
Muslimische Freitagspredigten in Deutschland standen im Mittelpunkt eines Diskussionsabends des Christlich-Islamischen Dialogforums. Vorgestellt wurden Ergebnisse eines Forschungsprojekts der Universität Erlangen-Nürnberg, das mehrere tausend Predigten großer muslimischer Verbände untersucht hat. Dabei ging es unter anderem auch um Predigten von DITIB und der IGMG. Laut den Forschenden stehen religiöse Themen, gesellschaftliches Engagement und Integration im Vordergrund.
Forschungsprojekt wertet Predigten aus zahlreichen Moscheen aus
Bei der digitalen Veranstaltung stellte Dr. Jörn Thielmann von der Universität Erlangen-Nürnberg die Ergebnisse eines Forschungsprojekts zu muslimischen Freitagspredigten vor. Untersucht wurden Predigten großer muslimischer Verbände in Deutschland, darunter auch DITIB und Milli Görüş (IGMG).

Nach Angaben des Referenten wurden die Predigten von etwa 1600 bis 1700 der insgesamt rund 2100 Moscheen über mehrere Jahrgänge hinweg ausgewertet. Im Mittelpunkt der Untersuchung standen Inhalte und thematische Schwerpunkte der Freitagspredigten.
„Hier kommt die gute Nachricht: In Moscheen wird kein Hass gepredigt!“, berichtet für das Christlich-Islamische Dialogforum Pfarrer Friedrich Stiller vom Evangelischen Kirchenkreis. „Im Gegenteil. Dr. Thielmann konnte anhand seiner umfangreichen Untersuchungen deutlich machen, dass im Vordergrund religiöse Themen und moralische Alltagsregeln stehen, Empfehlungen, sich für das Gemeinwesen einzusetzen und Aufrufe zur Integration.“
Diskussion thematisiert auch radikale Randgruppen
Oft gehe es in den Predigten um Hilfsbereitschaft in der Nachbarschaft, freundliches Verhalten im Alltag und persönliche Mäßigung. In einigen Verbänden werde sogar regelmäßig über Umweltschutz und Nachhaltigkeit gepredigt.

Die Ergebnisse stießen in der Diskussion auch auf kritische Nachfragen. Der Referent konnte die Fragen aber beantworten. Zugleich wies er auch auf randständige Moscheevereine hin, die es natürlich auch in Deutschland gibt und in denen es doch radikal zugeht, beispielsweise bei den Salafisten. Aber, so Dr. Thielmann, sie stellen eine verschwindende Minderheit dar, für die man die anderen Muslime nicht verantwortlich machen könne.
Die Vertreterin einer Beratungsstelle gegen Islamismus rief an der Stelle in der Diskussion dazu auf, Einzelbeobachtungen nicht zu verallgemeinern. Vertreter:innen von Verbänden im Publikum, die teilweise selbst an der Veröffentlichung solcher Predigten beteiligt waren, stimmten zu.
Forscher sieht Zurückhaltung nach dem 7. Oktober 2023
Als Zusammenfassung formulierte Dr. Thielmann, dass in vielen Freitagspredigten für eine „Gemeinschaft der Ausgewogenheit“ und der Mitte geworben werde. Dies habe sich laut dem Forscher auch nach den Ereignissen vom 7. Oktober 2023 gezeigt.

Nach seinen Beobachtungen seien damals große Zurückhaltung und Ausgewogenheit erkennbar gewesen sowie das Vermeiden von antisemitischen Stereotypen. Für viele ein überraschendes Ergebnis. Diese Beobachtungen stehen im krassen Gegensatz zu vielem, was in der Öffentlichkeit behauptet wird, auch in den umstrittenen Veröffentlichungen des Journalisten Constantin Schreiber. Ihm sprach der Referent schlicht die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit ab.
„So zeigte sich im Hintergrund wieder ein Grundsatzproblem des interreligiösen Dialogs: Wie schwer es ist, Vorurteilen zu begegnen.“, erklärten die Veranstalter:innen des Dialogforums, Dr. Kamcili-Yildiz und Pfarrer Friedrich Stiller. Sie dankten dem Referenten abschließend dafür, dass er „sowohl überraschende Informationen als auch gute Nachrichten verbreitete“.

