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Frühlingsfest im Blücherpark: Projekt KoopLab will auf der Grünfläche zukünftigen Quartierstreffpunkt erschaffen

Beim Frühlingsfest im Blücherpark begrüßten Jung und Alt im Sonnenschein den Frühling. Fotos: Lisa König

Von Lisa König

Am Sonntag haben im Blücherpark in der Nordstadt verschiedene Kulturen und Altersgruppen den Frühling begrüßt. Veranstalter war das Projekt KoopLab, das die Grünfläche bis 2020 als Treffpunkt für die BewohnerInnen etablieren möchte.

Ein Ort für die Begegnung und den Austausch, der jederzeit und von jedem genutzt werden kann

KoopLab ist ein Verbund von WissenschaftlerInnen, die Projekte und ihr Vorgehen analysieren, um so Erkenntnisse für zukünftige Vorhaben zu gewinnen. Dafür haben sie sich Praxipartner in Leipzig, Hannover und Dortmund gesucht. Es geht vor allem um die Frage, wie wohnungsnahe Freiräume gestaltet werden müssen, um den sozialen Zusammenhalt der BewohnerInnen zu fördern.

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Das Projekt will BewohnerInnen zum Mitmachen ermutigen und den Zusammenhalt stärken.

In Dortmund sind an der praktischen Umsetzung der Planerladen e.V., das Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung, das Projekt „nordwärts“ der Stadt Dortmund und das Büro für Freiraum- und Quartiersprojekte beteiligt.

Sie haben sich dafür eine Fläche im Blücherpark ausgesucht, die früher mal ein Spielplatz war. „Wir haben noch mehr Grünflächen in der Auswahl gehabt“, erklärt Dennis Zilske vom Planerladen e.V. „Im Blücherpark war vor allem die Nähe zur Bewohnerschaft ein deutlicher Pluspunkt. Wahrscheinlich haben auch vorher schon Leute gedacht: Den Platz wollte ich schon immer mal nutzen!“ Außerdem sei die Fläche zwar räumlich eingegrenzt, aber trotzdem für jeden zugänglich.

„Wir haben von Anfang an klar gemacht: Das ist nicht unsere Fläche. Die Bewohner können jederzeit hier rein und müssen uns nicht fragen.“ Langfristig möchte sich KoopLab aus dem Projekt herausziehen und die Organisation wenn möglich in ehrenamtliche Hände übergeben.

„Unser Projekt läuft offiziell bis 2020. Wir hoffen natürlich, dass auch danach noch etwas passiert. Es geht auch nicht darum, dass es hier am Ende großartig anders aussieht. Viel wichtiger ist, dass die Leute sich begegnen und die Fläche überhaupt genutzt wird.“

Mit Hilfe von Ideenwerkstätten sollen vor allem die Einfälle der BewohnerInnen umgesetzt werden

Die Resonanz in der Bevölkerung sei von Anfang an sehr positiv gewesen. „Besonders die Kinder sind begeistert und erinnern sich daran, dass hier schon öfter etwas stattgefunden hat“, so Zilske. „Langsam kommen wir mit den Bewohnern in Kontakt und kennen die meisten schon durch unsere letzten Aktionen.“ Das Frühlingsfest ist schon die fünfte Veranstaltung seit das Projekt im Sommer 2018 gestartet ist.

Die Hochbeete sind bei einer vorigen Veranstaltung entstanden und gedeihen seitdem prächtig.

Bei einer Ideenwerkstatt ist unter anderem die Idee für Hochbeete entstanden, die auch kurz darauf umgesetzt wurde. „Wir wollen hier möglichst viel ausprobieren“, erzählt Ute Ellermann. Sie ist selbstständige Landschaftsarchitektin und leitet das Büro für Freiraum- und Quartiersprojekte.

„Die Hochbeete sind erstmal ein Experiment, weil die Fläche wegen der hohen Bäume eigentlich nicht ideal dafür geeignet ist. Im Moment sollte noch genug Sonne durchkommen und dann schauen wir mal, wie es in Zukunft läuft. Aber wir wollen hier nicht nur Aktionen im Bereich der Gärtnerei veranstalten, sondern zum Beispiel auch Spiele oder Open Air Konzerte.“

Dabei müssten die Aktionen auch nicht immer positiv aufgenommen werden. Zilske: „Wir wollen sehen, wie die unterschiedlichen Ideen von den Bewohnern angenommen werden. Im August wird hier ein Künstler einen transportablen Swimmingpool aufbauen, der wie eine Wippe funktioniert. Es müssen immer zwei Personen gleichzeitig rein, damit er nicht auskippt. Da sind wir zum Beispiel sehr gespannt, wie es bei den Leuten ankommt.“

Von chinesischer Meditation über Spraykreiden bis hin zur Weidenrutenhütte – Ausprobieren ist das Ziel

Um möglichst viele Leute auf ihr Projekt aufmerksam zu machen, sind die VeranstalterInnen in der dunklen Jahreszeit auf Werbetour gegangen. „Wir haben unser Projekt an ganz unterschiedlichen Orten vorgestellt“, berichtet Zilske. „Wir haben uns im Vorfeld gefragt: Wo treffen sich viele unterschiedliche Leute? Deshalb waren wir zum Beispiel in Yoga-Kursen oder Sprachschulen.“

Falun Gong stammt aus China und ist eine Kombination von Meditation und Bewegungstechniken.

Eine Durchmischung der Kulturen und Altersstufen sei gewünscht und bisher auch sehr erfolgreich gewesen. „Als wir die Hochbeete bepflanzt haben, haben zum Beispiel ein acht jähriges Kind und ein Rentner zusammen gearbeitet. Sie kannten sich vorher nicht, aber der Austausch war sofort da.“

Am Sonntag waren die OrganisatorInnen vor allem dankbar für das schöne Wetter. „Wir hatten schon ein wenig Angst, dass es schneien könnte“, lacht Zilske. „Im März mussten wir leider schon eine Aktion wegen Unwetter absagen.“ Ab 11 Uhr fanden auf der Grünfläche die unterschiedlichsten Aktionen statt: Aus Weidenruten bauten die BesucherInnen ein Indianerzelt. Wenn die Äste im Sommer austreiben, soll so ein richtiges Häuschen entstehen.

Außerdem gab es viele Spiele und Mitmachaktionen für Kinder, unter anderem wurde der Fußboden mit spraybaren Kreiden verziert und Holzosterhasen bemalt. Viele BewohnerInnen hatten kulinarische Besonderheiten für ein Buffet mitgebracht. Ein besonderes Highlight war der Falun Gong Workshop. Eine viertel Stunde lang konnten alle Interessierten einen Einblick in die chinesische Kultivierungspraxis gewinnen. Hierbei werden Mediation und unterschiedliche Bewegungsübungen miteinander kombiniert.

Für jeden gibt es eine Aufgabe: Das Upcycling- Projekt Einzigware von der Caritas nutzt altes Zeitungspapier

Bärbel Jostwerner (Mitte) leitet das Projekt „Einzigware“, bei dem  aus Altem Neues entsteht.

Auch die Caritas hatte einen Stand bei dem Fest aufgeschlagen. Nach dem Prinzip des Upcyclings zeigten sie den BesucherInnen, wie Körbe aus Zeitungspapier geflochten werden. Das Projekt trägt den Namen „Einzigware“.

„Das ist ein Gemeinschaftsprojekt“, erklärt Bärbel Jostwerner von der Caritas in Dortmund. „Bei uns arbeiten 20 Langzeitarbeitslose in den verschiedenen Werkstätten. Dafür überlegen wir uns zusammen neue Ideen. Jeder kann sich selbst einbringen, nach dem Motto: Was kann ich am besten?“ Dreißig Stunden in der Woche arbeiten sie dann an neuen Designs. „Viele kommen hier her und können nichts und wenn sie gehen sind sie Meister an der Nähmaschine!“

Aber auch ohne Talent könne jeder mitwirken. „Es gibt Leute, die bekommen die Feinarbeit nicht so richtig hin und haben vielleicht auch nicht so viel Spaß daran. Die können dann die Papierröllchen für die Körbe rollen. Das ist ein Teamprojekt, hier findet jeder eine Aufgabe.“ Die Zusammenarbeit ist entstanden, als KoopLab bei der Caritas angerufen und von der anstehenden Veranstaltung erzählt hat. „Ich fand die Idee großartig! Viele von unserem Projekt kommen aus der Nordstadt und es ist eine tolle Idee, diese Fläche zu nutzen.“

Weitere Informationen:

KoopLab ist ein Projektverbund aus folgenden Partnern: Planerladen e.V., Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS), Stadt Dortmund (nordwärts), Büro Freiraum und Quartiersprojekte.

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