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Zu Besuch beim Online-Riesen: Ein Jahr Amazon in Dortmund – ein Ansiedlungserfolg mit Licht und Schatten

Ein riesiger Komplex ist auf der Westfalenhütte entstanden. 2000 Menschen arbeiten hier. Fotos: Alex Völkel

Von Alexander Völkel

Das Amazon-Logistikzentrum Dortmund hat vor einem Jahr auf der Westfalenhütte mit 750 Beschäftigten eröffnet. Entstanden ist dort das modernste Zentrum des US-Online-Giganten der Welt. Zwölf Monate später sind dort bereits 1650 Menschen fest angestellt – jeder Fünfte kommt aus der Nordstadt. Im Weihnachtsgeschäft werden es rund 2000 Menschen sein, die hier Lohn und Brot finden. Viele der Beschäftigten waren zuvor lange arbeitslos. Eine Erfolgsgeschichte und Grund zum Feiern? Nordstadtblogger hat sich vor Ort umgeschaut und mit aktuellen und ehemaligen Beschäftigten, dem Jobcenter und ver.di gesprochen und dabei neben Lob auch viel Kritik gehört.

Modernstes Logistikzentrum der Firma auf der Fläche von sieben Fußballfeldern

„DTM2“ ist das firmeninterne Kürzel des Standorts auf der Westfalenhütte. Die Zentren bekommen immer das Kürzel des nächstgelegenen internationalen Flughafens. „DTM1“ steht allerdings in Werne – an einem weiteren Standort innerhalb der Stadtgrenzen Dortmunds hatte damals niemand gedacht.

Es ist ein beeindruckender – mancher sagt auch erschreckend großer – Firmenkomplex nach US-Vorbild. 50.000 Quadratmeter groß ist das Logistikzentrum. Damit hat es die Fläche von sieben Fußballfeldern. 27 Millionen Euro hat der Online-Versandhandels-Konzern bisher in das erste „Inbound Crossdock Center“ in Europa investiert. Im Klartext: Der Dortmunder Standort nimmt eine zentrale Funktion im europäischen Logistiknetzwerk ein.

Hier werden zentral angelieferte Waren an europäische Logistikzentren umverteilt und Warenströme gebündelt. Auf der Westfalenhütte steht also eine zentrale Verteilerkappe. Früher haben Händler an die einzelnen Zentren geliefert. Mittlerweile gibt es eine zentrale Anlaufstelle. Daher werden von hier aus, anders als bei den beiden anderen NRW-Logstikzentren in Rheinberg und Werne, keine Endkunden beliefert.

Weihnachtsgeschäft: In Dortmund werden über zehn Millionen Artikel pro Woche (!) verteilt

Von der Westfalenhütte aus sollen im jetzt anlaufenden Weihnachtsgeschäft mehr als zehn Millionen Artikel pro Woche (!) verteilt werden – mehr als doppelt so viele wie im vergangenen Jahr.  „Wir sind ein kleines Start-Up und machen was mit dem Internet“, stapelt Standort-Leiter Lars Krause bewusst tief.

Lächelnd erinnert er damit an die Gründung des Unternehmens vor 24 Jahren, als Jezz Bezos mit vier Mitstreitern die Firma in seiner Garage in Seattle gründete. Heute hat das einstige Start-Up eine halbe Million Beschäftigte und 300 Millionen aktive KundInnen. Und Bezos ist mit rund 150 Milliarden US-Dollar Vermögen der reichste Mann der Welt. In Deutschland hat das Unternehmen bereits 12.000 fest angestellte Beschäftigte. Seit dem Jahr 2010 wurden allein in Deutschland von dem US-Giganten zehn Milliarden Euro in die Infrastruktur investiert.

Beeindruckende Zahlen – keine Frage. Daher ist der Global Player in jeder Stadt willkommen. Auch in Dortmund wurde dem Unternehmen der „rote Teppich“ ausgerollt. Die Stadt hat sich zu einem der wichtigsten Logistikstandorte der Republik entwickelt – dem Ansiedlungserfolg von IKEA und seinem Europa-Zentrallager sei Dank. Damit wurde eine ganze Reihe neuer Ansiedlungen eingeleitet.

Amazon wurde vom Jobcenter Dortmund als „Chancengeber“ ausgezeichnet

Mit stolz geschwellter Brust weist Krause auf die Beschäftigtenzahlen hin. 18.000 Beschäftigte habe das Unternehmen in Deutschland – 75 Prozent seien unbefristet beschäftigt. Hinzu kämen noch tausende Saisonkräfte, die ebenfalls direkt bei Amazon angestellt würden. In Dortmund sind 1650 Menschen fest angestellt. Im Weihnachtsgeschäft arbeiten auf der Westfalenhütte bei Amazon rund 2000 Menschen.

„Zur Eröffnung 2017 haben 1150 Kundinnen und Kunden des Jobcenters Dortmund eine Beschäftigung bei Amazon auf der Westfalenhütte aufgenommen. Knapp 70 Prozent (814) der vermittelten Personen sind auch über den Jahreswechsel 2018 – also über das Weihnachtsgeschäft hinaus – übernommen worden“, berichtet Vitalia Seidel vom Jobcenter auf Nachfrage der Nordstadtblogger. 

„Im Laufe dieses Jahres haben weitere 416 unserer Kundinnen und Kunden des Jobcenters Dortmund bei Amazon angefangen.“ Grund genug, dass Amazon als „Chancengeber“ ausgezeichnet wurde: Die Initiative „Arbeit in Dortmund“ verlieh insgesamt neun Betrieben einen Preis für ihr besonderes Engagement für Langzeitarbeitslose.

An der Bezahlung und Eingruppierung scheiden sich die Geister

Die Beschäftigten würden gut bezahlt: Mit einem Einstiegslohn von 11,27 Euro brutto im Grundlohn (13,43 Euro nach 24 Monaten), dazu leistungsbezogene Boni und Sonderzahlungen kämen die un- und angelernten Kräfte nach 14 Tagen Einarbeitung auf bis zu 2509 Euro brutto monatlich, rechnet Krause vor. „Da müssen wir uns nicht verstecken. Viele Mittelständler können das nicht bieten“, betont Standortleiter Lars Krause.

Doch genau an der Bezahlung scheiden sich die Geister. Denn Amazon zahlt keinen Tarif und orientiert sich an den ortsüblichen Tarifen in der Logistikbranche. „Sie zahlen nur so viel, wie sie auch zahlen wollen. Es gibt keine Mitbestimmung oder Tarifverträge“ verdeutlicht Gewerkschaftssekretär Karsten Rupprecht, bei ver.di Westfalen für den Fachbereich Handel zuständig. 

„Wir wollen den Tarif des Einzel- und Versandhandels bei Amazon durchsetzen. Denn wir betrachten ein Unternehmen danach, wo es sein Geld verdient. Und Amazon verdient sein Geld mit dem Kaufen und Verkaufen von Waren“, betont Rupprecht.  Auch vor Amazon habe es große Versandhändler gegeben – Otto, Quelle, Neckermann. Auch da habe man auf die Eingruppierung gedrängt.

ver.di begrüßt die Arbeitsplätze, kritisiert aber die Zustände und Bezahlung

Amazon selbst sieht sich – zumindest in Deutschland – als Logistiker. „Aber Logistiker verdienen ihr Geld mit dem Transport von Waren und nicht mit deren Verkauf. Und ein Logistiker ist auch kein Konkurrent des stationären Einzelhandels“, macht der Gewerkschafter deutlich. 

Daher sei das Unternehmen als Einzel- und Versandhändler einzustufen und daher diese Tarife zugrunde zu legen. „Wir sollten einen Blick darauf haben, dass Händler einheitlich Tarife anwenden.“ In den USA besteht Amazon übrigens darauf, ein Einzelhändler zu sein – dort kämen sie die Logistiktarifverträge teurer.

Damit kein falscher Zungenschlag in die Diskussion kommt: „Wir sind froh, dass wir die Arbeitsplätze in Dortmund haben. Aber wir haben einen Blick darauf, dass es gute anständige Arbeitsplätze werden müssen“, unterstreicht Rupprecht. Seine Betonung liegt auf dem „werden“. Denn noch sieht die Dienstleistungsgewerkschaft viele Probleme im Handeln des Online-Giganten. 

Das Unternehmen unterstützte die Gründung des Betriebsrates

Anders als beispielsweise in den Amazon-Logistikzentren Werne und Rheinberg wurden die DortmunderInnen noch nicht zum Streiken aufgefordert. „Wir müssen die Leute schützen. Denn bisher sind erst 20 Prozent der Beschäftigten entfristet“, zeigt der ver.di-Sekretär die Gefahren eines Streiks auf. Gleiches galt und gilt übrigens für die Betriebsratswahl. Die hat es bereits im Sommer 2018 gegeben. 

„Sie wurden beworben vom Unternehmen. Das zeigt uns, dass sie langsam unsere Kultur der Mitbestimmung verstehen und dass der Druck auch Früchte trägt“, so Rupprecht.  Doch ver.di kamen sie eigentlich zu früh: „Wir müssen die Menschen ja schützen und werden sie nicht verheizen, weil wir befürchten, wenn Menschen aktiv für Interessen kämpfen, dass es mit der Entfristung der Arbeitsverträge Probleme geben könnte.“

Denn ein Betriebsrat kann zwar nicht gekündigt werden. Doch ein Betriebsratsmandat schützt nicht davor, dass ein Zeitvertrag ausläuft. „Wir hatten befürchtet, dass bei einer Wahl dort Menschen aus dem Management die Wahl beeinflussen und anschließend arbeitgebernahe Menschen im Betriebsrat sitzen, was ich noch schwieriger finde als gar keinen Betriebsrat“, so Rupprecht. „Ich unterstütze das Gremium und versuche, die Betriebsratsarbeit mit aufzubauen und sie zu stärken.“

Betriebsrat: „Auf den Sklaventreiber mit der Peitsche warte ich noch immer“

Osman Oezkan (41) ist Vorsitzender des 17 Mitglieder zählenden Betriebsrats.

Osman Oezkan (41) ist Vorsitzender des 17 Mitglieder zählenden Betriebsrats. Der 41-Jährige kam nach der Selbstständigkeit über den Jobcenter zu Amazon. „Wir sind bisher in einem guten Dialog und haben noch keinen Grund gesehen, zu streiken. Ich habe das Unternehmen bisher als human erlebt“, betont Oezkan. 

Auch die beiden anderen Betriebsräte, die den Rundgang mit der Presse begleiten, verweisen nicht ohne Stolz auf ihren erfolgreichen beruflichen Werdegang beim Online-Giganten. Ozan Cicek (24) hatte eigentlich Hotelfachmann gelernt. 2014 fing er im Versand in Werne an und arbeitet mittlerweile als Trainer im „Learning-Team“. Zuvor hatte er als „Instructor“ für neue Beschäftigte und im „Hiring-Team“ (die für die Neueinstellung zuständige Personalabteilung) gearbeitet. Vorgesetzte hatten ihn jeweils für die neuen Jobs vorgeschlagen. 

Jasna Rethmann (31) war wegen des Studiums nach Dortmund gekommen und auch nach ihrem Abschluss an der TU im Bereich Logistik in Dortmund geblieben. 2015 fing sie bei Amazon in Herne an und arbeitete sich hoch. Dort leitete sie ein Team mit 160 Beschäftigten. Seit 2017 ist sie Operations Managerin in Dortmund. 

Oezkan wie auch seine BetriebsratskollegInnen räumen ein, dass sie selbst auch massive Vorbehalte gegen das Unternehmen hatten. Der Ruf sei schlechter als die Wirklichkeit. „Auf den Sklaventreiber mit der Peitsche warte ich noch immer“, sagt der Betriebsratsvorsitzende lachend. Allerdings sehen das nicht alle Beschäftigten so. Wie die Probleme aussehen und welche Themen den Betriebsrat beschäftigen könnten, zeigt der Blick nach Werne und Rheinberg, wo es Amazon schon deutlich länger gibt.

Kritik am Bonussystem: Wird hier Druck auf kranke Beschäftigte ausgeübt?

Tragen bei Amazon dieselbe „Uniform-Farbe“: Standortleiter und Betriebsratsvorsitzender.

„Das System Amazon ist ein großes Problem. Der Umgang mit den Beschäftigten und deren fehlende Wertschätzungen, die Bezahlung und die Arbeitssicherheit sind die Themen, die die Menschen dort bewegen. Das hat damit zu tun, dass der einzelne Mensch als solches nicht wirklich eine Bedeutung hat. Er muss als Teil der Maschine Amazon funktionieren“, skizziert Rupprecht und steht damit im direkten Gegensatz zu den Versprechungen der Firmenphilosophie.

Ein Kritikpunkt ist dabei auch das Bonusprinzip: Neben dem Brutto-Lohn gibt es bis zu zehn Prozentpunkte Bonus: Zwei Prozent für Effizienz, zwei Prozent für Qualität und sechs Prozent für Anwesenheit. Sprich: Wer zu lange krank ist, könnte seinen Bonus verlieren. Und nicht nur er oder sie persönlich: Bewertet werden immer Teams. 

Die Sorge: Die KollegInnen könnten Druck auf kranke Beschäftigte machen, trotzdem zur Arbeit zu kommen, um dem Team den Bonus „nicht zu versauen“. Eine Gefahr, die der Betriebsrat nicht sieht und die das Unternehmen bestreitet. Druck werde nicht ausgeübt. Im Gegenteil: „Die Kollegen unterstützen sich auch bei Krankheit“, versichert Betriebsrat Osman Oezkan. 

„Wir brauchten ein Anreizsystem. Das hat aber nichts mit Druck auf Kranke zu tun. Solche Quoten gibt es in allen DAX-Unternehmen“, betont Standortleiter Krause. Amazon tue viel für die Gesundheit der Beschäftigten, zum Beispiel mit Mobilitätskursen, Gesundheitstagen, Arbeitstechnik-Training oder kostenlosem Obst. Außerdem beschäftigt Dortmund von Anfang an eine Physiotherapeutin in Vollzeit, betont Krause.

Unterschiedliche Sichtweisen: Niederschwellig ansprechbar oder Überwachung?

Die Anlaufstelle der Personalabteilung („HR – Human Resources“) ist direkt in der Halle.

„Vom Packer brauchen sie nur die Hände, weil die Arbeit noch nicht von Maschinen übernommen werden können. In Werne werden die Menschen andauernd zu anderen Arbeitsplätzen verschoben. Sie sind austauschbar. Man untersagt ihnen, miteinander zu reden. Diese Tendenzen sind auch in Dortmund erkennbar“, sagt der Gewerkschafter mit Blick auf ausgesprochene Abmahnungen. 

Auch Überwachung ist ein großes Thema. Standortleiter Lars Krause wird nicht müde, die niederschwelligen Strukturen zu preisen. Das Unternehmen gibt sich als kollegial – „Frage mich“ steht auf seiner Weste. Die Personalabteilung (HR – Human Resources – alle Bezeichnungen sind einheitlich auf englisch) befindet sich direkt in der Eingangshalle. Auch viele Vorarbeiter und Leitungskräfte haben offene Arbeitsplätze in der Halle. Sie seien jederzeit ansprechbar. „Wir wollen keine Hürden aufbauen“, betont Krause.

Gewerkschafter und kritische Betriebsräte sehen das naturgemäß anders. Sie sehen das als einen Baustein im Kontrollsystem. „Die Management-Arbeitsplätze stehen quer zu den Produktionslinien. Die Beschäftigten sind permanent im Blick der Vorgesetzten. Das macht was mit den Menschen“, zeigt Rupprecht die andere Seite der Medaille auf.

ver.di übt Kritik an der US-amerikanischen Unternehmenskultur

Bei Amazon gibt’s viele Überwachungsmechanismen – u.a. Metalldetektoren am Ausgang.

Auch die „Uniformen“ kritisiert er. Nicht an Arbeitskleidung als solches stößt er sich. Es geht um die Uniformierung der Belegschaft und die damit verbundenen Hierarchien. Auf den ersten Blick ist erkennbar, zu welchem Bereich der Beschäftigte gehört und welche Funktion er hat.

Farblich sofort erkennbar sind auch Vorgesetzte – der Betriebsratsvorsitzende trägt dieselben Farben wie der Standortleiter. Auch Berufsanfänger sind sofort erkennbar an ihren Westen. „Welpenschutz“ nennt Krause das. 

„Schizophren“ nennt das ver.di. Denn auf der einen Seite werde der Teamgedanke beschworen. Auf der anderen Seite zähle der einzelne Beschäftigte nichts. Das passe zu der Uniformierung.

„In der amerikanischen Arbeitswelt ist das ein Teil der Kultur. Bei uns aber nicht. Wir kennen und leben das nicht und wollen es auch nicht akzeptieren – es soll sich ändern“, macht der für den Handel zuständige Gewerkschaftssekretär deutlich.

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4 Gedanken über “Zu Besuch beim Online-Riesen: Ein Jahr Amazon in Dortmund – ein Ansiedlungserfolg mit Licht und Schatten

  1. ver.di NRW

    Kampf für faire Bezahlung – ver.di streikt bei Amazon in Werne

    Am heutigen Freitag ruft die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) die Beschäftigten bei Amazon am Standort Werne dazu auf die Arbeit niederzulegen. Bis zum morgigen Samstag wird der Arbeitskampf fortgeführt. Die Beschäftigten streiken weiterhin für eine Bezahlung nach den Tarifverträgen des Einzelhandels.

    In den letzten Wochen hat sich dabei erneut gezeigt, dass Amazon im Kampf gegen die Tarifbindung vor keinem Mittel zurückschreckt. „Es wurden Ausbildungsvideos für Amazon-Manager geleakt, in denen Gewerkschafter als ‚lügende Ratten‘ bezeichnet wurden. Dies macht deutlich, dass die Unternehmenskultur bei Amazon nach wie vor stark gewerkschaftsfeindlich ist. Dabei vergessen die Geschäftsführer, dass die vielen Gewerkschaftsmitglieder bei ihnen in den Lagern damit ausgegrenzt werden. Dies wollen die Kolleginnen und Kollegen nicht hinnehmen“, so die Landesfachbereichsleiterin für den Handel bei ver.di in NRW, Silke Zimmer.

    „Solange sich Amazon nicht mit uns an einen Tisch setzt, um einen Tarifvertrag zu unterzeichnen, werden wir weiterhin gezwungen sein bei dem Online-Riesen zu streiken“, so Zimmer weiter.

    ver.di kämpft in NRW seit ca. vier Jahren um eine Tarifbindung für die Beschäftigten bei Amazon.

  2. ver.di NRW (Pressemitteilung)

    Streik bei Amazon in Rheinberg – ver.di kündigt Aktion am Black Friday an

    Am heutigen Freitag (23. November) ruft die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) die Beschäftigten des Online-Händlers am Standort Rheinberg dazu auf, die Arbeit niederzulegen. ver.di kämpft bei Amazon dafür, dass die Tarifverträge des Einzelhandels durchgesetzt werden. Der Streik wird bis zum morgigen Samstag fortgesetzt.

    An diesem Freitag findet bei Amazon der sogenannte Black Friday statt. Nach Auffassung von Silke Zimmer, Landesbezirksfachbereichsleiterin Handel NRW, geht diese Rabattaktion von Amazon einseitig zu Lasten der Beschäftigten: „Die Beschäftigten müssen derzeit sowohl die Regale für das Weihnachtsgeschäft auffüllen als auch tausende Black Friday-Angebote verschicken. Da fallen viele Überstunden an, die deutlich schlechter vergütet werden als dies bei tarifgebundenen Unternehmen der Fall ist. Gerade hier ist der Stress besonders hoch und wird der fehlende Tarifvertrag besonders deutlich. Dies müssen die Beschäftigten dem Online-Riesen leider auch nach vier Jahren Streik immer noch deutlich machen und deshalb werden die Arbeitskampfmaßnahmen heute und morgen fortgesetzt.“

    Erfreut zeigt sich Zimmer über den Rückenwind vom Bundesarbeitsgericht aus Erfurt für den Streik bei Amazon. Dort wurde am Dienstag geurteilt, dass ein Streik auf dem Firmengelände unter bestimmten Umständen möglich ist: „Das Streikrecht hat Vorrang gegenüber dem Besitzrecht. Das hat das BAG eindeutig festgestellt“, so Zimmer. „Damit können wir unsere Informationsrechte im Streik zukünftig besser nutzen und die Beschäftigten auch auf den Parkplätzen über den Streik und unsere Argumente
    aufklären.“

  3. ver.di NRW

    ver.di streikt erneut bei Amazon in Werne

    Am heutigen Montag ruft die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) die Beschäftigten bei Amazon am Standort Werne dazu auf, die Arbeit niederzulegen. Bis zum morgigen Dienstag wird der Arbeitskampf fortgeführt. Die Beschäftigten streiken weiterhin für eine Bezahlung nach den Tarifverträgen des Einzelhandels.

    Für die Landesbezirksfachbereichsleiterin für den Handel in NRW, Silke Zimmer, sind die Streiks gerade aufgrund des zunehmenden Stress in der Weihnachtszeit folgerichtig. „Amazon setzt darauf, dass die Beschäftigten in der Weihnachtszeit klaglos die Mehrbelastung und auch Überstunden in Kauf nehmen. Die im Tarifvertrag vorgesehenen Mehrarbeitszuschläge will das Unternehmen aber nicht bezahlen. Daher ist der Streik die Konsequenz aus der Verweigerungshaltung des Unternehmens.“

    Für Zimmer zeigt die Haltung von Amazon gegenüber gewerkschaftlichen Einfluss im Unternehmen, dass die Streiks Wirkung haben. „Amazon hat bereits zwölf Eil- und Klageverfahren angestrengt, um zu verhindern, dass ver.di die Amazon-Beschäftigten im Streik ansprechen und informieren kann. Diese Kosten würde das Unternehmen nicht in Kauf nehmen, wenn es keine Angst vor starken Gewerkschaften hätte.“ so Zimmer weiter.

    Für den in Werne zuständigen Gewerkschaftssekretär, Karsten Rupprecht, geht es bei den Streiks auch um die Würde der Kolleginnen und Kollegen: „Derzeit wird durch die Geschäftsführung wieder extrem viel Unruhe in das Unternehmen getragen. Streikende werden unter Druck gesetzt, sich nicht an den Arbeitskämpfen zu beteiligen. Doch für die Beschäftigten geht es darum ihre Rechte zu erkämpfen. Dafür haben sie höchsten Respekt und keine Ausgrenzung verdient.“

  4. ver.di NRW

    ver.di setzt Streiks bei Amazon in Werne fort

    Am heutigen Samstag ruft die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) die Beschäftigten bei Amazon am Standort Werne dazu auf die Arbeit niederzulegen. Die Gewerkschaft hatte die Beschäftigten an diesem Standort bereits am Montag und Dienstag zum Arbeitskampf auf-gerufen.

    Für die Landesbezirksfachbereichsleiterin für den Handel in NRW, Silke Zimmer, ist die Fortsetzung des Streiks bei Amazon ein ermutigendes Signal: „Amazon setzt die Beschäftigten derzeit wieder massiv unter Druck und versucht krankheitsbedingte Kündigungen auszusprechen. Und das obwohl es ja gerade die Arbeitsbedingungen bei dem Online-Riesen sind, die dazu führen, dass die Kolleginnen und Kollegen krank werden. Dort wo es aufgrund dieser Kündigungen zu gerichtlichen Auseinandersetzungen gekommen ist, hat Amazon aber kein Er-folg gehabt. Dies zeigt, dass diese Kündigungen vor allem den Zweck haben, die Beschäftigten einzuschüchtern, Dass die Kolleginnen und Kollegen in dieser Situation den Mut aufbringen den Streik weiter fortzusetzen, ist beeindruckend.“

    Für den in Werne zuständigen Gewerkschaftssekretär, Karsten Rupprecht, Waren die Streiks am Montag und Dienstag ein voller Erfolg: „Die Kolleginnen und Kollegen sind am Montag aus dem laufenden Betrieb in den Streik getreten. Damit haben sie die Abläufe im Lager mitten in der Schicht völlig durcheinander gebracht. Dies zeigt einerseits, welchen Mut die Streikenden haben und andererseits, dass die Streiks eine Wirkung entfalten, die Amazon nicht weiter ignorieren sollte.“

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