
Die Abendrealschule Max-von-der-Grün hat mit einem Festakt dem hundertsten Geburtstag des Schriftstellers Max von der Grün gedacht, einem der bekanntesten Schriftsteller Dortmunds. Dabei wurde nicht nur an sein Werk erinnert, sondern auch die Rolle hervorgehoben, die sein Wirken für die Arbeit an der Abendrealschule hat. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung vom Ruhrkohle-Chor.
„Wo willst du hin?“ statt „Wo kommst du her?“
„Max von der Grün stellt den Menschen in den Mittelpunkt“, die Herausforderungen des Lebens, und er sei stets gesellschaftlich unbequem gewesen, erklärte die Co-Schulleitung Antje Heydasch-Müller.

Der Name sei für die Schule nicht nur eine Auszeichnung, „sondern ein Auftrag“, so der andere Teil der Schulleitung, Jörg Wisotzki. Die Student:innen der Abendrealschule kämen mit den verschiedensten Voraussetzungen und hätten nicht immer den einfachsten Hintergrund. Doch hier würden sie, ganz nach der Idee von der Grüns, als Menschen in den Mittelpunkt gestellt und als solche beurteilt. ___STEADY_PAYWALL___
Dr. Stefan Werth, Dezernent bei der Bezirksregierung Arnsberg, schloss sich diesem Gedanken an. Max von der Grün habe immer gefragt: „Warum ist das so und muss das so bleiben?“ Diese kritische Denkart werde auch an der Abendrealschule gelebt, denn hier werde eben nicht nach den Fehlern aus der Vergangenheit gefragt, sondern die Frage „Wo willst du hin?“ in den Vordergrund gestellt.

„Bildung bedeutet mehr als Wissen, als Prüfungen, als das Zeugnis. Bildung bedeutet Möglichkeiten, eine Tür zu einem neuen Selbstverständnis“, so Werth. Die Schule eröffne Menschen den Weg in eine Gesellschaft hinein, in der das genaue Hinschauen, das Fragen und das Widersprechen Grundgedanken von von der Grün gewesen seien und Leitgedanken der Abendrealschule seien.
Die Direktorin der Fritz-Hüser-Gesellschaft, Dr. Iuditha Balint, und der wissenschaftliche Mitarbeiter des Instituts, Henning Podulski, gaben anschließend Einblicke in die literaturwissenschaftliche Arbeit mit Max von der Grün. Die Fritz-Hüser-Gesellschaft verwaltet den Nachlass des Schriftstellers.
Von der Grün setzt der „Arbeitswelt ein Denkmal“
Falko Grunau, ehemaliger Leiter der Abendrealschule, blickte in seiner Festrede auf das Jahr 2009 zurück, in dem die Schule den Namen mit der Zustimmung von Jennifer von der Grün, der Witwe des Schriftstellers, annahm.

„Die Namensgebung einer Schule ist immer von besonderer Bedeutung, sie verleiht der Schule eine eigene Identität“, hielt Grunau fest.
Mit Blick auf das Werk von der Grüns hob Grunau hervor, dass es dessen Verdienst gewesen sei, Arbeiter:innenleben und Arbeitsverhältnisse des Ruhrgebiets und der Bundesrepublik literarisch festzuhalten. Mit seinen Büchern habe er der „Arbeitswelt ein Denkmal“ gesetzt.
Von der Grün habe, so Grunau, auch über das Erstarken der Neonazis in der Bundesrepublik geschrieben und sich mit dem lakonischen Satz „Hitler hat auch nur mit sieben Leuten angefangen“ gegen jede Verharmlosung gewehrt. Genau diese Gedanken gegen einen erstarkenden Rechtsextremismus seien heute aktueller denn je.
Sechs Porträts von Gastarbeiter:innen aus dem Jahr 1975
Driton Gashi, Sozialpädagoge an der Abendrealschule, trug abschließend seine Rezension von Max von der Grüns 1975 erschienenem Buch „Leben im gelobten Land. Ausländer in Deutschland“ vor, in dem von der Grün sechs Porträts von sogenannten Gastarbeiter:innen versammelt und deren Leben beschreibt.

„Es handelt sich um das erste Werk dieser Art in Deutschland, in dem sechs ‚Gastarbeiter‘ selbst zu Wort kommen und nicht aus der äußeren Perspektive beschrieben werden, wie es so häufig damals der Fall war und immer noch ist“, betonte Gashi.
Von der Grün betrachte die Menschen in diesem Buch als Menschen und nicht als Arbeitskräfte, wie es so lange in der Bundesrepublik üblich gewesen sei. Das Buch zeige, wie viel die Gastarbeiter:innen für die deutsche Gesellschaft geleistet und wie viel sie zur Kultur Deutschlands beigetragen haben.
Die vollständige, für den Nordstadtblogger überarbeitete Rezension von Gashi ist unten verlinkt. Dort finden sich auch die Texte zu „Trelenberg liest Max von der Grün zum 100. Geburtstag“.
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