
Gerd Kolbe erinnert für Nordstadtblogger immer wieder an verschiedene Meilensteine aus der BVB-Geschichte. Binnen von zwei Tagen jähren sich nun gleich zwei markante Ereignisse – die erste Deutsche Meisterschaft 1956 und der Wiederaufstieg 1976.
Ein Gastbeitrag von Gerd Kolbe
1956 sollte zum bislang wichtigsten Jahr in der BVB-Geschichte werden! Nach 1949 hat sich der Westdeutsche Meister Borussia Dortmund 1956 erneut für das Finale um die Deutsche Meisterschaft qualifiziert. Gegner ist am 24. Juni im Berliner Olympiastadion der Karlsruher SC.
Viele auch heute noch bekannte Namen im Aufgebot beider Mannschaften
Im BVB-Lager ist Optimismus angesagt. Als bekannt wird, dass Mittelstürmer Fred Kelbassa, der mehrere Tage an einer Halsentzündung laborierte, mit von der Partie sein würde, kommt zusätzliche Freude auf.

Kwiatkowski; Burgsmüller, Sandmann; Schlebrowski, Michallek, Bracht; Peters, Preißler, Kelbassa, Niepieklo, Kapitulski. Mit dieser Elf geht BVB-Trainer Helmut Schneider an beagtem Sonntag, dem 24. Juni 1956, in das Finale.
Karlsruhe bietet R. Fischer, M. Fischer, Baureis, Ruppenstein, Geesmann, Dannenmaier, Traub, Sommerlatt, Beck, Kunkel und Termath auf.
Wegen des strömenden Regens füllen „nur“ 75.000 Besucher das Olympiastadion
Der BVB hat sich in der Vorrunde gegen den HSV, den VfB Stuttgart und Viktoria Berlin durchgesetzt, der KSC Schalke, Kaiserslautern und Hannover 96 hinter sich gelassen. Die Borussen stellen mit einem Altersdurchschnitt von 28,9 Jahren das insgesamt älteste Team der Endrunde, aber eben auch das spielerisch reifste.
Wegen des strömenden Regens füllen „nur“ 75.000 Besucher das Olympiastadion. Unter ihnen Hollywood-Star Gary Cooper (High Noon/Wem die Stunde schlägt) und und der nach dem englischen Pokalendspiel schwer verletzte und vom Hals bis zur Hüfte eingegipste deutsche Torhüter Bernd Trautmann.

In der 9. Minute eine kalte Dusche für Schwarz-Gelb: Kunkel vom KSC arbeitet sich durch. Sein Flachschuss geht unhaltbar in die Ecke: 1:0. Der BVB zeigt sich unbeeindruckt. Bereits fünf Minuten später egalisiert Alfred Niepieklo in unnachahmlicher Manier. Fred Kelbassa schießt vehement aufs Tor, den Abpraller nimmt „Niepo“ aus sechs Metern direkt und verwandelt unhaltbar. Borussias Kombinationen nehmen Fahrt auf. Herrliche Ballstafetten verwirren den Gegner. Mittelstürmer Kelbassa erzielt in der 27. Minute per Kopfball nach einer Ecke die verdiente BVB-Führung.
Nach dem Pausentee geht es schneidig weiter: AdyPreißler zieht sein gekonntes Quer- und Steilpassspiel auf und düpiert den KSC Mal um Mal. In der 54. und 58. Minute landet der Westmeister den entscheidenden Doppelschlag. Zunächst ist es Mannschaftskapitän Preißler persönlich, der aus 25 Metern ins Netz hämmert. Fünf Minuten später eine ähnliche Situation. Jetzt ist es Kelbassa, der aus ähnlicher Distanz abzieht. Fischer wehrt ab, Sully Peters bedankt sich. 4:1. Das Spiel ist „gegessen“. Das 2:4 durch ein Eigentor von Verteidiger Willi Burgsmüller ist lediglich noch Ergebniskosmetik.
250.000 Menschen bereiten dem BVB einen geradezu triumphalen Empfang
Borussia Dortmund schaukelt das Spiel souverän nach Hause. Als Ady Preißler aus den Händen von DFB-Präsident Dr. Peco Bauwens die Meisterschale überreicht bekam, treten ihm die Tränen in die Augen: Zum ersten Mal in seiner großen Geschichte ist Borussia Dortmund Deutscher Fußballmeister. Chapeau!

Mit einem Sonderzug der Deutschen Bundesbahn geht es für den frisch gebackenen Champion am folgenden Montag in Richtung Heimat. 250.000 Menschen bereiten dem BVB einen geradezu triumphalen Empfang. So etwas hat die Stadt noch nie erlebt.
Nach der offiziellen Begrüßung durch Oberbürgermeister Dietrich Keuning ruft Ady Preißler in die Menge: „ Eins versprechen wir heute: Die Meisterschale geben wir so schnell nicht wieder her!“
Das sind geradezu prophetische Worte, werden die Borussen doch 1957 in der identischen Aufstellung wie im Jahr zuvor erneut Deutscher Meister und schaffen damit eine Fußball-historische Einmaligkeit von bleibendem Wert.
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