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„Alle Räder stehen still…“: Arbeitskämpfe und Protestaktionen als Thema in der „Heimat Dortmund“

Die Herausgeber Horst Delkus und Prof. Dr. Karl Lauschke, Adolf Miksch, Vorsitzender des Historischen Vereins mit Geschäftsführer Dr. Stefan Mühlhofer. (Foto: Joachim vom Brocke)

Von Joachim vom Brocke

Ganz am Anfang glaubten die Herausgeber der neuen Ausgabe von „Heimat Dortmund“ nicht daran, ausreichend Informationen zum Thema „Arbeitskämpfe“ zusammen zu bekommen. Als sich die Herausgeber, der Journalist Horst Delkus aus Kamen und Historiker Prof. Dr. Karl Lauschke, intensiver damit beschäftigten, fanden sie zahlreiche Fachleute als Autoren. Nach und nach kam soviel interessantes Material zusammen, dass es sogar einen zweiten Teil geben wird. Doch der wird erst Anfang 2016 erscheinen. „Weil alle Themen für das nächste Jahr bereits feststehen“, klärt Dr. Stefan Mühlhofer auf.

 66 reich bebilderte Seiten – 18 Seiten mehr als üblich – spannen einen weiten Bogen

Wollten die 5-Tage-Woche: Mitarbeiter der Stadtwerke im Mai 1957. Repros: Stadtarchiv

Das soeben erschienene Heft „Alle Räder stehen still…“ der „Heimat Dortmund“ handelt von Vorgängen und Ereignissen, die aus der Geschichte Dortmunds nicht wegzudenken sind, doch bislang nicht zusammenfassend dargestellt wurden: Arbeitskämpfe und Streiks.

Auf insgesamt 66 reich bebilderten Seiten – 18 Seiten mehr als üblich – wird ein weiter Bogen gespannt von einem mittelalterlichen Vorläufer, dem Aufstand der Bürger gegen den Rat im Jahr 1400, über die Streikbewegungen unter den Bergarbeitern im Zeichen der aufstrebenden Industriestadt.

Aber auch die Kämpfe in den politischen Wirren nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und den Protestaktionen im Frühjahr 1947 bis hin zur Auseinandersetzung um die 5-Tage-Woche, den Aktionen gegen die atomare Aufrüstung Ende der 1950er Jahre, dem Protest der Bergarbeiter gegen Zechenschließungen und schließlich den gewerkschaftlichen Arbeitskämpfen in den 1970er und 1980er Jahren.

Der erste Sitzstreik Deutschlands fand in Dortmund statt

 

Sitzstreik vor der Einfahrt der britischen Kaserne: erste Sitzblockade in der Bundesrepublik.

So wird zum Beispiel daran erinnert, dass der erste Sitzstreik in Deutschland überhaupt am 14. März 1959 in Dortmund stattgefunden hat („Eine neue Protestform macht Karriere“).

An jenem Samstag versammelten sich rund 500 Atomwaffengegner aus Dortmund und dem Ruhrgebiet auf dem Marktplatz in Brackel. Später besetzten sie die Einfahrt der britischen Kaserne.

„Samstags gehört Vati mir!“ lautete die Forderung 1957 – die Rathausmitarbeiter kämpften damals vehement für die Durchsetzung einer 5-Tage-Woche. Bergarbeiter protestierten im Oktober 1967 gegen die Schließung der Zeche Hansa. Der damalige NRW-Ministerpräsident Heinz Kühn wagte sich in den „Hexenkessel von Huckarde“ und sprach vor 15 000 protestierenden Menschen.

Dortmund stand im Zentrum von Arbeitskämpfen und Streiks von überregionaler Bedeutung 

Huckarde: Der damalige Huckarder Anzeiger gab ein Extrablatt heraus.

Arbeitskämpfe, so wird in der Dokumentation deutlich, wurden zu einem wichtigen Teil der gesellschaftlichen Entwicklung, der den Lauf der Geschichte in vielfältiger Weise beeinflusst hat. Manche Arbeits- und Lebensbedingungen von Arbeitnehmern wurden verbessert, Verschlechterungen abgewehrt.

Nicht selten war Dortmund Zentrum von Arbeitskämpfen und Streiks, die von überregionaler Bedeutung waren und wichtige Veränderungen angestoßen haben. „Streik ist heute Grundrecht, früher war es schon ein schwieriges Unterfangen“, meinte Adolf Miksch, Vorsitzender des Historischen Vereins für Dortmund und die Grafschaft Mark, bei der Vorstellung des dritten Heftes in diesem Jahr.

Eigener Band für Eisen- und Stahlindustrie

Neben den Herausgebern Horst Delkus und Prof. Dr. Karl Lauschke recherchierten für diese Ausgabe Dr. Günther Högl, ehemaliger Leiter des Dortmunder Stadtarchivs,  sein Nachfolger Prof. Dr. Thomas Schilp, Gewerkschaftssekretär Norbert Hüwel, Hanneliese Palm vom Fritz-Hüser-Institut für Literatur und Kultur der Arbeitswelt, Robert Umbreit (✝), ehemals leitender Redakteur und Geschäftsführer der Westfälischen Allgemeinen Volks-Zeitung Dortmund und Gabriele Unverferth von der Stiftung Westfälisches Wirtschaftsarchiv.

Was in diesem Heft fehlt, sind die Arbeitskämpfe in Dortmunds Eisen- und Stahlindustrie. Sie werden im Teil 2 ausführlich dargestellt. Mit den vorbereitenden Arbeiten hat das Redaktionsteam bereits begonnen.

Information:

  •  Das Heft ist zum Preis von 5 Euro beim Stadtarchiv (Märkische Straße 14) zu haben, aber ab sofort auch in allen Buchhandlungen.
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