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Fraktionsübergreifende Forderung nach einem nahtlosen Übergang für das Quartiersmanagement Nordstadt

Fotojournalist Klaus Hartmann fotografiert in der Zentralmoschee in der Kielstraße. Foto: Alex Völkel

Das Buchprojekt „Wir – Echt Nordstadt“ wurde durch das Quartiersmanegement auf die Beine gestellt. Foto: Völkel

Das Quartiersmanagement Nordstadt soll nun doch am 31. Dezember 2014 auslaufen – eine Fortführung wird es in der bisherigen Form nicht geben. Frühestens im Juli wird eine Nachfolgekonstruktion an den Start gehen können – so der Plan der Verwaltungsspitze. Dagegen gibt es viel Protest.

Grüne: Das Quartiersmanagement ist unverzichtbar

„Die Quartiersmanagerinnen und Manager der Nordstadt sind zur Verbesserung der Wohn- und Lebenssituation in der Nordstadt unverzichtbar“, betont Hans-Georg Schwinn, Ratsmitglied der Grünen.  Seine Stadtratsfraktion drängt nun darauf, dass die Verwaltung ein Konzept zur Fortführung der Stellen bzw. zur Zwischenfinanzierung vorlegt. „Nicht umsonst hat die Verwaltung im vergangenen Jahr aber ein Konzept zur dauerhaften Förderung der Stellen angekündigt“, erinnert Schwinn. „Unser politisches Ziel ist die übergangslose Weiterführung des Quartiersmanagements.“

CDU: „Wir werden die nahtlose Weiterführung auf die Tagesordnung nehmen“

Damit steht er Seite an Seite mit der CDU. „Wir stehen hinter dem Quartiersmanagement und wollen es weiter haben“, betont Thomas Bahr – Ratsmitglied der CDU und früher ihr Fraktionsvorsitzender in der Nordstadt-BV. Es gehe um die Sicherung von Kompetenzen und um das Abwenden von persönlichen Schicksalen bei den Mitarbeitern. Daher werde die CDU die nahtlose Weiterführung auf die politische Tagesordnung nehmen, kündigte Bahr an.

Das Quartiersmanagement für die Nordstadt kostet 270.000 Euro pro Jahr

Quartiersmanagement bezieht neue Räume an der Mallinckrodtstraße. Christian Nagel, Prokurist der DOGEWO überreicht den Schlüssel an Veit Hohfeld (Stadtteilschule Dortmund e. V.)

Das Quartiersmanagement hat erst im Sommer neue Räume an der Mallinckrodtstraßebezogen. Foto: Hartmann

Das Quartiersmanagement in der Nordstadt gibt es seit 2002, es wurde eingerichtet, um die Situation im Stadtteil zu verbessern. Zurzeit gibt es neben einer Projektleitung für jedes der drei Quartiere Hafen, Nordmarkt und Borsigplatz feste Ansprechpartner. Mit der Durchführung des Quartiersmanagements ist seit 2011 eine Trägergemeinschaft der gemeinnützigen Vereine Stadtteil-Schule Dortmund und Soziales Zentrum Dortmund beauftragt.

Während bis 2009 die Stellen aus Mitteln der Stadterneuerung finanziert worden sind, wird das Projekt seitdem mit städtischen Mitteln in Höhe von jährlich 270.000 Euro finanziert. Dazu kommen Spenden verschiedener Wohnungsunternehmen für die Durchführung kleinteiliger Projekte. Hans-Georg Schwinn: „Das war gut angelegtes Geld. Und die vielfältigen Probleme der Nordstadt lassen es nicht zu, die Finanzierung einzustellen.“

Linke: Schlag ins Gesicht derer, die sich für die Nordstadt engagieren

„Dass die Verwaltung ein Aktivitätsloch von sechs Monaten für das Quartiersmanagement der Nordstadt plant und es nicht mal für nötig hält, die Politik und die Betreiber darüber zu informieren, ist ein Schlag ins Gesicht all jener, die sich politisch für die Nordstadt engagieren“, kritisiert Utz Kowalewski, Fraktionsvorsitzender Die Linke & Piraten Dortmund.

„Ein solches Loch zu planen, ohne bereits eine alternative Konzeption erarbeitet zu haben und diese Konzeption der Politik erst mit Auslaufen der Arbeitsverträge der Quartiersmanager zur Beschlussfassung vorzulegen, werte ich als Missachtung von Rat und Bezirksvertretung und natürlich auch der Mitarbeiter vor Ort“, so Kowalewski. So sollte man miteinander nicht umgehen. „Würde es um Hombruch oder Hörde gehen, würde sich die Verwaltung ein solches Vorgehen sicher nicht trauen.“

Nordstadt-Obmann Ubbo de Boer: „Nocht nicht die Flinte ins Korn werfen“

Musik. Kultur. Picknick. Auf dem Nordmarkt 2014, Auftaktveranstaltung. Die Kinder von Zuwanderern haben ihren Spaß

Musik. Kultur. Picknick auf dem Nordmarkt ist auch bei Zuwanderern beliebt. Foto: Hartmann

„Wir müssen versuchen, dass es irgendwie weitergeht“, kommentiert auch der vom OB eingesetzte Obmann für die Nordstadt – Ubbo de Boer. Er riet daher, die Flinte noch nicht ins Korn zu werfen. Das Quartiersmanagement sei ein ganz wichtiger Partner für die Arbeit und die Bewältigung der Probleme vor Ort. Am Montag will er sich mit den Mitarbeitern des  Quartiersmanegements zusammensetzen, um ihre Sicht der Dinge zu hören.

Die übergangslose Fortsetzung des Quartiersmanagements wäre für die Grünen nicht nur ein deutliches, sondern auch ein notwendiges Signal, dass die Probleme nicht nur gesehen, sondern auch angegangen werden. „Die Arbeit der Quartiersmanager ist auch im Sinne der Wohnungsunternehmen und -eigentümer in der Nordstadt“, so der Grüne weiter. „Wir würden es deshalb begrüßen, wenn sie ihre bisherige finanzielle Unterstützung weiterführen und möglichst steigern würden.“

Piraten: Quartiersmanager als neutrale Mittler zwischen Stadt und Bürger

„Die SPD träumt von einem Leuchtturmprojekt in der Nordstadt, aber das Quartiersmanagement soll verschwinden?“, fragt Christian Gebel, stellvertretender Fraktionsvorsitzender Die Linke & Piraten Dortmund. „Den Wildwuchs der Angebote und Zuständigkeiten zu lichten, ist zwar längst überfällig, aber das ersatzlose Streichen einzelner Einrichtungen ist grob fahrlässig.“

Wann komme denn die Lösung, die alles unter einen Hut bringt und alle Probleme löst? Denn es sei ja nicht davon auszugehen, dass eine neue Einrichtung auf Anhieb funktioniere. „Was machen die Menschen bis dahin? Und wird sich die neue Einrichtung etablieren können? Das Quartiersmanagement ist auch deshalb so gut angenommen worden, weil es nicht unmittelbar an die Stadtverwaltung angegliedert ist. Wer Ärger mit der Verwaltung fürchtet, wird sich nicht an eine städtische Einrichtung wenden“, so Gebel.

Dies unterstreicht David Grade, Pirat in der Bezirksvertretung Innenstadt-Nord und früher selbst Quartiersmanager: „Die Funktion des Quartiersmanagements ist das Vernetzen und das neutrale Vermitteln. Beides haben die Quartiersmanager vielfach erfolgreich getan“, so Grade. „Anscheinend können manche Neutralität nicht ertragen und wollen es durch etwas ,Stadtnäheres’ ersetzen. Dafür werden auch schmerzhafte Lücken in Kauf genommen. Kontrollwahn schlägt gesunden Menschenverstand.“

Lob: Verzahnung der Angebote ist gut , sollte aber partizipativ diskutiert werden

Hafenspaziergang - Borsigplatzverführungen

Der Hafenspaziergang wird immer beliebter und lockt viele Menschen in die Nordstadt. Foto: Alex Völkel

Angeblich solle so ein Großprojekt mit dem Arbeitstitel „Nordwärts“ ermöglicht werden, bei dem Maßnahmen für den ganzen Norden Dortmunds besser verzahnt werden sollen.
Mit dem Wissen der Quartiersmanager, ihrem Netzwerk und ihrer Erfahrung könnten sie zum gelingen von ,Nordwärts’ beitragen. „Aber das Quartiersmanagement würde dafür sorgen, dass interessierte Bewohner, Institutionen und sonstigen Akteure einen fairen Einfluss auf,Nordwärts’ erhalten – aber vielleicht ist das Herrn Sierau ja zu gefährlich. Er bindet ja nicht einmal seine eigenen Leute vor Ort ein“, betont Grade – ehemaliger OB-Kandidat der Piraten.

Auf Einbindung setzt auch Cornelia Wimmer, ebenfalls Bezirksvertreterin in der Innenstadt-Nord (Linke & Piraten). „Die Nordstadt ist der Stadtteil, in dem mehr als anderswo demokratische Teilhabe nicht einfach da ist, sondern aufgespürt, ermutigt, vernetzt werden muss“, verdeutlicht die Bezirksvertreterin. Menschen mit schwierigen Biografien, Zugewanderten und Menschen in prekären Verhältnissen gebe diese Art von Arbeit mehr Perspektive, idealerweise einen etwas besseren Alltag.

Dem Stadtteil und der Stadt als Ganzes brächten sie Zuwachs an Menschen, die sich als Bürger und nicht als wenig beachtete Randgruppen sehen. „An dieser Stelle, dort wo Menschen und Stadt eben nicht einfach zusammenkommen, waren, sind die Quartiermanager tätig“, betont Wimmer. „Nichts gegen Vernetzung und Abstimmung oder konzeptionelle Erneuerung. Die Institution der Quartiersmanager jetzt aber preiszugeben, ist nicht nur unsensibel. Mit diesem Schritt werden Strukturen zerstört, von denen wir in diesem Stadtteil noch viel zu wenige haben.“

 

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2 Gedanken über “Fraktionsübergreifende Forderung nach einem nahtlosen Übergang für das Quartiersmanagement Nordstadt

  1. Jürgen Märte

    Zitat:
    Das Quartiersmanagement ist auch deshalb so gut angenommen worden, weil es nicht unmittelbar an die Stadtverwaltung angegliedert ist. Wer Ärger mit der Verwaltung fürchtet, wird sich nicht an eine städtische Einrichtung wenden“, so Gebel.

    Die Stadt bezahlt und unterhält somit das Quartiersmanagement Nordstadt über einen „Mittelsmann“, sprich „Stadtteilschule Dortmund e.V“

    „Wer die Musik bezahlt, kann dirigieren“
    Die Einflussnahme der Stadt Dortmund auf die Arbeit der Quartiersmanager ist größer und weitreichender als viele Menschen denken. Ein wirklich unabhängiges, selbständiges Arbeiten der Quartiersmanager ist nicht gegeben.
    Nicht umsonst musste und muss der Projektleiter ein mal pro Woche in ein städtisches Büro zum Rapport.

    Eine Umstrukturierung vom QM-Nordstadt ist allerdings schon seit einigen Jahren fällig. Das QM-Nordstadt hat wirklich keine „nachhaltige“ Arbeit geleistet. Allerdings gibt es Ausnahmen:
    Hafenspaziergang

    „Hafenspaziergang“ wurde entwickelt von der Quartiersmanagerin Frau Heike Schulz. Diese Veranstaltung war und ist sehr erfolgreich und somit sehr nachhaltig.

    Musik Kultur Picknick auf dem Nordmarkt. Ab 2002
    Nun, diese Veranstaltung wurde von einem Bewohner unter dem Titel „Sonntagskonzert“ vorgeschlagen. (Name ist bekannt, der vorschlagende wurde auf beleidigende weise angesprochen, ich war Zeuge) und abgekanzelt. Dieser Vorschlag wurde von der damaligen, ersten Quartiersmanagerin, Frau Helga Beckmann, vehement und sehr wortreich abgelehnt. (Heute Quartiersmanagerin Rheinisches Viertel) Nur wenige Monate später startete „Musik-Kultur-Picknick auf dem Nordmarkt“ und ist bis heute eine beliebte Veranstaltung.

    Da sind die wenigen, nachhaltigen Veranstaltungen die das QM Nordstadt einigermaßen organisiert und durchführt.

    Nun, wie auch immer. Das „Quartiersmanagement Nordstadt“ muss mit Menschen, die noch Ideale haben und die „Nordstadt“ wirklich kennen und verändern möchten und wollen, besetzt werden.
    Das jetzige QM-Team (insbesondere der Projektleiter) ist zu lange dabei. Eine objektive, fokussierte Sichtweise ist bei den „alten Quartiersmanagern“ nicht mehr gegeben. Oft habe Ich das Gefühl, dass die Quartiersmanager nur noch arbeiten um den Arbeitsplatz zu erhalten. (Eine Beleidigungsklage ist denen Vorbehalten)

    Eine „Neuorientierung und eine Neuorganisation“ vom QM Nordstadt daher absolut erforderlich. Ruhig mögen die alten Gesellen sein. Es ist nichts persönliches. Es geht um das Wohl der Innenstadt Nord. Nicht um persönliche belange. Mag der eine 13 Jahre dabei sein oder die/der weniger. Das spielt
    keine Rolle.

    Das „QM-Nordstadt“ hat es nicht geschafft, innerhalb von 14 Jahre nachhaltige Werte zu erzeugen. Eine „Neustrukturierung“ ist absolut von Nöten. Das „QM-Nordstadt“ als solches sollte erhalten bleiben. Nur, wie gesagt, siehe oben.

    Allerdings nicht mehr mit der (Ausnahme Frau Heike Schulz) Besetzung.

  2. Nadja Reigl, Die Linke & Piraten Dortmund Beitrags Autor

    „Das Quartiersmanagement ohne mit der Wimper zu zucken einfach aufzugeben, ist eine Entscheidung, die ich beim besten Willen nicht nachvollziehen kann. Herr Sierau hat selbst zugegeben, dass die Arbeit nicht ausgereicht hat, die dort geleistet wurde. Kein Wunder, bei den vielfältigen Problemen der Nordstadt, die schon seit Jahren und Jahrzehnten bestehen, hat doch wohl kein Mensch erwarten können, dass das Quartiersmanagement diese mit seinen begrenzten Kapazitäten in so kurzer Zeit alle lösen könnte! Zu sehen, dass die Situation in der Nordstadt sich zusehendes weiter verschlechtert und daraus dann die Konsequenz zu ziehen, eine weiteres Hilfsangebot komplett einzustellen, kann doch nur ein schlechter Scherz sein!
    Und nicht zuletzt stellt sich mir die Frage, ob man sich so den Kampf gegen Rechts vorstellt: Statt Migranten die Integration und den Zugang zu unserer gewachsenen Gesellschaft zu erleichtern, geben wir diese auf – und mit ihnen die
    Nordstadt. Denn nichts anderes ist diese Entscheidung: Das Geständnis, dass man die Nordstadt aufgegeben hat.“

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