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Flott zur Kund*in und durch den eigenen Betrieb: IHK und Wirtschaftsförderung bieten Test-Lastenräder für Firmen an

Verschiedenartige Lastenräder für verschiedenste Firmenbelange. Friedrich-Wilhelm Corzilius von der Wirtschaftsförderung, Tester Michael Arndt und Stefan Peltzer von der IHK stellen sie vor. Fotos: Angelika Steger

Von Angelika Steger

Auf den ersten Blick sehen sie aus wie rollende Schränke, ein übergroßes Kettcar oder kleine Kutschen ohne Pferd. Etwas behäbig, weil in Kastenform.  Diese „Kisten“ sind jedoch sehr bewegliche, gut steuerbare Lastenräder, jedes wird auf die Bedürfnisse von Firmen und Betriebe zugeschnitten. „Firmen können von uns diese Lastenräder für eine Woche leihen und für betriebliche Belange nutzen“, erklärt Stefan Peltzer, Leiter des Referats Mobilität, Verkehr und Logistik an der IHK Dortmund. Zusammen mit der Wirtschaftsförderung der Stadt Dortmund betreibt die IHK seit 2014 das Projekt „Cargobike Dortmund“. Schon im letzten Jahr hatte es solche Testwochen für Firmen gegeben, 2021 soll das Angebot erweitert werden.

IHK: Die Mobilität wird sich für unsere Mitgliedsbetriebe in den nächsten Jahren deutlich verändern

Das Projekt „Cargobike Dortmund“ wurde von IHK und Wirtschaftsförderung 2014 gestartet.

Ein Lastenrad auf dem Firmengelände? Manchen Mitarbeiter*innen* mag das eigenartig vorkommen. Dabei bietet das Lastenrad viele Vorteile. „Es gibt Firmen, die einzelne Teile haben, so groß wie Fußballfelder“, schildert Peltzer seine Erfahrungen. ___STEADY_PAYWALL___

„Es gibt bereits Fahrräder, damit die Mitarbeiter*innen zügig von einem Gebäudeteil zum anderen kommen. Wenn dann noch Material aus dem Lager zur Produktionsstätte mit dem Lastenrad transportiert werden kann, ist viel gewonnen.“

Das Problem: Gabelstapler können nicht auf der Straße fahren, um zum anderen Gebäudeteil eines Betriebes zu gelangen – ein Lastenrad schon. Es stecken viele Vorteile in diesen Rädern. Denn bei aller scheinbaren Eigenartigkeit ist sich die IHK sicher: „Die Mobilität wird sich für unsere Mitgliedsbetriebe in den nächsten Jahren deutlich verändern“, ist Wulf-Christian Ehrich, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer überzeugt. Der große Transporter mit Verbrennungsmotor ist nicht mehr das Maß aller Dinge.

Man muss die Menschen dazu bringen, Dinge anders zur tun als bisher

Sieht aus wie eine behäbige Kutsche, ist aber schnell ung wendig: das Lastenrad der Firma Antric bietet viel Platz z. B. für Pakete.

„Allein mit der Anschaffung eines Rades ist es aber nicht getan.“ Der IHK-Referatsleiter für Logistik weiß, wovon er spricht. Es gibt zunächst eine Erstberatung, um zu klären, in welchem Bereich Bedarf für den Lastenrad-Einsatz im Betrieb sein könnte.

„Dafür müssen betriebliche Prozesse umgestellt werden. Diese Umstellung ist immer schwierig, weil bestehende Mitarbeiter*innen gewohnte Abläufe haben. Man muss sie dazu bringen, Dinge anders zu tun als bisher.“

Das sei natürlich einfacher, wenn das Geschäft wachse, was vor der Coronakrise oft der Fall gewesen sei, gibt Peltzer zu bedenken.

Doch auch trotz der Pandemie ist Cargobike Dortmund weiterhin aktiv. Die Industrie- und Handelskammer verleiht verschiedene Lastenräder an Firmen. „Der Wert dieses Testes ist zu schauen, wie der Einsatz dieser Räder funktionieren kann.“

Peltzer weist auf die verschiedenen Bauweisen hin: mit großer verschließbarer Kiste hinter dem Fahrer*innensitz kann es z. B. von Paketdiensten im Stadtgebiet genutzt werden.

Vom Lkw auf’s Lastend – Feuerwehrmann testete eine Woche lang den Lastenradeinsatz in Dortmund

Tester Michael Arndt.

Holger Reddehase, Desinfektor beim Rettungsdienst der Berufsfeuerwehr Dortmund hatte eines der vierrädrigen Lastenräder mit festem verschließbarem Kasten in der vergangenen Woche geliehen. „Ich bin ein kleiner DHL-Mensch für die Feuerwehr“, sagt er scherzend. Mit diesem Rad sei er gut an die Stellen gekommen, wo er habe liefern müssen.

„Hansastraße, Ostwall, überall ist gesperrt. Da hätte ich mich mit dem großen LKW von der Feuerwehr nicht hinstellen können.“ Die Ladefläche sei ideal, weil sie regendicht, wetterfest und auch sicher sei.

Insgesamt ist er ca. 120 Kilometer damit gefahren, um Corona-Tests und medizinische Masken an Test-Stationen auszuliefern. Im Kolleg*innenkreis habe man belustigt reagiert, Fahrräder als Transportmittel sind für viele Menschen hierzulande eben noch was eher ungewöhnliches.

Auch wenn Feuerwehrmann Reddehase das Lastenrad positiv bewertet glaubt er nicht, dass die Berufsfeuerwehr es dauerhaft einsetzen wird. „Gerne würde ich es weiter für die Corona-Logistik nutzen, aber bei 16.000 bis 17.000 Euro Kosten, das wären mindestens 13.000 Euro, die von der Stadt kommen müssten.“ Er glaubt deshalb nicht daran, dass einmal ein Cargobike mit der Aufschrift „Stadt Dortmund Berufsfeuerwehr“ durch die Straßen fahren wird. Schade eigentlich. Für die Liefermenge ist die Ladefläche passend, das Lastenrad benötigt viel weniger Platz als jedes Auto in den ohnehin oft zugeparkten Straßen.

Bisher haben die Unternehmen gute Erfahrungen gemacht – leichte Bedienung von großem Vorteil

Das Lastenrad kann und soll nicht als einzig wahres Firmenfahrzeug gelten, jedoch seinen festen Platz im Betriebsalltag finden. Zwei bereits überzeugte Unternehmer sind Ralf Barthel vom Weinfachhandel Weinblatt in Aplerbeck und die Firma „Klöpper Therm“ in Wambel.

Leicht zu bedienen und ohne Führerschein zu fahren: ein Lastenrad für Firmen.

Zwar ist für den Weinhändler das Lastenrad kein vollständiger Ersatz des Lieferwagens, aber es ist „eine leistungsfähige Ergänzung, die bei den Kund*innen gut ankommt.“ Nicht alle bestellen eben gleich 50 Kisten Wein – und dem Image seines Weinhandels dient das Lastenrad noch dazu.

Die Firma „Klöpper Therm“ verfügt über zwei bis vier verschiedene Betriebsstandorte, zwischen denen Bauteile mit dem Lastenrad hin- und hertransportiert werden können.

Eine positive Erfahrung, die sich wohl herumgesprochen hat. In der kommenden Woche wird Michael Arndt, Geschäftsführer der „Michael Arndt Systemintegration GmbH“ das große, vierrädrige Lastenrad testen. Seine Medientechnik-Firma stattet Konferenzräume aus oder baut Heimkino-Anlagen.

„Eine komplett neue Anlage kann ich mit diesem Rad natürlich nicht transportieren“ erklärt er. Er sitzt auf dem Fahrer*innensitz und sieht sich die Steuerung des Rades an. „Aber für technische Wartung, wenn ich zum Kunden fahre, dafür ist die Ladefläche völlig ausreichend.“ Ein Meßgerät, Laptop, das alles passe gut ins Lastenrad. „Ich probiere es aus und dann werden sich Dinge ergeben.“ Schon jetzt würde er den großen Transporter, also das Auto, zu 80 Prozent gar nicht einsetzen.

Studentin der TU Dortmund begleitet die Testwochen und wertet sie wissenschaftlich aus

Logistik-Studentin Ann-Christin Weiß wird die Testwochen der IHK Dortmund wissenschaftlich begleiten.

Jedes Unternehmen hat andere Bedürfnisse und Anforderungen an ein Lastenrad. Deshalb werden die Testwochen wissenschaftlich begleitet. Ann-Christin Weiß, Masterstudentin für Logistik an der TU Dortmund führt diese Studie durch.

„Wir wollen einen Kriterienkatalog für die Auswahl von Lastenrädern erstellen. Dazu sehen wir uns den Einsatz im Einzelhandel und Pflegediensten an. Danach befragen wir die Firmen, was gut lief und was nicht so gut geklappt hat.“ Die Ergebnisse werden voraussichtlich im ersten Quartal im Jahr 2022 vorliegen.

IHK-Referatsleiter für Verkehr und Logistik, Peltzer sieht trotz der geminderten Flexibilität beim Lastenradeinsatz dennoch Potential bei den Pflegediensten. „Diese Firmen haben oft 100 Fahrzeuge im Einsatz – wenn Sie da auch nur einen Teil durch Lastenräder ersetzen können, haben sie einiges an Kosten gespart.“ Das Umweltbewusstsein und das Thema Betriebsgesundheit habe ebenfalls bei den Firmen zugenommen.

Für die Anschaffung von Lastenrädern gibt es finanzielle Unterstützung von Bund und Land

Die Lastenradförderung der IHK Dortmund hat zur Gründung der Herstellungsfirma Antric geführt.

Die Lastenrad-Testwochen bieten auch für junge Gründer*innen eine Chance, mit ihren entwickelten Fahrzeugen einen Praxistest durchzuführen. Eines der Räder ist von der Firma Antric, einem Spin-Off der Hochschule Bochum.

Gründer Moritz Heibrock ist dankbar, dass Cargobike Dortmund ihn seit drei Jahren unterstützt, denn „sonst wäre aus der Idee keine Unternehmensgründung geworden.

Es wäre wünschenswert, wenn den Anbietern dieser Lastenräder Erfolg beschieden ist. Denn nicht nur Dortmund kann eine von der Verwaltung als solche proklamierte „emissionsfreie Innenstadt“ dringend gebrauchen.

Die Anschaffung der Lastenräder ist förderfähig mit dem Programm „E-Lastenfahrräder (vom Bund) und „Progres.nrw Emissionsarme Mobilität“ (vom Land NRW, Bezirksregierung Arnsberg). Beide Programme können auch für die Förderung kummuliert werden. Informationen erteilen das Referat für Mobilität, Verkehr und Logistik an der IHK Dortmund, Stefan Peltzer, p.peltzer@dortmund.ihk.de, Telefon: 0231/5417-146 und Ralf Finger von der Wirtschaftsförderung der Stadt Dortmund, Telefon 0231/50-29212, ralf.finger@stadtdo.de.

 

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Weitere Informationen:

  • Technische Informationen zu den Lastenrädern der Firma Antric: www.antric.de
  • Zu den Lastenräder von Citkar aus Berlin: www.citkar.com
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