Das Hotel „Unique Pearl“ an der Enscheder Straße ist eröffnet

Von einer Nordstadt-Kirche zum Hotel: Der jahrelange Weg der Albertus-Magnus-Kirche

Das „Unique Pearl“ in der Kirche Sankt Albertus Magnus: Nadine Ayachi ist Geschäftsführerin und Haluk Demirçi Eigentümer. Foto: Klaus Hartmann für nordstadtblogger.de

„Heimlich, still und leise hat es eröffnet: Bereits seit dem 27. April 2022 ist das Hotel „Unique Pearl“ in der Enscheder Straße unweit des Borsigplatzes in Betrieb. Damit hat – nach einer langen Hängepartie – die ehemalige Albertus-Magnus-Kirche eine neue Nutzung. Viele Jahre stand das katholische Gotteshaus nach der „Profanierung“ – also der Rückwidmung von einem Gotteshaus zu einem einfachen Bau – leer. Der bestehende Denkmalschutz erschwerte die Nachnutzung. Schlagzeilen machte die Kirche allerdings vor allem durch eine Besetzung der Initiative „Avanti“ im Jahr 2014, welche dort ein soziales Zentrum errichten wollte.

Inhaber nahm große Investitionen trotz Denkmalschutzes auf sich

Der neue Speisesaal im Untergeschoss. Foto: Klaus Hartmann für nordstadtblogger.de

Die Kirche wurde 1933/1934 inklusive eines Luftschutzkellers erbaut, und 1989 der Kroatischen Mission überlassen. Bereits 2007 sollte die entweihte Albertus-Magnus-Kirche, samt des Nebengebäudes, verkauft werden.

Nachdem lange nicht fest stand, was aus der ehemaligen katholischen Albertus- Magnus-Kirche werden sollte, wurde 2018 der Entschluss, ein Hotel dort zu errichten, von der Stadt Dortmund begrüßt.

Der Kaufpreis belief sich auf rund 300.000 Euro. Fünf Millionen investierte Hotelier Haluk Demirçi in den Umbau der Kirche und nahm zugleich die Last des Denkmalschutzes auf sich.

Blick in eines der Hotelzimmer. Foto: Klaus Hartmann für nordstadtblogger.de

Demirçi, der ursprünglich aus dem Marketing kommt, ist somit mittlerweile Inhaber zweier Unique-Hotels in Dortmund. Ihm gehört auch das „Unique-Hotel“ neben dem Dortmunder U – hier hatte er die ehemalige Hauptverwaltung von „Brau & Brunnen“ umgebaut.

Die Besucher:innen des neuen Hotels sind zum Teil Städtereisende. Aber auch Messebesucher:innen oder Fußballfans buchen die Unterkunft zu einem Durchschnittspreis von ca. 80 Euro. Bei voller Auslastung und je nach Veranstaltungslage kann der Preis aber auch bis zu 400 Euro variieren.

Besetzung als Zeichen gegen Leerstand und für ein soziales Zentrum

Besetzung der leerstehenden Albertus Magnus Kirche in der Entscheder Straße. Die Spachtelbrigade versorgt die Hausbesetzer mit Essen
„Volx-Küche“ 2014: Die Spachtelbrigade versorgte die Hausbesetzer:innen mit Essen. Klaus Hartmann | Nordstadtblogger

Die Nachnutzung der denkmalgeschützten Kirchenfassade war lange ein Thema. Anfang Januar 2014 hatte Nordstadtblogger. über die leerstehende Kirche Sankt Albertus Magnus berichtet.

„Es scheint, als hätte sie die Zeit vergessen. Versteckt in der Enscheder Straße, einer Seitenstraße in der Nähe des Borsigplatzes, steht die katholische Kirche Sankt Albertus Magnus“.

Im August 2014 hatte das Vergessen ein Ende: Die Initiative „Avanti“ besetzte den Kirchenbau, um dort ein soziales Zentrum zu errichten.

Pfarrer Ansgar Schocke wartet gespannt auf das beauftragte Gutachten.
Pfarrer Ansgar Schocke im Garten der Kirche. Foto: Alexander Völkel für nordstadtblogger.de

Pfarrer Ansgar Schocke zeigte sich kooperativ, die Gemeinde stellte auch keinen Strafantrag. Die Idee, ein Zeichen gegen Leerstand zu setzen, fand der katholische Geistliche seinerzeit gut. Er führte „konstruktive Gespräche“ mit den Besetzer:innen.

„Dass sind alles vernünftige gesprächsbereite Leute, die von den konkreten Verkaufsverhandlungen der Kirche nichts gewusst haben“, beschreibt er das erste Gespräch.

Die Staatsanwaltschaft ließ die Kirche als Tatort beschlagnahmen

Polizeieinsatz in der Albertus Magnus Kirche mit anschließender Räumung.
Die Polizei räumte die Kirche auf Weisung der Staatsanwaltschaft.

Dennoch kam es gut eine Woche später zur Räumung – allerdings nicht veranlasst von der Kirche, sondern von der Staatsanwaltschaft. Diese ließ das Gebäude als „Tatort“ beschlagnahmen.

Neonazis hatten – entgegen den Kooperationsgesprächen mit der Polizei – bei einer Kundgebung versucht, in Richtung der Kirche zu stürmen. Als Reaktion flogen auch Steine vom Dach.

350 Menschennahmen friedlich an der spontan organisierten Demonstration gegen die Räumung des Avanti-Zentrums in der Albertus-Magnus-Kirche teil.
350 Menschennahmen friedlich an der spontan organisierten Demo gegen die Räumung teil.

Dies wertete die Polizei als versuchte Tötung und veranlasste die Räumung, um mögliche Beweise zu  sichern. Die Polizei erfasste dabei die Personalien von 36 Personen und fand bei der Räumung des Gebäudes u.a. Pfefferspray.

Eine Frau wurde wegen des konkreten Verdachts an der Tatbeteiligung für ein versuchtes Tötungsdelikt festgenommen. Mangels dringenden Tatverdachts wurde sie dann aber wieder aus dem Polizeigewahrsam entlassen.

Abriss und Aufbau einer interkulturellen Kita im Gespräch

„Avanti“ möchte vor allem den Veranstaltungssaal unter dem Kirchenschiff nutzen.
Unter der Kirche gab es noch einen großen Gemeindesaal, der über den Hof zugänglich war. Foto: Alexander Völkel für nordstadtblogger.de

Anschließend stand der Verkauf an die Dortmunder Wert-Voll gGmbH im Raum, welche das Gebäude abreißen und eine interkulturelle Kita errichten wollten. Der Abriss gestaltete sich aber schwieriger als zunächst gedacht.

Da die Denkmalschutzbehörde Münster ein Gutachten verlangte, welches beweisen sollte, dass das Gebäudeensemble nicht anderweitig nutz- oder verwendbar sei, verzögerte sich der Prozess.

Sechs Kaufinteressenten meldeten sich im Maklerbüro, berichtete Pfarrer Ansgar Schocke seiner Zeit im Gespräch mit den Nordstadtbloggern.

Verwendung muss den Werten der katholischen Kirche entsprechen

Für das „Soziale Zentrum Avanti“ soll das Kirchenschiff nicht genutzt werden.
Im ehemaligen Kirchenschiff mussten Zwischendecken eingezogen werden. Foto: Alexander Völkel für nordstadtblogger.de

Dabei musste die Nutzung des Gebäudes den Werten der katholischen Kirche entsprechen. So hätte beispielsweise eine Spielhalle, keine Zusage für den Kauf und Umbau erhalten.  

Von innen lässt sich, durch die Beleuchtung und den eleganten Einrichtungsstil, nur erahnen, dass es sich bei dem Hotel um eine ehemalige Kirche handelt. Im Außenbereich durften aber durch den Denkmalschutz, keine Umbauten vorgenommen werden. 

Der Umbau war nur durch den ungewöhnlichen Aufbau des Gebäudes möglich

Die Hotelflure in der ehemaligen Kirche. Foto: Klaus Hartmann für nordstadtblogger.de

Aus dem großen Kirchenraum wurden drei Stockwerke mit vielen Hotel-Zimmern. Haluk Demirçi berichtete, dass der Umbau zu einem Hotel, nur durch den ungewöhnlichen Aufbau der Kirche möglich war. Ein Kirchturm hätte ganz andere Herausforderungen dargestellt.

„Das Umfeld entwickelt sich“, sagte der Hotelier im Gespräch mit den Nordstadtblogger:innen und kam damit auf teils schlechte Online-Bewertungen zu sprechen. Kritisiert worden sei die Lage des Hotels nahe des Borsigplatzes.

Der Außenbereich des Hotels. Foto: Klaus Hartmann für nordstadtblogger.de

Im Gespräch mit den Betreiber:innen entstand der Eindruck von „einer muss den Anfang machen“.

Spürbar war aber auch der Optimismus über die positive Zukunft des Hotels. Denn auch in anliegenden Gebäuden würden nun ebenfalls Renovierungsarbeiten beginnen…

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