Die neue Initiative: Vinylstadt Dortmund will Plattenfans aus ganz Deutschland anlocken

Elf Plattenläden, zahlreiche Händler auf Börsen und eine wachsende Szene

Blick auf die Auslagen mit Schallplatten
Nicht von gestern: Vinyl ist seit Jahren ein Boom-Thema. Foto: Lisa Luczkowski für Nordstadtblogger

Schallplatten erleben ein Comeback und Dortmund will davon profitieren. Mit der neuen Initiative „Vinylstadt Dortmund“ wollen Händler und Kulturakteure die ungewöhnlich dichte Plattenladen-Szene der Stadt bundesweit bekannter machen. Dahinter steckt nicht nur die Liebe zur Musik, sondern auch die Hoffnung, neue Besucher: innen nach Dortmund zu locken und vom wachsenden Vinyl-Geschäft zu profitieren.

Aus elf Plattenläden soll ein gemeinsames Ziel werden

Mit der „Vinyl Bus Station“ in der Kaiserstraße 88 kommt am 12. September 2026 ein weiterer Laden hinzu. Der Pop-up-Store bleibt bis zum 19. Dezember geöffnet. Für Inhaber Michael Lohrmann ist die Ansammlung der Geschäfte mehr als Zufall. Gemeinsam mit den Dortmunder Plattenhändlern und Dortmund Kreativ hat er die Initiative „Vinylstadt Dortmund“ ins Leben gerufen. „Wir haben im Moment elf Plattenläden in Dortmund. Das ist im Ruhrgebiet mit Abstand das meiste“, sagt Lohrmann.

Gruppenbild von Initiatoren und Mitgliedern
In der Initiative „Vinylstadt Dortmund“ finden sich neben Liebhabern auch Dortmund elf inhabergeführte Fachgeschäfte. Foto: Lisa Luczkowski für Nordstadtblogger

Zur Initiative gehören neben der „Vinyl Bus Station“ zehn weitere Geschäfte: Archiv, Black Plastic, CD Andrä, Delicate Groove Records, EMP, The Hangout, Flat Earth, Idiots Records, Rare Records und XXL Music World. Bei einer Pressekonferenz im Café Mono stellten Lohrmann, Valentin Gube von Black Plastic, Uli Tienes von Archiv vor. Dortmund Kreativ unterstützt die Initiative mit 3.000 Euro.

Die Idee: Die einzelnen Geschäfte sollen gemeinsam auf die Dortmunder Vinyl-Szene aufmerksam machen. Wer wegen eines Ladens in die Stadt kommt, könnte auch die anderen besuchen. „Wir sehen uns alle nicht als Konkurrenten im Sinne davon, dass der eine dem anderen etwas nicht gönnt“, sagt Lohrmann. „Wir müssen das als großes Ganzes sehen.“

„Wir wollen die verfügbaren Strukturen sichtbar machen“

Die „Vinyl Bus Station“ ist dabei mehr als ein weiterer Plattenladen. Hinter dem Pop-up-Store steckt Lohrmanns früheres Projekt „VINYL BUS“, ein umgebauter amerikanischer Schulbus, der zwischen 2019 und 2026 durch Deutschland fuhr und an mehr als 350 Orten Station machte. Viele Vinylfans kennen Lohrmann deshalb bereits.

Wenn sie nun für die „Vinyl Bus Station“ nach Dortmund kommen, könnten sie auch die anderen Plattenläden der Stadt entdecken. Und umgekehrt. Dass Lohrmann davon selbst profitiert, gibt er offen zu: Die Initiative sei „nicht ganz altruistisch“. Entscheidend sei aber, dass die gesamte Szene davon profitiere.

Genau diese vorhandene Struktur soll mit der „Vinylstadt Dortmund“ sichtbarer werden. „Bei der Vinylstadt Dortmund geht es darum, die verfügbaren Strukturen sichtbar zu machen“, sagt Lohrmann. Dafür setzen die Initiatoren auf eine eigene Internetseite, Flyer, Werbung in Fachmagazinen, Außenwerbung, Social Media und Materialien in den beteiligten Geschäften. Auch Veranstaltungen rund um Vinyl sind geplant.

Eine besondere Rolle spielen dabei gebrauchte Schallplatten. Neue LPs lassen sich problemlos im Internet bestellen, bei gebrauchten Platten ist der stationäre Handel dagegen im Vorteil. Kundinnen und Kunden können die Platten vor dem Kauf ansehen und ihren Zustand prüfen. „Bei einem physischen Plattenladen kannst du die Platten vorher angucken und überprüfen, was du kaufst“, erklärt Lohrmann.

Vinyl wird zum Wirtschaftsfaktor

Wie groß der wirtschaftliche Effekt der Initiative sein wird, lässt sich derzeit nicht genau berechnen. Lohrmann schätzt den jährlichen Umsatz der Dortmunder Plattenhändler grob auf einen einstelligen bis mittleren Millionenbetrag.

Schallplatten aus dem Laden Black Plastic
Vinyl ist seit Jahren ein Boom-Thema
und längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Foto: Lisa Luczkowski für Nordstadtblogger

Wer für Schallplatten aus einer anderen Stadt oder dem Ausland anreist, gibt möglicherweise auch Geld für Hotels, Restaurants, Cafés oder den Nahverkehr aus. Schon heute kommen laut Lohrmann Kundinnen und Kunden aus Belgien, den Niederlanden und der Schweiz nach Dortmund.

Lohrmann rechnet damit, dass im vierten Quartal zwischen 15.000 und 20.000 Menschen zusätzlich nach Dortmund kommen könnten. „Ich gehe schon davon aus, dass viele neue Leute in die Stadt kommen, die Dortmund vielleicht so noch nicht kennengelernt haben“, sagt er.

Die „Vinylstadt“ soll bleiben

Wenn die „Vinyl Bus Station“ am 19. Dezember schließt, soll die „Vinylstadt Dortmund“ weitergeführt werden. Neue Geschäfte könnten künftig hinzukommen. Die Initiative soll Dortmund langfristig als Standort für Schallplattenhändler und Vinylfans etablieren.

Dass Vinyl dafür wieder genügend Aufmerksamkeit bekommt, daran zweifeln die Initiatoren nicht. Seit rund zehn Jahren erlebt die Schallplatte weltweit eine Renaissance. Neben älteren Musikfans entdecken auch jüngere Menschen das Format. Für Lohrmann ist Musik deshalb ein starkes Bindeglied: „Es gibt kaum Dinge, die mehr emotionalisieren als Musik.“

Ob Dortmund tatsächlich zum überregionalen Anlaufpunkt für Vinylfans wird, muss sich zeigen. Die Voraussetzungen sehen die Initiatoren jedenfalls als gegeben. Oder, wie Lohrmann es zusammenfasst: „Alles kann, nichts muss.“ Entscheidend sei zunächst, dass Dortmund als das wahrgenommen wird, was die Initiatoren längst in der Stadt sehen: eine Vinylstadt.


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