Demonstrationszug zog einmal über den Wallring in Dortmund

Gegner:innen der Corona-Maßnahmen demonstrierten dieses Mal legal

Bis zu 650 Menschen nahmen an dem Protest gegen die Corona-Maßnahmen teil.
Bis zu 650 Menschen nahmen an dem Protest gegen die Corona-Maßnahmen teil – nicht alle hielten sich an die Regeln. Karsten Wickern | Nordstadtblogger

Bis zu 650 Menschen aus dem Querdenken-Umfeld demonstrierten am Montagabend (27. Dezember 2021) in Dortmund gegen die sich weiter verschärfenden Corona-Maßnahmen. Anders als in den Wochen zuvor war dieser  sogenannte „Lichterspaziergang“ angemeldet. Die Folge: Die Teilnehmer:innen mussten sich an die Auflagen der Polizei halten. Diese konnte aber nicht alle direkt durchsetzten.

Maskenpflicht wurde überwiegend eingehalten

Karsten Wickern | Nordstadtblogger

Mit Kerzen und Lichterketten liefen die Demonstrant:innen einmal um den Wallring. Aufgerufen hatten dazu Gegner:innen der Corona-Maßnahmen. Gedacht werden sollte gleichzeitig an „Opfer der an oder mit Covid-Verstorbenen, der Opfer der Covid-Maßnahmen“, und angeblichen Impftoten. Die Organisator:innen wollten so offenbar besonders viele Menschen ansprechen.

Vor Ort erschienen bekannte Gesichter von den unangemeldeten Versammlungen der vergangenen Wochen, aber auch neue Gesichter. Unter den Demonstrant:innen befand sich auch eine Kleingruppe Dorstfelder Neonazis und der AfD-Politiker und Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich.

Die Polizei hatte eine Maskenpflicht für die Versammlung erlassen. Nach Hinweisen dazu bei der Startkundgebung, hielten sich die Teilnehmer:innen überwiegend daran. Oftmals lag aber der Verdacht nahe, dass die Maske nicht zufällig unter die Nase gerutscht ist. Im Nachgang stoppte die Polizei einige Teilnehmer:innen auf dem Heimweg. Sie waren während der Demonstration mit Verstößen der Maskenpflicht aufgefallen.

Die Demonstration fand ohne Plakate und große Reden statt

Karsten Wickern | Nordstadtblogger

Aus taktischen Gründen erfasste die Polizei die Personalien aber nicht während der Demo. Wohl auch, damit die Stimmung nicht zur Eskalation kippt. Ein Stopp der Demonstration wegen der Verstöße sei nicht verhältnismäßig gewesen, erklärt Polizeisprecher Peter Bandermann. Personen seien im Nachgang gezielt angesprochen und Ordnungsanzeigen gefertigt worden.

Die Demonstration fand ohne Plakate und große Reden statt. Die Sprechchöre waren aber bereits bekannt von anderen Demonstrationen aus dem Querdenken-Umfeld. So sieht man sich zum Teil in einer Diktatur oder zumindest kurz davor. Dank des demokratischen Versammlungsrecht kann man diese Ansichten auf die Straße bringen.

Der gewählte Wochentag, die Sprüche und das Auftreten der Demonstration soll wohl an die friedliche Revolution in der DDR erinnern. Vereinzelt gab es Gegenprotest am Rand der Demonstration. So stellte sich zum Beispiel die Partei „Die Partei“ mit Musik gegen Querdenken an die Strecke. Für den nächsten Montag haben die Maßnahmen Gegner:innen einen erneuten „Lichterspaziergang“ angekündigt.


Kommentar

Wo bleibt der Protest für die Corona-Maßnahmen?

Der Gegenprotest gegen die Querdenker:innen war das erste Mal seit langem wieder da. Das ist gut, doch er war zu klein. Die immer größer werdenden Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen bestärken auch die noch nicht gefestigten Demonstrant:innen. Menschen haben viele Probleme, die durch die Corona-Pandemie noch verschärft werden.

Vereinzelt gab es Gegenproteste.
Der Gegenprotest gegen die Querdenker:innen ist überschaubar. Das müsste wieder mehr werden, findet der Kommentator.

Die Maßnahmen-Gegner:innen versprechen, dass alles gut wird, wenn einfach die Maßnahmen aufgehoben werden. Zusätzlich treibt es Menschen in das Umfeld, die aus unterschiedlichsten Gründen einfach Angst vor einer Impfung haben. Die aus Sicht der Demonstrant:innen erfolgreichen Demos verstärken dabei das Gemeinschaftsgefühl und lassen die Gruppe weiter zusammenwachsen.

Aufbauend auf Falschinformationen radikalisieren sich die Menschen immer weiter und sind für Diskussionen immer schlechter erreichbar. Und zack sind Verschwörungserzählungen Holocaust-Relativierung und Mordaufrufe irgendwann nicht mehr fern. Deshalb braucht es Gegenprotest. Er muss versuchen, diese Menschen zu erreichen und muss gleichzeitig das Erfolgserlebnis stören.

Im Februar hatten sich noch bis zu 200 Menschen an Protesten gegen die Querdenken-Autokorsos beteiligt. Heute waren es nur ein Bruchteil davon. Der andauernde Protest ist anstrengend. Die immer kleiner werdenden Autokorsos zu ignorieren war damals sicherlich richtig. Doch jetzt braucht es wieder Gegenproteste die zeigen, dass sie zu Corona-Maßnahmen stehen!

Karsten Wickern

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Reaktionen

  1. B. Kastner

    Die Veranstalter distanzieren sich explizit von radikalen oder faschistischen Gedankengut. Wenn jetzt Staat und Medien versuchen, jede Regierungskritik in die Nähe von Radikalisierung und Terrorismus zu rücken, entfernen wir uns immer mehr von einem demokratischen Miteinander. Eine inhaltliche Reduzierung der Berichte auf einzelne Mitläufer, die dem rechten Spektrum zuzuordnen sind und versuchen das Thema zu besetzen und Öffentlichkeit zu bekommen, führt immer wieder zu einer fehlenden Auseinandersetzung mit dem eigentlich relevanten Themenkomplex. Es war ein friedlicher Spaziergang, der zum einen an die Covid Verstorbenen, der Opfer der Maßnahmen und die, die in Verbindung mit der Impfung Gestorbenen, gedenken sollte. Die Kritik bezog sich aber m.E. eher auf weitere Freiheitseinschränkungen und auf einen geplante Impfzwang. Eine Regierung, die, selbst in der Pandemie, das Gesundheitswesen ausbluten lässt und präklinische Therapien ignoriert oder verhindert (das Wichtigste ist die Frühbehandlung), sollte kritisiert werden dürfen. Dass Deutschland nun, als eines der ersten Länder über Zwangsimpfungen diskutiert, zeigt nur die Hilflosigkeit und Inkompetenz. Eine Impfung, gerade für vulnerable Gruppen, ist wichtig und richtig. Sie kann aber nicht als alleiniger Heilsbringer dienen. Dafür ist die Schutzdauer und die Schutzwirkung zu schlecht. Abgesehen von Nebenwirkungen und Impfschäden, die nicht schön geredet werden sollten.

  2. Christian Fricke

    Sehr geehrte(r) Herr/Frau Kastner,
    nur ein paar Korrekturen Ihres Kommentars:
    1. Leider waren es nicht nur ein paar rechte Mitläufer, sondern eine erhebliche Zahl stadtbekannter Neonazis, die da die Querdenker zwischen sich geduldet haben. Ich kann nur sagen, wenn neben mir oder meinem Kind ein Kumpel von SS-Siggi laufen würde, würd ich ernsthaft ins Nachdenken kommen und das nicht so verharmlosen, wie Sie es tun.
    2. Ich hoffe, dass Sie den Begriff ‚ImpfZWANG‘ nicht bewusst falsch gewählt haben. Um Sie einmal aufzuklären, diskutiert wird über eine ,ImpfPFLICHT‘, nicht ‚ImpfZWANG‘, das ist ein erheblicher Unterschied. Es wird niemand zur Impfung gezwungen, sondern ohne Impfung wird man so wie jetzt auch schon mit Einschränkungen leben müssen.
    3. Das Risiko von Impfschäden ist erwiesenermaßen verschwindend gering gegenüber den Risiken einer Erkrnkung. Lehnen Sie auch alle anderen Impfungen und Medikamente ab??? Da fällt mir leider nichts mehr zu ein…

    Und abschließend meine persönliche Meinung: Wegen der Impfverweigerer werden wir die Pandemie nur so unendlich langsam los. Die katastrophalen Auswirkungen für uns alle dauern unnötig lange, und jeden Tag sterben neben ungeimpft Erkrankten leider auch noch Geimpfte an Corona. Immerhin ist ja der Anteil Rechter unter den Impfgegnern offensichtlich hoch, was bezogen auf die Todesopfer der Seuche wenigstens einen kleinen positiven Aspekt darstellt!

    Wir können das gerne nächste Woche Montag diskutieren, wenn der Aufmarsch in Dortmund in die nächste Runde geht!

    Mit freundlichen Grüßen, Hr. Fricke

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