Rund 350 Menschen versammeln sich auf dem Friedensplatz zu einer Gedenk- und Mahnwache

Dortmund zeigt Solidarität mit queerer Community nach Anschlag in Berlin

Dortmund solidarisiert sich mit den Opfern des Terroranschlags von Berlin. Helmut Sommer | Nordstadtblogger

Am Mittwochabend (29. Juli 2026) haben sich rund 350 Menschen auf dem Friedensplatz vor dem Dortmunder Rathaus versammelt. Gemeinsam haben sie den Betroffenen des Anschlags auf den Berliner Christopher Street Day vom vergangenen Samstag gedacht. Mit einer kurzfristig organisierten Mahnwache wollten die Teilnehmer:innen ein Zeichen gegen Hass und Gewalt gegenüber queeren Menschen setzen. Vertreter:innen der queeren Community, der Stadtverwaltung und der Politik riefen dazu auf, Solidarität zu zeigen und für Vielfalt und Demokratie einzustehen.

Mahnwache vor dem Rathaus: Ein Zeichen der Solidarität mit den Opfern

Die Hitze drückt noch immer, als sich gegen 19 Uhr zahlreiche Menschen auf dem Friedensplatz vor dem Dortmunder Rathaus versammeln. Viele tragen Regenbogenfahnen und kommen direkt aus ihrem Arbeitsalltag zur Mahnwache. Später spricht die Polizei von rund 350 Teilnehmer:innen.

Trotz der drückenden Hitze setzten über 300 Menschen ein Zeichen gegen Hass und Gewalt. Helmut Sommer | Nordstadtblogger

Sie verbindet das gleiche Anliegen: gemeinsam den Opfern des Anschlags auf den Berliner CSD zu gedenken und damit ein Zeichen gegen Hass und Gewalt gegenüber queeren Menschen zu setzen.

Die Mahnwache wurde kurzfristig organisiert. Schon vor Beginn tauschen sich viele Besucher:innen aus. Die Stimmung ist ruhig und nachdenklich. Vor dem Rathaus weht die Regenbogenflagge auf Halbmast. Unter den Teilnehmenden finden sich zahlreiche Vertreter:innen aus Politik und Zivilgesellschaft. Auch Andrea Peuler-Kampe und Steffan Schnittger vom LSVD+ NRW sind aus Hagen angereist, um ihre Solidarität mit den Betroffenen des Anschlags zu demonstrieren.

SLADO-Vorstand Markus Alex: „Respekt muss zumutbar sein“

Markus Alex vom Vorstand von SLADO, dem Dachverband der Schwulen-, Lesben-, Bisexuellen- und Transidentenvereine und -initiativen in Dortmund, eröffnet die Mahnwache. „Wir sind heute hier zusammengekommen, weil es am vergangenen Samstag einen Anschlag auf die queere Community in Berlin gegeben hat“, erklärt er.

Bild zeigt Markus Alex (Nachname) von Slado Dortmund leitet die Veranstaltung
Markus Alex von SLADO leitet die Veranstaltung. Helmut Sommer | Nordstadtblogger

Alex berichtet, dass er selbst am Wochenende den Berliner CSD besucht habe. Zunächst habe der Tag friedlich begonnen. Tausende Menschen hätten gemeinsam für Vielfalt und Toleranz demonstriert. Die Nachricht vom Anschlag habe diese Atmosphäre jäh beendet.

Alex fordert, das Motiv des Täters klar zu benennen, gleichzeitig aber die richtigen politischen Konsequenzen zu ziehen. So kritisiert er unter anderem Kürzungen bei demokratiefördernden Projekten durch die Bundesregierung und spricht sich für eine stärkere Unterstützung queerer Initiativen aus.

Die Rechte von Queeren müssten ausdrücklich in Artikel 3 des Grundgesetzes aufgenommen werden. „Egal von welcher Seite Gewalt droht, wir müssen ihr unsere Freiheit entgegensetzen. Respekt muss zumutbar sein“, stellt Alex klar. Abschließend ruft er alle Dortmunder:innen dazu auf, am 5. September 2026 am Dortmunder CSD teilzunehmen.

„Dortmund muss eine tolerante und weltoffene Stadt bleiben“

Nach einer Schweigeminute spricht Christine Bauer von der Koordinierungsstelle für LSBTIQ* der Stadt Dortmund. Bauer betont die Solidarität der Stadt mit den Opfern des Anschlags.

Anteilnahme von der Verwaltungsspitze (v.l. Frauke Füsers, Christian Uhr und Norbert Dahmen). Helmut Sommer | Nordstadtblogger

Der CSD stehe für Vielfalt und die Rechte aller Menschen, der feige Angriff solle Angst verbreiten und die queere Community einschüchtern. Die Stadtgesellschaft müsse deshalb geschlossen zusammenstehen.

Auch Stadtdirektor Christian Uhr, Ordnungsdezernent Norbert Dahmen und Sozialdezernentin Frauke Füsers nehmen an der Mahnwache teil. Gegenüber den Nordstadtbloggern betont Uhr, die Wichtigkeit der Mahnwache.

Dortmund müsse eine tolerante und weltoffene Stadt bleiben. Gleichzeitig ruft er ebenfalls dazu auf, den CSD am 5. September zu besuchen und damit ein Zeichen für Vielfalt zu setzen.

Julien Kuhnen: „Unsere Solidarität und Unterstützung habt ihr“

Eine Tote und 31 Verletzte seien „32 Menschen zu viel“ stellt Julien Kuhnen von der SPD AG Queer klar. Das Ziel des Angriffs sei es, Angst zu verbreiten. Davon dürfe sich die queere Community nicht einschüchtern lassen. „Unsere Solidarität und Unterstützung habt ihr. Wir stehen hinter euch“, betont Kuhnen.

Julien Kuhnen betont die Solidarität mit den Betroffenen des Anschlags. Helmut Sommer | Nordstadtblogger

Gleichzeitig warnt Kuhnen davor, das Verbrechen zum Anlass für pauschale Schuldzuweisungen gegenüber Menschen muslimischen Glaubens zu nutzen.

Hass dürfe niemals mit weiterem Hass beantwortet werden. „Seid Mensch“ zitiert Kuhnen in diesem Zusammenhang die Holocaustüberlebende Margot Friedländer. Gegenüber den Nordstadtbloggern beschreibt Kuhnen, dass sich die Stimmung innerhalb der queeren Community seit dem Anschlag verändert habe. Viele Menschen seien verunsichert. Gerade deshalb sei es wichtig, jetzt sichtbar zusammenzustehen. Veranstaltungen wie diese könnten helfen, der zunehmenden Angst etwas entgegenzusetzen.

SPD-Landtagsabgeordnete Anja Butschkau betont Notwendigkeit des Zusammenhalts

Auch Anja Butschkau, Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt Dortmund und SPD-Landtagsabgeordnete, richtet ein Grußwort an die Versammelten. Eine solche Tat zeige, wie notwendig es sei, Hass und Gewalt entschieden entgegenzutreten, betont sie.

Anja Butschkau MdL NRW mit Worten der Solidarität
Anja Butschkau ruft dazu auf, sich Hass und Ausgrenzung entschieden entgegenzustellen. Helmut Sommer | Nordstadtblogger

Extremistische Kräfte würden versuchen, die Demokratie in Deutschland zu schwächen. Die Gesellschaft müsse sich geeint dagegenstellen.

Seit ihrer Gründung stehe die AWO für Freiheit, Toleranz und Vielfalt, betont Butschkau. „Deshalb stehen wir an eurer Seite“, stellt sie klar. Man dürfe sich nicht einschüchtern lassen, denn nur gemeinsam könne man die demokratische Werte verteidigen. Im Angesicht von Hass und Ausgrenzung müsse die Gesellschaft zusammenhalten.

Zum Abschluss singt der queere Chor „Sang&Klang!“. Viele Teilnehmer:innen bleiben anschließend noch auf dem Friedensplatz und kommen miteinander ins Gespräch. Vor dem Fahnenmast am Dortmunder Rathaus legen sie Blumen und Trauerkarten nieder.


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