Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach zu Gast in Dortmund

Assistenzhund als Lebensretter: Hanni schenkte Toto ein neues Leben – offenbar unbezahlbar

„Auf den Hund gekommen“ war Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach beim Besuch im Carola-Zorwald-Seniorenzentrum der AWO: Er lernte Assistenzhund Hanni und Herrchen Thorsten Habel kennen. Nadja Lüders hatte den Kontakt hergestellt.
„Auf den Hund gekommen“ war Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach beim Besuch im Carola-Zorwald-Seniorenzentrum der AWO: Er lernte Assistenzhund Hanni und Herrchen Thorsten Habel kennen. Nadja Lüders hatte den Kontakt hergestellt. Foto: Alexander Völkel für nordstadtblogger.de

„Hoher Besuch an der Basis“: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) besuchte das Carola-Zorwald-Seniorenzentrum in Dortmund-Brackel. Er suchte dort das Gespräch mit dem Personal – und die hatten nach mehr als zwei Jahren Corona-Pandemie einigen Gesprächsbedarf. Zudem wollte er mehr über den Mittagstisch für Senior:innen aus der Nachbarschaft wissen. Aber auch einen anderen Gesprächshintergrund gab es: Das Thema der Finanzierung von medizinischen Assistenzhunden.

20 bis 30 Mal im Jahr leidet Habel unter anaphylaktischen Anfällen

Einrichtungsleiter Rolf Teubert begrüßte die Gäste aus Düsseldorf und Berlin - Nadja Lüders und Karl Lauterbach.
AWO-Einrichtungsleiter Rolf Teubert begrüßte die Gäste – Nadja Lüders und Karl Lauterbach. Corona und die Pflege war ein wichtiges Thema. Nordstadtblogger-Redaktion | Nordstadtblogger

Der Dortmunder SPD-Landtagsabgeordneten Nadja Lüders war es ein Anliegen, dem Fachminister die Assistenzhündin Hanni und ihr Herrchen Thorsten Habel vorzustellen. Die siebenjährige Hündin ist seit fünfeinhalb Jahren bei Habel. „Toto und Hanni“ sind seit dem ein gutes Team. ___STEADY_PAYWALL___

Der Labrador-Retriever ist ein medizinischer Assistenzhund und für Thorsten Habel als Anaphylaxie-Warnhund rund um die Uhr im Einsatz. Das rund um die Uhr ist für Habel besonders wichtig. Denn dieser leidet seit 18 Jahren an Anaphylaxie. Das Besondere: Die Ursache ist in all den Jahren nicht zu ermitteln gewesen. Daher ist es für ihn völlig unvorhersehbar, wann und warum plötzlich die Zunge an- und der Hals zuschwillt. 

Da dies auch nachts passieren kann und passiert ist, lebte Habel über Jahre in Todesangst. Mehrfach kamen die Anfälle nachts. Er konnte gerade noch einen Notruf absetzen, bevor er das Bewusstsein verlor. „Dann bin ich im Schockraum des Krankenhauses aufgewacht“, berichtet Thorsten Habel. Dabei ist es reines Glück, dass er noch rechtzeitig wach wurde. 20 bis 30 Mal im Jahr bekommt er solche Anfälle. 

Thorsten Habel: „Hanni hat mir ein neues Leben geschenkt“

Ein Foto fürs Familienalbum. Toto und Hanni mit Minister.
Ein Schnappschuss fürs Familienalbum. Toto und Hanni mit Minister Karl Lauterbach. Foto: Alexander Völkel für nordstadtblogger.de

„Es war teils dramatisch und ein Leben in Angst – vor allem der Angst vorm Schlafen. Aber Hanni hat mir ein neues Leben geschenkt“, sagt Thorsten Habel. Denn die Hündin riecht sehr früh, wenn sich ein anaphylaktischer Schock anbahnt. Sie macht ihr Herrchen aufmerksam und  – sollte es nötig sein – weckt sie ihn auch. Dann kann dieser ein Notfallspray verwenden und somit einen Erstickungstod oder zumindest einen Notarzteinsatz mit anschließendem Krankenhausaufenthalt abwenden.

Seit Hanni und Toto ein Team bilden, war kein einziger Notfalleinsatz mehr nötig. Zehntausende Euro an medizinischen Kosten habe dies gespart. Doch die Kosten für die Ausbildung des Hundes – rund 13.000 Euro – oder auch nur dessen Unterhalt, übernimmt die Krankenkasse nicht. Mehr als vier Jahre hatte sich Habel erfolglos darum bemüht. 

Darüber wollte Nadja Lüders ihren Parteifreund informieren, der sich schon vor seiner Zeit als Gesundheitsminister für die Anerkennung und Finanzierung von medizinischen Assistenzhunden eingesetzt hatte, die diabetische Probleme bei ihren Herrchen und Frauchen erschnuppern konnten. Das Problem: Die Krankenkasse stellt sich auf den Standpunkt, dass sie nur Hunde für einen hundertprozentigen Ersatz eines Leidens finanziert – also beispielsweise Blindenhunde, die den Verlust der Sehfähigkeit kompensieren helfen. 

Lauterbach: Die Hündin ist medizinisch und betriebswirtschaftlich sinnvoll

„Hunde sind orientiert und brav, CDU-Politiker aber unorientiert und bissig“, kommentierte Lauterbach lachend
„Hunde sind orientiert und brav, CDU-Politiker aber unorientiert und bissig“, kommentierte Lauterbach lachend. Foto: Alexander Völkel für nordstadtblogger.de

Lauterbach sagte zu, sich den Fall und das Problem genauer anzuschauen, dämpfte aber überzogene Erwartungen. Als Minister könne er das nicht verordnen. Schließlich sei die Krankenkasse kein staatlich finanziertes System. Die Politik könne nur den Rahmen vorgeben, aber keine Einzelfallentscheidung treffen. 

Dennoch wolle er sich das Thema nochmals anschauen. Denn die Hündnin sei nicht nur medizinisch sinnvoll, auch betriebswirtschaftlich sei es unsinnig, den Hund nicht zu finanzieren. Schließlich verhindere dies teure Notfalleinsätze und Krankenhausaufenthalte, so der Bundesgesundheitsminister.

Hanni schien die Worte des Gastes aus Berlin zu verstehen. Sie hatte sich zu Füßen von Lauterbach niedergelassen, dessen Hand ruhte auf ihrem Kopf. Sehr zur Verwunderung des Herrchens.

„Mit Tieren und Kinder komme ich gut klar“, sagte Lauterbach. Ob das „Handauflegen auch bei CDU-Politikern klappt“, wollte Nordstadtblogger wissen. „Hunde sind orientiert und brav, CDU-Politiker aber unorientiert und bissig“, kommentierte Lauterbach lachend – und sehr zur Freude der anderen Sozialdemokrat:innen. 

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