Nordstadtblogger

„Rassismus gedeiht da, wo er geleugnet wird“: Breites Engagement gegen rechte Gewalt in Dortmund

Viele Dortmunder Einrichtungen haben sich an den Wochen gegen Rassismus beteiligt - darunter auch 20 Einrichtungen der AWO - hier Familienzentrum & KiTa Aplerbecker Straße.

Viele Dortmunder Einrichtungen und Institutionen beteiligen sich in diesen Wochen gegen Rassismus – darunter sind auch  20 Einrichtungen der Dortmunder AWO – hier Familienzentrum & Kita Aplerbecker Straße.

Rassimus, Racism (engl.), Racisme (franz.), Racismo (esp.), Razzismo (itl.) oder 种族主义[種族主義] (chinesisch). Ein Wort – viele Sprachen, aber überall steht es für dasselbe. Ausgrenzung, Herabwertung und Hass aufgrund einer abweichender Herkunft, Hautfarbe und Abstammung. Schaut man sich die vielen verschiedenen Definitionen von Rassismus an, kann man kaum glauben, dass dieses Phänomen noch heute existiert und Menschen in so vergangenen Denkmustern leben. Glauben muss man es aber, denn Rassismus ist leider immer noch allgegenwärtig, auf fast allen Teilen der Welt. Gerade weil einige immer noch die Meinung vertreten, Rassismus gäbe es nicht mehr, wurden die internationalen Wochen gegen Rassismus ins Leben gerufen. 14 Tage wird weltweit zur Solidarität mit den Gegnern und Opfern von Rassismus aufgerufen. Dieses Jahr finden die Aktionswochen vom 15. bis 28. März statt. Auch hier in Dortmund beteiligen sich zahlreiche Vereine und Organisationen an der weltweiten Aktion und wollen durch verschiedene Aktionen auf Rassismus aufmerksam machen.

„Melde rechte Gewalt“ – „BackUp“-Beratungsstelle stärkt Opfern und Zeug*innen den Rücken

Plakataktion der Beratungsstelle „BackUp“ unter dem Motto „Melde rechte Gewalt“.

Rechtsextreme, rassistische und antisemitische Taten sind längst nicht so selten, wie man denkt. Die Übergriffe finden häufiger statt – das Problem dabei: sie werden oft nicht gemeldet. Genau hier will das im November 2011 gegründete Projekt „BackUp“ ansetzen. Opfer rechtsgerichteter, rassistischer und antisemitischer Gewalt sollen eine Anlaufstelle und Beratung haben, an die sie sich wenden können – und zwar immer auch außerhalb der internationalen Aktionswochen.

Die internationalen zwei Wochen gegen Rassismus hat „BackUp“ zum Anlass für ihren Kampagnenstart „Melde rechte Gewalt“ genutzt. Zusammen mit der DSW21 will die Beratungsstelle öffentliche Räume wie U-Bahnstationen und die Vitrinen der Fahrzeuge nutzen, um betroffene Menschen zu erreichen und zu signalisieren „Wir unterstützen euch“.

Aber nicht nur Betroffene können sich angesprochen fühlen, auch Freund*innen, Angehörige und Zeug*innen sind aufgerufen, Taten zu melden. Seit Montag 15. März, sind verschiedene Plakate mit Botschaften wie „Melde rassistische Gewalt“, „Melde antisemitische Gewalt“ und „Melde rechte Gewalt“ in den Fahrzeugen und U-Bahnstationen der DSW21 zu sehen – in verschiedenen Ausführungen und Sprachen.

Klare Haltung gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus auch bei den Dortmunder Stadtwerken

DSW21 bezieht seit Jahren Position für Vielfalt - „Wir fahren bunt“ heißt es heispislweise ganzjährig am Stadtgarten. Foto: Alex Völkel

DSW21 bezieht seit Jahren Position für Vielfalt – „Wir fahren bunt“ heißt es heispislweise ganzjährig am Stadtgarten. Foto: Alex Völkel

„Eine klare Haltung gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus ist für uns mehr als eine Selbstverständlichkeit, es ist eine Verpflichtung zum Schutze unserer freiheitlichen Demokratie. Deshalb unterstützen wir ‘BackUp’ gerne, indem wir Flächen und Reichweite zur Verfügung stellen“, sagt Harald Kraus, Arbeitsdirektor von DSW21.

Ziel der Kampagne ist es, Betroffene und Zeug*innen zu ermutigen, Taten bei der Polizei oder alternativen Stellen zu melden. Das würde langfristig auch dazu führen, mehr Taten rechtsgerichteter, antisemitischer und rassistischer Gewalt aufzuklären, aber in erster Linie natürlich bekannt zu machen und zu dokumentieren.

Auch bei „BackUp“ kann man sich als Opfer oder Zeug*in melden. Sie sind neben Beratungs- und Anlaufstelle auch alternative Meldestelle für rechtsextreme, rassistische und antisemitische Gewalttaten.

„Rassismus gedeiht da, wo er geleugnet wird“ – auch AWO startet Plakataktion gegen Rassismus

Anja Butschkau und Mirja Düwel von der AWO präsentiertenmit Cristian Kohut (Wall) die virtuellen Plakate in der City.

Anja Butschkau und Mirja Düwel von der AWO präsentierten gemeinsam mit Cristian Kohut (Wall) die virtuellen Plakate in der City.

Plakate erreichen viele – Plakate werden gesehen. Ganz nach dem Motto beteiligt sich auch die Arbeiterwohlfahrt (AWO) an den internationalen Wochen gegen Rassismus.

„Die AWO steht für Demokratie und Courage. Auf Grundlage unserer Grundwerte Freiheit, Solidarität, Toleranz, Gleichheit und Gerechtigkeit reflektieren wir immer wieder unser eigenes Handeln. Wir sind alle gefordert, eine Rassismus kritische Haltung nicht nur zu proklamieren, sondern sie auch selbst zu leben und ständig weiterzuentwickeln“, so Anja Butschkau, die AWO-Vorsitzende.

Auffordern wollen sie jetzt auch andere Menschen. Im Zeitraum der Wochen gegen Rassismus vom 15. bis 28. März sollen berühmte Zitate auf den Plakaten für das Thema sensibilisieren. Über einen abgedruckten QR-Code können alle, die möchten, mehr über das Zitat, dessen Ursprung und Infos zum Thema Rassismus erfahren.

„Rassismus gedeiht da, wo er geleugnet wird“ und „Rassismus drückt sich nicht nur in physischer Gewalt aus, sondern zuerst in Gedanken und Worten“. Diese und andere Sprüche findet man seit dieser Woche an vielen AWO-Einrichtungen im gesamten Dortmunder Stadtgebiet. Auch die Zusammenarbeit mit der Firma „Wall GmbH“ soll dabei helfen, die Botschaft noch weiter und auch digital zu verbreiten. Sie ergänzt die Plakataktion durch ihre digitalen Werbeflächen in der Dortmunder Innenstadt, wo in den kommenden zwei Wochen die Zitate über die LED-Wände flimmern.

Evangelischer Kirchenkreis thematisiert drohende Gefahren durch „Querdenker“ und startet Video-Stadtrundgang

Christen gegen Rechtsextremismus. Foto: Stephan Schuetze / Archiv

Mit doppeltem Engagement tritt der evangelische Kirchenkreis Dortmund gegen Rassismus ein. Sie wollen ein Zeichen setzen und positionieren sich ganz bewusst gegen rechts. Denn auch in den Reihen der Kirchenbänke ist kein Platz für Rassismus und Ausgrenzung.

Es ist nicht das erste Mal, dass die evangelische Kirche klare Signale sendet.Im Jahr 2019 haben Friedrich Stiller und Sabine Fleiter, Mitglieder des Arbeiterkreises zum Deutschen Evangelischen Kirchentag einen Stadtrundgang unter dem Motto „Rechtsextremismus in Dortmund – eine Stadt wehrt sich“ entwickelt.

Jetzt wurde das dabei entstandene Video- und Filmmaterial neu aufgearbeitet und zu einem digitalen Rundgang umgewandelt – in Zusammenarbeit mit der Stadt Dortmund. Der Stadtrundgang hat damals viel Beachtung gefunden und ist jetzt in der aktuellen Corona-Zeit eine digitale Möglichkeit, die informative politische Führung durch Dortmund erneut zu genießen. Im Laufe der nächsten Tage soll der Film auf der Website des evangelischen Kirchenkreises veröffentlicht und somit für alle Menschen zugänglich sein. Außerdem steht er im Anhang des Artikels zur Verfügung.

Mischszene aus „Querdenker*innen“, Rechtspopulist*innen und Rechtsextremen bereitet Kirche Sorgen

Querdenker-Corona-Demo in Dortmund.

Wichtig ist dem evangelischen Kirchenkreis aber auch auf aktuelle Gefahren aufmerksam zu machen. Unter dem Veranstaltungsnamen „Ver-Querdenker – neue Mischszene am rechten Rand?“ soll am Montag, 22. März, über die sich immer weiter entwickelnde Szene gesprochen werden.

Dr. Harald Lamprecht von der evangelisch-lutherischen Landeskirche in Sachsen, ist zu Gast und schildert seine Bedenken zu den Querdenker*innen.

Er beobachtet mit Bedenken die Entstehung der neuen Mischszene aus Corona-Leugner*innen, Rechtspopulist*innen und Rechtsextremen. Sorgen bereitet ihm die Entwicklung nicht erst seit dem Angriff auf den deutschen Reichstag im August 2020. Die Veranstaltung findet online statt und bietet anschließend Raum für Diskussionsrunden. Anmelden können sich Interessierte per E-Mail über rgv@ekkdo.de.

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5 Gedanken über “„Rassismus gedeiht da, wo er geleugnet wird“: Breites Engagement gegen rechte Gewalt in Dortmund

  1. Plakative Botschaften - AWO-Aktion gegen Rassismus und Ausgrenzung (PM)

    Plakative Botschaften – AWO-Aktion gegen Rassismus und Ausgrenzung

    Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus 2021 macht der AWO Unterbezirk Dortmund mit 20 großformatigen plakativen Botschaften an eigenen Gebäuden und Einrichtungen sowie in Kooperation mit der Wall GmbH, die die Motive mittels ihrer digitalen Werbeflächen in der Dortmunder Innenstadt 14 Tage lang präsentieren wird, auf das Thema Rassismus aufmerksam.

    „Die AWO steht für Demokratie und Courage. Auf Grundlage unserer Grundwerte Freiheit, Solidarität, Tolerant, Gleichheit und Gerechtigkeit reflektieren wir immer wieder unser eigenes Handeln. Wir sind alle gefordert, eine Rassismus kritische Haltung nicht nur zu proklamieren, sondern sie auch selbst zu leben und ständig weiterzuentwickeln“, so Anja Butschkau, die AWO-Vorsitzende.

    Vom 15. bis zum 28. März 2021 hängen 20 Zitate an AWO-Einrichtungen im gesamten Dortmunder Stadtgebiet und sollen zur Auseinandersetzung mit dem Thema Rassismus sensibilisieren. „Rassismus gedeiht da, wo er geleugnet wird“ ist eines der Zitate, „Rassismus drückt sich nicht nur in physischer Gewalt aus, sondern zuerst in Gedanken und Worten“ ist ein weiteres. Die Zitate hat das Impulsbüro „Respekt & Demokratie“ des AWO-Projekts „Zukunft mit Herz gestalten“ ausgesucht, in den AWO-Werkstätten wurden sie auf wetterfeste Planen gedruckt, und sind nun an zahlreichen AWO-Einrichtungen als Banner oder Papierplakat zu sehen.

    Zusätzlich digitale Unterstützung für ihre Aktion erhält die AWO von der Wall GmbH, heute Teil der JCDecaux-Gruppe, dem Weltmarktführer der Außenwerbung. Das seit 1992 als Stadtmöblierer und Außenwerber in Dortmund tätige Unternehmen hat für die gesamte Dauer der Internationalen Wochen ihre digitalen Werbeträger in der Dortmunder Innenstadt zur Präsentation des AWO-Projekts kostenfrei zur Verfügung gestellt.
    Cristian Kohut, Regionalmanager der Wall GmbH: „Gegen Rassismus und Ausgrenzung Flagge zu zeigen und aktiv zu werden, sollte für jeden einzelnen von uns, aber auch für Unternehmen, selbstverständlich sein. Uns bei Wall liegt der Kampf gegen Rassismus und Ausgrenzung schon lange besonders am Herzen. Wir unterstützen in unseren Partnerstädten in ganz Deutschland regelmäßig Initiativen und Organisationen, die dieses Ziel verfolgen und sich für eine vielfältige Gesellschaft engagieren. Als langjähriger Partner Dortmunds im Bereich Außenwerbung haben wir uns daher über die Initiative der AWO Dortmund besonders gefreut und uns gern hier als Partner beteiligt.“

    Wer mehr über die plakativen Zitat und den Ursprung, aber auch Infos zum Thema Rassismus haben will, kann sich über einen QR-Code direkt vor Ort Infos auf sein Handy holen. Alle Informationen sowie die 20 Zitate sind auch direkt online abrufbar.

    Seit 1966 rufen die Vereinten Nationen jedes Jahr am 21. März zum Internationalen Tag gegen Rassismus auf, denn am 21. März 1960 richteten südafrikanische Polizisten das Massaker von Sharpeville an. Sie erschossen 69 schwarze Demonstrierende, die für ihre Rechte auf die Straße gegangen waren. Das Massaker gilt als trauriger Höhe-, aber auch Wendepunkt der Apartheit in Südafrika. Darum begehen inzwischen auch Millionen Menschen auf der ganzen Welt den Internationalen Tag gegen Rassismus. Wegen der vielen Aktionen und Kampagnen rundherum wurde er schon vor Längerem zu den Internationalen Wochen gegen Rassismus erweitert. Sie finden dieses Jahr vom 15. bis zum 28. März statt – daran beteiligt sich auch wieder die AWO – unter anderem mit der Zitate-Aktion.

    „Die AWO Dortmund positioniert sich öffentlich sichtbar gegen Rassismus und Ausgrenzung. Wir wollen strukturelle Barrieren und Benachteiligungen deutlich machen und auch unsere eigenen Sichtweisen kritisch hinterfragen. Lasst uns solidarisch, beherzt und aktiv für Vielfalt, Teilhabe und die respektvolle Anerkennung aller Menschen einsetzen – unabhängig von Herkunft und Hautfarbe“, fordert Anja Butschau.

  2. Wolfgang Richter

    „Rassismus gedeiht dort, wo er geleugnet wird“

    Rassismus ist nicht erst da, wo seine Unmenschlichkeit offen zutage tritt, anzündet, totschlägt, mordet. Rassismus kann und muss schon erkannt werden, wo er verdeckt und in einer Kumpanei agiert, in der sich alle einig sind in ihrer Sicht auf ‚die Anderen‘. Am Tag gegen Rassismus 2021 erinnere ich an den Tod von Ousman Sey 2012 in Dortmund:

    „Ousman Sey starb in der Folge einer unglaublichen Odyssee im Polizeipräsidium. Der 45jährige Mann aus Gambia war krank und suchte ärztliche Hilfe. Er lebte in der Nordstadt, nicht weit von der Klinik Nord. Er rief zweimal um Hilfe, aber der Rettungsdienst erkannte zweimal keine Not – „Du musst nur ruhig liegenbleiben!“ Als sie ihn nicht in die Klinik brachten, erfasste ihn Panik. Jetzt griff die Bereitschaftspolizei ein und transportierte den Mann, gefesselt, ins Präsidium auf der anderen Seite der Stadt. Bevor dort ein Polizeiarzt eintraf, war der Mann zusammengebrochen und tot.
    Die Leitungen von Polizei und Rettungsdienst wussten es am nächsten Morgen schon: „Von Rassismus kann natürlich keine Rede sein – jedem anderen wäre es genauso ergangen. Man wird alles genau untersuchen.“
    Neun Monate später schloss die Staatsanwaltschaft die Akten und erklärte: „Es kann nicht mit hinreichender Sicherheit festgestellt werden, dass der Todeseintritt bei unverzüglicher Behandlung durch die Rettungssanitäter vermeidbar gewesen wäre.“ Ist es der Auftrag von Rettungsdiensten, nur zu handeln, wenn Erfolg garantiert ist?
    Auch die Rolle der Polizei bei diesem Todeseintritt konnte nicht mit hinreichender Sicherheit ermittelt werden. Ist es der Auftrag von Polizeikräften, Sterbenskranke nachts ins Präsidium zu fahren, wo ein Arzt erst gerufen werden muss? Wie lange hat es gedauert, bis der da war?
    In den Lokalmedien wurde die Einstellung des Verfahrens unter der Überschrift gemeldet: „Tod eines Randalierers“. Wer hat diesen Begriff in die Redaktionen geliefert – die Rettungsdienste, die Polizei, der Staatsanwalt?
    So unterblieb die Aufklärung über die skandalöse „Verbringung“ eines Farbigen in den Tod. In der Lokalpresse wurde aus dem Getöteten „ein gambischer Randalierer“. Von Rassismus konnte wirklich keine Rede sein.“ (W.R. 2013)

    Das war 2012 mitten in Dortmund – was hat sich inzwischen geändert? Ja, einiges – von solchen guten Beispielen, Projekten und Akteuren berichtet der Artikel. Schade, dass ihm ein Film angeheftet ist, der ein Beispiel für Selbstgefälligkeit, Intoleranz und gelebte Ausgrenzung ‚der Anderen‘ ist. Im Film wird eine ‚gesellschaftliche Mitte‘ stilisiert, die sich selbst feiert und ihre gefährliche Sicht auf die Anderen ‚an den Rändern der Gesellschaft‘ zur Schau stellt – den rechten Sumpf beklagend und den linken Widerstand in der Stadt verschweigend. Der Film ist im Kern propagandistisch und antidemokratisch, nur einen Moment von offenem Rassismus entfernt. Es ist wahr:„Rassismus drückt sich nicht nur in physischer Gewalt aus, sondern zuerst in Gedanken und Worten“ und „Rassismus gedeiht dort, wo er geleugnet wird“.

  3. Ulrich Sander

    Kommentar von
    Ulrich Sander.
    Der „Angriff auf den deutschen Reichstag“ fand 1933 und nicht 2020 statt – der von 2020 war ein Angriff auf den deutschen Bundestag.
    Es ist ja zu begrüßen, dass Sie so viele Beispiele für Aktionen gegen Rassismus nennen, aber es sollte auch die größte Aktion in der Stadt für Rassismus genannt werden. Das ist der Tasereinsatz der Polizei gegen die Nordstadt mit ihren über 70 Prozent Menschen mit „Migrationshintergrund“.
    Ein Problem sehe ich in den Aufrufen zur Denunziation, vor allem in jenem zum Melden von Fällen von Antisemitismus. Es existiert ein Aufruf der Bundesregierung und von „Netzwerken gegen Antisemitismus“, der weniger die Bekämpfung des Antisemitismus als die Bekämpfung der Kritik an der israelischen Regierung und ihrer Kolonialpolitik zum Inhalt hat, wenn man ihn genau liest. Und diese Politik ist auf Krieg und Ausgrenzung der Araber (rassistisch!) gerichtet. Auch die oft verbreitete Behauptung, es gäbe einen „linken Antisemitismus“ kann schnell zu einem Aufruf „gegen den Extremismus“ führen. Zu „Rechts gleich Links“ und wie alle diese den Faschismus verharmlosenden Begriffe lauten.

  4. Cornelia Wimmer

    Rassismus ist nicht nur dort, wo Menschen anderen Äußeres angepöbelt oder körperlich angegangen werden. – Rassismus in dieser sich ja so gegen den Rassismus positionierenden Stadt Dortmund liegt vor, wenn Gruppen von Menschen ganz schnöde und wie selbstverständlich anders behandelt werden.

    Rassismus (städtischer!) liegt vor, wenn in der Nordstadt trotz eindeutiger Beschlusslage keine voll funktionsfähige Toilette errichtet wird, wohnungslose oder suchtkranke Menschen ersatzweise den öffentlichen Raum als solche benutzen und nichts geschieht, – weil es in der Nordstadt darauf nun auch nicht mehr ankommt???

    Rassismus liegt vor, wenn man das 63 Jahre alte Freibad Stockheide unter Hinweis auf 7 Millionen Kosten nicht sanieren will, und gleichzeitig die Sanierung des knapp 40 Jahre alten Rathauses für rund 35 Millionen für völlig angemessen hält. – Dann gibt’s in der hoch verdichteten Nordstadt eben noch weniger Auslauf für Kinder, was soll‘s???

    Rassismus liegt vor, wenn man nicht auch anderswo in der Stadt für den erschwinglichen, zur Not vom Jobcenter finanzierten Wohnraum sorgt und kühl hinnimmt, dass, wer – geflüchtet oder zugewandert – kein Geld hat, eben allenfalls hier im Norden wohnen kann, zusammen mit all den anderen, auf die das Gleiche zutrifft. So schwinden auch gleich die Chancen auf die vielbeschworene und angeblich nur im eigenen Bemühen liegende Integration. – Macht nichts???

    Rassismus liegt vor, wenn man allen Ernstes erwägt, bei der Neugestaltung des Wallrings den umzuleitenden Verkehr über die Stein-und die Grüne Straße zu führen. – Letztere hat jetzt schon rund 1000 KFZ, die den lärm- und emissionskranken Bewohnern stündlich am Fenster vorbeizischen. Da geht doch wohl noch was???
    Rassismus liegt vor, wenn man 6 Grundschulen in der Nordstadt so hat marode fallen lassen, dass jetzt nichts anderes mehr übrig bleibt, als sie abzureißen und neu zu erbauen. – Die Schüler der Grundschule Kleine Kielstraße werden dann nicht mehr auf ihr langjährig und sorgfältig geknüpftes Netz von Versorgung, Stützunterricht, Mittagessen und Vorschulförderung im Brunnenstraßenviertel zurückgreifen können. Sie werden per Bussing ins ein paar Kilometer südwestlich gelegene Ausweichquartier in der Langen Straße verfrachtet. Engagement vernichtet, Achselzucken.
    ALLE Schulen im Norden hätten eine spürbare Verkleinerung ihrer Klassen dringend notwendig: Verweis auf den Klassenrichtwert, Ende der Debatte. – Guckt wie ihr klarkommt, Lehrkräfte und Kinder!

    Einigermaßen neu in der Debatte um Benachteiligung ist der Begriff der Intersektionalität. Intersektionelle Benachteiligung, bzw hier: Intersektioneller Rassismus liegt dann vor, wenn sich signifikant viele Menschen im Schnittpunkt verschiedener Benachteiligungen befinden. Hier in der Nordstadt sind dies migrantischer Hintergrund im Zusammenspiel mit ökonomischen, wohnungspolitischen, wohnumfeld-bezogenen und bildungspolitischen Benachteiligungen. Die Stadt möge diesbezüglich ihr eignes Handeln kritisch reflektieren. – Sie wird viele Gelegenheiten ausmachen, Rassismus entgegenzutreten.

  5. Presseinformation des IBB Dortmund zum Welttag der kulturellen Vielfalt 2021: IBB e.V. lädt ein zum digitalen Fachtag zu Rassismus im Alltagsleben

    Presseinformation des IBB Dortmund zum Welttag der kulturellen Vielfalt 2021:
    IBB e.V. lädt ein zum digitalen Fachtag zu Rassismus im Alltagsleben

    Abwertende Blicke, anlasslose Kontrollen, Ausgrenzungserfahrungen und manchmal sogar handfeste Auseinandersetzungen: Alltagsrassismus erleben Betroffene als psychische und manchmal sogar physische Gewalt. Doch wie kann Alltagsrassismus individuell und strukturell überwunden werden? Dieser Frage widmet das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk e.V. in Dortmund am Welttag der kulturellen Vielfalt am Freitag, 21. Mai 2021, einen digitalen Fachtag zu Postkolonialismus und Rassismus im Alltagsleben „Schwarz, weiß, bunt – so what?“.

    Weltweite Debatten um das Thema Rassismus schärfen die Wahrnehmung und schaffen gleichzeitig Unsicherheiten. In Deutschland leben viele Menschen, die sich als afrikanische Communities bzw. Schwarze Deutsche definieren und von offenem, verstecktem oder strukturellen Rassismus betroffen sind. Im Mittelpunkt steht daher die Frage: Welche Hindernisse bestehen in Kindertageseinrichtungen, Schulen und Alltagssituationen allgemein für einen offenen Umgang miteinander und wie können diese Barrieren überwunden werden? Serge Palasie vom Eine-Welt-Netz NRW in Düsseldorf wirft zunächst einen Blick auf die Vergangenheit: Welche Auswirkungen hat der Kolonialismus bis heute auf Gedanken, Sprache und gesellschaftliche Ungleichheiten? Helene Batemona-Abeke, Sozialarbeiterin und Diversity Trainerin vom Verein Pamoja Afrika e.V. in Köln, beschreibt Auswirkungen des Alltagsrassismus auf die Betroffenen und stellt das Awareness-Konzept als Lösungsmodell vor.

    Am Mittwoch, 6. Oktober 2021, wird das Thema – wenn möglich als Präsenzveranstaltung – mit einem pädagogisch-didaktischen Workshop vertieft. Beide Seminarteile können unabhängig voneinander gebucht werden. Die Fachtage im Rahmen des Projektes fokus4 richten sich an Mitarbeitende in Kindertageseinrichtungen, Schulen, Jugend- und Sozialarbeit sowie alle Interessierten. Die Teilnahme ist dank einer Förderung aus Mitteln des Asyl- Migrations- und Integrationsfonds der EU kostenlos. Interessierte sollten sich schnell anmelden, denn die Teilnehmendenzahl ist auf 30 begrenzt.

    Nähere Informationen und Anmeldungen unter der Rufnummer 0231-952096-0 bzw. unterwww.ibb-d.de.

    Über das IBB Dortmund:

    Grenzen überwinden – dieser Leitgedanke ist für das Internationale Bildungs- und Begeg¬nungswerk Vision und Lösungsmodell, Ziel und Mittel seiner Arbeit. Weiterbildung und internationale Begegnungen sind seit 1986 die bewährten Markenzeichen des IBB in Dortmund. Das IBB ist zertifizierter Träger der Erwachsenenbildung und der politischen Bildung sowie anerkannter Träger der Jugendhilfe. 2011 erhielt das IBB den „einheitspreis 2011 – Bürgerpreis der Deutschen Einheit“ – von der Bundeszentrale für politische Bildung. Das IBB Dortmund betreibt zusammen mit belarussischen Partnern die Internationale Bildungs- und Begegnungsstätte „Johannes Rau“ in Minsk.

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