Stadtbahn Dortmund: „B-Wagen“-Modernisierung kann nach Insolvenz doch weitergehen

Rund 300-Millionen-Projekt soll bis Anfang 2033 abgeschlossen werden

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Das B-Wagen-Projekt mit der Anschaffung dieser neuen Bahnen wird fortgeführt. Fotos: DSW21 / Jörg Schimmel

Ein Insolvenzverfahren hatte die Modernisierung der Dortmunder Stadtbahn im vergangenen Jahr fast zum Erliegen gebracht. Nun kann das rund 300 Millionen Euro schwere „B-Wagen“-Projekt weitergehen: Der Aufsichtsrat von DSW21 stimmte am 30. Juni 2026 der Fortsetzung grundsätzlich zu und beauftragte den Vorstand, eine Fertigstellungsvereinbarung auszuhandeln.

Ein Insolvenzverfahren brachte das Projekt an den Rand des Scheiterns

Ausgelöst hatte die Krise die Insolvenz eines der Auftragnehmer, der Leipziger Heiterblick Straßenbahnen GmbH (HBS). Das Vorhaben stand zeitweise komplett auf der Kippe. Inzwischen ist das polnische Unternehmen PESA als strategischer Investor bei HBS eingestiegen, das Insolvenzverfahren wurde aufgehoben.

Ulrich Jaeger, DSW21 Foto: Dr. Claudia Posern / Fotostudio Essen

Anfang Mai unterzeichnete DSW21 mit HBS und PESA eine Absichtserklärung. Auch die Kiepe Electric GmbH, die für die elektronische Ausstattung der Fahrzeuge zuständig ist, erklärte darin ihre Bereitschaft, das Vorhaben fortzuführen. Auf dieser Grundlage soll nun die Fertigstellungsvereinbarung verhandelt werden.

DSW21-Verkehrsvorstand Ulrich Jaeger verwies auf die Absichtserklärung von Anfang Mai, in der HBS, PESA und Kiepe ihre Bereitschaft zur Fortführung bekräftigt hätten. Betriebsleiter Ralf Habbes nannte die Entwicklung „eine richtig gute Nachricht“ für den ÖPNV, die Fahrgäste und die Mobilitätswende in der Stadt.

Neubau und Modernisierung: ein Vorhaben über rund 300 Millionen Euro

Bereits 2018 hatte DSW21 die Firmen Heiterblick und Kiepe mit dem Bau von zunächst 26 Neufahrzeugen und der Modernisierung der 64 Fahrzeuge umfassenden Bestandsflotte beauftragt. Später kamen acht weitere Neufahrzeuge hinzu.

Ein B-Wagen der DSW21
34 neue Fahrzeuge wurden seit 2018 bestellt. Fotos: DSW21 / Jörg Schimmel

Nach Angaben des Unternehmens ist es bundesweit das erste Projekt, bei dem neue und modernisierte Stadtbahnwagen dieselbe Ausstattung erhalten. Für das Konzept erhielt DSW21 den Nachhaltigkeitsaward in Silber der Zeitung für kommunale Wirtschaft (ZfK).

Wirtschaftlich begründet DSW21 das Vorgehen mit den Kosten: Die Modernisierung eines Sechsachsers kostet rund 2,3 Millionen Euro, ein Neufahrzeug mit etwa 4,5 Millionen fast doppelt so viel.

26 neue Wagen fahren, die Modernisierung soll bis 2033 laufen

Die Auslieferung der Neufahrzeuge war im Juli 2025 nach 24 von 34 Wagen gestoppt worden, als das Insolvenzverfahren gegen HBS eröffnet wurde.

Straßenbahnverkehr
Foto: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

Auf Basis einer Fortführungsvereinbarung von Ende des vergangenen Jahres läuft die Produktion wieder. 26 Fahrzeuge sind inzwischen in Dortmund im Linienbetrieb, das letzte soll im Frühjahr 2027 geliefert werden.

Von den 64 Hochflurwagen, die auf den Linien U41, U42, U45, U46, U47 und U49 fahren, ist bislang erst einer modernisiert. Er durchläuft derzeit die Typprüfung, also das Zulassungsverfahren. Die Technische Aufsichtsbehörde (TAB) hat die Frist für die Abnahme verlängert.

Kommt in den finalen Verhandlungen eine Einigung zustande, soll sich die Modernisierung der Bestandsflotte direkt an das letzte Neufahrzeug anschließen und 2033 abgeschlossen sein. Gegenüber dem Ursprungsplan wäre das trotz Corona und Insolvenzverfahren eine Verschiebung um zwei Jahre.


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Reaktionen

  1. Udo Stailer

    Keine Klimaanlagen!

    Erfreulich ist, dass das Projekt nach der Insolvenz offenbar fortgeführt werden kann. Was in diesem Artikel allerdings vollständig fehlt, ist ein entscheidender Aspekt: Die neuen Dortmunder Stadtbahnen werden nach Angaben von DSW21 bewusst ohne Fahrgastraum-Klimaanlage beschafft.

    Der WDR hat dies ausführlich berichtet: https://www1.wdr.de/nrw/dortmund/hitze-klimaanlage-stadtbahn-dortmund100.html

    Diese Entscheidung halte ich für schlicht unverantwortlich. Hier werden Fahrzeuge beschafft, die voraussichtlich rund 40 Jahre im Einsatz sein werden. Das bedeutet: Sie könnten bis in die 2060er- oder sogar bis etwa 2070 fahren. Wer heute Infrastruktur plant, muss die Anforderungen der nächsten Jahrzehnte berücksichtigen. Schon heute erleben wir regelmäßig Hitzewellen mit Temperaturen weit über 30 °C. Es spricht wenig dafür, dass heiße Tage in Zukunft seltener werden.

    Umso unverständlicher ist es, dass bei einem Gesamtprojekt von rund 300 Millionen Euro ausgerechnet am Komfort und an der Gesundheit der Fahrgäste gespart wird. Besonders ältere Menschen, Kinder und gesundheitlich eingeschränkte Personen leiden unter extremen Temperaturen.

    Auch die Begründung, Klimaanlagen könnten ohnehin nur wenige Grad unter Außentemperatur kühlen, überzeugt mich nicht. Moderne Straßenbahnen werden in zahlreichen europäischen Städten serienmäßig mit Klimaanlagen ausgeliefert. Dortmund scheint hier eher eine Ausnahme als die Regel zu sein.

    Ich frage mich deshalb, ob die Verantwortlichen die langfristigen Folgen dieser Entscheidung ausreichend bedacht haben. Bei Investitionen mit einer Nutzungsdauer von vier Jahrzehnten sollte man nicht nur die Anschaffungskosten, sondern auch den Komfort, die Gesundheit der Fahrgäste und die Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs im Blick haben. Wer mehr Menschen für Bus und Bahn gewinnen möchte, sollte den ÖPNV angenehmer machen – nicht weniger attraktiv.

    Aus meiner Sicht ist diese Beschaffungsentscheidung ein gravierender Planungsfehler, dessen Folgen die Dortmunder Fahrgäste noch viele Jahrzehnte spüren werden.

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