Wechsel an der Spitze: Lange blickt zurück, Frommeyer übernimmt das Polizeipräsidium

Offizielle Amtsübergabe nach Langes Wechsel im März nach Köln

Der neue Polizeipräsident Tim Frommeyer mit seiner Frau freuen sich über die herzlichen Wort von Innenminister Herbert Reul Sigrid_Kreische_/NordstadtBlogger.de

Gregor Lange wurde offiziell als Polizeipräsident für Dortmund und Lünen verabschiedet, Tim Frommeyer als sein Nachfolger begrüßt. Lange blickte dabei auf seine zwölf Jahre als Polizeipräsident zurück, auf Erfolge und Fehler. Sein Nachfolger betonte, für die Dortmunder:innen weiterhin ein verlässlicher Partner beim Thema Sicherheit zu sein.

Jetzt Regierungspräsident von Köln, vorher 12 Jahre Polizeipräsident

Im März dieses Jahres schied Gregor Lange aus seinem Amt als Polizeipräsident und wurde, so NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU), nach Köln „befördert“, wo er nun als Regierungspräsident amtiert. Dort koordiniert er unter anderem die Arbeit der Polizei sowie das Schul- und Gesundheitswesen mit den Kommunen des Regierungsbezirks.

Innenminister Herbert Reul (CDU) Foto: Sigrid Kreische für Nordstadtblogger.de

Reul würdigte Langes Erfolge als Polizeipräsident. Vor allem dem Rechtsextremismus und dem Nazi-Kiez in Dorstfeld, lange Zeit trauriger Grund von Dortmunds bundesweiter Bekanntheit, sei er „auf die Pelle gerückt“. ___STEADY_PAYWALL___

Ferner habe Lange es verstanden, mit verschiedensten Gruppen Dialogformate zu etablieren, um als Polizei sichtbar zu werden. Er sei „der richtige Mann, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort“ gewesen. Sein großes Verdienst: In seiner Amtszeit sei die Kriminalitätsrate um 36 Prozent zurückgegangen.

Langes Nachfolger Frommeyer stellte er darauf ein, dass „viel Arbeit auf Sie“ warte. Frommeyer war bereits vor seiner Tätigkeit in Dortmund Polizeipräsident in Gelsenkirchen gewesen. „Sie übernehmen ein großes Polizeipräsidium, 2.900 Mitarbeiter stehen Ihnen zur Verfügung, 200 mehr als vor zehn Jahren“, betonte der Innenminister.

Polizei soll präsent und bürgernah bleiben

Auch Oberbürgermeister Alexander Kalouti (CDU) richtete dankende Worte an Gregor Lange. „Wir brauchen Menschen, die in schwierigen Situationen entscheiden und uns allen Orientierung geben“, und so ein Mensch sei Lange samt seinem „hanseatischen Humor“ gewesen.

OB Alexander Kalouti (CDU) Sigrid_Kreische_/NordstadtBlogger.de

Frommeyer versicherte der Oberbürgermeister, dass die Stadt Dortmund „auch künftig ein verlässlicher Partner an Ihrer Seite sein wird“, von der Polizei allerdings erwarte er, dass sie präsent und bürgernah arbeite.

Der Vorsitzende des Polizeibeirates Dirk Goosmann (SPD) sprach davon, dass es sich nicht einfach um einen Personalwechsel handele, sondern Lange habe „Geschichte geschrieben“. Am Anfang seiner Amtszeit habe sich die rechtsextreme Szene dazu aufgespielt, zu bestimmen, wer in Dortmund leben dürfe und wer nicht. „Das konnte nicht unwidersprochen bleiben“, so Goosmann, und Lange habe widersprochen, „über Jahre, mit Konsequenz, mit Geduld und Beharrlichkeit.“ Damit habe er gezeigt, was eine demokratische, rechtsstaatliche Polizei ausmachen sollte.

Goosmann wünschte Frommeyer viel Glück im Amt und zeigte sich erfreut, dass dieser in seine Heimatstadt Dortmund zurückkehre. Frommeyer hatte sich dort seinerzeit auch als CDU-Stadtrat engagiert und dabei mit Goosmann zusammengearbeitet.

Gregor Lange: „Wenn es um die Verfassung geht, sind wir verdammt parteiisch“

Ein Running-Gag in der Dortmunder Polizeibehörde sei in den vergangenen Jahren gewesen, dass die Einstellungsvoraussetzung laute, aus Gelsenkirchen zu kommen, so viele Kolleg:innen seien in dieser Zeit aus dieser Stadt nach Dortmund gewechselt, witzelte Lange bei seiner Verabschiedungsrede. Dies treffe nun auch auf seinen Nachfolger zu, und er habe keine Bedenken, dass dieser das Amt gut weiterführen werde.

Der ehemalige Dortmunder Polizeipräsident und amtierende Regierungspräsident Köln Gregor Lange
Der ehemalige Dortmunder Polizeipräsident und amtierende Regierungspräsident von Köln Gregor Lange Sigrid_Kreische_/NordstadtBlogger.de

Bei seinem persönlichen Rückblick stand die Bekämpfung der Neonazi-Szene im Vordergrund. Dort habe ein „enthemmtes Treiben“ geherrscht, mit „Gewalt und Potenzgehabe“. Nur durch einen Schulterschluss von Polizei und Zivilgesellschaft sei es gelungen, diese Szene zurückzudrängen.

Ebenso sei es gelungen, in der Dortmunder Nordstadt, die als „No-Go-Area“ gegolten habe, durch die Wache Nord und Präsenzkonzepte die Kriminalitätsrate zu senken und hohe Aufklärungsquoten zu erzielen.

Der scheidende Polizeipräsident Gregor Lange begrüßt Innenminister Herbert Reul Foto: Sigrid Kreische für Nordstadtblogger.de

„Der 8. August 2022 war der Tag in meiner beruflichen Karriere, der mich an meine Grenzen gebracht hat“, sagte der ehemalige Polizeipräsident. Damals kam es zu einem Polizeieinsatz, an dessen Ende der Senegalese Mouhamed Dramé in einer psychologischen Ausnahmesituation an den Schüssen eines Polizeibeamten starb. Alle eingesetzten Polizeibeamt:innen wurden im Nachgang freigesprochen.

„Der Fall zeigt: Er war tragisch für die Familie Dramé, er war aber auch tragisch für die eingesetzten Polizeibeamt:innen, die beim Versuch gescheitert waren, den Geflüchteten vor einem Suizid zu retten.“ Lange hätte sich während der Ermittlungen und des Verfahrens eine sensiblere Diskussion gewünscht. Gleichzeitig habe sich die Polizei Dortmund um den Dialog mit kritischen Stimmen bemüht. „Vertrauen ist die wichtigste Währung, die wir als rechtsstaatliche Polizei in einer Demokratie haben“, betonte er.

„Die Demokratie stand noch nie so unter Druck“, Lange sei 64, „deshalb kann ich das so sagen.“ Dass Rechtspopulismus, Rechtsextremismus und Antisemitismus in der Gesellschaft wieder zunehmten, sei eine „Schande“. Die Polizei müsse ihren Teil dafür leisten, die Demokratie zu schützen. Sie sei zwar zur Neutralität verpflichtet, „aber wenn es um die Verfassung geht, sind wir verdammt parteiisch.“

Polizei muss sich bei Islamismus und Linksextremismus besser aufstellen

Tim Frommeyer fand wertschätzende Worte für Langes zwölfjährige Amtszeit: „Das ist ein Lebenswerk.“ Er hob besonders die Entwicklung der Präsenzkonzeption Fokus hervor sowie Langes erfolgreichen Einsatz für mehr Personal und die Reduktion der Kriminalität.

Der Dortmunder Polizeipräsident Tim Frommeyer Sigrid_Kreische_/NordstadtBlogger.de

Als eine der großen Herausforderungen benannte Frommeyer den Extremismus: „Dortmund darf nie wieder überregional für einen Nazi-Kiez bekannt werden.“ Er sprach den Islamismus als derzeit größte Bedrohung für „Leib und Leben“ an sowie den Linksextremismus, der Anschläge auf die öffentliche Infrastruktur durchführe.

Auf Nachfrage der Nordstadtblogger verdeutlichte Frommeyer, dass es bereits engen Austausch mit Institutionen wie dem Verfassungsschutz gebe, um Anschläge zu verhindern. Die Polizei Dortmund müsse aber daran arbeiten, in diesem Bereich ähnlich gut aufgestellt zu sein wie beim Rechtsextremismus und einen „Fuß in die Tür“ zu bekommen.

Am Ende schwor Frommeyer seine Mitarbeiter:innen auf die gemeinsame Arbeit ein. „Wir sind eine Polizei, jeder hat seine Rolle einzunehmen.“ Fehler würden passieren, „was zählt, ist der Umgang damit.“ Seine Behörde werde auch in Zukunft ein verlässlicher Partner für Dortmund und Lünen sein.


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