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Aufgepasst im Straßenverkehr! Polizei Dortmund informiert GrundschülerInnen über den sogenannten „Toten Winkel“

Eine der vierten Klassen der Oesterholz-Grundschule beim Verkehrsinfotag der Dortmunder Polizei. Fotos (2): A. Steger

Von Angelika Steger

An diesem Freitag ist etwas anders als sonst. Zwei Lkw stehen im Schulhof der Oesterholz-Grundschule. Etwa zehn Kinder stehen neben einem der beiden auf einem grünen Dreieck. Neugierig schauen sie sich um…, ein Polizist hilft einem Kind, das in den Lkw steigen will. Das grüne Dreieck, das ist der „Tote Winkel, liegt als Plane auf dem Boden neben dem großen Fahrzeug. „Wir möchten die Kinder heute sensibilisieren, dass der Lkw-Fahrer sie nicht immer sehen kann“, sagt Kamillo Lies. Die Kinder haben ihren Spaß: statt die Schulbank zu drücken, dürfen sie heute mal in einem Lkw sitzen, das ist schon was Besonderes. Und zwar auf dem Fahrersitz, nicht nur neben dran. So sieht es also aus, wenn man einen Lkw lenkt. Die Polizei Dortmund informiert GrundschülerInnen über die Gefahren, die der sogenannte „Tote Winkel“ im Straßenverkehr auslöst.

SchülerInnen sollen für das Problem des „Toten Winkels“ sensibilisiert werden

Der rechte Seitenspiegel an einem 40-Tonner.

Die Spiegel am Lkw sind alle korrekt eingestellt: auf jeder Seite mehrere untereinander, an der Windschutzscheibe oben rechts noch einer zusätzlich. Das sieht man, wenn man auf dem Fahrersitz einen Rundum-Blick macht.

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Beim Blick in den rechten Spiegel sieht man das grüne Dreieck auf dem Boden des Schulhofes, das der „Tote Winkel“ sein soll. Alle Kinder, die dort stehen, sind im Spiegel zu sehen. Der „Tote Winkel“ bezeichnet aber eigentlich einen Bereich neben dem Lastkraftwagen, in dem FußgängerInnen oder RadfahrerInnen für den oder die FahrerIn nicht zu sehen sind.

Warum also diese Aktion? „Sehen Sie all diese Spiegel, das sind auf jeder Seite mindestens zwei, dazu kommt noch der vorne an der Windschutzscheibe… beim Abbiegen muss der Lkw-Fahrer auf so vieles achten.

Da kann er schonmal was übersehen, der ist auch nur ein Mensch. Wir wollen die Kinder deshalb sensibilisieren, dass es den „Toten Winkel“ gibt“ erläutert Kamillos Lihs von der Direktion Verkehr auf Nachfrage.

Das Fahrerhaus des 40-Tonners ist wirklich hoch. Mehrere hohe Stufen muss man erklimmen, dann erst sitzt man hinter dem Lenkrad.

Einen Überblick hat man dabei nur, wenn man in alle Spiegel schaut. Wenn sich direkt vor dem Lkw etwas befindet, ist es nicht sichtbar. Kinder verlassen sich darauf, dass sie gesehen werden, wenn sie bei Grün losfahren.

Drei von vier tödlich verunglückten RadfahrerInnen kamen durch rechtsabbiegende Lkw ums Leben

Ein gleichzeitiges Grün für AutofahrerInnen und Radverkehr sorgt immer wieder für Probleme.

Die Ampeln in Deutschland sind immer noch so geschaltet, dass RechtsabbiegerInnen und RadfahrerInnen, die geradeaus fahren wollen, zum selben Zeitpunkt grün haben.

So entsteht der sogenannte „Tote Winkel.“ Inzwischen ist die technische Entwicklung aber fortgeschritten, dass es diese Gefahrenzone nicht mehr geben muss: Assistenzsysteme warnen die/den FahrerIn des LKWs, dass sich etwas neben ihrem/seinem Fahrzeug bewegt.

Im zweiten LKW, der an diesem Freitag auf dem Schulhof steht, ist so ein Assistenzsystem eingebaut. Auf der rechten Fahrzeugseite ist eine runde Ausbuchtung, darin eine Kamera, die alles filmt, was sich rechts neben dem Fahrzeug befindet. Auf der Beifahrerseite im Fahrerhaus ist ein Bildschirm von der Größe eines Smartphones. „Wenn Sie jetzt den Blinker rechts setzen und jemand in den Bereich tritt, sehen Sie, dann färbt sich der grüne Rahmen auf dem Bildschirm rot“, erklärt Polizeihauptkommissar Marc Jochheim.

Stadt will Nutzfahrzeuge mit Abbiege-Assistenzsystemen ausrüsten

Perspektivisch sollen auch die Stadttöchter ihre schweren Nutzfahrzeuge mit dem Abbiege-Assistenten nachrüsten. Foto: Joachim vom Brocke

Zusätzlich gibt es ein akustisches Signal. Eine Warnung, die man eigentlich nicht übersehen und überhören sollte – wenn der Fahrer oder die Fahrerin nicht durch andere Geräuschquellen wie Smartphone oder Radio abgelenkt ist.

Alle Fahrzeuge ab dem Jahr 2015 sind von der Firma, die die Lkw heute als Schauobjekte zur Verfügung stellt, mit Assistenzsystemen ausgerüstet, die Stadt Dortmund wird dies in Zukunft auch tun (siehe angehängten Artikel).

Ein Menschenleben sollte das schon wert sein: im Jahr 2018 sind vier Radfahrende in Dortmund zu Tode gekommen im Straßenverkehr, drei davon wurden durch rechtsabbiegende Lkw getötet. Drei Verkehrstote zu viel.

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