
Von Leonie Krzistetzko
Schon gegen 18 Uhr ist der Kiosk des transnationalen Ensembles Labsa, in der Langen Straße 98, gefüllt. Es schwirren Menschen durcheinander und treffen bekannte Gesichter wieder. Gegenüber vom Eingang stehen Farhad Hussaini und Khodayar Mohammadi. Sie sind die Köche des Abends. Ihr Gericht: Qaboli Palaw, ein afghanisches Reisgericht mit Rosinen und Rind, sowie mit Reis und Hühnchen. Es soll um 19 Uhr aufgetischt werden. Seit drei Stunden stehen die beiden zusammen am Herd. Es gibt „Family Food For All“, eine Aktion, die vom Ensemble Labsa regelmäßig durchgeführt wird. Mitessen darf jeder, der Lust hat. Das Angebot ist kostenlos.
Zwischen Qaboli Palaw und Reggae-Rhythmen in Dortmund

Der 21-jährige Amir ist seit drei Jahren Mitglied des transnationalen Ensembles. „Die Truppe hier ist sehr nett“, sagt er. Er ist durch Freunde auf das Projekt gestoßen, hilft beim „Family Food“ als Unterstützung aus. „Wenn wir hier etwas kochen, ist der Raum von vorne bis hinten gefüllt“, erzählt Amir später beim Essen.
Die Stimmung ist angeregt, alle unterhalten sich miteinander, schaufeln sich Salat und Qaboli Palaw auf ihre Teller. Wenig später sind alle satt und helfen dabei, die Tische umzustellen und neue Sitzmöglichkeiten zu schaffen.
L’esprit du temps, ein Musik-Duo aus Köln, wartet darauf ein Konzert zu geben. Gegen 20 Uhr ist es so weit. Zwei Mikrofonständer sind aufgebaut, eine Gitarre steht auf dem Boden. Auf Bänken, Hockern und dem Boden sitzen Kinder und Erwachsene. Der Raum des Kiosks wird in orangene Farben getaucht. Es folgt Musik, die irgendwo zwischen verträumten französischsprachigem Indie und tanzbaren Reggae-Rhythmen einzuordnen ist. Erlaubt ist, was gefällt. Und das tut es dem Publikum. Was als ruhiges Konzert beginnt, entwickelt sich später zu einer Jamsession, zu der jeder mittanzt.
Ein Konzert zum Mitmachen bei L’esprit du temps

L’esprit du temps sind Chris, alias Le Clou, und Pablo, alias Paul Fassbinder. Gegründet haben sie sich 2009, wenige Jahre zuvor haben sie sich bei einer Zugfahrt kennengelernt. „Wir freuen uns mal wieder in Dortmund zu spielen“, sagt Chris.
Es gebe viele Ankerpunkte, die das Duo mit Dortmund verbinden. Bislang haben die beiden Musiker noch kein Album veröffentlicht. „Wir wollen aber demnächst an einer ersten eigenen EP arbeiten“, verrät Pablo. Ursprünglich sei das Konzept von L’esprit du temps gewesen, dass man die Band nur Live erleben könne, sagt Chris. Jeder, der möchte, kann bei den Auftritten mitmachen.
So kommt es, dass sich zu Beginn des Konzerts Tibor und sein kleiner Bruder Josa dazugesellen und das Duo mit einer Trommel und einem Cajón rhythmisch begleiten. Auch gibt es eine Zusammenarbeit mit dem Tänzer und Choreographen Tim Čečatka, der zu einem Song tanzt.
Labsa: Neues Stück in Planung – Zwei Performances am 24. Februar

Emilia Hagelganz ist Leiterin des Ensembles des Labors für sensorische Annehmlichkeiten, kurz: Labsa. „Unseren Verein gibt es seit 2007. Bis 2014 haben wir überwiegend im öffentlichen Raum gearbeitet“, sagt sie. Das Ensemble wurde 2015 gegründet. „Wir lassen uns in unserer Arbeit von den anderen inspirieren, von dem, was in der Welt passiert“, so Hagelglanz.
Im Kern besteht der Verein aus rund zwölf Mitgliedern, sagt sie. Dazu kämen allerdings noch zahlreiche Freunde. Jeden Mittwoch probt das Ensemble für ein Theaterstück. Das aktuelle Stück ist „Place To Be: Shared“ (Nordstadtblogger.de berichtete). Eine neue Produktion sei in Planung, was genau es werde, sei aber noch streng geheim.
Wann das nächste Mal „Family Food For All stattfindet“, lässt sich auf der Website des Ensembles: https://www.labsa.de/kiosk-aktuell/ nachlesen. Am Samstag, den 24. Februar wird es um 19 Uhr im Rahmen des Projekts „Refugee Talks“ zwei Performances zum Thema Flucht/Migration und Leben im Exil geben. Der Eintritt ist kostenlos.
Mehr zum Thema auf nordstadtblogger.de:
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Reaktionen
Labsa
Das Transnationale Ensemble Labsa präsentiert – Freitag, den 23.03.2018:
18 Uhr — IMBISS: Family Food For All
Im Kiosk des Transnationalen Ensemble Labsa wird regelmäßig gekocht. Auf dem Menü stehen also Gerichte aus der ganzen Welt – von Attieké über Bolani bis zu Reibekuchen.
20 Uhr — PERFORMATIVER ABEND mit Gesang und Gesprochenem:
Ich habe da eine Wunde, oder stell dir mal vor …
Was passiert, wenn Wunden über Grenzen reisen und ihr Ausstellen die gesellschaftliche Anerkennung einer Person bestimmt? Wie sieht das aus, wenn Wunden das zwischenräumliche Gewebe des Sozialen konstituieren, wenn sie Menschen zusammenbringen und voneinander abstoßen?
Performance: Ebla Sadek, Regie: André Lewski
Die Aufführung findet im Rahmen von Refugee Talks statt. Das Projekt besteht aus 6 Performances, die im Ruhrgebiet und in Berlin lebende Geflüchtete zusammen mit hier aktiven Theatermacher*innen erarbeiteten.
Als Heimspiel im LABSA KIOSK – Lange Straße 98, Dortmund-West (EINTRITT FREI!)
„Schön zusammen!“ – Preisverleihung in Dortmund LWL-Crossoverpreis für Labsa – Labor für sensorische Annehmlichkeiten e. V. (PM)
Dortmund (lwl). Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) verleiht am Mittwoch (17.6.) in Dortmund seinen mit 35.000 Euro dotierten LWL-Crossoverpreis an den Verein Labsa – Labor für sensorische Annehmlichkeiten und lädt dazu Interessierte ein. Die Preisverleihung beginnt um 18 Uhr im Theater im Depot, Immermannstraße 29 in 44147 Dortmund. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung wird unter folgendem Link gebeten: https://veranstaltung.lwl.org/LWLCrossoverpreis2026
Unter der Überschrift „Schön zusammen!“ bringen Labsa und der LWL alle Mitwirkenden und Gäste des Abends im großen Saal des Theaters im Depot an einer großen Tafel zusammen. Themen wie Gastfreundschaft und Heimaten sind charakteristisch für die künstlerische Arbeit des Transnationalen Ensembles Labsa. Das gemeinsame Essen lädt alle Anwesenden dazu ein, miteinander in Kontakt zu kommen, Geschichten zu teilen, zuzuhören und gemeinsam zu feiern. Gespräche, Videos, die Preisübergabe und künstlerische Interventionen flankieren das Essen.
Seit 2008 verbindet der Verein Labor für sensorische Annehmlichkeiten e.V. mit Sitz in Dortmund mit seiner Arbeit Menschen. Dabei macht er Unterschiede sichtbar und stimmt auf Gemeinsamkeiten ein. Es entstehen Projekte, die einen transkulturellen, künstlerischen Diskurs anhand unterschiedlicher Formate anregen und die Etablierung eines langfristig wachsenden Netzwerks fördern. Die Projekte – Videos, Installationen, Performances und Veranstaltungen – spiegeln die politische und ästhetische Realität und die Haltungen der internationalen Performer:innen wider.
Hintergrund
Der LWL vergibt traditionell renommierte Auszeichnungspreise in den Bereichen Bildende Kunst, Literatur, Neue Musik und landeskundliche Forschung. Im Jahr 2022 erfolgte eine Neuausrichtung der Konzepte und die Einführung des LWL-Crossoverpreises für interdisziplinäre Künste und des LWL-Innovationspreises für künstlerischen Nachwuchs in den Sparten Bildende Kunst, Literatur und Musik.
Der mit 35.000 Euro dotierte LWL-Crossoverpreis wird von einer Fachjury im fünfjährigen Turnus zuerkannt. Die Auszeichnung wird sowohl an Einzelpersonen als auch an Initiativen oder Vereine für besonders herausragende Leistungen auf dem Gebiet der interdisziplinären Künste, die verschiedene Sparten oder Ausdrucksformen miteinander vereinen, vergeben. Er ist nicht auf ein bestimmtes Genre festgelegt, sondern es sollen künstlerische Grenzgänge ausgezeichnet werden.