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SERIE Nordstadt-Geschichte(n): Die Bootshäuser des RC Hansa 98 – Der Ruderklub wurde vor 120 Jahren gegründet

Das Städtische Bootshaus von 1909 (links) und das Bootshaus des RC Hansa 98 von 1923 und viel Verkehr auf dem Dortmund-Ems-Kanal, Ansichtskarte 1925/1930 (Sammlung Klaus Winter)

Von Klaus Winter

Im Oktober 2018 jährt sich die Gründung des Ruderklubs Hansa 98 zum 120. Mal. In einer so langen Vereinsgeschichte haben sich selbstverständlich zahlreiche erinnerungswürdige Geschehnisse ereignet. Aufgrund seiner großen sportlichen Erfolge gilt das für den RC Hansa im besonderen Maße. In diesem Beitrag sollen jedoch die Bootshäuser, die der Verein bis zum Zweiten Weltkrieg nutzte, in den Vordergrund gestellt werden.

1898 wurden in Dortmund gleich zwei Ruderklubs gegründet

Ruderclub Hansa: Die Bootshäuser am Dortmund-Ems-Kanal heute. Foto: Klaus Hartmann

Der Ruderklub Hansa war nach dem Ruderklub Union der zweite Sportverein dieser Art, der 1898 binnen weniger Wochen in Dortmund ins Leben gerufen. Auslöser für die Gründungen war der Abschluss der Arbeiten am Dortmund-Ems-Kanal; der Dortmunder Hafen sollte im folgenden Jahr eröffnet werden.

Die Mitglieder des Ruderklubs Union arbeiteten als Techniker auf dem gleichnamigen Werk. Sie hatten sich zusammengefunden, um sich an der frischen Luft körperlich zu betätigen. Sportliche Wettkämpfe strebten sie nicht an. Diese Lücke wollten die Gründer des Ruderklubs Hansa schließen.

Die Vereinsgeschichte von Hansa begann mit einem Aufruf in der „Dortmunder Zeitung“ im Oktober 1898, der von den Brüdern Carl und Gustav Cramer in Auftrag gegeben worden war. Tatsächlich fanden sich Interessierte, die sich dem Rudersport widmen wollten, unter ihnen Mitglieder des Klubs Union. Der neue Verein überstand die ersten Monate, die schon deshalb schwierig waren, weil das Winterhalbjahr für die Ausübung des Rudersports eher ungeeignet ist. So begann das eigentliche Sportleben erst im Frühjahr 1899.

RC Hansa nahm 1899 den Ruderbetrieb auf

Im April 1899 konnte der Ruderbetrieb aufgenommen werden. Ab diesem Zeitpunkt wurde auch der Vereinsbeitrag erhoben. Eigene Boote besaß der Verein damals noch nicht. Sie wurden von einem Vereinsmitglied zu einem Preis von 12 ½ Pfennig pro Mann und Stunde gemietet. Da aber die Stadt für die Schüler der höheren Schulen nicht nur zwei Boote gekauft, sondern in der Nähe der Drehbrücke am Hafen auch ein Bootshaus errichtet hatte, weckte das Begehrlichkeiten beim RC Hansa.

Über den Hafendirektor, Baurat Mathies, beantragte man die Mitbenutzung der für die Schüler angeschafften Boote sowie des städtischen Bootshauses. Die Verhandlungen verliefen erfolgreich, und es ging weiter: Von einem Berliner Verein konnte man für die nicht unerhebliche Summe von 400 RM zwei Vierer mit Riemen erwerben.

In der Folgezeit wurde der RC Hansa auch immer mehr von der Öffentlichkeit wahrgenommen. Man bestaunte die Fahrten der Ruderer auf dem Dortmund-Ems-Kanal. Die Mitgliederzahl stieg an. Es traten nun Rudersportler dem Klub bei, die vorher bei auswärtigen Vereinen aktiv gewesen waren. Sie brachten nicht nur ihre Muskelkraft, sondern auch ihre Kenntnisse über das Rudern mit.

Das erste Bootshaus des RC Hansa 98 an der Drehbrücke am Hafengelände bestand nur wenige Jahre (Sammlung Klaus Winter)

1902 wurde das erste eigene Bootshaus in Betrieb genommen

Die positive Entwicklung des Vereins führte zu dem Wunsch nach einem eigenen Bootshaus. Das war 1901. Bereits im folgenden Jahr konnte er erfüllt werden. In der Nähe des Schülerbootshauses an der Drehbrücke wurde im gleichen Stil das Vereinsbootshaus errichtet.

Finanziert wurde es durch die Ausgabe von Anteilscheinen á 200 Reichsmark. Die meisten Anteile wurden aber – wie sich im Laufe der Zeit zeigen sollte –dem Klub geschenkt, so dass sich die Belastung der Vereinskasse entsprechend reduzierte. Das Baugrundstück, auf dem auch zwei Tennisplätze angelegt worden waren, war eingezäunt und Eigentum der Stadt Dortmund.

Bereits das erste Hansa-Bootshaus diente nicht allein der Unterbringung der Boote und den Sportlern als Umkleideraum, sondern auch dem außersportlichen Vereinsleben. So heißt es in der Chronik zum 30jährigen Vereinsbestehen, dass in dem Haus die älteren Mitglieder glückliche und fröhliche Stunden verlebt hätten.

Nach wenigen Jahren musste das Vereins-Bootshaus aufgegeben werden

Die Zahl der Mitglieder wuchs weiter, die sportlichen Aktivitäten nahmen zu und man konnte bald die ersten Achtungserfolge, aber auch die ersten Siege feiern, so zum Beispiel bei Regatten in Essen und Münster 1904. In den Fachzeitschriften zum Wassersport erhielt der junge Verein gute Kritiken. Im Winter, wenn das Rudern nicht möglich war, begab man sich auf Wanderschaft, ging Schwimmen und übte sich sogar im Fechten!

Die Freude über das eigene Bootshaus währte nur wenige Jahre. Wegen des Ausbaus des Hafens war es 1906 bereits einmal versetzt worden. 1907 musste es dann ganz geräumt werden. Einen Ersatz erhielt der Ruderklub nicht; die Boote mussten in einem Firmenschuppen untergebracht werden, in dem sich die Ruderer auch umkleiden, aber nicht waschen konnten. Dennoch ging der Ruderbetrieb weiter.

Das 1909 erbaute neue städtische Bootshaus wurde auch vom RC Hansa 98 genutzt. Ansichtskarte um 1910 (Sammlung Klaus Winter)

Neues Städtisches Bootshaus stand auch RC Hansa zur Verfügung

Die Bootshaus-Frage konnte aber zügig gelöst und das Intermezzo im Firmenschuppen bald beendet werden. Zu danken war dies dem Oberingenieur Willikens, der seit 1907 dem Verein vorstand. Er führte die Verhandlungen mit der Stadt, die schließlich von Erfolg gekrönt waren. Die ersten Schritte auf dieses Ziel zu wurden 1907/08 unternommen, und im Sommer 1909 konnte das neue Städtische Bootshaus in Benutzung genommen werden. Die offizielle Einweihung fand am 1. Juli 1909 statt.

Das neue Bootshaus lag rechts des Dortmund-Ems-Kanals am Fredenbaum, jetzt Bootshaus des Ruderklubs Germania. Es diente sowohl dem städtischen Schülersport als auch dem Ruderklub Hansa. Zu den Nutzern sollte zunächst auch der Dortmunder Fischerei-Verein gehören. Und schließlich war darin auch eine öffentliche Gastronomie eingerichtet.

1910 wurde die erste Regatta von Hansa ausgerichtet. Neue Boote konnten angeschafft werden und die Mitgliederzahl wuchs. Bis zum Ersten Weltkrieg errangen Sportler von Hansa 98 verschiedene Siege in unterschiedlichen Bootsklassen. Sogar den Achter gab es schon ebenso wie die Disziplin „Kanaldauerrudern“. Neben den Wettkämpfen standen (Ruder-)Wanderfahrten auf dem Klubprogramm. Mit alldem war Schluss, als der Erste Weltkrieg ausbrach. Zehn Klubmitglieder kehrten von der Front nicht nach Hause zurück.

Wunsch nach eigenem Bootshaus wurde 1923 erfüllt

In der frühen Nachkriegszeit hatte auch der Ruderklub Hansa 98 mit zahlreichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Doch es ging voran, und auch der Wunsch nach einem eigenen Vereinsheim lebte wieder auf, denn die Verhältnisse im städtischen Bootshaus deckten lediglich die Anforderungen eines Anfängervereins, aber nicht denen eines so großen Vereins wie Hansa.

Das Bootshaus des RC Hansa 98 von 1923 steht noch heute und ist trotz Um- und Anbauten eindeutig wieder erkennbar. Ansichtskarte um 1930 (Sammlung Klaus Winter)

1921 konnte der Ruderklub ein dem städtischen Bootshaus benachbartes Grundstück in Erbpacht nehmen und im Oktober desselben Jahres den ersten Spatenstich für das neue Vereinshaus ausführen. Anfang 1923 wurden bereits die Boote in den neuen Hallen untergestellt, am Ostersonntag fand ein Konzert im neuen Bootshaus statt und zur ersten Monatsversammlung des Klubs traf man sich Anfang November 1923 in den neuen Räumlichkeiten.

Zwanzig Jahre sollte das neue Heim bestehen. Bei Bombenangriffen im Mai 1943 fielen rund 30 Brandbomben im Bereich der Bootshäuser. Dadurch wurde auch das Hansa-Bootshaus schwer beschädigt. Doch es wurde wieder aufgebaut. Später erfolgten dann die An- und Umbauten, die dem Bootshaus sein heutiges Aussehen gaben.

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