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Geschichtsunterricht mit dem IBB in Auschwitz: Hört man die Jugendlichen erzählen, ist die Förderung gut angelegtes Geld

Mehr als eine Million Menschen wurden von Nazis allein in Auschwitz-Birkenau ermordet. Foto: Alex Völkel

Von Susanne Schulte

Eindrucksvoller und nachhaltiger als jeder Geschichtsunterricht zur Judenvernichtung während des Nationalsozialismus’ ist eine Fahrt zur Gedenkstätte Auschwitz. Die Jugendlichen, die an einer von ihren Schulen organisierten Fahrt zum Konzentrationslager teilnahmen, sind immer noch überwältigt von dem Gehörten, Gesehenen und Gelesenen.

Für einige Schulen gehört die Klassenfahrt nach Polen zum Pflichtprogramm

Susanne Wycisk sieht sich mit Sylvia Löhrmann an, wie Jugendliche ihre Eindrücke festgehalten haben.

Das merkten die erwachsenen Gäste deutlich, die am Samstag an der Tagung des IBB, des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerkes in den Räumen der DASA teilnahmen. Das IBB mit Sitz in Dortmund ist die zentrale Anlaufstelle für die Förderanträge von LehrerInnen aus Nordrhein-Westfalen, die für die geplante Fahrt Zuschüsse haben möchten. Und das möchten alle.

Den Unterricht vor Ort in Polen sehen viele als Teil des Bildungsauftrags an. So ist die viertägige Reise für die Jugendlichen im Leistungskurs Geschichte des Homburgischen Gymnasiums in Nümbrecht Pflicht, wie die Schülerinnen Anika Wolter, Caroline Dick und Leonie Knüver erzählten. Auch das Max-Born-Berufskolleg in Recklinghausen, an dem künftige Maurer und Isolierer zur Schule gehen, hat die Fahrt seit 2011 ins Bildungsprogramm der Oberstufe aufgenommen.

Waren die Lehrer erst skeptisch, als der Gewerkschaftssekretär Ali Kosan von IG BAU die Idee hatte und auch den größten Teil des Geldes gab – „Wir hatten Sorge, dass hinterher an einer Mauer ,Kevin war hier’ steht“, sagte Dirk Wienken – stellten sie fest, dass sich die Schüler respektvoll benahmen und die Reise half, mit den jungen Männern anschließend besser über Grundwerte und Menschenrechte reden zu können.

Aus Moers lernen jedes Jahr 200 SchülerInnen in der Gedenkstätte in Auschwitz

Kunst ist immer eine geeignete Form, seine Gefühle zu zeigen. Fotos: Susanne Schulte

Gleich mit 200 Schülerinnen und Schülern macht sich das Gymnasium Adolphinum aus Moers jedes Jahr auf den Weg nach Osten.

Wer an einer Fahrt teilgenommen hat, kann sich für die kommende als Teamer bewerben, muss sich gut vorbereiten, mit den jüngeren SchülerInnen die Fahrt vor- und nachbereiten und auch während des Aufenthalts in Polen, die Gruppen wohnen in Krakau, immer ein offenes Ohr und offene Arme für die Jüngeren haben.

„Der Besuch in Auschwitz ist eine intellektuelle und emotionale Zumutung“, gab ein Jugendlicher seinen Eindruck wieder. Da brauche man jemanden, der die Gefühle ebenfalls kenne und mit dem man darüber reden könne.

Die Geschichtsstunden in Polen würden zusammenschweißen, nicht nur in der jeweiligen Klassenstufe, sondern an der ganzen Schule.

Für Schulfahrten geben das Land und Stiftung „Erinnern ermöglichen“ Zuschüsse

Sylvia Löhrmann spricht zu und mit den Jugendlichen, die sich für eine bessere finanziellen Unterstützung der Gedenkfahrten einsetzen.

Doch die Schule in Moers hat ein Problem. Weil sie mit 200 Leuten reist, bekommt sie weniger Geld als Schulen, die mit maximal 40 Menschen unterwegs sind. Fahrten zur Gedenkstätte Auschwitz werden vom Land gefördert.

Geld gibt es auch von der Stiftung „Erinnern ermöglichen“, die den größten Batzen aus der Stiftung der Familie Bethe erhält, die vom IBB verwaltet werden. Da aber die Stiftungssatzung vorschreibt, dass nur Gruppen mit maximal 40 Personen einen Zuschuss erhalten, fallen die Moerser da raus.

Auch mit Stiftungsgeld ist die Kurzreise teuer. 250 Euro pro Person hätten sie für die vier Tage gezahlt, so die Jugendlichen des Homburgischen Gymnasiums.

Schulministerin nahm sich viel Zeit zum Zuhören und unterstützt die Stiftung

Schulministerin Sylvia Löhrmann, die prominenteste Zuhörerin im Publikum und erfahren in Sachen Auschwitz-Besuchen – sie ist selbst schon fünfmal mit Klassen mitgefahren – konnte und kann auch nicht mehr Geld versprechen, sondern sich nur dafür einsetzen, dass das Landesparlament die Zuschüsse erhöht.

Sie hält viel von einem Aufenthalt an den Erinnerungsstätten der deutschen Geschichte. „Junge Menschen sollen erfahren, dass es einen Unterschied macht, wie sie sich verhalten.“ Sie sollten lernen, wenn sie etwas täten, könne sich die Welt zum Besseren ändern.

IBB Dortmund wünscht sich eine finanzielle Förderung der Fahrten aus Bundesmitteln

Anika Walter, Caroline Dick und Leonie Knüver  haben ihre Eindrücke in Bildern und Skulpturen wiedergegeben.

Peter Junge-Wentrup vom IBB, der diese erste Tagung für LehrerInnen und SchülerInnen moderierte, sprach dann einen Wunsch aus, der, sollte er Wirklichkeit werden, keine finanziellen Hürden vor das Erinnern vor Ort aufbaut.

„Diese Fahrten sollten aus Bundesmitteln finanziert werden.“ Diese Forderung, so seine Aussage, müsse im Koalitionsvertrag der nächsten Bundesregierung festgeschrieben werden.

Das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk nimmt Förderanträge der Schulen entgegen

Lehrerinnen, die einen Antrag auf Geld für eine Kurs- oder Klassenfahrt nach Auschwitz stellen wollen, schreiben an das IBB Dortmund, Bornstraße 66, 44145 Dortmund, Telefon: 0231/9520960, E-Mail info@ibb-d.de. Wer sich vorher im Internet informieren möchte, geht auf die Seite www.ibb-d.de.

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