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Berufsausbildung während der Corona-Pandemie: Alle neuen Azubis der TU Dortmund bekommen einen Laptop

Philipp Seiffert (16) hat sich nach seinem Realschulabschluss für eine Ausbildung zum Industriemechaniker begonnen.

Philipp Seiffert (16) macht eine Ausbildung zum Industriemechaniker – nur „online“ geht das natürlich nicht.

Schritt für Schritt zurück zur „normalen“ Ausbildung? Die TU Dortmund hat die Berufsausbildung für ihre rund 120 Azubis umgestellt. 28 Schulabgänger*innen, die zum 3. August neu an die Universität gekommen sind, erleben eine etwas andere Form der Ausbildung. Zunächst vor sechs Wochen einen ungewöhnlichen Einstieg in die Berufsausbildung an der Universität: Jeder von ihnen – ob kaufmännisch oder gewerblich – erhielt am ersten Arbeitstag einen Laptop.

Neue Wege: Kennenlernen und arbeiten für neue Azubis auch im Homeoffice

Ausbildungskoordinator Dirk Kanwischer

Aufgespielt hatte das IT & Medien-Centrum der TU Dortmund eine Vielzahl an Programmen zum digitalen Arbeiten für die neuen Auszubildenden, unter anderem für Videokonferenzen. ___STEADY_PAYWALL___

Bereits am zweiten Tag ihrer Ausbildung waren alle im Homeoffice, denn das Kennenlernen fand nicht wie traditionell mit einer Exkursion, sondern im Netz statt. „Positiv überrascht war ich, wie die Gruppenbildung in dieser ersten Woche gelaufen ist“, sagt Dirk Kanwischer von der Personalentwicklung.

Gemeinsam mit Jessica Zajac und Mandy Grünheit hatte er in den Monaten zuvor an Konzepten gearbeitet, um die Ausbildung trotz der Corona-Pandemie sicherzustellen und die Voraussetzungen zu schaffen, dass auch der jüngste Jahrgang eine solide Lehre absolvieren kann.

„Ich habe nicht damit gerechnet, so schnell ins Homeoffice zu kommen“

Start im Homeoffice, jetzt zwei Tage pro Woche im Büro: Alicia Wachholz wird Kauffrau für Büromanagement.

Zum Beispiel Alicia Wachholz. Die 20-Jährige erlernt den Beruf der Kauffrau für Büromanagement: „Ich bin, nachdem ich den Ausbildungsvertrag unterschrieben hatte, schon davon ausgegangen, dass Ausbildung stattfindet“, sagt sie. „Ich habe aber nicht damit gerechnet, so schnell ins Homeoffice zu kommen.“

Erst seit Ende August arbeitet sie auch auf den Campus. Aktuell teilt sie sich mit Ausbilder Kanwischer das Büro – geschützt durch eine Plexiglasscheibe, wie es das Hygienekonzept der Abteilung vorsieht. Zwei Tage Berufsschule, zwei Tage vor Ort in der Universität und am Freitag im Homeoffice – so sieht ihr Wochenplan derzeit aus.

„Es ist bisher sehr gut gelaufen“, blickt Ausbilder Kanwischer auf das vergangene Halbjahr zurück. Während der Pandemie hat das Team viele Lehrinhalte so aufbereitet, dass die kaufmännischen Auszubildenden zu Hause lernen konnten. Das galt insbesondere für die jungen Menschen, die zum 18. März komplett ins Homeoffice wechseln und sich auf ihre Prüfungen vorbereiten mussten.

Insbesondere gewerbliche Azubis sind auf Werkstatt oder Labor angewiesen

Tom Siemiontkowski (21) und Ruben Wittenberg machen eine Ausbildung zum Industriemechaniker.

Tom Siemiontkowski und Ruben Wittenberg werden Industriemechaniker. Fotos: Martina Hengesbach

Kanwischer ist froh, dass die Hygienekonzepte die Rückkehr der Auszubildenden an die Universität Schritt für Schritt ermöglichen. Das gilt natürlich vor allem für die Gewerblichen: Ein Werkstück lässt sich kaum digital über das Netz bearbeiten, Handwerk findet vor Ort in Werkstatt und Labor oder den anderen Universitätsräumen statt.

Das erleben auch Tom Siemiontkowski (21), Ruben Wittenberg (17) und Philipp Seiffert (16), die Industriemechaniker werden wollen. Mit Eintritt in die TU Dortmund erhielten auch sie ihren Laptop, absolvierten digital die Vorstellungsrunde, lernten den Azubi-Knigge und den Arbeitsschutz kennen und bewiesen in einem Escape-Room-Spiel ihre Teamfähigkeit.

Aber bereits die zweite Woche ihrer Ausbildung fand in der Werkstatt statt – und zwar an vier Tagen die Woche. Einen Tag geht es in die Berufsschule. „Wir haben das Glück, dass im Maschinenbaugebäude III eine großzügige Lehrwerkstatt ist“, sagt ihr Ausbilder Jörg Quaß (54).

Die Werkbänke stehen weit auseinander, die Schraubstöcke und andere Maschinen sind versetzt angeordnet. Der Raum ist gut belüftet, maximal sechs Personen dürfen in den Raum. Daher endet die Maskenpflicht, die im Gebäude gilt, mit dem Betreten der Werkstatt. Das erleichtert den Dreien die Arbeit an den Werkstücken.

Positive Zwischenbilanz: erfolgreiche Ausbildung trotz Corona-Einschränkungen

Dirk Kanwischer zieht eine positive Zwischenbilanz der Ausbildung in Coronazeiten: „Wir haben mit unserem aktuellen Lehrjahr Neuland betreten. Wir wussten nicht, wie erfolgreich unsere Vorbereitungen sein würden“, blickt er zurück. „Aber sämtliche Feedback-Runden sind bislang positiv ausgefallen.“ Er geht deshalb davon aus, dass die Berufsausbildung trotz Corona erfolgreich durchgeführt werden kann. Trotzdem hofft er, dass bald wieder „normale“ Zeiten sind.

 

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