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Beitrag zur Willkommenskultur: Bezirksvertretungen fordern ein zentrales Infotelefon zu allen Flüchtlingsfragen

Viele Bürger helfen, um die Menschen willkommen zu heißen.

Viele Bürger helfen, um die Menschen willkommen zu heißen.

Ein besonderes Zeichen der Willkommenskultur gibt es aktuell in vielen Bezirksvertretungen. In diesen Tagen und Wochen werden von mehreren Bezirksvertretungen in Dortmund gleichlautende Anträge verabschiedet, die meistens schon als interfraktionelle Anträge eingebracht wurden. Anträge also, die von allen gemeinsam gestellt werden, über alle Parteigrenzen hinweg, in mehreren Bezirksvertretungen. So etwas hat es in Dortmund noch nicht gegeben!

Die große Hilfsbereitschaft soll stadtweit professionalisiert und organisiert werden

Die Spendenbereitschaft aus der Bevölkerung ist groß - die Kleiderkammer füllt sich.

Die Spendenbereitschaft aus der Bevölkerung ist groß – die Kleiderkammern füllen sich.

Die ungewohnte Einigkeit hat einen besonderen Grund: Es geht um eine wichtige Hilfestellung für die Arbeit mit den Flüchtlingen, die in Dortmund betreut werden.

Im Januar hatten sich dazu erstmals stadtweit tätige Ehrenamtliche und Profis gemeinsam zusammengesetzt, um über die organisatorischen Probleme bei der Betreuung der Flüchtlinge durch Ehrenamtliche zu sprechen.

Dazu hatte ein kleine Gruppe eingeladen, die das Thema zufällig zusammengeführt hatte: Brackels Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Czierpka und die beiden grünen Bezirksvertreterinnen Astrid Cramer und Andrea Berlin aus der Innenstadt-West, dazu Dortmunds Ex-Superintendent Paul-Gerhard Stamm.

Bei der stadtweiten Runde wurde das ganze Spektrum der Hemmnisse und Schwierigkeiten diskutiert, mit dem die vielen Akteure konfrontiert werden. Schwierig auch deshalb, weil sich das System der Unterbringungseinrichtungen gerade erst auf die ganze Stadt ausbreitet.

Waren vorher nur wenige Stadtteile betroffen, so werden in Kürze in allen Stadtbezirken Flüchtlinge zu betreuen sein. Vieles wird sich also im Laufe der kommenden Monate regeln, manches von selbst, bei anderen Punkten wird Handlungsbedarf gesehen.

Zentrale Informations-Hotline steht im Mittelpunkt der Überlegungen

Auch die ehemalige Hauptschule am Ostpark in der Davidistraße soll als Notunterkunft hergerichtet werden.

Auch die ehemalige Hauptschule am Ostpark ist Unterkunft. Auch hier organisiert sich eine Unterstützergruppe.

Unstrittig war die Forderung nach einer zentralen Informations-Hotline in der Stadt. Im Augenblick werden vor allem die Bezirksbürgermeister und Verwaltungsstellen durch eine Flut von Nachfragen aus der Bürgerschaft auf Tempo gehalten. Vieles lässt sich aber so einfach gar nicht beantworten, Nachfragen sind nötig, Weitervermittlungen erfolgen.

„Und die Bürger werden sauer, wenn sie nach einem halbstündigen Telefonmarathon durch die Stadtverwaltung immer noch nicht wissen, wer ihnen Informationen geben kann“, betont Brackels Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Czierpka.

„Dabei wollen sie oft nur ihre Hilfsbereitschaft bekunden, sich als Dolmetscher zur Verfügung stellen, wollen wissen, ob eine Einbauküche oder ein Zwillingskinderwagen gebraucht wird, und so weiter.“

Infotelefon soll in allen Angelegenheiten erste Anlaufstelle sein 

Die unterschiedlichen Akteure in den unterschiedlichen Stadtteilen wissen, dass eine solche zentrale „Elefantenrunde“ nicht arbeitsfähig sein würde. Es geht daher und ein Kennenlernen und dann um die Spezialisierung.

Die Spendenbereitschaft aus der Bevölkerung ist groß - die Kleiderkammer füllt sich.

Es ist schwierig zu klären, wo welche Sachen benötigt werden. Die zentrale Info-Hotline könnte dabei helfen.

Was damit gemeint ist: Zum Beispiel eine zentrale Erfassung der Sachspenden – wer hat was und wo ist es zu haben. Die Logistik – gerade bei Sachspenden – ist auch ein Thema. Die Spendenbereitschaft sei groß. Doch die Lagerflächen seien knapp. Zudem müssten die Sachen auffindbar sein.

In der Adlerstraße haben sie mit viel Mühe Struktur in die Kleiderkammer gebracht. Suchanfragen und Hilfsangebote werden mittlerweile per Facebook-Gruppe organisiert. Mehr als 900 Menschen machen dort mit: Binnen Minuten lässt sich so klären, wo ein Zwillingskinderwagen abholbar ist, wenn er benötigt wird.

Ein zweites wichtiges Feld ist auch die Sprachkompetenz. Viele Menschen – gerade auch Muttersprachler – haben ihre Hilfe angeboten. Hier sollten die Sprachkurs- und Übersetzungs-Angebote gebündelt werden. „Damit ich weiß, wer für mich übersetzen kann, wenn eine spezielle Sprache benötigt wird“, verdeutlicht Czierpka.

Aber auch der Umgang mit der Bürokratie gehört dazu: Schließlich sollen die Flüchtlinge in Wohnungen untergebracht werden. Doch dann kommen die Briefe – von der GEZ bis zum Energieversorger. Dieses Wissen und die gemachten Erfahrungen können durch solche Arbeitsgruppen schnell Anderen zur Verfügung gestellt werden. In den nächsten Wochen soll zum ersten Treffen eingeladen werden.

Kontakt zu Ehrenamtlichen vor Ort und Informationen über Hilfebedarfe

In Eving wurde der Bevölkerung die Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Hauptschule vorgestellt. Das Interesse der Evinger ist groß

In Eving wurde der Bevölkerung die Flüchtlingsunterkunft vorgestellt. Das Interesse ist groß.

Das alles soll eine zentrale Informationsstelle bewerkstelligen. Hier kann man Kontakt zu den Einrichtungen bekommen und zu den Ehrenamtlichen vor Ort. Man kann mögliche Sachspenden anbieten oder Spendenkonten für Geldspenden erfahren. Oder fragen, wo man sich im Bereich des Deutschunterrichts engagieren kann, wo gemeinsam gekocht, wo Begleitung bei Arzt- und Behördenbesuchen benötigt wird.

Diese gleichlautenden Anträge, die nun zu Beschlüssen werden, zeigen aber noch etwas anderes: Eine ganze Stadt will helfen! Die Bürger wollen ihren Teil dazu beitragen, dass die Flüchtlinge bei uns ein neues und sicheres Zuhause finden.

Die Bezirksvertretungen vor Ort sehen sich in der Pflicht, durch gezielte Arbeit zu koordinieren und zu organisieren, brauchen dazu aber an der einen oder anderen Stelle selbst Hilfe – etwa durch eine zentrale Informationsstelle, die Hilfsangebote und örtliche Bedarfe schnell zusammen bringt. Die Stadtgesellschaft organisiert sich – und das ist ein richtig gutes Signal!

Bezirksvertretung Innenstadt-Nord berät und entscheidet darüber am Mittwoch

In der Bezirksvertretung Innenstadt-Nord steht der Antrag am kommenden Mittwoch, den 4. Februar 2015 um 16 Uhr auf der Tagesordnung. Die Sitzung findet im Dietrich-Keuning-Haus, Leopoldstraße 50-58, Raum 227/228, statt. Nach jetzigem Stand sind ebenfalls dabei: Brackel, Hörde, Aplerbeck, Mengede, Innenstadt-Ost und West, Hombruch und Eving. Weitere sollen noch hinzukommen.

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Ein Gedanke zu “Beitrag zur Willkommenskultur: Bezirksvertretungen fordern ein zentrales Infotelefon zu allen Flüchtlingsfragen

  1. Nordstadtblogger-Redaktion Beitrags Autor

    Nordstadt-BV hat den Antrag einstimmig beschlossen

    Die Bezirksvertretung Innenstadt-Nord hat einstimmig den Antrag zur Einrichtung der zentralen Info-Hotline zu Flüchtlingsfragen beschlossen. Alle Fraktionen hatten gleichlautende Anträge gestellt, die auch in vielen anderen Bezirksvertretungen in diesen Tagen auf der Tagesordnung stehen. Anschließend stimmten nach kurzer Aussprache und Klärung alle Bezirksvertreterinnen und -vertreter der Nordstadt – auch der Rechtsradikale – zu.

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