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Erinnerung an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht – Umbenennung der Noskestraße in Scharnhorst gefordert

Mit Mahnwachen und einem Mahngang von der Karl-Liebknecht- zur Rosa-Luxemburg-Straße erinnerten DortmunderInnen an die Ermorderung der beiden PolitikerInnen vor 100 Jahren.

Mit Mahnwachen und einem Mahngang von der Karl-Liebknecht- zur Rosa-Luxemburg-Straße erinnerten DortmunderInnen an die Ermordung der beiden PolitikerInnen vor 100 Jahren.

Dortmunder Bürgerinnen und Bürger haben am 100. Todestag von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg mit Mahnwachen und einem Mahngang zwischen der Karl-Liebknecht- und der Rosa-Luxemburg-Straße den RevolutionärInnen gedacht. Zugleich fordert die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/ Bund der AntifaschistInnen eine Umbenennung der Gustav-Noske-Straße in Dortmund-Scharnhorst. 

Ulrich Sander: Noske spielte eine verhängnisvolle Rolle bei den Freikorps

„Reichswehrminister Gustav Noske (SPD) spielte 1918/19 eine besonders verhängnisvolle Rolle als einer der Führer der rechtesten Kräfte, der Freikorps, die schon bald mit dem Hakenkreuz am Stahlhelm die Arbeiterbewegung bekämpften“, erinnerte Ulrich Sander, Sprecher der VVN/BdA. 

Ulrich Sander, Sprecher der VVN/BdA, erinnerte an die Verstrickung von Noske in die Ermordungen.

Ulrich Sander, Sprecher der VVN/BdA, erinnerte an die Verstrickung von Noske in die Ermordungen.

Am 15. Januar 1919 habe „diese reaktionäre Soldateska“, angeführt u.a. von dem Politiker Gustav Noske, in Berlin die beiden bekanntesten Vertreter der deutschen Revolutionären Bewegung – Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg – verschleppt und ermordet.

Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg (beide Jahrgang 1871) begründeten die antimilitaristischen und Friedensbewegungen der arbeitenden Menschen. Liebknecht war der erste Vertreter der SPD, der sich schon zu Beginn des Ersten Weltkrieges öffentlich gegen die deutsche Kriegspolitik gestellt hatte, indem er beispielsweise seine Zustimmung zu den Kriegskrediten verweigerte. Obwohl er Reichstagsabgeordneter war, wurde er zu mehreren Jahre Zuchthaushaft verurteilt. 

Rosa Luxemburg war eine deutsch-polnische Sozialistin, die seit Beginn des 20. Jahrhunderts eine herausragende Repräsentantin der Arbeiterbewegung war. Auch sie wurde während des Krieges verhaftet und ins Zuchthaus gesperrt, wo sie erst durch die Novemberrevolution befreit wurde.

Mehrere tausend Arbeiter und Intellektuelle wurden von Reaktionären ermordet

„Namentlich Friedrich Ebert und Gustav Noske hielten ständigen Kontakt mit der Reichswehrführung, verabredeten brutale militärische Aktionen gegen die zum Frieden und zur Rätedemokratie drängenden Massen“, betonte Sander.

„Die Ermordung der beiden Revolutionäre ist bis heute ein Symbol für die gewaltsame Niederschlagung der revolutionären demokratischen Bewegungen im Deutschen Reich 1918/19.“ 

Mehrere tausend Arbeiter, aber auch Intellektuelle wurden in diesen Wochen und Monaten von reaktionären Kräften des Militärs ermordet. Diese Gruppen bildeten die Keimzelle des deutschen Faschismus, wie die im Dezember 1918 gegründete „Deutsche Arbeiterpartei“, aus der später die NSDAP hervorging. 

„Wenn wir also heute an die Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg vor 100 Jahren erinnern, dann erinnern wir damit auch an die Geburtsstunde des deutschen Faschismus, der in den 30er und 40er Jahren Gewalt, Krieg und Vernichtung über Europa gebracht hat“, so Sander.

Ehrung des Scharnhorster Antifaschisten Kurt Julius Goldstein gefordert

Daher forderten die DemonstrantInnen in Schreiben an Oberbürgermeister Ullrich Sierau und den Bezirksbürgermeister von Scharnhorst, Heinz Pesterny, sich für die Umbenennung der Noskestraße in Scharnhorst einzusetzen.

An Gustav Noske erinnert die gleichnamige Straße in Dortmund-Scharnhorst. Sie soll nach Willen der VVN umbenannt werden.

An Gustav Noske erinnert eine Straße in Scharnhorst. Sie soll nach dem Willen der VVN umbenannt werden.

Kurt Julius Goldstein (geboren am 3. November 1914 in Dortmund-Scharnhorst, gestorben am 24. September 2007 in Berlin) war ein deutsches Mitglied der Internationalen Brigaden im spanischen Bürgerkrieg, Überlebender von Auschwitz und des Todesmarsches nach Buchenwald.

Goldstein war Ehrenvorsitzender des Internationalen Auschwitz Komitees und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten. Als NS-Verfolgter berichtete Goldstein in zahllosen Zeitzeugengesprächen an Schulen und bei Veranstaltungen von seinem Leben. Von Beruf war er Journalist und Rundfunkintendant.

Die Forderung ist allerdings nicht neu: Bereits im Jahr 2014 hatten Aktive der VVN angeregt, die Straße zu Ehren von Kurt Goldstein umzubenennen. Das Stadtarchiv hatte seinerzeit dieses Ansinnen geprüft, eine Umbenennung der Noskestraße aber als nicht angemessen bewertet.

Gleichwohl wurde eine Würdigung von Kurt Goldstein befürwortet und das Tiefbauamt der Stadt Dortmund seinerzeit entsprechend informiert. Bis heute ist allerdings noch keine Straße nach Goldstein benannt worden. Es habe sich noch keine passende Gelegenheit ergeben, heißt es.

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