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Stabilität, aber kein Wachstum – Wie wirkt sich die Coronakrise auf den Ausbildungsmarkt in Dortmund aus?

Ausbildung Kfz-Handwerk - Foto: NejroN/ 123rf/ HWKDO

Das Kfz-Handwerk erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit bei den Bewerber*innen. Die Handelskammer beobachtet hier einen erfreulichen Zuwachs auch an weiblichen Azubis. Foto: HWKDO

Von Nora Lemjimer

Der Ausbildungsmarkt 2019/20 ist in die zweite Halbzeit gestartet: Bis zum ersten großen Starttermin im August sind es noch rund drei Monate. „In diesen außergewöhnlichen Zeiten raten wir dennoch allen Jugendlichen, die in diesem Jahr ihren Schulabschluss machen, trotz Corona-Krisenmodus ihre beruflichen Perspektive nicht aus den Augen zu verlieren und sich mit der Ausbildungsplatzsuche oder Studienwahl weiter zu beschäftigen“. Abwarten und den Kopf in den Sand stecken sei die falsche Reaktion, sagt Arbeitsagenturchefin Heike Bettermann .

Neues Ausbildungsjahr beginnt ab August – bisher keine Verschiebung des Starts geplant

Ausbildung - Ausbildungsverträge - Foto slasny/ 123RF/ HWKDO

Ausbildungsverträge – wenn geschlossen, können sie in ihrer Form nicht mehr abgeändert werden. Foto: HWKDO

Auch in diesem Jahr wird der Unterricht für Azubis aller Voraussicht nach im Zeitraum von August bis September starten. Verschoben wird der Beginn des neuen Ausbildungsjahres bis dato nicht. ___STEADY_PAYWALL___

Ein Vertrag könne zu jedem Zeitpunkt im Jahr abgeschlossen werden, die Frage sei viel eher, ob man es sich selber zutraut, den bisher versäumten Stoff eigenständig nachzuholen, erklärt Gero Brandenburg, Kommunikationsleiter der IHK.

Ein Vertrag – einmal geschlossen – könne in seiner Rahmenstruktur auch in Zeiten der Krise nicht abgeändert werden, aus diesem Grund ist positiv zu vermerken, dass Azubis im Normalfall nicht in Kurzarbeit treten müssen. Die IHK verzeichnet derzeitig für das laufende Ausbildungsjahr 12.500 Ausbildungsverhältnisse im gesamten Kammerbezirk.

Zum Kammerbezirk gehören Dortmund und Hamm sowie aus den Kommunen des Kreises Unna, Bergkamen, Bönen, Fröndenberg, Holzwickede, Kamen, Lünen, Schwerte, Selm, Unna und Werne. Des Weiteren positiv zu vermerken sei, laut Gero Brandenburg auch, dass bald mehr als 50 Prozent dieser laufenden Ausbildungsverträge in Dortmund registriert sind.

Vorurteil: eine Ausbildung sei nichts für ambitionierte Leute – das Gegenteil trifft zu!

Eine Berufsausbildung ist der Einstieg in ein erfolgreiches Berufsleben. Foto:

Eine Berufsausbildung kann ein Einstieg in ein erfolgreiches Berufsleben sein.

Und all das sei, „entgegen dem demografischen Wandel“ und angesichts der Tatsache, dass es bedeutend weniger Schulabbrecher*innen gibt,  bemerkenswert. Momentan schließt ein Drittel der Studienanfänger*innen das ausgewählte Studium nicht ab: „ Um genau diese Studienabbrecher bemühen sich Unternehmen“, so Brandenburg.

Der Ausbildungsmarkt bleibe trotzdem stabil – 2019 verzeichnet die IHK zu Dortmund im Kammerbezirk über 5.000 neue Ausbildungsverhältnisse, davon rund 2.900 in Dortmund; dies liegt in etwa auf dem Niveau des Vorjahres.

Das Vorurteil, „Ausbildungen seien nichts für ambitionierte, junge Leute“, habe seinen Schlag weg, so Brandenburg. Dem stimmt auch IHK-Geschäftsführer für Berufliche Bildung, Michael Ifland, zu und erklärt, die berufliche Ausbildung würde wieder öfter als „attraktiver“ Einstieg ins Berufsleben gesehen und wertgeschätzt – als Initiator dieser positiven Tendenz gelte die Form des Dualen Studiums.

Auswahlprozesse ruhen derzeitig bei vielen Unternehmen – Wachstum stagniert durch Krise

Viele Unternehmen haben in der Vergangenheit durch verschiedene Informationsveranstaltungen oder Projekte wie das „Azubi-Speed-Dating“, bei dem Schüler*innen sich vorstellen und Unternehmen in der Kürze von zehn Minuten von sich zu überzeugen, für sich geworben. „Unsere Unternehmen wissen, dass Ausbildungen einen sehr wichtigen Faktor bei der Fachkräftesicherung sind. Dennoch ist diese Entwicklung kein Selbstläufer, der Wirtschaft fällt es nach wie vor schwer, alle offenen Ausbildungsplätze zu besetzen“, erklärt Ifland.

Michael Ifland ist Geschäftsführer Berufliche Bildung der IHK Dortmund.

Michael Ifland ist Geschäftsführer Berufliche Bildung der IHK Dortmund. Foto: Alex Völkel/Archiv

Auswahlprozesse ruhen derzeitig bei vielen Unternehmen. Insbesondere kleine Unternehmen tun sich schwer, digitale Auswahlverfahren aufgrund der Kontaktbeschränkungen umzusetzen. Auch Tobias Schmidt, Abteilungsleitung Ausbildungsberatung bei der Handwerkskammer, bedauert: „Wir werden 2020 im Rahmen von Corona das Wachstum nicht weiter fortführen können. “

Zwar gebe es ein kontinuierliche Wachstum – die Handwerkskammer vermittelte letztes Jahr 3.915 neue Ausbildungsplätze, davon 3.787 betrieblich. Jedoch können auch hier Berater*innen ihre Arbeit nicht mehr so vollziehen wie vor Corona: es können keine betrieblichen Praktika mehr durchgeführt werden und die Vermittlung der Schüler*innen an die Betriebe gestalte sich auch bedeutend schwieriger. Der Bedarf an ausgebildeten Fachkräften steigt überall vernehmlich, die derzeitig begrenzten Vermittlungsoptionen werden demnach einschneidende Konsequenzen mit sich bringen.

Heike Bettermann, Chefin der Dortmunder Arbeitsagentur erzählt , dass Unternehmen ihre Nachwuchsgewinnung nicht ganz eingestellt haben. Berater*innen können zwar keine face-to-face Vermittlungen und Gespräche durchführen, dieses Aufgabenfeld habe sich aber größtenteils ins Digitale verlagert – per Mail oder Telefon sollen Fragen noch immer beantwortet und Hilfestellung geleistet werden.

Top 10 der gefragtesten Ausbildungsplätze – keine schulischen Voraussetzungen für eine Ausbildung nötig

Ausbildungsbewerber*innen müssen heutzutage keine besonderen schulischen Grundvoraussetzungen erfüllen: es sei Aufgabe der Ausbildungsbetriebe selber, individuell an den Betrieb angepasste, bestimmte Charakterqualitäten und Fähigkeiten als vorausgesetzt zu bestimmen.

Der Hauptsitz der Arbeitsagentur Dortmund in der Steinstraße. Foto: Alex Völkel/Archiv

„Einerseits sollten die jungen Menschen die gewünschten auch gesetzlich geforderten schulischen Voraussetzungen mitbringen, um die Anforderungen in der Ausbildung bewältigen zu können.“

Dazu reiche oft ein guter Abschluss einer zehnten Klasse, den viele Jugendliche mit weiteren Schuljahren erweitern“ – dies ist in diesem Fall aber kein Muss. „Andererseits wird Wert auf die sogenannten Soft-Skills gelegt, um in das jeweilige Unternehmen zu passen. Eine ausgeprägte eigene Motivation, gut erkennbares Interesse für das angestrebte Berufsziel helfen immer, bei einem zukünftigen Arbeitgeber zu punkten“, erklärt Sibylle Hünnemeyer, Pressesprecherin der Arbeitsagentur.

Die Top-Ten der gefragtesten Ausbildungsplätze, für die Bewerber*innen bis zum Berichtsjahresende 2019 ihren Ausbildungswunsch ausgesprochen haben, in Rangreihenfolge: Medizinische*r Fachangestellte*r, Kaufmann oder Kauffrau Büromanagement, Kaufmann oder Kauffrau im Einzelhandel, Automobilkaufmann oder -frau, Kfz-Mechatroniker*in, Fachkraft für Schutz und Sicherheit, Verkäufer*in, Friseur*in, Elektroniker*in für Energie-/Gebäudetechnik, Chemielaborant*in.

Berufsbilder und Ausbildungen ändern sich: damit kommt auch eine höhere weibliche Beteiligung

Im Bewerbungsverhalten ließe sich ein genereller Zuwachs an Frauen in nahezu allen Bereichen feststellen. Tobias Schmidt, Abteilungsleiter der Ausbildungsberatung bei der Handwerkskammer, erklärt, dass die weibliche Beteiligung in allen Gewerken zunehme. Bereiche, die er als „männerdominiert“ bezeichnen würde, verändern sich in ihren Berufsbildern und Formen, sodass es zwar in absoluten Zahlen im handwerklichen Bereich eine fast vier mal so hohe Männerbeteiligung gibt.

Tobias Schmidt ist Leiter der Ausbildungsberatung bei der HWK Dortmund. Foto: HWK/Archiv

Bei einer Gesamtzahl von 10.444 Arbeitsverträgen im Kammerbezirk gibt es mittlerweile jedoch eine weibliche Beteiligung von 16,52 Prozent. Vor allem in Berufsbereichen wie Kfz-Mechatroniker*in – gehört nach wie vor unter die Top-Ten der Ausbildungsplatzwünsche der Bewerber*innen – Maler*in und Lackierer*in, sei der Anteil an weiblichen Azubis gestiegen.

„Wenn die Anforderungen des jeweiligen Berufes erfüllt werden, können in allen Berufen sowohl junge Männer als auch junge Frauen ausgebildet werden und erfolgreich sein. Es streben dennoch beide Geschlechter zum Teil immer noch in Berufe, die von traditionellen Männer- und Frauenbildern und einer konservativen Rollenverteilung in der Familie geprägt sind – zum Beispiel Erzieherin, IT Fachinformatiker“, erklärt Sibylle Hünnemeyer. Die Veränderungen in der Geschlechterverteilung seien dabei zwar noch graduell, aber es gebe sie.

Bestimmte Entscheidungsmuster für oder gegen eine Ausbildung ließen sich im gewissen Maße feststellen: „Menschen suchen Sinnhaftigkeit in ihrem Beruf“, erklärt Gero Brandenburg. So lässt sich erklären, dass das Angebot größtenteils die Nachfrage abdeckt. Die Tendenz sei steigend für Berufe, die auch wirklich benötigt werden – als Beispiel dafür nennt er den Ausbildungsgang der Kaufleute für Büromanagement.

Realistische Ausbildungswünsche – Nachfrage und Angebot decken sich 

„Mach MINT“ soll junge Frauen für die MINT-Berufe begeistern. Foto: Arbeitsagentur

„Mach MINT“ soll junge Frauen für die MINT-Berufe begeistern. Foto: Arbeitsagentur . Foto: Arbeitsagentur

„In den meisten Fällen orientieren sie sich dann recht realistisch an den Möglichkeiten des Ausbildungsmarktes, das heißt, es gibt hohe Bewerberzahlen in häufig angebotenen Ausbildungsberufen, während bei seltenen Ausbildungsberufen, die insofern weniger bekannt sind, Bewerber*innen oftmals fehlen“, so Sibylle Hünnemeyer.

Die individuelle Entscheidung für oder gegen einen Beruf hängt neben dem wichtigen Thema des Tätigkeitsinhalts auch von Faktoren wie Bezahlung, das gesellschaftliche Image eines Berufs, die Arbeitsbedingungen – besonders abstoßend scheinen Schichtberufe zu sein -, und Aufstiegsmöglichkeiten ab, aber gleichermaßen auch von schwer fassbaren emotionalen Abneigungen oder Vorlieben, die vom Freundeskreis oder Bewertungen erwachsener Bezugspersonen geprägt sein können.

Berufsbereiche, in denen die Ansprechpartner*innen bisher noch ungenutztes Potenzial sehen – die Nachfrage ist niedrig, der Job aber in Zukunft von höherer Relevanz – sind vor allem die Berufe im IT- und MINT-Bereich: Bei den sogenannten MINT-Berufen (Mathematik, Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaft und Technik) sei das Interesse „nicht so ausgeprägt, wie diese es in ihrer Relevanz für die Arbeitswelt brauchen würden: insbesondere in den Ausbildungsberufen im Bereich der IT und in technischen, handwerklichen Berufen gibt es großen Bedarf, aber wenig Bewerber*innen.“, so Sibylle Hünnemeyer.

Expertinnen und Experten beantworten online Fragen 

Um jungen Menschen ihre Sorgen und Befürchtungen in der Krisenzeit zu nehmen, hat die Stadt Dortmund ein online-Beratungsangebot auf die Beine gestellt. Expert*innen antworten hier auf die Fragen, die den Schüler*innen und Bewerber*innen unter den Nägeln brennen.

Welche Folgen hat Corona auf den Ausbildungsmarkt? Werden die Unternehmen noch genügend Ausbildungsplätze anbieten können? Was passiert, wenn der bereits geschlossene Ausbildungsvertrag aufgelöst wird? Finden Prüfungen in der Schule statt?

Die Vorsitzenden des „Beirats zum Übergang von der Schule in die Arbeitswelt“ stehen als Expertinnen und Experten auf dem Social-Media-Kanal „Dortmund at work“ im Live-Interview zur Verfügung. Das Regionale Bildungsbüro im Fachbereich Schule unterstützt mit der Social-Media-Kampagne „Dortmundatwork“ Jugendliche bei der Berufs- und Studienorientierung durch authentische Video-Einblicke in Betriebe und Hochschulen auf Instagram, Facebook oder auch Youtube. Alle Links finden Sie im Anhang des Artikels.

Zur Verfügung stehen folgende Expertinnen und Experten:

  • 19.05.2020, 19 Uhr – Daniela Schneckenburger, Dezernentin für Schule, Jugend und Familie
  • 20.05.2020, 18 Uhr – Heike Bettermann, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit
  • 25.05.2020, 18 Uhr – Michael Ifland, Leiter Berufliche Bildung der IHK zu Dortmund
  • 28.05.2020, 18 Uhr – Holger Nolte, Schulaufsicht im Schulamt der Stadt Dortmund

Fragen können gerne schon vorab an das „Dortmund at work“-Team im Regionalen Bildungsbüro im Fachbereich Schule geschickt werden: info@dortmundatwork.de. So können häufig gestellte Fragen gesammelt und von den Expertinnen und Experten ausführlich beantwortet werden. Das geplante Programm und die jeweilige Live-Schaltung sind zu finden unter www.instagram.com/dortmundatwork

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Weitere Informationen:
  • Dortmund at Work auf Facebook: hier
  • Dortmund at Work auf YouTube: hier
  • Beratung und Infos zur Ausbildung in den MINT-Berufen insbesondere für weibliche Bewerber*innen: www.mint.arbeitsagentur.de

Mehr zum Thema bei nordstadtblogger.de:

Interview mit HWK-Abteilungsleiter: Was ist gegen den Fachkräftemangel im Handwerk zu tun, Herr Schmidt?

Arbeitsmarkt im April: Rasanter Anstieg der Arbeitslosigkeit in Dortmund trotz massiver Zunahme an Kurzarbeit

 

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2 Gedanken über “Stabilität, aber kein Wachstum – Wie wirkt sich die Coronakrise auf den Ausbildungsmarkt in Dortmund aus?

  1. Digitalisierungsschub durch Corona: Offene Ausbildungsstellen in IT-Berufen bei Materna (PM)

    Offene Ausbildungsstellen in IT-Berufen bei Materna –
    IT-Karriere lohnt sich – Digitalisierungsschub durch Corona

    Die Corona-Pandemie hat für einen ordentlichen Digitalisierungsschub gesorgt. In vielen Branchen mussten Mitarbeiter in Windeseile mit digitalen Arbeitsplätzen ausgestattet werden und ins Homeoffice umziehen. All dies ist nur mit dem passenden IT-Know-how möglich, wie es die Ausbildung in IT-Berufen vermittelt. Das IT-Unternehmen Materna Information & Communications SE gehört zu den größten IT-Ausbildungsunternehmen am Standort. Für das aktuelle Ausbildungsjahr sucht Materna noch Auszubildende. Dies gilt insbesondere für die Ausbildungsberufe Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung, Fachinformatiker für Systemintegration sowie Kaufleute für Büromanagement.

    „Wir haben unser Auswahlverfahren für das Ausbildungsjahr zum 1. August 2020 noch nicht abgeschlossen und freuen uns weiterhin über Bewerbungen“, sagt Kerstin Aigner, Ausbildungsleiterin bei Materna. „Als eines der größten IT-Ausbildungsunternehmen in Dortmund beschäftigen wir regelmäßig 70 bis 80 Auszubildende in verschiedenen Ausbildungsberufen. Jedes Jahr stellen wir rund 20 bis 25 neue Auszubildende ein. Im vergangenen Jahr waren es sogar über 30 Nachwuchskräfte“, erläutert Kerstin Aigner. Bewerber sollten Abitur oder Fachabitur mit Vorkenntnissen mitbringen. „Sehr gerne nehmen wir auch Bewerbungen von Studienabbrechern allen Fachrichtungen entgegen. Bewerber sollten großes Interesse an der IT haben und auch gerne im Team arbeiten“, so die Ausbildungsleiterin.

    Die Materna-Gruppe wuchs im Geschäftsjahr 2019 um 229 Mitarbeiter und beschäftigte Ende 2019 insgesamt 2.356 Mitarbeiter, darunter über 140 Studenten, 80 Auszubildende und 80 Trainees.

    Im Fokus der Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung stehen das Erlernen technischer Zusammenhänge und die Software-Programmierung. Zudem sind Kundenorientierung und Teamarbeit gefragt. Die Ausbildung zum Fachinformatiker Systemintegration ist sehr vielfältig. Einsatzmöglichkeiten reichen vom Kunden-Support, über Installation und Konfiguration, Netzwerktechnik, IT-Sicherheit und Qualitätssicherung bis hin zur technischen Beratung und Arbeit in Rechenzentren.

    Auszubildende werden frühzeitig in Projekten eingesetzt, um an den spannenden Entwicklungen der IT-Branche teilhaben zu können. Materna realisiert innovative IT- und Digitalisierungsprojekte für verschiedene Branchen unter anderem im Umfeld Cyber Security, Internet of Things (IoT), Cloud, Künstliche Intelligenz und Data Analytics sowie Automation von IT-Prozessen. Erst vor wenigen Tagen hatte Materna gemeinsam mit der Stadt Dortmund die neue Quarantäne-App GESA für Gesundheitsämter vorgestellt, die beim Gesundheitsamt der Stadt Dortmund die Verwaltung von Quarantäne-Fällen unterstützt.

  2. Freie Wohlfahrtspflege NRW: Corona-Krise trifft Arbeitslose und junge Menschen hart! (PM)

    Freie Wohlfahrtspflege NRW: Corona-Krise trifft Arbeitslose und junge Menschen hart!

    Junge Menschen, die ins Berufsleben starten wollen, und Arbeitslose im Hartz-IV-Bezug gehören schon jetzt zu den großen Verlierern der Corona-Krise. Fördermaßnahmen und Arbeitsmarktinstrumente wurden massiv eingeschränkt oder sogar komplett ausgesetzt. Das sind Erkenntnisse aus dem neuesten Arbeitslosenreport (3/2020) der Freien Wohlfahrtspflege NRW, der die „Arbeitsmarktpolitik in der Corona-Krise“ untersucht. Die Wohlfahrtspflege fordert größere Anstrengungen, um benachteiligte Jugendliche und Arbeitslose mit gravierenden Problemen auch in der Corona-Krise zu unterstützen.

    Besondere Sorge bereitet der Freien Wohlfahrtspflege der Anstieg der Arbeitslosenzahl bei den 15- bis 25-jährigen, die von Januar (55.002) bis August (80.012) um satte 45,5 Prozent gestiegen ist. Hinter diesen Zahlen stehen Schülerinnen und Schüler, deren Vorbereitungen auf den Übergang in das Berufsleben durch den Lockdown und die Corona-Krise erheblich beeinträchtigt wurden. Schulunterricht fiel wochenlang aus, betriebliche Praktika wurden verschoben oder gleich ganz abgesagt. Auch Auszubildende der letzten Jahrgänge wurden nach Abschluss ihrer Ausbildung nicht übernommen. „Wenn diese Entwicklung nicht gestoppt und umgekehrt wird, steuert unsere Gesellschaft auf ein riesiges Problem hin“, warnt der Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege, Dr. Frank Johannes Hensel.

    Besonders problematisch: Gleichzeitig ging auch die Zahl der Fördermaßnahmen der Bundesagentur für Arbeit radikal zurück. Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen, ausbildungsbegleitende Hilfen oder die sogenannte Einstiegsqualifizierung wurden runtergefahren. Im April 2020, also während des Lockdowns, verzeichnet die Statistik nur noch 830 Neuzugänge (gegenüber 1.708 im April 2019) in solche Maßnahmen. „Im August lagen diverse Maßnahmen der Jugendberufshilfe dann immer noch 29 Prozent unter dem Vorjahresstand – hier kann und muss schneller hochgefahren werden“, fordert Hensel.

    Folgen des Lockdown wirken weiter

    Auch erwerbsfähige Leistungsberechtigte im Hartz-IV-System gehören zu den großen Verlierern in der Corona-Krise. Viele sind seit langen Jahren arbeitslos und haben beispielsweise mit einer psychischen Erkrankung, fehlenden Schul- oder Berufsabschlüssen, Wohnungslosigkeit oder hohen Schulden zu kämpfen. Beschäftigung schaffende Maßnahmen, etwa geförderte Arbeitsplätze oder Arbeitsgelegenheiten, stärken ihre soziale Teilhabe, helfen, den Tag zu strukturieren und führen sie allmählich wieder an den Arbeitsalltag heran. In der Corona-Krise können immer weniger Menschen eine solche Maßnahme beginnen. Im April 2020 wurden nur 3.433 Zugänge in Beschäftigung schaffende Maßnahmen verzeichnet, rund 60 Prozent weniger als im April 2019. Und obwohl der Lockdown seit Mai aufgehoben ist, gab es auch im August nur etwa halb so viele Zugänge in Beschäftigung schaffende Maßnahmen wie im Vorjahresmonat.

    „Arbeitsgelegenheiten sind oft eine willkommene Möglichkeit, wieder am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben“, sagt Hensel. Für viele Teilnehmenden solcher Maßnahmen sei die plötzliche Schließung einer Radstation, einer Schulküche oder eines Sozialkaufhauses daher ein großer Schock und ein herber Verlust gewesen. „Von jetzt auf gleich fehlten ihnen persönliche Ansprache von Angesicht zu Angesicht und Kontakte zu Kolleginnen und Kollegen, praxisnahe Förderung und nicht zuletzt Arbeit.“ Dass immer noch vielen Menschen die Rückkehr oder der Neuzugang in eine Maßnahme versperrt sei, obwohl der Lockdown aufgehoben wurde, ist für die Freie Wohlfahrtspflege nicht akzeptabel: „Dass das so ist, ist in vielen Fällen ebenso unverständlich wie ärgerlich“, unterstreicht Hensel.

    Anstieg der allgemeinen Arbeitslosenquote „derzeit noch moderat“

    Man müsse leider feststellen, dass mancherorts die Erreichbarkeit der Mitarbeitenden sowie die Beratungs- und Vermittlungsaktivitäten in den Jobcentern in NRW immer noch zu wünschen übriglasse. „Die Erfahrungen aus dem Lockdown zeigen die Bedeutung persönlicher Beratungskontakte und die Grenzen telefonischer Gesprächsformate“, sagt Hensel. Es sei an der Zeit, trotz der Einschränkungen durch den Gesundheitsschutz wieder mehr Fördermaßnahmen zu ermöglichen und Arbeitssuchende aktiv zu unterstützen.

    Den Anstieg der allgemeinen Arbeitslosenquote in NRW bewertet die Freie Wohlfahrtspflege angesichts der Dramatik der weltweiten Krise als „derzeit noch moderat“. In NRW lag die Arbeitslosenquote im August 2020 bei 8,2 Prozent gegenüber 6,7 Prozent im Vorjahresmonat. Dennoch: „Jetzt müssen etliche Menschen mit schmerzhaften Einkommenseinbußen klarkommen, sei es aufgrund von Arbeitslosigkeit, sei es aufgrund von Kurzarbeit. Und niemand weiß, wie die Entwicklung weitergeht. Unsere gesellschaftlichen Solidaritätspotentiale waren und sind also gefordert – während des Lockdowns ebenso wie jetzt.“

    Hintergrund: Die Wohlfahrtsverbände in NRW veröffentlichen mehrmals jährlich den „Arbeitslosenreport NRW“. Basis sind Daten der offiziellen Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Hinzu kommen Kennzahlen zu Unterbeschäftigung, Langzeitarbeitslosigkeit und zur Zahl der Personen in Bedarfsgemeinschaften, um längerfristige Entwicklungen sichtbar zu machen. Der Arbeitslosenreport NRW sowie übersichtliche Datenblätter mit regionalen Zahlen können im Internet unter http://www.arbeitslosenreport-nrw.de heruntergeladen werden. Der Arbeitslosenreport NRW ist ein Kooperationsprojekt der Freien Wohlfahrtspflege NRW mit dem Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen.

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