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Forderungskatalog: Verkehrsverbände fordern Konsequenzen aus der Serie tödlicher Fahrradunfälle in Dortmund

Das dritte Dortmunder Ghost Bike wurde an der Bornstraße aufgestellt.(Foto: Dortmunder Radverkehrsinitiativen)

In den vergangenen zwölf Monaten hat es in Dortmund drei tödliche Radfahrer-Unfälle gegeben, die sich alle nach demselben Muster ereigneten: Ein rechts abbiegender Lkw missachtet den Vorrang des geradeaus fahrenden Radfahrers und verursacht einen tödlichen Unfall. Zwei der Unfälle ereigneten sich an Kreuzungen der Mallinckrodtstraße, der Dritte unweit davon an der Bornstraße.

Getrennte Grünphasen hatten allein in Dortmund drei Menschen das Leben retten können

„Keiner dieser Unfälle hätte sich so ereignet, wenn es an diesen Kreuzungen getrennte Grünphasen für Abbieger des motorisierten Verkehrs und geradeaus fahrenden Radverkehr gegeben hätte. Drei Menschen würden noch leben, darunter ein elfjähriges Kind“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung.

Gefärbte Furtmarkierungen und vorgezogene Aufstellflächen seien an vielen Stellen zweifelsfrei eine Option – an großen, unübersichtlichen Kreuzungen mit viel Autoverkehr schafften sie aber keine ausreichende Sicherheit. „Vorgezogene Aufstellflächen etwa helfen nur bei roter Ampel, fließt der Verkehr bei Grün, bleibt die Gefahr bei rechtsabbiegenden Autos bestehen“, heißt es weiter.

Die Fahrradinitiativen und -verbände ADFC, VCD, VeloKitchen und VeloCityRuhr haben deshalb gemeinsam mit dem Behindertenpolitischen Netzwerk, FUSS, dem Runden Tisch zur Prävention für Kinderunfällen und dem Seniorenbeirat der Stadt Dortmund einen Forderungskatalog aufgestellt.

Fahrradstreifen in Regelbreitem getrennte Grünphasen und Fahrradstraßen

Ein gleichzeitiges Grün für AutofahrerInnen und Radverkehr sorgt immer wieder für Probleme.

Getrennte Grünphasen für AbbiegerInnen des motorisierten Verkehrs einerseits und geradeaus fahrende RadfahrerInnen und FußgängerInnen andererseits an fünf gefährlichen Kreuzungen der Mallinckrodtstraße: Schützenstraße, Uhlandstraße, Leopoldstraße, Bornstraße und Brunnenstraße.

2Bei allen Sanierungen, Um- und Neubaumaßnahmen werden die Fahrradstreifen auch im Kreuzungsbereich mindestens in Regelbreite nach den „Empfehlungen für Radverkehrsanlagen” (ERA) ausgeführt (Schutzstreifen 1,5 Meter, Radfahrstreifen 2 Meter an stark und 1,85 Meter an schwach befahrenen Straßen). Denn Radfahrstreifen und Schutzstreifen seien an vielen Kreuzungen zu schmal, so dass RadfahrerInnen schlecht zu sehen seien, zu eng überholt und unnötig gefährdet würden.

Alternativen zu stark befahrenen Straßen sollen als Fahrradstraßen ausgebaut und für den Radverkehr optimiert werden. Auf diese neuen Verbindungen soll auch durch Radwegweisung hingewiesen werden.

Das Führen des Radverkehrs über Nebenstraßen sei zwar oft mit Umwegen, Zickzack und Zeitverlust verbunden. „In der Nordstadt gibt es jedoch mehrere sehr direkte, verkehrsarme Parallelstrecken zu den Hauptverkehrsstraßen, die sich durch gezielte Maßnahmen für den Radverkehr ertüchtigen und zu Fahrradstraßen ausbauen ließen“, betonen die Verfasser. 

In der Nordstadt gibt es vier Verbindungen, die sich als Fahrradstraßen eignen

In der Nordstadt gibt es mehrere Parallelstrecken, die sich zu Fahrradstraßen ausbauen ließen.

So könnte ein großer Teil des Radverkehrs sicher, direkt und schnell über diese Nebenstraßen abgewickelt werden. Durch die geringere Kfz-Geschwindigkeit und das Fehlen der konfliktträchtigen, großen Knoten steige das Sicherheitsniveau. Die Notwendigkeit, auch die Hauptstraßen sicher zu gestalten, bleibe aber bestehen, weil dort wichtige Quellen und Ziele des Radverkehrs lägen. In der Nordstadt gibt es ihrer Ansicht nach vier Verbindungen, die sich für den Ausbau als Fahrradstraßen gut eignen.

Erstens eine Strecke parallel zur Mallinckrodtstraße, beginnend an der Osterlandwehr, weiter über Lütgenholz, Herold-, Prior-, Westerbleich- bis hin zur Feldherrn- und Fichtestraße. Hier müssten unter anderem die Querungen Oestermärsch sowie Born-, Leopold- und Schützenstraße verbessert werden, am Spähenfelde braucht es eine Rampe.

Nördlich der Mallinckrodtstraße müsste eine Route von der Stollenstraße über Haydn-, Erwin- und Bülow- bis Lagerhausstraße für den Radverkehr ausgebaut werden.

Als Nord-Süd-Verbindungen bieten sich Uhland- und die Burgholzstraße an. Die südliche Anbindung der Burgholzstraße könnte entweder über Leuthard-, Krim- und Nordstraße oder über Leuthard-, Münster- und Kleine Burgholzstraße erfolgen. In beiden Fällen wären Verbesserungen der Fahrbahndecke und eine verbesserte Querung der Mallinckrodtstraße erforderlich.

Verbände fordern mehr Maßnahmen als nur ein Fahrradstraßenschild

Nach dem tödlichen Verkehrsunfall erinnert ein „Ghost Bike“ an einen getöteten elfjährigen Radfahrer.

„Die Einrichtung einer Fahrradstraße darf sich nicht auf das Anbringen eines Fahrradstraßenschilds beschränken. Eine Fahrradstraße muss an die Erfordernisse des Radverkehrs angepasst werden. Bei den genannten Straßen sind das vor allem verbesserte Querungen, Deckensanierungen, Vorfahrtsänderungen und der Um- oder Abbau nicht fahrradverträglicher Aufpflasterungen“, heißt es in der Stellungnahme.

Weitere Forderungen: Jährlich sollen an einem Fünftel der Kreuzungen, an denen aufgrund der Übersichtlichkeit und geringen Größe keine getrennten Grünphasen erforderlich sind, die Furten für den Radverkehr farbig markiert werden, so dass der Prozess nach fünf Jahren abgeschlossen ist. Dazu soll im Bestand ein Material verwendet werden, das auch bei Nässe nicht rutschig wird. 

Bei allen Sanierungen, Um- und Neubaumaßnahmen sollten die Furten mit gefärbtem Asphalt hergestellt werden. Wo der Radverkehr auf Schutz- oder Radfahrstreifen geführt wird, sollten aufgeweitete Radaufstellstreifen angelegt werden.

Außerdem fordern die Verbände eine Wahlfreiheit: Wer die Fahrbahn nutzen möchte, dürfe nicht daran gehindert werden. Dazu soll die teilweise noch bestehenden Benutzungspflichten auf der Mallinckrodtstraße und den kreuzenden Straßen aufgehoben werden. 

Zudem soll die Unfallkommission dem Beirat Nahmobilität der Stadt Dortmund jährlich einen Bericht über Verkehrsunfälle mit Fußgänger- und Radfahrer-Beteiligung vorlegen.

 

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