
Vom 2. auf den 3. August 1944 wurden die letzten nach Auschwitz deportierten Sinti:zze und Rom:nja ermordet. Am Gedenkstein an der Güntherstraße 65, der an die Deportation von Sinti:zze und Rom:nja vom ehemaligen Dortmunder Ostbahnhof erinnert, wurde der Ermordeten gedacht.
Verfolgung begann „mitten in unserer Gesellschaft“
„Familien wurden auseinandergerissen, Nachbarn verschwanden, viele kehrten niemals zurück“, erinnerte der Erste Bürgermeister Norbert Schilff (SPD). Das Gedenken finde an einem Ort statt, an dem Erinnerung nicht abstrakt sei, sondern den konkreten Bezug zu Dortmund herstelle: Von hier wurden Menschen deportiert.

Die Ausgrenzung und Verfolgung habe nicht irgendwo begonnen, so Schilff, „sondern mitten in unserer Gesellschaft.“ Deshalb sei das Erinnern an diese Taten so wichtig: Die verschiedenen Akteur:innen der Stadtgesellschaft müssten sich zuhören und unterschiedliche Erfahrungen anerkennen. ___STEADY_PAYWALL___
Dem Auftrag, an die Taten der Nationalsozialisten zu erinnern, sei sich Dortmund bewusst. Gleichzeitig gelte es, nach einem Zitat von Joachim Gauck, „den Feinden unserer Demokratie nicht unsere Ängste zu schenken“, sondern stattdessen selbstbewusst demokratiefeindlichen Tendenzen entgegenzuwirken, die wieder für Ausgrenzung stehen.
Antiziganismus als Straftatbestand ins Gesetzbuch aufnehmen
Die Geschäftsführerin des Vereins Romano Than, Amdrita Jakupit, dankte zuerst der Stadt Dortmund für die Zusammenarbeit der letzten Jahre. „Wir haben große Spuren hinterlassen“, der Verein sei etabliert, habe ein Haus und leiste Beratungsarbeit.

Doch sie erinnerte auch daran, wie lange es dauerte, bis die deutsche Mehrheitsgesellschaft den Völkermord an den Sinti:zze und Rom:nja anerkannte. Dass es sich um eine „wertvolle Arbeit der Überlebenden“ handle, dass überhaupt ein solches Gedenken heute stattfinden könne. Jakupit forderte darüber hinaus, Antiziganismus als Straftatbestand ins Strafgesetzbuch aufzunehmen.
Heute gebe es wieder das Potenzial, dass sich menschenrechtsfeindliche Parteien breitmachen. „Solange es die AfD gibt, sind wir nicht sicher in diesem Land“, so Jakupit. Deshalb müsse für die Dortmunder Stadtgesellschaft in Zukunft gelten: solidarisieren, organisieren, mobilisieren, um menschenfeindlichen Aktionen entgegenzuwirken.
Roman Franz: „Wohin sollten wir denn gehen?“
Zuletzt sprach Roman Franz, Vorsitzender des Landesverbands Deutscher Sinti und Roma NRW. „500.000 Sinti und Roma sind nicht mehr zurückgekommen“, eröffnete er seine Rede. Die Dunkelziffer sei größer.

Der Gedenktag sei Teil von Dortmunds Geschichte. „Diese Geschichte haben wir nicht geschrieben, das waren die Nazis“, fuhr Franz fort. Die Geschichte höre hier aber nicht auf, und aus der Geschichte erwachse auch die „Aufgabe und Verantwortung der Politik“, sich gegen antiziganistische Tendenzen zu stellen.
Franz richtete den Blick auch auf die Behandlung von Sinti:zze und Rom:nja nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Zurückgekehrte Sinti:zze, die seit mehreren Generationen in Deutschland lebten, hätten sich auch nach dem Krieg als Deutsche begriffen, seien aber systematisch von Menschen ausgegrenzt worden, die auch schon unter der NS-Herrschaft Unrecht gegen sie verübt hatten, so Franz.
„Man sagte uns: Geht zurück, wo ihr hergekommen seid. Wohin sollten wir denn gehen?“, warf Franz zuletzt in den Raum.
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