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Scharfe Kritik von ver.di an den Arbeitsbedingungen bei Amazon – Mieterverein plädiert für Werkswohnungen

Vergleichbar wie das Lager in Rheinberg soll auch das neue Zentrum in Dortmund aussehen. Foto: Amazon

Amazon will in Dortmund ein neues Logistik-Zentrumn bauen und in einem ersten Schritt 1000 Arbeitsplätze schaffen. Insgesamt 2000 seien denkbar. Dabei werben sie mit hohen Löhnen. Doch wie wird die Situation der Beschäftigten eingeschätzt?

ver.di-Kritik: Amazon tritt als Lohndrücker der Branche auf

„In den Logistikzentren bietet Amazon Löhne an, die am oberen Ende der branchenüblichen Bezahlung liegen. Das Durchschnittsgehalt eines neuen Mitarbeiters liegt bei umgerechnet mindestens 10,30 Euro brutto pro Stunde“, heißt es in einer Stellungnahme des Logistikriesen.

„Zusätzliche Leistungen beinhalten leistungsbezogene Prämien, eine Sonderzahlung zu Weihnachten, Mitarbeiter-Aktienbeteiligungen, kostenlose Versicherungen, einen Pensionsfonds und Personalrabatte.“

Bei diesen Angaben kann die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di nur mit dem Kopf schütteln: „Amazon blendet gerne. Fakt ist, dass der weltweit größte Online-Versandhändler überhaupt keinen Tarifvertrag abschließen will und als Lohndrücker der Branche auftritt“, kommentiert Günter Isemeyer, Pressesprecher von ver.di NRW.

„Wir wollen die Einkommens-und Arbeitsbedingungen der Beschäftigten rechtlich absichern und damit einklagbar machen. Dagegen wehrt sich der Konzern mit Händen und Füßen.“

Online-Versandhändler hat sich erst nach jahrelangem Druck bewegt

Nach jahrelangen Streiks in dem Unternehmen und dem bundesweiten Druck hat Amazon unter dem Druck der Öffentlichkeit Löhne erhöht und Leistungen wie Weihnachtsgeld eingeführt.

„Rechtlich sind das jedoch freiwillige Zahlungen, die wie die geringen Boni jederzeit wieder rückgängig gemacht werden können. Ganz wie es Amazon in den Kram passt. Mit Tarifverträgen wären solche Zahlungen verbindlich und rechtlich abgesichert“, betont Isemeyer.

Fakt ist auch: Während nach Tarif für den Großteil der Lagerarbeiten im Versandhandel zwischen 11,74 Euro und 14,28 Euro Einstiegsgehalt gezahlt wird, schickt Amazon seine einfachen MitarbeiterInnen mit einem Gehalt von 10,79 Euro zum Einstieg nach Hause.

Harte Auseinandersetzungen sind eher die Regel als die Ausnahme. (Archivbild: Alex Völkel)

Kritik von ver.di: „Leistungsdruck bis zur Unerträglichkeit“

„Amazon investiert viel in die Weiterentwicklung der Mitarbeiter und schafft Möglichkeiten für ein berufliches Fortkommen, auch für Führungspositionen. Zusätzlich bietet Amazon innovative Programme an, wie das ,Career Choice’-Programm – damit unterstützt Amazon Mitarbeiter, die ihre berufliche Ausbildung verbessern wollen oder einen Beruf mit höherer Bezahlung anstreben“, wirbt das Unternehmen.

Für die Gewerkschafi ist das kein Argument: „Die angepriesene Weiterbildung ist im Jahr 2016 ein übliches Instrument der Personalentwicklung in Unternehmen. Dagegen ist der Leistungsdruck auf Beschäftigte bei Amazon hoch bis zur Unerträglichkeit“, berichtet ver.di.

„Ständige Kontrolle, Ermahnungen bei Kurzpausen und Druck, weil Stückzahlen angeblich nicht im Abteilungsschnitt liegen, sind so normal wie problematische Schichtregelungen.“

Halloween-Streik bei Amazon  – „Krankenstand macht zunehmend Angst“

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft hat die Beschäftigten des Online-Versandhändlers Amazon in Rheinberg und Werne daher am Montag (31.10.) mit Beginn der Frühschicht zu einem ganztägigen Streik aufgerufen.

Die Beteiligung an den Streiks ist nach Gewerkschaftsangaben in den letzten Monaten stetig gestiegen. „Für die Beschäftigten ist es nicht nur an Halloween zum Gruseln, dass sie vielfach befristet und ohne rechtliche Absicherung durch einen Tarifvertrag arbeiten müssen“, sagt die Landesbezirksfachbereichsleiterin für den Handel in NRW, Silke Zimmer.

„Angst macht uns zunehmend der Krankenstand bei Amazon, der nach wie vor außergewöhnlich hoch ist“, so Zimmer. Die Arbeitsbedingungen bei Amazon führen nach Ansicht der Gewerkschaft zu extremen physischen und psychischen Druck. Diesen Umstand wollen die Beschäftigten während des Streiks erneut thematisieren.

Mieterverein Dortmund: Amazon soll Werkswohnungen bauen

Rainer Stücker ist Geschäftsführer des Mietervereins in Dortmund.

Bleibt noch die Anmerkung, dass befristete Verträge die Regel bei Amazon sind: „Wer sein eigenes Leben planen, eine Familie gründen oder einen Kredit braucht, ist bei dem Weltkonzern Amazon nicht gut aufgehoben“, verdeutlicht Günter Isemeyer.

Amazon verweist in seiner Pressemitteilung auf die „zusätzlichen Leistungen“ wie Zuschüsse zum Kantinenbetrieb, Mitarbeiteraktienbeteiligungen oder einen Pensionsfonds. Aus Sicht des Mietervereins fehlt allerdings das Thema Wohnen.

„Wir haben Amazon daher aufgefordert, sich im Wohnungsbau für seine zukünftigen Mitarbeiter zu engagieren und das Modell der im Ruhrgebiet altbekannten ‚Werkswohnungen‘ neu aufleben zu lassen“, betont Mietervereins-Geschäftsführer Rainer Stücker.

Das Lohniveau in der Logistikbranche lasse auf dem Wohnungsmarkt keine großen Sprünge zu. Die Einkommen liegen in den Einkommensgrenzen der Wohnraumförderung. „Die Nachfrage nach preiswertem Wohnraum wird weiter steigen. Amazon könnte für den neuen Werkswohnungsbau direkt Wohnbauflächen auf der Westfalenhütte nutzen“, so Stücker.

Mehr zum Thema auf nordstadtblogger.de:

Weiteres Logistikzentrum auf der Westfalenhütte in Dortmund: Amazon schafft 1.000 Arbeitsplätze bis Ende 2017

 

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4 Gedanken über “Scharfe Kritik von ver.di an den Arbeitsbedingungen bei Amazon – Mieterverein plädiert für Werkswohnungen

  1. ver.di NRW Beitrags Autor

    Erstmals drei Tage Streik bei Amazon: Bis Weihnachten weitere Arbeitsniederlegungen

    Der seit Freitag anhaltende Streik bei Amazon in Rheinberg und Werne wird auch heute (Montag, 28.11.) fortgesetzt. „Nach der ermutigenden Streikbeteiligung am Black Friday und am Samstag streiken wir erstmals in diesem Jahr drei Tage hintereinander. Unverhoffte Arbeitsniederlegungen sorgen für verspätete Lieferungen und kostenträchtige Auslagerungen. Ein Tarifvertrag für die Beschäftigten wäre auf Dauer günstiger als ständige Ausfälle durch Streiks“, sagte die ver.di-Fachbereichsleiterin für den Handel in NRW, Silke Zimmer.

    Die Gewerkschaft will mit den Arbeitsniederlegungen Tarifverhandlungen über den Einzelhandels-Tarifvertrag NRW durchsetzen. Amazon lehnt jede tarifliche Bindung für die Beschäftigten ab. Nach etlichen Streiks hatte der weltweit agierende Konzern einzelne Zugeständnisse gemacht, Verhandlungen aber weiter abgelehnt.

    Zimmer kündigte für die Vorweihnachtszeit weitere Streikaktivitäten bei Amazon an. Man wisse von vielen Kunden, dass sie inzwischen lieber bei anderen Online-Händlern kaufen, weil sie eine unpünktliche Lieferung aufgrund von spontanen Arbeitsniederlegungen in der Vorweihnachtszeit ausschließen wollen, erklärte Zimmer.

  2. ver.di NRW Beitrags Autor

    Heute Adventsstreik bei Amazon – Online-Kaufhaus will keine Tarifbindung

    In Rheinberg und Werne sind Beschäftigte des weltweit größten Online-Kaufhauses Amazon heute (Samstag, 10.12.) wieder zu einem ganztägigen Streik aufgerufen. Mit dem „Adventsstreik“ will die Gewerkschaft ver.di das Weihnachtsgeschäft des Versandhändlers stören.

    Beim letzten Streik vor zwei Wochen brach in Werne der Verkehr auf der Straße zum Firmengelände zusammen, weil über Stunden keine Anlieferung mehr möglich war. Die LKW stauten sich über mehrere hundert Meter. „Durch so ein Chaos wird auch dem Letzten deutlich, dass Amazon die Streiks eben nicht kompensieren kann“, erklärte Silke Zimmer, Fachbereichsleiterin für den Handel bei ver.di NRW.

    Mit den Arbeitsniederlegungen wollen die Beschäftigten den Online-Händler zur Aufnahme von Tarifverhandlungen zwingen. Amazon lehnt jede Tarifbindung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland ab.

    „ver.di zeigt sehr langen Atem, um dem US-Konzern deutlich zu machen, dass Amazon keine tarifvertragsfreie Zone in Deutschland bleibt“, so Zimmer. Die schlechten Arbeitsbedingungen und gesundheitlichen Risiken seien Themen, die die Beschäftigten nicht widerstandslos ertragen.

  3. ver.di NRW Beitrags Autor

    Amazon-Beschäftigte in NRW streiken diesmal bis Weihnachten durch

    Nach mehreren dreitägigen Adventsstreiks sind die Beschäftigten bei Amazon in Rheinberg und Werne seit Mittwoch (21.12.) mitten im lukrativen Weihnachtsgeschäft in einen „Weihnachtsstreik“ getreten. Ziel der Streiks bis Heiligabend ist die Herstellung einer Tarifbindung an den Flächentarifvertrag des Einzelhandels.

    Das weltweit größte Online-Kaufhaus Amazon lehnt bisher jede Tarifbindung für seine Beschäftigten ab. Während der Arbeitsniederlegungen kommt es immer wieder zu einem Verkehrschaos vor dem Unternehmen. Dadurch wird die Aus- und Anlieferung von Waren über Stunden blockiert. „Die Streiks bedeuten für das Unternehmen ein konkretes Verlustgeschäft und verursachen chaotische Verhältnisse bei der Warenzustellung, auch wenn der Online-Händler nach außen das Gegenteil behaupten lässt“, erklärte Silke Zimmer, ver.di Fachbereichsleiterin für den Handel in NRW.

    Die Entschlossenheit der Beschäftigten führte inzwischen dazu, dass in Rheinberg wiederholt unangekündigt aus dem laufenden Betrieb heraus gestreikt wurde. Das macht eine Umleitung von Warenströmen in andere Lager im europäischen Ausland zunächst unmöglich. Die Gewerkschaft ver.di berichtet zudem von vermehrten Eintritten in den NRW-Standorten während der letzten Wochen.

  4. ver.di NRW Beitrags Autor

    Amazon-Beschäftigte in Rheinberg streiken – Über 9.000 Euro weniger als nach Tarif

    Die Beschäftigten bei Amazon in Rheinberg sind heute (21.3.) nach dem Ende ihrer Betriebsversammlung in einen zweitägigen Streik bis Mittwochabend getreten. Mit der Arbeitsniederlegung sollen die Tarifverträge des Einzelhandels in NRW durchgesetzt werden.

    Zurzeit müssen beispielsweise die Picker und Packer des weltweit größten Online-Kaufhauses im ersten Jahr der Tätigkeit auf durchschnittlich 652,60 Euro im Monat verzichten, weil sie nicht nach dem gültigen Tarif bezahlt werden. Tarifliches Weihnachts- und Urlaubsgeld bekommen bei Amazon nicht einmal langjährig Beschäftigte. Der jährliche Gesamtverlust für Beschäftigte im ersten Tätigkeitsjahr beläuft sich auf über 9.000 Euro. Amazon lehnt bisher jede Tarifbindung für seine Beschäftigten ab.

    „Amazon ist der weltweit führende Online-Händler mit einem Umsatz im dreistelligen Milliardenbereich. Gleichzeitig verwehrt das Unternehmen seinen Beschäftigten eine Bezahlung nach Tarif. Amazon spielt bei den Gewinnen in der Champions League, zahlt die Leute aber wie in der Kreisliga“, erklärte Silke Zimmer, ver.di Fachbereichsleiterin für den Handel in NRW.

    Die Streikenden nutzen den heutigen „Tag gegen Rassismus!“ auch, um die Anzeigen von Amazon auf der rechten Internetseite „Breitbart“ zu thematisieren. Dort wird gegen Ausländer sowie Homosexuelle gehetzt. Frauen, die Verhütungsmittel verwenden, diffamiert „Breitbart“ als „Schlampen“. „Man muss untersuchen, warum Amazon die Rechtsradikalen durch Anzeigen unterstützt, zumal bei dem Online-Händler Menschen aus unterschiedlichsten Nationen friedlich zusammen arbeiten und auch streiken“, sagte Zimmer.

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