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Anpassung an den Klimawandel: Das Umweltamt Dortmund erntet anpassungsfähiges „Open-Source-Saatgut“

Das Team der Koordinierungstelle für Klimaschutz und Klimaanpassung extrahierte die Samen aus den Tomaten. 

Der Klimawandel stellt die Menschheit immer wieder vor neuen Gegebenheiten. Neben dem Klimaschutz wird daher auch die Klimafolgenanpassung zu einer immer wichtiger werdenden Maßnahme, um sich dem Klima anzupassen. Besonders die Landwirtschaft stellt dies vor eine Herausforderung. Denn industrielles Saatgut ist meist nicht anpassbar. Das Dortmunder Umweltamt hat nun das Saatgut einer „Open-Source-Tomate“ geerntet, mit dem diese Anpassung möglich ist. Später soll es an die BürgerInnen verteilt werden.

Saatgutmarkt von wenigen großen Unternehmen bestimmt

Die Auswahl der Pflanzensorten wird durch die großen Unternehmen geringer. Fotos: Karsten Wickern

Den Markt für Saatgut bestimmen ein paar wenige Unternehmen. Da diese ihre Züchtungen immer weiter vereinheitlichen, geht die Pflanzenvielfalt stark zurück. Etwa 20 Prozent des weltweiten Saatguts kommen aus industrieller Herkunft. „Das Saatgut in der westlichen Welt ist weites gehend industriell“, erklärt Christian Nähle vom städtischen Umweltamt. 

Oft handelt es sich bei dem industriellen Saatgut um das sogenannte „Hybridsaatgut“, eine auf schnellen und einheitlichen Ertrag getrimmte Züchtung. Bei deren Züchtung werden bestimmte Eigenschaften wie Farbe oder Form verstärkt. So wachsen die Pflanzen bereits im ersten Jahr auf eine große Größe an und können durch ihre Einheitlichkeit leicht mit Maschinen geerntet werden. 

Doch diese Saatgut hat auch Schattenseiten. So können diese Pflanzen nur ein einziges Mal. verwendet werden, da sich die Eigenschaften bei einer erneuter Aussaat ins negative ändern würden. Zum Teil sind Hybride sogar steril, so dass sie sich gar nicht fortpflanzen können. Zudem dürfen Landwirte das selbst geerntete Saatgut mitunter aufgrund von Lizenzbestimmungen nicht verwenden. Damit werden die Landwirte von den Saatgutunternehmen abhängig, weil sie ihr Saatgut nicht mehr selbst erzeugen können beziehungsweise dürfen.

Open-Source-Saatlizenz für das freie vermehren von Saatgut

Die Tomatenpflanze „Sunviva“ ist ein Freilandgewächs.

Das Team der Koordinierungsstelle für Klimaschutz und Klimaanpassung hat auf dem Acker der Solidarischen Landwirtschaft Kümper Heide (SoLaWi) die Tomatenpflanze „Sunviva“ angepflanzt und macht nun Saatgut aus ihr: „Wir sind nicht für zuständig Gemüse anzubauen. Wir machen das um Möglichkeiten aufzuzeigen“, sagt Michael Leischner, Abteilungsleiter Klima, Luft und Lärm im Umweltamt. 

Die vom Umweltamt angebaute Sorte ist die erste, die unter einer Open-Source-Saatlizenz gestellt wurde. Anders bei herkömmlichen Rechten an Saatgut erlaubt diese Art der Lizenz, die Samen frei und kostenlos zu verwenden. So wird die Verwendung für die Allgemeinheit gesichert. Grundlegen ist auch, dass das Saatgut samenfest ist. Damit ist anders als beim Hybridsaatgut die Fortpflanzung der Pflanzen regulär möglich.  Landwirte können die Pflanze selber vermehren ihn e Lizenzgebühren zahlen zu müssen.

Mit dem „Hybridsaatgut“ verliert die Landwirtschaft auch ihre Fähigkeit sich dem Klimawandel anzupassen. Auch dem wirkt die Open-Source Sorte entgegen. Mit ihr können regionale Unterschiede und klimatische Veränderung bei der Züchtung berücksichtigt werden.

Aus Tomaten wird Saatgut – Solidarische Landwirtschaft Kümper Heide als Partner

Jörg Lüling von der Solidarischen Landwirtschaft erklärt wie man aus Tomaten Saatgut gemacht.

Die reifen Tomaten wurden nun abgeerntet und die Samen aus ihnen ausgedrückt. Anschließend werden die Kerne für drei Tage in ein Wasserbad gelegt. „Durch die Gährung löst sich. Der Keimschutz von den Samen.“ erklärt Jörg Lüling, Mitglied des Vereinsvorstandes der Solidarischen Landwirtschaft in Dortmund.

„Der schritt wird so oft wieder holt, bis das Wasser klar bleibt. Dann wird das Saatgut in einem Kaffeefilter getrocknet“, erklärt Lüling weiter.

Die Solidarischen Landwirtschaft Kümper Heide hat sich als Partner für den Anbau angeboten. Bei der SoLaWi verpflichten sich die Mitglieder schon vor dem Anbau dazu, das Gemüse abzunehmen und finanzieren den Anbau. So wird das Risiko und die Ernte geteilt.

Im Frühjahr wird das Umweltamt das Saatgut kostenlos an interessierte DortmunderInnen verteilen. Im Dienstleistungszentrum Energieeffizienz und Klimaschutz können sich Interessierte es dann abholen. Sobald die Verteilung startet, wird es das Umweltamt darüber informieren.

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