungstool zur Online-Beteiligung 

Maik Draxler und Jon Prengel laden zur Online-Beteiligung ein und hoffen auf viele Ideen. Foto: Alex Völkel

Maik Draxler und Jon Prengel laden zur Online-Beteiligung ein. Foto: Alex Völkel

Die Erarbeitung des Rahmenplans soll nun wieder durch eine umfassende Bürger*innen-Beteiligung begleitet werden. Aufgrund der derzeitigen pandemie-bedingten Einschränkungen des öffentlichen Lebens muss die Beteiligung ohne Präsenzveranstaltungen auskommen und wird vornehmlich digital erfolgen. 

Die Stadt möchte von den Bürger*innen wissen: Welchen Charakter sollte der Park besitzen? Welche Nutzungen stellen Sie sich konkret vor? Und wie soll der Park künftig heißen? Die Bürger*innen-Beteiligung läuft vom 7. Dezember 2020 bis zum 17. Januar 2021, erklärt Maik Draxler, beim Stadtplanungsamt zuständig für die Beteiligung an diesem Vorhaben. 

Die Stadt Dortmund hat dazu eine digitale Plattform entwickelt, um den Bürger*innen die Möglichkeit zu bieten auch in diesem Planungsstadium ihre Ideen und Anregungen zur Ausgestaltung des neuen Parks am Dortmunder Hauptbahnhof in den Prozess einzubringen. Mit Hilfe eines Planungstools kann jeder unmittelbar in die Rolle des/ der Stadtarchitekt*in schlüpfen. 

Möglichst viele Bewohner*innen der Nordstadt sollen mitmachen

Bahnhofsumfeld

Verlassene Betriebsgebäude oberhalb des Nordausgangs des Hauptbahnhofs – hier soll Neues entstehen. Archivbild: Klaus Hartmann

Ein Lageplan bietet mit der virtuellen Parkfläche die Planungsgrundlage, auf der verschiedene Nutzungen, Funktionen oder Ausstattungsgegenstände platziert werden können. Dazu stehen eine Reihe von Symbolen und Piktogrammen zur Verfügung. Verschiedenste Ausstattungsgegenstände lassen sich auf der Parkfläche platzieren, die eigenen Vorstellungen nehmen dann nach und nach Gestalt an. 

Auf diese Weise können die Bürger*innen spielerisch ausprobieren, wie der neue Park aussehen könnte. Die verschiedenen Entwürfe, auch Zwischenstadien, lassen sich abspeichern und können dem Stadtplanungsteam anschließend zur Verfügung gestellt werden. Die Stadtplanung erhofft sich, dass sich durch die Online-Beteiligung mehr Menschen beteiligen und neue Gruppen erreicht werden können, als durch die klassischen Präsenzformate.

Doch auch auf analogem Wege besteht die Chance, sich zu beteiligen. Ein entsprechender Flyer wird in hoher Auflage in der Nordstadt verteilt und darüber hinaus an ausgewählten, frequentierten Orten in der Innenstadt bereitgelegt. Er findet sich auch in der Samstagsausgabe (12.12.2020) des Stadtanzeigers.

Alle Anregungen der Bürger*innen zu dieser wichtigen Innenstadtmaßnahme werden sorgfältig ausgewertet und in die Überlegungen zum künftigen Nutzungsprogramm des Parks integriert. 

 

Unterstütze uns auf Steady

 

Mehr zum Thema bei nordstadtblogger.de:

Hauptbahnhof 4.0: Über eine halbe Milliarde Euro soll in die Entwicklung des Areals auf der Nordseite fließen

Eigene Ideenwerkstatt von „Garten statt ZOB“: Viel Potential, aber wie wird die Hauptbahnhof-Nordseite aussehen?

Meilenstein am Hauptbahnhof: Abschluss von Bauarbeiten für neuen Zugang zur Stadtbahn mit Treppe und Aufzug

„Ein ganz großer Wurf für Dortmund“: Auf der Nordseite des Hauptbahnhofs soll neues urbanes Stadtquartier entstehen

Zustimmung für Neugestaltungspläne der Bahnhofsnordseite – Sorge vor „nicht-regelkonformen Nutzungen“ im Grünen

Diskussion der Bürgerinitiative „Garten statt ZOB“: Ist die Luftqualität am Busbahnhof in der Nordstadt noch zu retten?

Wettbewerb für die Nordstadt: Visionen für ein neues Stadtquartier am Nordausgang des Bahnhofs in Dortmund

FOTOSTRECKE: Bürgerwerkstatt zur Planung und Gestaltung des nördlichen Bahnhofsumfelds stößt auf reges Interesse

Wenn die Stadt für Menschen statt Autos gebaut ist – Stefan Bendiks über innovative Mobilitätskonzepte der Zukunft

Print Friendly, PDF & Email

9 Gedanken über “Bahnhofsumbau: Das „Grüne U“ in der Nordstadt – jetzt können sich alle Interessierten mit ihren Ideen beteiligen

  1. Cornelia Wimmer

    Was erzählt man uns hier? Park, Grünes U, grüne Oase,– Anderthalb Dutzend Mal fällt das Wort „Park“, mindestens 10 Mal das Wort „grün“, gerne auch im Superlativ. Zur Erhöhung des Suggestivwertes: attraktives urbanes Quartier, Frischluftschneise, Geschenk an die Stadt. Und das Schönste: Jede/r kann mitplanen!
    2 Mal hingegen, fast überlesbar, erfährt man, dass da noch ein Zentraler Omnibus-Fernbahnhof (ZOB) im Spiel ist: Gar nicht erwähnt: Geschätzte 300 Buseinfahrten täglich (und ebenso viele Ausfahrten, versteht sich) Geplant hinter der heutigen Paketpost, nahe der Union-Brücke, auf ca.- 4 m Höhe, – eine gigantische Aushöhlung der bergkamm-ähnlichen Erhöhung. Belichtungsschächte nach oben, auf die hier so ausgiebig beschworene Grünfläche – Drunter: Ein Parkhaus mit 500 Stellplätzen. Daneben, östlich und westlich: Dichte Bebauung. Verkehre bedingt durch Bebauung, Zentralen Omnibusbahnhof, Bring- und Holverkehre zum ZOB, – alles muss aneinander vorbeigeschleust werden. – Man erwägt ernsthaft den Bau einer Brücke, die die Schützenstraße überqueren und die die Busse in den ZOB schleusen soll. Alternativ eine Rampe, die sich bis auf 4 M Höhe raufschraubt. – Will uns das auch mal jemand zeichnen oder zu unserer Vorfreude schildern?
    Tatsche ist, dass eine gigantische bauliche Verdichtung und eine Vernichtung von Grün durch intensive Bebauung (das völlig beschwiegene Hochhaus über dem Bahnhof, die gewerbliche- und Wohnbebauung östlich und westlich der Schützenstraße) stattfinden soll. – Kaum beherrschbare Verkehrsströme, Emissionen, Lärm, herabgesetzte Luftzirkulation. Und das an einem Ort, der sowohl hitze- wie auch starkregengefährdet ist, wie städtische Dokumente belegen. Wer Genaueres erfahren möchte, lese die Machbarkeitsstudie (Drucksache Nr.: 17182-20) . Zu finden bei den Niederschriften der Sitzungen der Bezirksvertretung Innenstadt Nord, Mai 2020. Nach zäher Lektüre weiß man so viel: Es ist zum Fürchten, was da auf uns zukommt.

  2. AndiDO

    Bezugnehmen auf den vorherigen Kommentar. Das ist ein HAUPTBAHNHOF. Es wird auch nicht extra erwähnt dass dort Hunderte Züge tagtäglich ein- und ausfahren. Tun sie nämlich. Vielleicht sollte jemand der Angst vor Urbanität und dichtem Verkehr hat, nicht in der Nähe eines HAUPTBAHNHOFES wohnen, sondern in den grünen Außenbezirken. Aktuell ist es übrigens überhaupt nicht grün rund um den Bahnhof. Es ist hässlich und ungeordnet- Das ändert sich durch dieses Projekt sehr wohl und die recht unattraktiven Park- und Fernbusplätze verschwinden IM Bauwerk, korrekt. Was daran so schlimm sein soll weiß ich auch nicht.

    Und auch das mag überraschen, Parkfläche, Bäume, Wasser. All das hilft gegen Hitzeinseln und Starkregen problematik.

  3. Moritz Döring

    @AndiDo: Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, stellt doch einfach nur infrage, ob das „grüne U“ wirklich so grün ist wie getan wird. Womöglich wird das Bahnhofsumfeld durch die Rampe ein wenig grüner. Aber glauben Sie wirklich, dass ein Park mit Aufenthaltsqualität entsteht, durch den im Endeffekt der gesamt Fernbusverkehr gelotst werden soll? Der in den ersten Entwürfen nicht vorhandene Büroturm ploppte auch erst kürzlich in den Plänen auf – und wird kaum erwähnt. Stattdessen wird die Grünheit der Pläne gebetsmühlenartig betont, was doch tatsächlich im Gegensatz zu Fernbusverkehr und zusätzlicher Bebauung steht… Den ZOB könnten die Planer deutlich sinnvoller in der Nähe einer Autobahnzufahrt (bspw. am Hafen) bauen. Letztlich wird das „grüne U“ wohl leider so grau wie das echte U….

  4. Cornelia Wimmer

    Lieber Nordstadtblogger, leider verschwinden aber die überall da hin führenden Verkehre nicht. Und die sind so voluminös, dass sie mit den bisherigen Straßen nicht bewältigt werden können. Daher plant man eine Zufahrt zum ZOB über die Treibstraße, die sich in einer Brücke fortsetzt, die die Busse dann in den ZOB entlässt. – Alternativ erwägt man eine Rampe östlich der Schützenstraße. – Die (und auch sie verschwindet gegebenenfalls nicht) erklimmt auf kurzer Strecke die rund 4 Meter Höhe, bevor die Busse dann in der ZOB-Einfahrt verschwinden um dann, mit Passagieren frisch bestückt, wieder hervorzukommen. – Das Ganze um die 300 Mal am Tag.
    Ist das kein Moment, mal zurückzutreten und sich zu fragen: Hey, lohnt sich das etwa? Eine solch monströse Planung, für einen BUSBAHHOF??

  5. Wolfgang Richter

    Wolfgang Richter

    Zombies landen auf der Nordseite des Hauptbahnhofs

    Es scheint, als ginge alles so weiter. Kurzfristig behinderte die Corona-Pandemie Politik und Verwaltung, die auf der Oberfläche “as usual” agierten und weiter Blasen bliesen. Hinter vorgehaltener Maske konnte hören wer hören wollte, dass sich die ökonomischen, ökologischen, sozialen Zustände schon vor den Corona-Zugriffen im freien Fall befanden – die Pandemie machte das lediglich sichtbarer und spürbarer. Jedem kann klar sein, dass das hemmungslose Überlaufen der Geld-Druckmaschinen schließlich bezahlt werden muss, ökonomisch, ökologisch, sozial. Das zerstörerische System hat festgelegt, wer bezahlt und wer profitiert, national und international.

    Unverdrossen planen die hiesigen Stadtentwickler auf der Nordseite des Hauptbahnhofs da so weiter, wo und wie sie vor Corona aufgehört hatten. Inhaltlich wurden die prekären Pläne ein weiteres mal aufgehübscht: Viel Beton und Asphalt soll vergossen, Stahl und Glas aufgetürmt und alles grün verziert werden – eine Lösung der radikal wachsenden Verkehrsprobleme wurde einmal mehr ignoriert. Aber Platz geschaffen für private Gewinnerwartungsflächen und weitere Belastungen für die öffentlichen Räume vorgesehen. Methodisch wird das alte Verfahren in neuer Technik betrieben – immer ein Planungs-Schrittchen weiter gehen, das später als beschlossen gelten wird, immer “die Menschen beteiligen” und ihre Meinung vereinnahmen, sofern sie passt.

    Auf Herrn Sierau als starker OB folgte Herr Westphal als starker Stadtentwickler – im Gewusel der Rathauskoalitionierungen war offenbar kein Platz, die autogerecht verkorkste Dortmund-Planung, in diesem Fall “nordwärts”, grundsätzlich zu überdenken. Ein Blick auf die inzwischen lebensbedrohenden Veränderungen in den natürlichen Ressourcen, Umwelt und Klima und im Umgang mit Menschenwürde, Solidarität und Demokratie ist nicht zu erkennen. Keine Zeit, an diesem so wichtigen Ort im Stadtplan lebensfähige Perspektiven für die Benutzer/innen der City und des HBF mit den Bewohner/innen der Nordstadt zu denken und in Planung umzusetzen.

    Manches erinnert an die große Politik, die in Berlin und den Bundesländern “in der Krise” übt, ohne finanzielle Deckung zu arbeiten und täglich neue Parolen auf Verordnungswegen auszugeben. So sollen, mit Hilfe des allfälligen Chors der Medien, die Menschen in Atem gehalten und an der rasanten sozialen Spaltung und schleichenden Entdemokratisierung “beteiligt werden”, ohne dass sie Einfluss auf die Entscheidungen nehmen können.

  6. Moritz Döring

    Danke für den Hinweis! Natürlich müsste es „unter dem“ und nicht „durch den“ Park lauten. Nichtsdestoweniger ist diese Feinheit letztlich irrelevant: Auch wenn der ZOB, wie betont, unterhalb des Parks liegt, entstehen durch den vermeidbaren Busverkehr zusätzliche Lärm-, Feinstaub- und CO2-Emissionen, die nicht sein müssen und nicht sein sollten! Es ist hanebüchen und widerspricht jedweder Ziele zur Verringerung der Klimaschäden und zur Verbesserung der Lebensqualität, den Fernbusverkehr durch die Stadt hinein- und dann wieder hinauszuführen. Es gibt nachweislich genügend Orte, die über eine gute Anbindung an den ÖPNV sowie die Autobahn verfügen (letzteres gilt nicht für den nördlichen Bahnhofsvorplatz), und sich somit einfach besser für einen ZOB eignen. Ich zitiere nochmals (dies tat ich bereits an anderer Stelle im nordstadtblogger) einen Artikel der ZEIT vom 29. Oktober 2015 über die Verbannung des ZOB aus dem Kölner Zentrum (https://www.zeit.de/mobilitaet/2015-10/fernbusse-koeln-busbahnhof): „Seit Mittwoch Mitternacht dürfen die Fernbusse den Halt nicht mehr ansteuern – Köln hat als erste Großstadt in Deutschland Fernbusse aus dem Stadtzentrum an die urbane Peripherie verbannt. Bislang haben bis zu 100 Busse täglich die Haltestelle direkt neben dem Kölner Hauptbahnhof angefahren, hat der Fernbusbahnhof täglich mehr als 1.500 Einheimische und Touristen in die Stadt gespült. Doch die apfelgrünen Busse der mittlerweile fusionierten Anbieter Flixbus und MeinFernbus, die gelben Postbusse und andere Zigtonner mussten durch ein Nadelöhr, bevor sie ihre Reise antraten oder, dem Bahnhof zustrebend, halten konnten.“ Wenn Sie sich die Planung anschauen, dann werden Sie unschwer erkennen, dass uns in Dortmund ein ähnliches Szenario droht…

  7. Anne Schulze-Allen

    Es hat den Eindruck, als sei die Zeit bei unseren Stadtplanern vor Covid 19 stehengeblieben. Schon vorher war fragwürdig, ob dieses riesige Bauvorhaben an der Nordseite des Bahnhofs in die heutige Zeit passt. Jetzt, wo das Land und die chronisch unterfinanzierte Stadt Dortmund absehbar jeden Euro benötigen, um die Folgen der Pandemie für die besonders unter dem Lockdown leidenden Bevölkerungsteile wenigstens etwas abzufedern, brauchen die Menschen der Nordstadt alles andere als ein superteures Prestigeprojekt vor ihrer Nase. Ein wirkliches Geschenk für die Nordstadt wären ein kommunaler gemeinnütziger Wohnungsbau, dem Bedarf entsprechend ausgestattete Bildungseinrichtungen und Kitas, sowie qualifizierte und gut bezahlte Arbeitsplätze statt prekärer Jobs, die mit keiner sozialen Absicherung verbunden sind. Nicht zufällig rangiert Dortmund beim Städteranking wegen seiner schwierigen Sozialstruktur im unteren Viertel. Das ist jedoch kein naturgegebenes Schicksal. Eine Änderung benötigt politischen Willen und eine entsprechende Finanzierung. Aber Geld ist ja anscheinend genug da. Bevor es für ein weiteres Dortmunder Fass ohne Boden ausgegeben wird, sollte zumindest ein Moratorium erlassen werden, solange bis die Folgen der Pandemie absehbar sind.

  8. Wiebke Claussen

    De facto sind in den letzten Jahrzehnten die vorhandenen Freiflächen nördlich des Bahnhofs nach und nach zubetoniert worden (Arbeitsamt, Fernbus ZOB). Nun steht die weitere Versiegelung der letzten nicht bebauten Fläche an.
    Nur ein Teil der zu überplanenden Flächen gehört der Stadt, der überwiegende Teil der Bahn, Immobilienfonds und privaten Eigentümern, die von der Stadt angesprochen wurden, um hie neue urbane Stadtentwicklung voranzubringen und den „Hinterhof“ zu attraktivem urbanen Quartier zu entwickeln.
    Das Ganze ist ein riesiges Immobilienentwicklungs- und Verkehrserzeugungsvorhaben. Was an diesem zentralen Ort in Dortmund und diesem strategischen Punkt der Stadtentwicklung ansteht ist die Schaffung von städtebaulichen Gebrauchswerten und Aufenthaltsqualitäten für Alle. Es geht darum, Klimaschutz und so etwas wie Klima- und Verkehrswende konkret zu machen. Aber all das sucht man vergebens. Statt dessen wird weiterhin am Standort des Fernbus-Bahnhofes festgehalten, der weitere immense Verkehre in die Nordstadt ziehen wird.
    Und auch die zu schaffende „grüne Rampe“ entpuppt sich bei näherem Hinsehen nur als das „begrünte Top“ aufeinander gestapelter Verkehrsanlagen: Fernbus-Bahnhof, Parkhaus und ein Fahrradparkhaus. Und dies wird dann als „Geschenk“ verbrämt, das an die Stadt zurückzugeben werden soll. Und zur Möblierung des grünen Parkhausdaches dürfen wir Bürger uns jetzt mit Gedanken machen.
    Diese Planungen gehen angesichts der Klimadebatte in die komplett falsche Richtung!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Infos

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen