Hotel für Obdachlose: Stadt finanziert private Initiative, obwohl es ihrer Meinung nach ausreichende Angebote gibt

Die Stadt hat auch die Passage am Hauptbahnhof für Obdachlose geöffnet. Foto: Leopold Achilles
Die Stadt hat auch die Passage am Hauptbahnhof für Obdachlose geöffnet. Foto: Leopold Achilles

Nachdem die Dortmunder Initiative „Öffnet die Hotels“ vor den Westfalenhallen mit einer Kundgebung auf die prekäre Lage von obdachlosen Menschen in der Pandemie und der aktuellen Kältezeit aufmerksam gemacht und von der Stadt verlangt hatte, mehr Verantwortung zu übernehmen, wurde das Thema in der anschließenden Sitzung des Dortmunder Stadtrates hitzig diskutiert. In den Augen der Demonstrant*innen wälze die Stadt die Verantwortung beim Thema Obdachlosigkeit auf die spendenfinanzierten ehrenamtlich betriebenen Initiativen ab. Dagegen wehren sich Verwaltung und Teile der Politik. Ihrer Ansicht nach stelle die Stadt Dortmund  genügend Angebote zur Verfügung.

Das Projekt „Bett statt Schlafsack“ soll aus der Stadtkasse weitergeführt werden

Die Politiker*innen wurden mit der Forderung nach einer Hotelöffnung empfangen. Foto: Leopold Achilles

Durch einen gemeinsamen Antrag der Fraktionen CDU, Linke+ und den Grünen, wird die Stadtverwaltung aufgefordert, die Träger des Projekts „Bett statt Schlafsack“, das Obdachlosen freie Zimmer in einem Hotel am Wallring zur Verfügung stellt, zu unterstützen und die Fortführung des Angebots über den März hinaus sicher zu stellen.

Außerdem solle die Verwaltung die Möglichkeiten zur Ausweitung solcher Unterbringungsmöglichkeiten prüfen und gegebenenfalls umsetzen.

Dies sei ein sehr komplexes Thema und schwierig in der angemessenen Breite ohne die Vorbereitung in einem Fachausschuss zu würdigen. Hier brauche es eine tiefergehende Diskussion, machte die Dortmunder Sozialdezernentin Birgit Zoerner direkt zu Beginn ihres Wortbeitrages deutlich. Sie sei verwundert, dass die Problematik nicht erst einmal im Rahmen des Netzwerks zur Wohnungslosenhilfe zum Thema gemacht worden sei.

Denn hier säßen Stadtverwaltung und die Initiativen der Wohnungslosenhilfe wie der Gast-Haus e.V. oder der bodo e.V. ja schließlich an einem Tisch. Hier könne man schnell beraten und entscheiden. Man müsse das Thema dort diskutieren und letztendlich im Sozialausschuss darüber entscheiden.

339 Obdachlose leben derzeit in von der Stadt angemieteten Wohnungen

Sie empfinde den Vorstoß der Initiative „Öffnet die Hotels“ als eine „irritierte Reaktion der Aktiven“ aus diesem Bereich. Das Problem sei, dass viele städtische Angebote einfach nicht bekannt genug seien und Gerüchte kursieren würden, die so nicht zutreffen würden. Die Stadt verfüge über ein sehr ausdifferenziertes Programm.

Sozialdezernentin Birgit Zoerner. Foto: Karsten Wickern

So bestünde in Dortmund – anders als vielfach kommuniziert – auch die Möglichkeit der Unterbringung für Menschen mit Hunden, gemeinsam mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe habe man das Projekt „Pension+“ auf die Beine gestellt, wo auch wohnungslose Paare, ähnlich wie in dem Hotel am Wall, eigene Zimmer beziehen können.

Beim Thema Kälteeinbruch verweist sie darauf, das die Stadt aktuell genauso reagiert habe, wie auch in den Jahren zuvor und leerstehende Flüchtlingsunterkünfte oder den Hauptbahnhof geöffnet habe. „Bis Sonntag hatten wir in allen Notübernachtungsstellen freie Plätze“, so Zoerner.

Auch das ebenfalls im Rat angesprochene Thema „Housing First“ gebe es in Dortmund im Prinzip seit Jahren. Im Verwaltungsdeutsch heißt es „Wohnraumvorhalteprogramm“: Derzeit leben 339 Obdachlose in von der Stadt angemieteten Wohnungen.

Zoerner kritisiert Schnellschuss – keine Befassung im Netzwerk Wohnungslosenhilfe 

Es sei definitiv schlicht und einfach falsch, dass Menschen aus anderen EU-Ländern in Notlagen abgewiesen würden. Selbiges gelte für die Tagesaufenthalte. Die Stadt verfüge über ein sehr ausdifferenziertes Programm.

Das Foto zeigt die neue Essensausgabe im großen Saal des Wichernhauses. 20 wohnungslose Menschen können hier ab sofort dreimal pro Woche gleichzeitig eine warme Mahlzeit zu sich nehmen, die täglich von der Diakonie frisch zubereitet wird. Nach jeder Mahlzeit wird der Platz gereinigt und ein neuer Gast hereingeführt. Dieses System ermöglicht wohnungslosen Menschen zum ersten Mal seit März, eine warme Speise vor Ort einzunehmen und hat das bisherige System mit den Lunchpaketen im Außenbereich des Wichernhauses abgelöst. Foto: Diakonie
Das Wichernhaus ist neue zentrale Anlaufstelle der Diakonie für Obdachlose. Foto: Diakonie

Man könne immer über Lücken im System sprechen und man werde auch alles dafür tun, diese zu schließen, doch wenn andere Städte in diesen Tagen ihre Hotels öffnen würden, geschehe dies aus anderen Gründen – nämlich, da dort, anders als in Dortmund, keine freien Kapazitäten zur Verfügung stünden.

Wenn die Notwendigkeit absehbar sei, bestünde hier auch die Bereitschaft und die Möglichkeit die bestehenden Angebote noch auszuweiten. „Der Prozess, der in Dortmund stattgefunden hat, ist vom Netzwerk Wohnungslosenhilfe begleitet und vorbereitet worden“, erläutert die Sozialdezernentin das städtische Vorgehen.

Und in diesem Netzwerk spreche man sich eben auch eng mit den Obdachloseninitiaven wie dem Gast-Haus e.v., dem bodo e.V. dem Team Wärmebus und anderen ab. Auch mit Blick auf die Pandemielage habe die Stadt an Lösungen für die obdachlosen Menschen gearbeitet und unter anderem in Kooperation mit genannten Initiativen das Angebot des Hygienezentrums in der Leuthardtstraße, die Winternothilfe am Dortmunder U oder den Tagesaufenthalt im Wichernhaus organisiert.

SPD-Fraktion kritisiert Populismus und Stimmungsmache

Die Forderungen der Initiative „Öffnet die Hotels“ zur alternativen Unterbringung wohnungsloser Menschen und der Antrag der Fraktionen würden suggerieren, dass es eben keine anderen Alternativen gäbe. Entscheidungen der Stadtverwaltung zur weiteren Schaffung solcher Alternativen würde vorgegriffen, da momentan eben gar kein Bedarf bestehen würde.

Auf drei Stockwerken stehen künftig 70 statt früher nur 55 Plätze zur Verfügung.
An der Unionstraße stehen 70 Notschlafplätze für Männer zur Verfügung. Archivbild: Alex Völkel

Dieser Ansicht schloss sich auch Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal an. „Es wird der Eindruck erweckt, das es sich beim Thema Obdachlosigkeit in Dortmund um ein großes Mangelproblem handele. Das ist aber nicht so“, so der OB.

Dass die Stadt gut dastehen würde, heiße jedoch nicht, dass man nicht besser sein könne, meint Silvya Ixkes-Henkemeier von der SPD-Fraktion. Auch sie konstatierte, dass das Themenfeld sehr komplex sei. Beim Antrag der Linken, Grünen und der CDU handele es sich um eine Adhoc-Entscheidung. Auch sie sprach sich für eine eingehendere Debatte im Fachausschuss aus. 

Eigentlich könne man dem Antrag nicht zustimmen, da er den engagierten Verbänden vor den Kopf stoße, andererseits bliebe aus strategischen Gründen gar keine andere Wahl als zuzustimmen. Ixkes-Henkemeier kritisiert die ihrer Meinung nach populistische Art und Weise der Diskussionsführung. Bei einer Ablehnung sei zu befürchten, dass es in der Öffentlichkeit heiße, „die SPD lässt Obdachlose erfrieren“.

Massiver Wintereinbruch verschärft die prekäre Lage durch Corona zusätzlich

Die Witterung nahm Julian Jansen von den Grünen zum Anlass die Dringlichkeit des Antrages zu untermauern. Die aktuelle Wetterlage sei die zweite Ausnahmesituation, die Pandemie habe die Situation schon das ganze vergangene Jahr über zugespitzt.

Sieben Tage die Woche kümmern sich Ehrenamtliche um die Versorgung von Obdachlosen. Fotos: Alex Völkel
Sieben Tage die Woche kümmern sich Ehrenamtliche um die Versorgung von Obdachlosen. Fotos: Alex Völkel

Auch wenn die Stadt reagiert und weiter Angebote geschaffen habe, würden diese noch lange nicht alle Menschen erreichen oder zu ihnen passen. Das Projekt „Bett statt Schlafsack“ werde von den Betroffenen gut angenommen. Da sich die Anmietung der Hotelzimmer jedoch über Spendengelder finanziere, sei die Stadt hier gefordert finanzielle Unterstützung zu bieten.

Utz Kowalewski von den Linken gab Sozialdezernentin Birgit Zoerner insofern Recht, dass auch er sich eine tiefergehende und weiterführende Debatte im Sozialsausschuss wünsche, jedoch sei der Beschluss aufgrund der aktuellen Situation gerade jetzt wichtig. „Wir haben eine Eiseskälte, daher können wir das Ganze nicht schieben.“ Die Entscheidung zur Öffnung des Hauptbahnhofs habe gezeigt, dass eben nicht alle von den vorhandenen Angeboten profitieren würden. 

„Das macht man ja nicht, weil alle Leute gut untergebracht sind, sondern weil der Bedarf einfach da ist“, so Kowalewski weiter. Seine Parteikollegin Fatma Karacakurtoglu betonte den Aspekt der Menschenwürde. Die Beseitigung der Obdachlosigkeit sei ein selbstauferlegtes Ziel der Vereinten Nationen. Dem solle man sich als Stadt anschließen, um den steigenden Zahlen etwas entgegen zu setzen. Sicher sei der Sozialausschuss der richtige Ort, um das Thema zu vertiefen, doch zunächst sei einmal aktives Handeln gefragt. Dieser Ansicht schloss sich FDP-Fraktionsvorsitzender Michael Kauch  an.

Keine Befassung im Fachausschuss: Die klirrende Kälte zwingt zum Handeln

Die Coronakrise und der strenge Winter hätten in Dortmund dazu geführt, dass man hätte beobachten müssen, dass eben nicht alle Menschen adäquat hätten untergebracht werden können, meint Thomas Bahr von der CDU. 

Ehrenamtliche aus diakonischen Pflege kümmern sich um Obdachlose und deren Wunden. Foto. Diakonie
Ehrenamtliche aus diakonischen Pflege kümmern sich um Obdachlose und deren Wunden. Foto: Diakonie

Daher sei es notwendig die Träger finanziell zu unterstützen. Auch er sehe angesichts der akuten Notlage keinen Spielraum für einen Aufschub der Entscheidung. Auch er sprach sich dafür aus, das Thema eindringlicher im Sozialausschuss zu behandeln, um für langfristige Verbesserungen sorgen zu können. 

Der Antrag wurde fraktionsübergreifend – auch mit den Stimmen der SPD – positiv beschieden. „Die AfD-Fraktion steht dem Antrag des Parteienbündnisses wohlwollend gegenüber“, so Matthias Helferich. Es sei jedoch nicht nur Aufgabe der Sozialverwaltung sich um die Problematik zu kümmern, sondern auch die Politiker*innen sollten sich überlegen, was jeder einzelne tun könne.  

„Was mir wichtig ist: Obdachlosigkeit ist viel komplexer als eine reine Kapazitätsfrage. Auch wenn wir über genügend Angebote verfügen, müssen wir uns fragen, ob es die richtigen sind und warum sie nicht ausreichend genutzt werden“, betonte Birgit Zoerner und verwies noch einmal auf eine eingehendere Auseinandersetzung mit dem Thema im Rahmen des Sozialausschusses, der am 23. Februar seine nächste Sitzung hat.

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  1. Diakonie schließt wichtige Versorgungslücke für Wohnungslose - Die Pension Plus: Eine Einrichtung für Wohnungslose mit einer psychischen Erkrankung (PM)

    Diakonie schließt wichtige Versorgungslücke für Wohnungslose –
    Die Pension Plus: Eine Einrichtung für Wohnungslose mit einer psychischen Erkrankung

    Psychische Erkrankungen sind unter wohnungslosen Menschen keine Seltenheit. Mit der Pension Plus bietet die Diakonie in Dortmund seit dem vergangenen Jahr eine Unterkunft für Betroffene und damit eine Perspektive auf ein möglichst selbständiges Leben.

    Wohnungslos zu sein hinterlässt häufig gesundheitliche Spuren. Zahlreiche Menschen, die in der Zentralen Beratungsstelle für wohnungslose Menschen der Diakonie (ZBS) in der Rolandstraße betreut werden, erhalten vor Ort auch medizinische Versorgung: Offene Wunden, Suchterkrankungen oder Infektionen sind die häufigsten Fälle, mit denen es die Krankenschwestern der ZBS täglich zu tun haben. Doch gibt es auch Erkrankungen, die keine Folge sind, sondern Mitauslöser für die Wohnungslosigkeit: So ist die Zahl der wohnungslosen Menschen, die an einer psychischen Erkrankung leiden, in den vergangenen Jahren stark angestiegen.

    „Häufig löst eine psychische Krise eine Abwärtsspirale aus, die sich in manchen Fällen erst wieder stoppen lässt, wenn das gewohnte Leben schon völlig aus der Bahn geraten ist: Menschen, die fest und sicher im Leben stehen, gehen plötzlich nicht mehr zur Arbeit oder werden aufgrund von Aussetzern entlassen. Sie sind nicht mehr in der Lage, Rechnungen nachzukommen oder lassen ihre Wohnung verwahrlosen. Angehörige ziehen sich hilflos zurück oder sind nicht greifbar, viele werden schließlich zwangsgeräumt. Das Leben auf der Straße beginnt“, schildert ZBS-Leiter Thomas Bohne die Situation. Nicht selten erkennen die Betroffenen ihre eigene Krankheit nicht oder gehen einer nahegelegten Therapie bewusst aus dem Weg: „Und so gehören plötzlich mehr und mehr Menschen zum Wohnungslosenspektrum, die da eigentlich nicht reingehören.“

    Mit der Pension Plus schließt die Diakonie hier eine wichtige Versorgungslücke in unserer Stadt. Seit April 2020 bietet die Diakonie an zwei Standorten eine Unterkunft für wohnungslose Menschen mit einer psychischen Erkrankung: In der Frauenübernachtungsstelle, Nortkirchenstr. 15, in Dortmund-Hörde stehen sechs Plätze für Frauen zur Verfügung. Neun Plätze für männliche Betroffene gibt es im Bodelschwingh-Haus der Diakonie in der Prinz-Friedrich-Karl-Straße 5. Ziel ist es, diese durch ihre Erkrankung besonders gefährdete Gruppe zu schützen und sie langsam und vertrauensvoll an das weiterführende Hilfesystem anzubinden. Ein Team aus Sozialarbeiter*innen, Hauswirtschafter*innen und Fachkräften der Krankenpflege unterstützen und begleiten die Bewohner*innen auf dem Weg zur Wiedererlangung und Stärkung der eigenen Ressourcen. Stets in enger Kooperation mit dem sozialpsychiatrischen Dienst der Stadt Dortmund und angeschlossenen Praxen. Die Hilfen sind dabei so vielfältig, wie die Geschichten der Menschen, die auf dieses Angebot angewiesen sind:

    Als Frau K. im Sommer 2020 am Dortmunder Hauptbahnhof angesprochen wurde, waren ihr die Spuren langjähriger Obdachlosigkeit deutlich anzusehen. In der Frauenübernachtungsstelle der Diakonie angekommen, berichtete sie viel über ein Leben, das eigentlich so gar nicht zu ihrer heutigen Erscheinung passt und referierte häufig und eloquent über wissenschaftliche Fachthemen. Von ihrer Erkrankung will sie nichts wissen. Erst mit viel Geduld, behördlicher Hilfe und in wenigen lichten Momenten fanden die Mitarbeitenden vor Ort heraus: Frau K. war langjährige Professorin an einer renommierten Hochschule in Bayern. Auf ihrem Konto türmt sich eine hohe Rente auf, seit Monaten unberührt. „Frau K. wurde durch eine psychische Erkrankung aus ihrem Alltag gerissen, hat jeglichen Wohlstand hinter sich gelassen und bemerkt aufgrund ihrer Krankheit gar nicht, wie sich ihr Leben verschlechtert hat“, sagt Ilda Kolenda, Leiterin der Frauenübernachtungsstelle und der angeschlossenen Pension Plus. Schon vor Monaten wurde Frau K. durch einen Betreuer eine Wohnung, ihres bisherigen Lebensstandards angemessen, besorgt, doch auch diese ließ sie hinter sich, stieg irgendwann in einen Zug und landete schließlich in Dortmund, als eine von vielen wohnungslosen Menschen dieser Stadt.

    Herr P. hat eine andere Geschichte: Nach vielen Jahren auf der Straße haben ihm Drogenmissbrauch und Alkoholsucht schwer zugesetzt. Durch den täglichen Konsum hat er schwere Psychosen entwickelt, akzeptiert aber seine Erkrankung nicht und lehnt jegliche medizinische Therapie ab. Den Großteil des Tages berichtet er klar und sachlich von Attentaten, die Angela Merkel auf ihn geplant hat, häufig ist er tagelang still, nimmt nichts zu sich, kümmert sich nicht um sich.

    In der Pension Plus haben beide eine geeignete Unterkunft gefunden. Die Menschen aus dem Wohnungslosenspektrum begeben sich freiwillig in die Hände der Diakonie, die meisten haben Persönlichkeits- oder Verhaltensstörungen, eine Schizophrenie oder andere psychotische Belastungsstörungen. Die Kontaktaufnahme setzt viel Vertrauen voraus, eine selbständige Verbesserung der Lebensumstände – und so geht es allen Nutzer*innen der Pension Plus – ist unmöglich geworden. Hier ist die Diakonie den Betroffenen ein wichtiger Partner auf dem Weg zurück in eine geordnetere und sichere Zukunft.

    In beiden Einrichtungen der Diakonie bewohnen die Betroffenen möblierte Einzelzimmer. Aufenthaltsräume und Küchen stehen ebenfalls zur Verfügung, beide Häuser sind rund um die Uhr besetzt. Der Bedarf ist groß: Aktuell sind die Plätze der Pension Plus fast voll belegt, einzig in der Männerunterkunft gibt es noch zwei Aufnahmemöglichkeiten. Bis zu drei Jahre dürfen die Menschen dort bleiben, in der Zeit wird daran gearbeitet, sie für ein weitgehend selbständiges Leben in einer Folgeeinrichtung oder gar in der eigenen Wohnung vorzubereiten. Finanziert wird die Unterbringung und Betreuung der Bewohner*innen durch die jeweiligen Sozialhilfeträger sowie den Landschaftsverband Westfalen-Lippe.

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