
Gerd Kolbe erinnert für Nordstadtblogger immer wieder an verschiedene Meilensteine aus der BVB-Geschichte. Binnen von zwei Tagen jähren sich nun gleich zwei markante Ereignisse – die erste Deutsche Meisterschaft 1956 und der Wiederaufstieg 1976.
Ein Gastbeitrag von Gerd Kolbe
Mit Otto Rehhagel als brandneuem Coach trat Borussia Dortmund, der Tabellendritte der Regionalliga Nord, am 17. Juni 1976 zum ersten Entscheidungsspiel zum Aufstieg in die Bundesliga im Frankenstadion gegen den legendären 1. FC Nürnberg an. Der gut eingestellte BVB arbeitete sich im Verlaufe des Spiels mehrere klare Chancen heraus, aber erst fünf Minuten vor Schluss markierte der kaltblütige Egwin „Ede“ Wolf das verdiente 1:0 für seine Borussia, die jetzt ausgezeichnete Chancen hatte, im Rückspiel am 23. Juni 1976 zu Hause im Westfalenstadion den Wiederaufstieg perfekt zu machen.
Aufstiegskrimi von außergewöhnlicher Rasse, Klasse und Qualität
Otto Rehhagel vertraute mit Bertram, Huber, Schwarze, Nerlinger, Ackermann, Mirko Votava, Hartl, Kasperski, Wolf, Schildt und Geyer der gleichen Elf, die bereits in Nürnberg siegreich gewesen war. Also spielte der BVB zunächst wieder ohne „Zauberer“ Zoltan Varga, der auf der Auswechselbank Platz nahm.

Von der ersten Minute an entwickelte sich unter der Leitung von Schiedsrichter Biwersi ein Aufstiegskrimi von außergewöhnlicher Rasse, Klasse und Qualität. Beide Teams spielten am Limit ihres Leistungsvermögens und ließen es auch an leidenschaftlichem Einsatz nicht mangeln.
Leidtragender der teilweise harten Gangart wurde BVB-Linksaußen Peter Geyer. Er ging nach einem Zusammenprall mit Nürnbergs Verteidiger Rüsing regelrecht knock out. Trotz einer leichten Gehirnerschütterung spielte er zunächst weiter und erzielte sogar das 1:0.
Danach war aber Schluss für Geyer, der ins Krankenhaus gebracht werden musste. Für ihn kam in der 35. Minute Varga, der ungarische Rastelli unter den Fußballern. Die 1:0-Führung und die Anfeuerung der 54.000 Besucher beflügelten die Borussen zusätzlich und stärkten die Moral.
Trainer Rehhagel trieb die Borussen wortgewaltig an
In der Halbzeitpause schwor Rehhagel seine Truppe wortgewaltig auf die zweiten 45 Minuten ein. Nürnbergs Trainer Hans Tilkowski musste allerdings ähnlich agiert haben, denn seine Elf stürmte nach dem Wiederanpfiff mit dem Mute der Verzweiflung. Nach genau einer Stunde Spielzeit belohnte Petrovic den „Club“ mit einem unhaltbaren Freistoßtor. 1:1!

Nürnberg witterte Morgenluft und griff weiter an, der BVB offenbarte Abwehrprobleme. Aber Rehhagel behielt einen klaren Kopf. Burghard Segler kam für „Ede“ Kasperski. Die erneute Führung der Hausherren durch Hannes Hartl (75.) egalisierte Sturz in der 80. Spielminute.
Rehhagel agierte jetzt ununterbrochen an der Seitenlinie, beorderte den flinken Rechtsverteidiger Huber gestenreich nach vorn. Und genau dieser Lothar Huber markierte in der sprichwörtlich letzten Minute das 3:2 für den BVB und beantwortete damit endgültig die Frage nach dem Wiederaufstieg in die Bundesliga zugunsten seines Clubs.
Nach dem Schlusspfiff lag sich alles, was schwarz-gelb war, Spieler, Trainer und Verantwortliche, in den Armen. Die Fans stürmten das Stadion, sanken in die Knie und zelebrierten am Anstoßkreis einen unvergesslichen Aufstiegsjubel. Der BVB war wieder erstklassig. Die vierjährige Zeit in der fußballerischen Diaspora war endgültig beendet.
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