Nordstadtblogger

„Corona – Meine Infektion, Hilfestellungen und Irritationen“ – Gastbeitrag von Annette Kritzler über ihre Erfahrungen

Der Blick aus dem Dachfenster – eine der Freuden in der häuslichen Quarantäne. Foto: Annette Kritzler

Ein Gastbeitrag von Annette Kritzler

Alles beginnt am 14. März 2020: der erste Lockdown! Ich gebe mir die größte Mühe, dem Virus aus dem Weg zu gehen, schließlich habe ich eine Vorerkrankung.  Also gilt ab sofort: AHA-Regel, Mund-Nasen-Schutz oder auch “Schnutenpulli”. Nahezu isoliert von allen Freund*innen und der Familie gelingt mir das ganz gut.

Doch ziemlich genau ein Jahr später passiert es, trotz aller Vorsicht. Erst ein positiver Schnelltest am Samstag, 13. März 2021, wegen leichtem Husten und Schnupfen, dann die spätere Bestätigung durch einen PCR-Test: Ich habe mich mit dem Coronavirus infiziert. Und habe keine Ahnung, wann genau und bei wem, wodurch oder gar welche Variante. In Dortmund werden positive Abstriche nur stichprobenartig auf Virusmutationen hin überprüft! Warum auch von anderen lernen.

Ich gehe unmittelbar in die Quarantäne, informiere alle potentiellen Kontaktpersonen, und sorge mich um meine und deren Gesundheit. Dabei weiß ich nicht, was mir mehr zu schaffen macht: die Sorge darum jemanden angesteckt zu haben, oder die Angst davor,  was nun mit mir passiert.

Mit Viruslast durch die Stadt?

Sonntags meldet sich das Gesundheitsamt Dortmund. Man teilt mir mit, dass ich ab jetzt für 14 Tage unter Quarantäne stehe. Nach meinen Kontaktpersonen werde ich nicht befragt. Auf meine Rückfrage diesbezüglich vertröstet mich der freundliche Herr am anderen Ende der Leitung auf einen Folgeanruf (schnelles Handeln hatte ich mir anders vorgestellt!).

Annette Kritzler schildert ihre Erlebnisse.

Dies falle nicht in sein Aufgabengebiet, erklärt er mir! Allerdings weist er mich darauf hin, dass ich zur Validierung des Schnelltests nun bitte meine Hausärztin für einen PCR-Test aufsuchen möchte. Nur zum Verständnis, man erwartete, dass ich mit einer noch nicht bestimmten Viruslast durch die ganze Stadt fahren sollte (wohlgemerkt mit dem ÖPNV oder dem Rad, ich habe weder Auto noch Führerschein!).

Hier beginnt die erste Irritation. Bis heute gibt es keine mobile Testteams, die Infizierte vor der Haustüre testen. Aus meiner Sicht steckt in diesem Vorgehen bereits ein erster Risikofaktor. Was ist, wenn ich auf dem Weg oder gar in der Praxis jemanden anstecke?

In meinem Fall gibt es einen glücklichen Umstand. Ein befreundeter Hals-Nasen-Ohren-Arzt kommt noch am Sonntag umsichtig und professionell in voller Seuchenmontur, um den PCR-Abstrich vor meiner Wohnungstür abzunehmen. Das  positive Ergebnis erreicht mich erfreulicherweise bereits am Montagnachmittag. Die Viruslast liegt zu diesem Zeitpunkt bei CT 21, ich bin also hochinfektiös. Durch mein verantwortungsvolles Verhalten und das mehr als freundliche Entgegenkommen des befreundeten HNO-Docs habe ich gewiss andere vor einer Ansteckung geschützt.

Vier Tage (!) nach dem Bekanntwerden der Infektion meldet sich erneut das Gesundheitsamt bei mir! Whow, das nenne ich mal eine flotte Leistung (Ich meine das absolut ironisch!). Und ja, mir ist bewusst das wir eine solche Situation noch nie hatten, aber nach einem Jahr Pandemie… Puh, es fällt mir als Betroffene sehr schwer zu akzeptieren, dass die Gesundheitsämter (vermutlich nicht nur in DO!) bis heute personell derartig unterbesetzt sind, dass es zu solch sträflichen Verzögerungen kommt. Dem Virus spielt das maßgeblich in die Karten, dafür muss man keine Virologin sein.

Die freundliche Dame befragt mich nach meiner Wohnsituation. Ich lebe allein in meiner Wohnung, in einer neun Mietparteien-Altbauimmobilie. Sie fragt nach meinen Symptomen. Sie  erläutert mir erneut, dass ich die Wohnung nicht verlassen darf, und erkundigt sich, ob ich durch jemanden versorgt werden kann.

Datenschutz: Jetzt doch, oder doch nicht?

„DSGVO - i survived“ - vielleicht die Sieger-Shirts nach den Workshops? Foto: Alex Völkel

„DSGVO – i survived“ Foto: Alex Völkel

Meine wohl etwas unbequeme Frage danach, ob der Abstrich auf eine Mutante hin überprüft werde, verneint sie. Die Quarantäneverordnung werde mir per Post zugestellt. Warum ich diese nicht per Mail bekommen könne erklärt mir die Dame prompt mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), es sei schließlich ein amtliches Dokument. Ok, allerdings benötigt mein Arbeitgeber dieses Dokument, und das möglichst zeitnah, es ist quasi meine Krankmeldung! Per E-Mail könne man mir dies nur auf ausdrücklichen Wunsch zusenden. Ich wünsche es sofort aus- und nachdrücklich!

In meinem Fall gibt es vier Kontaktpersonen, die ebenfalls für 14 Tage unter Quarantäne gestellt werden. Alle sind schließlich mit einem negativen Befund getestet, ich habe niemanden angesteckt, zum Glück. Dennoch lässt man hier Vorsicht walten, das finde ich gut.

Der Teufel steckt im Detail. Man bittet mich, die Kontaktdaten der vier Personen in ein Formular einzutragen, das mir (Achtung, Spoileralarm!!!) via Mail zugehen wird. Ich möchte bitte die Daten möglichst schnell eintragen, und es „via E-Mail“ zurücksenden. Hier scheint die DSGVO kein Hinderungsgrund zu sein, ich verstehe das nur bedingt. Mal ganz abgesehen vom unnötigen Papierkram habe ich einen Email-Schlüssel zum sicheren Versand aller meiner E-Mails, die Stadt Dortmund wohl nicht? Sei´s drum. Die vier Kontaktpersonen werden umgehend informiert. Gut so.

In den folgenden Tagen wird der Schnupfen schlimmer, die Temperatur steigt, Kopf und Gliederschmerzen kommen als Covid-typische Reaktionen hinzu. Ich kann nichts mehr riechen, schmecken hingegen schon. In Absprache mit einer  befreundeten Intensivschwester (sie arbeitet auf einer COVID Station!) nehme ich ein Kombipräparat (Schmerzmittel + Fiebersenker). Mir hilft es. Insgesamt bleiben alle Symptome in einem verträglichen Rahmen.

Die besten Freunde ever!

 

Viele Geschenke und Hilfestellungen erreichten Annette Kritzler in der Quarantäne. Foto: privat

Das Schicksal beschert mir also glücklicherweise einen milden Verlauf, ich bin darüber unendlich dankbar. Zu meiner psychischen Verfassung sei an dieser Stelle gesagt: Mit meinen Freunden, die zum Teil auch meine Nachbarn sind, überstehe ich das alles recht gut. Euch möchte ich hiermit aus tiefstem Herzen meinen großen Dank aussprechen, ihr seid die besten Freunde ever!

Die Quarantäne endet am 28.03.21, ein Sonntag. Bereits am 25.03.21 rufe ich erneut beim Gesundheitsamt an. Dieses hatte mich bis dahin sage und schreibe zwei Mal kontaktiert! Ich will mich erkundigen, was das weitere Prozedere nun vorsieht. Der freundliche junge Mann (so meine Einschätzung anhand seiner Stimme) vom ersten Telefonat ist erneut am anderen Ende der Leitung.

Und nun bitte ich wirklich darum den folgenden Abschnitt aufmerksam zu lesen!

Auf meine Frage, ob sich am Sonntag jemand bei mir melden wird, um mich gegebenenfalls aus der Quarantäne zu entlassen,  gibt er mir zur Antwort, dass es sein kann, dass dies nicht passiert! Dünne Personaldecke!

Erneute Frage: Wie sieht denn die mögliche Entlassung konkret aus? Seine Antwort: Nun ja, wenn ich 48 Stunden symptomfrei sei, wird meine Quarantäne enden. Ich bin verblüfft.  „Das entscheide ich also selbst…?“  Es klingt willkürlich. Und er bestätigt mir, dass dies das übliche Verfahren ist.

Wir sind noch nicht fertig. Ich wende ein, ob nicht ein weiterer PCR-Test notwendig ist, um auf Nummer sicher zu gehen.  Ja, sagt er, das kann ich auf freiwilliger Basis tun. Sollte dieser jedoch erneut positiv ausfallen, werde die Quarantäne verlängert. Da ich mich gut informiert habe, hake ich erneut nach:  Entscheidend ist doch die Viruslast, ein Test kann durchaus positiv sein, ab einem CT Wert von >30  ist man nicht mehr ansteckend.

Fahrlässige Informationen des Gesundheitsamtes

Diese Erkenntnis überfordert mein Gegenüber hörbar. Statt mich auf einen Rückruf zu vertrösten, um sich selbst korrekt zu informieren, rät er mir, auf den Test zu verzichten, wenn ich am folgenden Montag das Haus verlassen möchte. Wie bitte? Das macht mich sprachlos! Ich bitte ihn, diese Aussage zu wiederholen, dabei noch nicht sicher, ob ich mich verhört oder etwas falsch verstanden habe. Dem ist allerdings nicht so. Vollkommen irritiert beende ich dieses unsägliche Telefonat.

Ausdrückliche Anmerkung: Der junge Mann meldet sich gute 45 Minuten später erneut bei mir, um sich zu entschuldigen. Die Info zum positiven Test sei falsch gewesen, entscheidend ist tatsächlich die Viruslast. Die fahrlässige Aussage zum Thema „Dann lassen sie den PCR Test besser bleiben“ nimmt er allerdings nicht zurück.

Im Gesundheitsamt werden die Corona-Abstriche untersucht. Foto: Alex Völkel

Das Gesundheitsamt dortmund. Foto: Alex Völkel

Am darauffolgenden Samstag, einen Tag vor dem möglichen Ende meiner Quarantäne, ruft zu meinem großen Erstaunen das Gesundheitsamt Unna an. Man fragt mich, wo denn zum Ende meiner Quarantäne der PCR Test bleibt. Dieser sei schließlich notwendig, um überhaupt aus der Quarantäne entlassen zu werden! Ich bin mehr als perplex. Was habe ich als Dortmunderin mit dem Gesundheitsamt in Unna zu tun? Warum gehen die umsichtiger mit dem aktuellen Geschehen um? Warum Unna bei mir anruft, lasse ich aus Gründen des Datenschutzes hier mal verständnisvoll aus.

Gegen 11 Uhr am Sonntagmorgen ruft das Gesundheitsamt an, um das offizielle Ende meiner Quarantäne zu bestätigen. Kurios: Das Amt verlangt keinen weiteren PCR-Test von mir, lobt mich aber über den grünen Klee, als ich deutlich mache, den nun selbst anschubsen zu wollen. Noch kurioserer Hintergrund: Einen erneuten Test verlangt man nur von „systemrelevanten“ Personen, von „Frau Normalo“ nicht. Begründung dafür: Das schaffen die Dortmunder Testzentren nicht. Oha!

Ich bin viel zu verantwortungsvoll, als dass ich diese Infektion auf die leichte Schulter nehme.

Der befreundete HNO-Arzt nimmt unter den schon zuvor beschriebenen Bedingungen erneut einen PCR-Abstrich, der leider erneut positiv ausfällt. Die Viruslast ist noch immer zu hoch. Meine Quarantäne wird um eine weitere Woche verlängert. Nicht auszudenken, was alles hätte passieren können, wenn ich auf Grund der von mir „gefühlten“ Symptomfreiheit vor die Tür gegangen wäre!!!

Heute geht es mir sehr viel besser. Das alles liegt nun eine Woche hinter mir. Das Aufschreiben hilft, die zurückliegenden Geschehnisse zu sortieren und zu verarbeiten. Deutlich wird dabei: Ein Jahr Pandemie hat bisher nicht dazu geführt, einen gut strukturierten Umgang mit dem tödlichen Virus auf den Weg zu bringen. Viel mehr werden die Hinweise und Warnungen von Fachleuten und/oder Experten ignoriert, man klüngelt lustig vor sich hin, und es ist noch immer höchst verwunderlich, dass die Inzidenz-Werte steigen.

Es bleiben viel zu viele Fragen

Die Nordstadt hat Annette Kritzler wieder. Foto: privat

Es bleiben viele Fragen. Etwa an die Stadt Dortmund und an das dort angegliederte Gesundheitsamt. Wie genau sieht denn die Ausstattung dort aus, um das lokale Geschehen tatsächlich im Blick und damit im Griff zu haben? Wurde die Bundeswehr um Hilfe gefragt? Wurden Mitarbeiter:innen aus anderen Ämtern zur Unterstützung herbei gezogen? Wie werden diese geschult und begleitet, um möglichst gute und wirkungsvolle Ergebnisse zu erzielen? An die Verantwortlichen richte ich meinen Appell! Handelt strukturiert und organisiert, sonst werden wir dem Virus nicht die Stirn bieten können!

Ich verbinde mit diesem sehr persönlichen Bericht die Hoffnung, dass es eine sinnvolle Aufstockung des Personals geben wird. Dass dieses Personal wirklich gut geschult sein wird, damit niemand mit einer noch ansteckenden Coronainfektion durch Dortmunds Straßen läuft.

Ich frage ich mich, wie ein Mensch, der nicht so verantwortungsvoll und gut informiert ist,  auf die oben geschilderte Aussage reagieren kann. Die Sehnsucht nach „Freiheit“ mag von Fall zu Fall größer sein als die Verantwortung seinen Mitmenschen gegenüber.

Mir geht es aktuell gut, der Geruchssinn ist zwar noch nicht wieder da, er kehrt aber gewiss ganz allmählich zurück, zumindest ist dies heute mein Eindruck. Vorsichtig optimistisch blicke ich nach vorne, ob Spätfolgen eintreten werden … , who knows?

Ich bin dankbar für all die Zuwendung, die Zuversicht, und die lieben und aufmunternden Worte, die mich im Verlauf dieser drei Wochen erreicht haben. Es stand Kuchen, Suppe und Eintopf vor meiner Tür, ebenso Osterüberraschungen. Diese Menschlichkeit bedeutet mir sehr viel und sie trägt mich weiter durch diese Pandemie. Ich wünsche dies allen Betroffenen und noch mehr wünsche ich Euch „Bleibt gesund!“.

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13 Gedanken über “„Corona – Meine Infektion, Hilfestellungen und Irritationen“ – Gastbeitrag von Annette Kritzler über ihre Erfahrungen

  1. BicycleFriend

    Na Glück gehabt, dass die Geschenke noch vor der Tür standen. In unserem Haus, wo fast jeder nur vor sich hin wurschtelt, wäre das weg gewesen, wenn man nicht schnell genug an der Tür war. Letztes Mal eine Mineralwasserflasche vergessen .. war weg. Um die ist es nicht schade, um alles andere schon.

    1. Annette Kritzler #nordstadtschnecke

      Wir haben in unserem Haus eine sehr gute Hausgemeinschaft, hier kommt nichts weg. So ist es nahezu die gesamten 30 Jahre gewesen die ich hier wohne. Wir sind neun Mietparteien und wir respektieren uns, helfen und stützen da wo es nötig ist. Aber diese Art von Miteinander muss gepflegt werden, über den eigenen Tellerrand und Nationalitäten hinweg! Frau sagt hier auch gern „wie man in den Wald hinein ruf so schallt es auch raus“!

  2. John Martin Ungar

    Danke für diesen Bericht über die Arbeit unserer Verwaltungsbehörden. Wir alle sollten das bei kommenden Wahlen im Hinterkopf haben und entsprechende Fragen stellen.

  3. Karin Beckmann

    Ich habe ähnlich verwunderliches Vorgehen bei einer Bekannten, sie war Kontaktperson 1. Grades, erfahren ! Sie wurde 5 Tage nach dem Kontakt telefonisch sofort in Quarantäne geschickt, weitere 5 Tage später endlich vom Gesundheitsamt zuhause abgestrichen, ihr Mann nicht, obwohl beide deutliche Symptome hatten. Dann erhielt sie einen Tag später das Ergebnis : negativ!!! Die Quarantäne-Anordnung kam postalisch einen Tag nach Q-Ende an, nochmals Test wurde nicht gemacht! Auch sie hätte Abstrichtetmin mit ÖPNV wahrnehmen sollen, hat sie aus Verantwortung und weil es ihr schon recht schlecht ging, abgelehnt! Dann hat ihre Chefin beim GA Druck gemacht! Glücklicherweise ging es beiden bald wieder besser, vielleicht war es ja wirklich nicht C!!!???
    Alles Gute für alle wie auch immer Betroffene ☘️

  4. Dirk Macewicz

    Die vier Personen aus dem Bekanntenkreis waren Negativ getestet, trotz hohem CT Wert.
    Da bestätigt auch einige Studien z.B. aus China, dass Personen aus dem näherem Bekanntenkreis von positive getesteten , sich nicht angesteckt haben.

  5. Willcock

    „AHA-Regel, Mund-Nasen-Schutz oder auch “Schnutenpulli”.
    Im März wurden Sie infiziert. Damals gab es schon immer wieder Meldungen (Nachrichtenbeiträge) darüber, wie wichtig das Lüften ist. Aerosole in geschlossenen Räumen tragen zum überwiegenden Teil zu den Infektionen bei.
    Und trotz Lüften soll man eine Maske tragen. Wobei eine FFP2-Maske dichter am Gesicht sitzt als eine OP-Maske (Alltagsmaske) und darum besser schützt. Man kann FFP2-Masken auch öfter benutzen, sollte sie aber zum Austrocknen min. 4 Tage an einen Haken oder eine Leine hängen (nicht im Badezimmer). Man braucht also mehrere FFP2-Masken. Aber dann ist man gut geschützt und schützt auch andere. Ich fahre ständig mit der U-Bahn und habe gute Erfahrungen gemacht.

    Frau Kritzler – danke für Ihren Bericht.

  6. Cornelia Wimmer

    Was ich hier lese, fasziniert mich denn doch. – Es ist so ähnlich dem, was ich erlebt habe. – Ich habe es, ungläubig und in der Überzeugung, Pech gehabt und an eine wenig kompetente Person geraten zu sein, dem Gesundheitsamt geschrieben.
    Im folgenden im Wortlaut meine Mail ans Gesundheitsamt mit der Schilderung der Abläufe:

    Guten Tag,
    ich zähle mich nicht zu den Leuten, die immer schimpfen. – Die Erfahrungen, die ich im Falle meins zurzeit Covid-schwerkranken Mannes mache, veranlassen mich doch, Ihnen diesen Erfahrungsbericht zu schicken. – Vielleicht lässt sich ja noch was umsteuern:

    Mein Mann ist am Donnerstag (15. 4,) ins Krankenhaus gekommen. – Corona-Test dort erst negativ, dann positiv. – Positiver Befund am Samstag oder Sonntag.

    Versuche von mir, am Wochenende das Gesundheitsamt zu erreichen nicht möglich. – Sprechzeiten Mo -Fr. … und so weiter. Quarantäne mir selbst verordnet, versteht sich. Montagmorgen Anrufversuche Gesundheitsamt, aussichtslose Warteschleifen. Mail geschrieben, Situation erklärt. Keine Reaktion bis heute, Dienstag, 10.00.

    Ich habe gestern einen Test hier in einer Arztpraxis vereinbart. Heute morgen gemacht. Ergebnis morgen.

    Besagter Anruf vom Gesundheitsamt heute ca. 10.00, 2 Tage nach Bekanntwerden des positiven Tests meines Mannes:

    Gespräch:
    Erkundigung nach dem Befinden meines Mannes – Symptome und Krankheitsverlauf erklären lassen: “ Im Prinzip seit kurz nach Ostern – vorher schon Schwächegefühl – nach dem 11. schlimmer geworden…
    2 negative Selbsttests… “ – Wenn ich auf einer Skala 1-6 sein Befinden beurteilen müsste, wo ich dann… – „Er ist doch im Krankenhaus, auf Intensiv!“ – Ja, dann wohl ca… 5. – Welche Kontakte hatte denn Ihr Mann in den letzten drei Tagen vor der Einlieferung. – „Keine, nur mich.“
    Ich hätte dann Quarantäne ab dem 17. – „Aber ich habe doch meinen Mann ab dem 15. nicht mehr gesehen?“ – Nein das sind die Bestimmungen. – „???“ – Ich gucke noch mal nach, nein ist richtig, 14 Tage nach dem positiven Testergebnis. Es bleibt beim 17. + 14 Tage. – (Das heißt weiter gedacht: Wenn jetzt einer mit einer Fraktur seit 10 Tagen im Krankenhaus liegt, und kriegt dort am 11. Corona, muss die Kontaktperson zuhause 14 Tage in Quarantäne). – „Ich habe doch heute einen Test machen lassen, wenn der morgen negativ ist?“ – Trotzdem. Das ist eine Momentaufnahme. – „Dann ist der Test im Prinzip gegenstandslos?“ Wir vom Gesundheitsamt hätten den auch nicht angeordnet. – WIE BITTE ??? Und wenn ich mich – was möglich ist, am letzten Sonntag angesteckt hätte und ein paar Tage lang das Virus herumtransportiert??? Interessiert dann nicht wo und mit wem ich war? – So geht Kontaktverfolgung.
    Und wenn der Test morgen positiv sei, gelte die Quarantäne ab morgen für 14 Tage. – Hätte ich mir selbst gedacht, nur, – da es ja meine Entscheidung war, den Test überhaupt machen zu lassen, – welche Kosequenz waltet hier?

    Was ich mir gewünscht hätte:

    Zunächst, dass es Hausärzte gäbe, die einen kranken und sehr geschwächten Menschen, der bei nicht auszuräumenden Corona-Verdacht ja gerade NICHT in die Praxis geht, sich auch nicht um 8 irgendwo auf den Hof stellen kann, zu Hause aufsuchten…? Das wäre es gewesen. Oder wenn ein Corona-Test-Team in einer solchen Situation nach Hause käme? Warum in aller Welt nicht?

    Wenn ich am Wochenende jemand hätte sprechen können? – Hierzulande nicht.

    Wenn spätestens nach der Gewissheit, dass mein Mann Corona hat, mich als enge Kontaktperson hier jemand aufgesucht und mir einen Test abgenommen hätte??? Zumindest dass das Gesundheitsamt mich umgehend kontaktiert und einen Test in fußläufiger Umgebung angeordnet hätte? War, wie ich erfahre, nicht beabsichtigt.

    Das heißt, ich hätte 3 Tage draußen rumlaufen können, wenn ich nicht gewissenhaft genug gewesen wäre, es nicht zu tun. – Einen Test kann ich machen lassen, falls es mich interessiert, ob ich Corona habe oder nicht. Quarantäne nicht ab dem letzten Kontakt mit meinem Mann, sondern ab dem Zeitpunkt, als der Test woanders positiv ausgegangen ist. Wenn ich so neugierig bin, meine Infektionsität zu erfahren – kann ich haben, bitte – und ich ggf. infektiös bin , – nun, dann geht die Quarantäne eben länger. Selber schuld?
    Freundliche Grüße …..

    Das Antwortschreiben des Gesundheitsamtes besagte, dass alles richtig gemacht worden sei. – Ich hätte alles richtig gemacht, das Amt ebenfalls. – Nun ja.

    Ich hoffe, Ihnen, Frau Kritzler, geht es besser.

  7. Schlussfolgerungen ziehen. Damit solche Dinge nicht immer wieder passieren.

    Ich bin erschüttert und hoffe dringend, dass dieser Bericht bei offiziellen Stellen landet, die daraus Schlussfolgerungen ziehen. Damit solche Dinge nicht immer wieder passieren.

  8. Jörg Vogelsang

    Ich erspare Ihnen und mir hier die Schilderung meiner Erfahrungen, sonst werde ich eventuell noch des Plagiats verdächtig. Abgesehen von individuell determinierten Einzelheiten kann ich jedes Wort aus eigener Erfahrung unterschreiben. In Bielefeld und Umkreis ist es somit auch nicht besser.

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