Molekulare Methoden zeigen Fischbesiedlung in der neuen Emscher

Tag der Artenvielfalt: Dem Zwergstichling mit DNA-Fingerabdruck auf die Schliche gekommen

Der Neunstachlige Stichling ist in der Escher zu Hause. Foto: Bernd Stemmer/ EGLV
Der Zwergstichling ist ein scheuer Einzelgänger und hält sich bevorzugt in flachen, pflanzenbewachsenen Gewässerbereichen auf. Foto: Bernd Stemmer/ EGLV

Anhand einer Wasserprobe bestimmen, welche Lebewesen in Flüssen anzutreffen sind – was zunächst nach Zukunftsmusik klingt, ist durch die Untersuchung der sogenannten „Umwelt-DNA“ (eDNA von engl. environmental DNA) möglich. Die eDNA wird in geringen Mengen von Organismen in die Umwelt abgegeben. Dank der neuen Analysemethode konnte in der neuen Emscher sogar der Zwergstichling nachgewiesen werden – eine recht kleine Fischart, die sich im nun abwasserfreien Gewässer ihren alten Lebensraum zurückholt.

Molekulare Untersuchungsmethoden helfen bei der „Inventarisierung“ der Fische

Im Rahmen des Generationenprojektes Emscher-Umbau wurde der Fluss nicht nur vom Abwasser befreit, zu dem wasserbaulichen Großprojekt gehörten bereits auch erste Renaturierungsmaßnahmen. Hierbei wurden abschnittsweise zahlreiche Gewässer der Natur zurückgegeben.

Ein Bild als Zusammenfassung des Emscher-Umbaus und als Versprechen für die Zukunft: An der Emscher wurde 30 Jahre gebuddelt und gebaut, damit der zentrale Fluss des Ruhrgebietes nach 170 Jahren wieder sauber wird. Foto: Henning Maier-Jantzen/EGLV

Den bisherigen Erfolg der verschiedenen Maßnahmen an der neuen Emscher und ihrer Nebenläufe erfasst die Emschergenossenschaft anhand von Probenahmen entlang der Gewässerläufe. Neben den klassischen Methoden wie der „Elektrobefischung“ helfen inzwischen auch molekulare Untersuchungsmethoden bei der „Inventarisierung“ der Fische.

Unterstützt wird die Emschergenossenschaft dabei durch die Arbeitsgruppe „Aquatische Ökosystemforschung“ der Universität Duisburg-Essen. Unter Leitung von Herrn Prof. Dr. Leese wird hier anhand der Analyse von Umwelt-DNA an verschiedenen Stellen untersucht, wie erfolgreich die Wiederbesiedlung der renaturierten Emscher verläuft.

Und so funktioniert es: Alle Organismen geben ihr Erbgut, d.h. die DNA, in die Umwelt ab. Dies geschieht zum Beispiel über Hautpartikel, Schuppen, Schleim, Kot oder Urin. In Wasserproben weisen Fachleute dann mit modernen Untersuchungsmethoden diese artspezifische DNA aus der Umwelt nach. So bestimmen sie verschiedene Arten durch den Abgleich mit vorliegenden Erbinformationen und belegen das Vorkommen im Gewässer.

Neunstachliger und Dreistachliger Stichling

Die Ergebnisse sind beeindruckend, denn inzwischen leben in der Emscher nachweislich wieder zahlreiche Fischarten. Eine davon ist der schlanke, maximal sieben Zentimeter große „Zwergstichling” oder auch “Neunstachliger Stichling“. Anders als sein etwas größerer Verwandter, der „Dreistachlige Stichling“, welcher vielen Menschen bekannt ist und den die meisten schon mal irgendwo beobachtet haben, ist der Zwergstichling (Pungitius pungitius) eher ein Unbekannter.

Der Stichling ist in der Escher heimisch. (Quelle: EGLV)
Der Stichling ist in der Escher heimisch. Quelle: EGLV

Das liegt an der heimlichen Lebensweise dieses Kleinfisches. Denn der eher scheue Einzelgänger hält sich bevorzugt in den flachen, pflanzenbewachsenen Gewässerbereichen auf. Selbst kleine Gräben mit nur wenigen Zentimetern Wasserstand werden von diesem Spezialisten besiedelt.

Oftmals ist der Zwergstichling hier ohne Konkurrenz, denn die meisten Fischarten kommen mit solchen Bedingungen nicht oder nur schwer zurecht. Eine Strategie, die es dieser Fischart erlaubte, die Zeit der „Köttelbecken“ in abwasserfreien Neben- oder Oberläufen zu überleben.

Nun vergrößert sich mit dem Emscher-Umbau Meter um Meter sein Lebensraum und der Zwergstichling kehrt in seinen ehemaligen Lebensraum zurück. Das bestätigten auch die Molekular-Experten der Universität Duisburg-Essen, die die Umwelt-DNA des Fisches in verschiedenen Proben aus den bereits renaturierten Abschnitten der Emscher fanden.

HINTERGRUND: Die Emschergenossenschaft

Die Emschergenossenschaft ist ein öffentlich-rechtliches Wasserwirtschaftsunternehmen, das als Leitidee des eigenen Handelns das Genossenschaftsprinzip lebt. Sie wurde 1899 als erste Organisation dieser Art in Deutschland gegründet und kümmert sich seitdem unter anderem um die Unterhaltung der Emscher, um die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie um den Hochwasserschutz. www.eglv.de

 

 

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Reaktionen

  1. Eine Brücke für den Roßbach: Maßnahme dient dem Hochwasser- und Naturschutz - Vorbereitungen laufen ab dem 23. Mai an (PM)

    Nicht mehr unterirdisch in Rohren eingesperrt, sondern frei in seinem natürlichen Bachbett soll der Roßbach am Bärenbruch in Dortmund-Marten künftig fließen. Der ansonsten von der Emschergenossenschaft renaturierte Bach wird an dieser Stelle unterhalb der Straße durchgeführt.

    Der Bach wird nun befreit, für den Verkehr baut die Emschergenossenschaft im kommenden Jahr auf der Straße Bärenbruch eine Brücke über den Roßbach. Die vorbereitenden Maßnahmen beginnen bereits am Montag, 23. Mai, und werden zirka zwei Wochen dauern. Die Emschergenossenschaft bittet um Verständnis für etwaig auftretende Beeinträchtigungen.

    „Vor den engen Rohren, durch die der Roßbach zurzeit noch unter der Straße fließt, staut sich bei Hochwasser das Wasser auf und stellt somit einen Abflussengpass dar, der mit der Baumaßnahme beseitigt wird. Außerdem wollen wir mit unserer Baumaßnahme die ökologische Durchlässigkeit des Gewässers verbessern“, erklärt Projektleiter Franz-Josef Rüller von der Emschergenossenschaft.

    Der Bach ist ober- und unterhalb der Durchlassrohre, dem sogenannten Düker, von dem für das Generationenprojekt Emscher-Umbau verantwortlichen Wasserwirtschaftsverband renaturiert worden. Doch für Pflanzen und Tiere, die dank der Renaturierung im Bach wieder heimisch geworden sind, bildet der Düker eine unüberwindbare Barriere. Durch den Bau der neuen Brücke kann der Bach oberirdisch fließen und der Düker wird abgerissen.

    Die unterirdischen Leitungen für Gas, Strom, Wasser, Telekommunikation und Internet müssen zunächst aus dem Gehweg- und Straßenbereich in die seitlichen Randbereiche des Dükers verlegt werden. Dafür wird ab Montag 23. Mai, für rund zwei Wochen das Erdreich in diesen Randbereichen abgetragen. Für diese vorbereitenden Maßnahmen kann der Verkehr weitgehend ungehindert fließen, eine veränderte Verkehrsführung zum Beispiel durch eine Baustellenampel oder einseitige Sperrung ist nicht notwendig.

    Sind die Randbereiche frei, werden die provisorischen Leitungen von den jeweiligen Betreibern voraussichtlich ab Juni 2022 verlegt. 2023 beginnen dann die eigentlichen Arbeiten zum Bau der neuen Brücke und zum Abriss des Dükers. Die Brücke wird in einer Breite von rund 15,70 Metern über den Roßbach führen. Sie wird in zwei Abschnitten hergestellt, sodass während des Baus der Verkehr einspurig über den Bach geführt wird.

    Die Bauzeit beträgt rund zwei Jahre. Die Kosten liegen bei rund 3,7 Millionen Euro. „Der Brückenbau dient sowohl dem Hochwasser- als auch dem Naturschutz. Anwohnerinnen und Anwohner wie auch die Tier- und Pflanzenwelt werden von der neuen Brücke profitieren“, so Rüller.

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