IG Metall empört über unzureichendes Angebot in Tarifverhandlungen

Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie

Warnstreik der IG Metall. Demonstration zum Sitz des Unternehmensverband der Metallindustrie
In dieser Woche ruft die IG Metall in rund 20 Dutzend Betrieben in Dortmund, Bochum und Herne zu ersten Warnstreiks auf. Klaus Hartmann | Nordstadtblogger

Die Zeichen stehen auf Arbeitskampf. Am Freitag (28. Oktober 2022) trafen sich die nordrhein-westfälischen Tarifparteien der Metall- und Elektroindustrie zur dritten Verhandlungsrunde in Neuss. Anders als bei den beiden vorherigen Terminen legten die Arbeitgeber dieses Mal erstmals überhaupt ein Angebot vor. Dieses hat die Verhandlungskommission der Gewerkschaft IG Metall jedoch als völlig unzureichend zurückgewiesen und will die seit Samstag beendete Friedenspflicht nun für Warnstreiks nutzen.

Arbeitgeber und Gewerkschaft liegen weit auseinander

Der Arbeitgeberverband hat eine Einmalzahlung in Höhe von 3.000 Euro vorgeschlagen. Dabei handelt es sich um ein Instrument der Ampel-Regierung, die steuer- und abgabenfreie „Inflationsausgleichsprämie“. Nach Ansicht der Unternehmen soll die Laufzeit dabei satte 30 Monate betragen. „Dieses Angebot ist eine absolute Provokation“ meint Ulrike Hölter, 1. Bevollmächtigte der IG Metall Ruhrgebiet Mitte. Die Gewerkschaft hatte schon früh die Forderung nach einer Erhöhung der Entgelttabelle um acht Prozent bei einer zwölfmonatigen Laufzeit aufgestellt.

„Mit unserer Forderung bewegen wir uns schon jetzt unterhalb der Inflationsrate. Sie ist also nicht nur absolut angemessen, sondern eigentlich noch zu wenig und dabei notwendig, um die Kaufkraft der Menschen zu erhalten“ sagt Hölter. „Die 3.000 Euro sind schnell aufgebraucht, die deutlich gestiegenen Kosten für die Lebenshaltung der Kolleginnen und Kollegen hingegen bleiben dauerhaft bestehen. Wenn die Arbeitgeber der Industrie dem nicht Rechnung tragen, tragen sie eine Mitverantwortung, sollte die deutsche Wirtschaft in eine Rezession fallen.“

IG Metall ruft gut zwei Dutzend ihrer Betriebe zu ersten Warnstreiks auf

Ulrike Hölter. ist die Erste Bevollmächtigte der IG Metall Ruhrgebiet Mitte.
Ulrike Hölter ist die Erste Bevollmächtigte der IG Metall Ruhrgebiet Mitte. Foto: Alexander Völkel für nordstadtblogger.de

Tatsächlich haben die Arbeitgeber eine prozentuale Erhöhung der Entgelttabelle in Aussicht gestellt, allerdings blieben sie dabei sehr vage. Weder haben sie eine Höhe genannt, noch wollten sie diese vor dem Jahr 2024 anbieten. „Das letzte Mal wurde die Tabelle im Jahr 2018 erhöht“, erinnert sich Hölter und empfindet das vorgelegte Angebot deshalb als unverschämt. Umso wichtiger sei es, in dieser Tarifrunde eine tabellarische Entgelterhöhung zu bekommen.

Aus diesem Grund ist die IG Metall nicht bereit, sich diese Tarifrunde durch eine Einmalzahlung abkaufen zu lassen. Zumal die Arbeitgeberseite als „Gegenleistung“ erwartet, das Weihnachtsgeld künftig nur noch gewinnabhängig auszuzahlen und den Flächentarifvertrag auch sonst weiter aufweichen möchte.

Deshalb ruft die Gewerkschaft in Dortmund sowie Bochum und Herne in dieser Woche gut zwei Dutzend ihrer Betriebe zu ersten Warnstreiks auf. Es wird eine starke Beteiligung erwartet. Wenn beim nächsten Verhandlungstermin am 10. November im Sinne der Beschäftigten immer noch kein angemessenes Angebot vorgelegt wird, deuten die Zeichen auf einen Arbeitskampf, den es in dieser Form länger schon nicht gegeben hat.

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