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Das Virus kennt keine Grenzen – unsere Gebete auch nicht: Dortmund wünscht Muslim*innen einen gesegneten Ramadan

In der Zentralmoschee kamen während des Ramadan jeden Abend hunderte Gläubige zum Beten und Fastenbrechen.

Auch der Fastenmonat Ramadan kann in diesem Jahr nicht wie üblich begangen werden. So wird das gemeinsame Fastenbrechen nur im familiären Kreis möglich sein. Fotos: Alex Völkel/Archiv

In der Nacht auf den heutigen Freitag (24. April 2020) hat für die Muslime weltweit der Fastenmonat Ramadan begonnen. Während schon für die Christen ihr wichtigstes Fest, das Osterfest, in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie unter besonderen Umständen zelebriert werden musste, steht dies nun auch den islamischen Gläubigen in der Fastenzeit bevor. Die Moscheen bleiben vorerst geschlossen, das diesjährige Festi Ramazan entfällt und das gemeinsame Fastenbrechen muss eher im familiären Kreis in Kleingruppen stattfinden. Sowohl die Stadt Dortmund als auch die Gemeinden anderer Glaubensrichtungen in der Stadt senden den Muslim*innen die besten Grüße und wünschen ihnen eine unter den gegebenen Umständen möglichst besinnliche Zeit, die den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt, aus kulturellen Unterschieden seine Bereicherung erfährt und mit Mut und Zuversicht in die Zukunft blicken lässt.

Stadt Dortmund betont den stark verbindenden Charakter des Fastenmonats

Auch das sonst stark frequentierte Festi Ramazan muss 2020 leider ausfallen. Foto: Leopold Achilles

Für die Stadtgesellschaft übermitteln Oberbürgermeister Ullrich Sierau, die Vorsitzende des Integrationsrates Aysun Tekin, Ahmed Aweimer vom Rat der muslimischen Gemeinden, Sozialdezernentin Birgit Zoerner, Ordnungsdezernent Norbert Dahmen, Polizeipräsident Gregor Lange und in diesen besonderen Tagen natürlich auch der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Frank Renken, den Gläubigen ihre besten Grüße. ___STEADY_PAYWALL___

„Wir haben in den letzten Jahren regelmäßig den starken verbindenden Charakter des Ramadan-Monats wahrgenommen, in dem Menschen mit den unterschiedlichsten Glaubensrichtungen zusammenkommen, sich kennenlernen, miteinander reden und gemeinsame Fastenbrechen begehen. Für unsere Stadt ist dieser interreligiöse Dialog und der gesellschaftliche Zusammenhalt – das Zusammenkommen von Menschen an sich – Normalität und macht einmal mehr deutlich: Der Islam gehört zu Dortmund“, heißt es in ihrem Grußwort.

Das Zusammenkommen von Menschen sei ein elementarer Bestandteil des Fastenmonats. Dennoch werde der diesjährige Ramadan-Monat anders werden und uns alle vor neue Herausforderungen stellen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Corona-Situation könne jedes Zusammenkommen eine Gefahr für die Gesundheit der Mitmenschen werden.

Dank für den bisherigen Umgang mit der Krise und Appell an die Vernunft im Sinne aller Menschen

Bereits in den letzten Wochen hätten sich zahlreiche Religionsgemeinschaften mit Einschränkungen – beispielsweise im Rahmen der Freitagsgebete oder Gottesdienste – arrangieren müssen. Die Stadt Dortmund wolle allen Verantwortlichen und Mitgliedern für dieses umsichtige Vorgehen und die Unterstützung ganz herzlich danken.

Der Innenraum der Dortmunder Zentralmoschee ist bereits neu gestaltet.

Auch die Moscheen bleiben vorerst geschlossen.

Gleichzeitig wolle man aber auch an das Verantwortungsbewusstsein der Menschen appellieren, die religiösen Pflichten, Gebete und das Fastenbrechen ausschließlich privat und zu Hause zu verrichten und auf Einladungen und Besuche zum gemeinsamen Fastenbrechen zu verzichten. 

Denn die Situation sei immer noch sehr ernst. Die Religionsgemeinschaften hätten jedoch die Möglichkeit, ihre Gebete per Video oder online zu übertragen, so dass die Gläubigen über diesen Weg selbstverständlich daran teilhaben können. 

„Lassen Sie uns weiterhin Solidarität und Vernunft praktizieren: Zusammenstehen, aber getrennt! Unser gemeinsames und vorrangiges Ziel ist es, die Gesundheit aller zu schützen, damit wir auch nächstes Jahr zusammen und in gewohnter Weise den Ramadan-Monat und das Fest begehen können. Darauf freuen wir uns! In diesem Sinne wünschen wir – trotz dieser herausfordernden Zeit – allen Musliminnen und Muslimen in unserer Stadt eine gesegnete Fastenzeit und ein friedliches Fest zum Ende des Ramadan!“

Das Virus kennt keine Grenzen – unsere Gebete auch nicht

Evangelische Lydia-Gemeinde, Markus-Kirche

Die christlichen Gemeinden senden ebenfalls die besten Grüße. Foto: Klaus Hartmann

Konfessionsübergreifend wenden sich die christlichen Gemeinden Dortmunds mit einem Brief an die muslimischen Gemeinden. Die Corona-Pandemie habe uns alle vor große Herausforderungen gestellt. In diesem Jahr hätten auch die christlichen Gemeinden auf viele lieb gewonnene Oster-Traditionen verzichten müssen, vor allem auf den gemeinsamen Gottesdienst, und ein Fest gefeiert, wie es für alle Christen neu war. 

Gleichzeitig seien aus diesen neuen Umständen aber auch zahlreiche Ideen erwachsen, das Osterfest einmal anders zu gestalten. Die christlichen Gemeinden seien sich der Bedeutung des Fastenmonats für die Muslime bewusst, der Ramadan sei für sie eine besondere Zeit religiöser Vertiefung und der Gemeinschaft in Familie und Gemeinde. 

Diesmal sei alles anders. Vor allem werde es das gemeinsame Fastenbrechen, den Iftar, wohl leider nicht mit dem gewohnten Beisammensein geben. Daher wünsche man den Gläubigen, dass sie andere Wege finden werden, diese festliche Zeit miteinander zu teilen und Verbundenheit im Glauben zu spüren.

Menschliches Miteinander ist trotz notwendiger sozialer Distanz möglich

„Christen und Muslime pflegen in Dortmund seit vielen Jahren gemeinsam mit den Juden den Interreligiösen Dialog. Daran wollen wir gerade in diesen schwierigen Tagen festhalten, achtsam für die Situation der anderen. So kann trotz der nötigen sozialen Distanz das menschliche Miteinander wachsen“, heißt es nun dem Brief der Kirchengemeinden.

Interreligiöser Dialog beim ersten gemeinsamen Fastenbrechen im DKH. Fotos: Alex Völkel

Interreligiöser Dialog beim ersten gemeinsamen Fastenbrechen im DKH 2019. Fotos: Alex Völkel

Als starkes Zeichen der Gemeinsamkeit und der spirituellen Verbundenheit über die Religionsgrenzen hinweg habe der Dialogkreis der Abrahamsreligionen, in dem die christlichen Kirchen mit Muslimen und Juden zusammenarbeiten, mit der Aktion „Licht der Hoffnung“ zum gleichzeitigen Gebet aufgerufen. Täglich um 19.30 Uhr läuten die Glocken und in den Moscheegemeinden wird zum Gebet gerufen. 

 

Dadurch wolle man zeigen, dass das Virus keine Grenzen kenne – die Gebete jedoch auch nicht! Der Dialogkreis der Abrahamsreligionen habe dazu sogar eine Videobotschaft ins Internet gestellt, der Link befindet sich im Anhang des Artikels. Die Kirchen würden sich sehr darüber freuen, wenn sich viele Menschen daran beteiligen.

Die Evangelischen und Katholischen Kirchen in Nordrhein-Westfalen setzen sich auch über Dortmund hinaus für dieses Ziel ein. Mit ihrem Schreiben überreichen Sie auch das Grußwort der Evangelischen Landeskirchen und der katholischen Bistümer in Nordrhein-Westfalen. Für die kommenden Wochen wünsche man den muslimischen Gemeinden Gesundheit, Kraft und Zuversicht. Ramadan Mubarak! (Gesegneten Ramadan!)

 

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Weitere Informationen:

Videobotschaft der Abrahamsreligionen: www.dortmund-dialog.de

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Ein Gedanke zu “Das Virus kennt keine Grenzen – unsere Gebete auch nicht: Dortmund wünscht Muslim*innen einen gesegneten Ramadan

  1. Die Vorsichtige und schrittweise Öffnung der RMGD-Moscheen in Dortmund (Pressemitteilung) Beitrags Autor

    Pressemitteilung: Die Vorsichtige und schrittweise Öffnung der RMGD-Moscheen in Dortmund

    Entsprechend der stufenweise Öffnungen bei den Maßnahmen in der Corona-Pandemie unter Berücksichtigung der Hygiene und Schutzkonzepte auf der Basis des Ratgebers von KRM – Koordinationsrat der Muslime in Deutschland werden einige Moscheen in Dortmund für nur bis zu 3 der 5 Pflichtgebete täglich öffnen. Alle anderen Gebete und Veranstaltungen werden nicht durchgeführt. Freitags-, Ramadan(Tarawih)- und Festgebete sind nicht durchzuführen. Die anderen Moscheegemeinden bleiben angesichts der aktuellen Lage aus Verantwortung vor Gott und den Menschen weiter bei der Empfehlung, die Moscheen grundsätzlich geschlossen zu halten. Hilfsprojekte für die Ältere und alleinstehende Menschen, Armen und Studenten werden unter Beachtung der Auflagen fortgesetzt.

    DER RMGD bittet die Gläubigen die Auflagen konsequent zu beachten. Aufgrund der sehr begrenzten Zahl der Gebetsplätze wegen Erfüllung der Auflagen, bitten wir auch darum, dass nur die Mitglieder der geöffneten Gemeinden dieser Moscheen zur vorgesehenen Gebetzeiten besuchen.

    Die Gebetsrufe im Rahmen der Corona-Pandemie in Bezug auf die Vereinbarung mit der Stadt Dortmund und der Gebetsaktion „Licht der Hoffnung“ der Dialogkreis der Abrahamsreligionen Dortmund“ werden am 09.05.2020 für beendet erklärt. Deswegen bitten wir zunächst die Moscheen die öffentlichen Pandemie-Gebetsrufe nicht mehr durchzuführen. Unser Dank gilt der Stadt Dortmund, der Evangelische und Katholische Kirche sowie der Jüdische Kultusgemeinde in Dortmund für die Ermöglichung und die Durchführung der Gebetsrufe und gemeinsame Gebete als Fürbittgebete gegen die Pandemie. Das hat Zusammenhalt gemeinsam in einer sehr schwierigen Zeit gezeigt.

    RMGD bedankt sich bei den Moscheegemeinden, die jetzt öffnen. Denn sie nehmen auf sich eine große Verantwortung. Ihre Erfahrung wird bei weiteren Schritten sehr hilfreich sein und schätzt mit Hochachtung die Moscheegemeinden, die noch aus Verantwortung geschlossen bleiben. Schließlich gilt unser Dank den Gläubigen in Dortmund. Sie haben viel Geduld, Verantwortung und Hilfsbereitschaft gezeigt.

    Möge der Erhabene Gott uns allen und die Menschheit helfen, diese Pandemie zu beenden.

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